Félicie Affolter

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Félicie Affolter (*1926)[1] ist eine Schweizer Psychologin und Psychotherapeutin.

Leben[Bearbeiten]

Félicie Affolter studierte nach ihrer Ausbildung zur Logopädin und Gehörlosenlehrerin Psychologie, unter anderem bei Jean Piaget. Sie arbeitete nach ihrer Promotion an der Sprachheilschule in St. Gallen. 1976 gründete sie dort eine Stiftung zur Erforschung und Behandlung von Wahrnehmungsstörungen (etwa mit Autismus), zusammen mit einer Förderschule.

2008 hat ihr das Center for Cognitive Sciences der University of Minnesota als Anerkennung ihres Lebenswerkes den «Distinguished Leadership Award for Internationals» verliehen.

Affolter-Modell[Bearbeiten]

Während ihrer jahrelangen klinischen Arbeit mit wahrnehmungsgestörten Kindern und Erwachsenen entwickelte sie ein eigenes Therapiekonzept, das Affolter-Modell, auch „Geführte Interaktionstherapie“ genannt. Handlungsabläufe, die von Patienten mit Wahrnehmungsproblemen nicht ausführbar sind, werden dabei gemeinsam mit dem Therapeuten ausgeführt. Ihre Grundidee war: Der Tastsinn vermittelt dem Kleinkind die ersten Erfahrungen der Welt; ist dieser mangelhaft entwickelt, bilden sich weitere Störungen der Wahrnehmung und des Spracherwerbs; eine Therapie derselben muss wieder beim Tastsinn ansetzen.

Diese Therapie ermöglicht es den Patienten, praktisch und alltagsbezogen zu lernen. Bei gestörter Wahrnehmung kann man durch gezieltes Führen an Händen und Körper während alltäglicher Geschehnisse zur Verbesserung der gespürten Informationssuche beitragen. Führen bedeutet, dass eine andere Person mit dem Körper des Patienten Handlungen so ausführt, dass gemeinsam Beziehungen zwischen Patient und Umwelt hergestellt werden. Durch diese geführten Interaktionserfahrungen werden motorische, kognitive und emotionale Leistungen gefördert.

Das Arbeiten nach Affolter gehört mittlerweile zu den wichtigsten therapeutischen Ansätzen in der Arbeit mit schwer wahrnehmungsgestörten Patienten.

Für die Behandlung demenziell erkrankter Menschen hat die Ergotherapeutin Gudrun Schaade das Affolter-Modell an die Bedürfnisse der Betroffenen angepasst und in das von ihr entwickelte Förderkonzept integriert.[2]

Werke[Bearbeiten]

  • Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sprache. Neckar, Villingen-Schwenningen 1987; 10. A. ebd. 2007, ISBN 3-7883-0255-0
  • Wenn die Organisation des zentralen Nervensystems zerfällt – und es an gespürter Information mangelt (mit Walter Bischofberger). Neckar, Villingen-Schwenningen 1993, ISBN 3-7883-0275-5
  • Nichtsprachliches Lösen von Problemen in Alltagssituationen bei normalen Kindern und Kindern mit Sprachstörungen (mit Walter Bischofberger). Neckar, Villingen-Schwenningen 2007, ISBN 978-3-7883-0293-1

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Ackermann: Das Konzept von Félicie Affolter und seine Bedeutung für die Geistigbehindertenpädagogik. Edition SZH, Luzern 2001, ISBN 3-908262-03-8
  • Adrian Hofer, Walter Ehwald: Das Affolter-Modell. Entwicklungsmodell und gespürte Interaktionstherapie. Pflaum, München 2009, ISBN 978-3-7905-0977-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemäss S. 25 in: Blütenweiss bis rabenschwarz : St. Galler Frauen - 200 Porträts / Herausgeberinnen: Herausgegeben von Marina Widmer und Heidi Witzig. Zürich 2003. ISBN 9783857914447
  2. Gudrun Schaade (2008): Ergotherapie bei Demenzerkrankungen, Ein Förderprogramm, 4. Auflage, Berlin u. a.: Springer, S. 46f.