Félix Gaillard

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Félix Gaillard, vollständig Félix Gaillard d'Aimée (* 5. November 1919 in Paris; † 10. Juli 1970) war 1957/1958 französischer Premierminister.

Politiker[Bearbeiten]

Gaillard war Finanzinspektor als er sich während des Zweiten Weltkriegs der Résistance anschloss.

1946 wurde er Abgeordneter der Parti radical für das Département Charente in der Nationalversammlung, den Sitz behielt er bis an sein Lebensende. 1949 war er Mitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarates an. Daneben war er seit 1944 auch für Jean Monnet tätig und arbeitete mehrere Jahre als dessen Kabinettschef.

Er gehörte seit 1947 mehreren Regierungen der IV. Republik als Staatssekretär für Finanz- und Wirtschaftsfragen an. Seit den frühen 1950er Jahren setze er sich für die Nutzung der Atomenergie ein.

Im Juni 1957 wurde er Finanz- und Wirtschaftsminister unter Maurice Bourgès-Maunoury, dieser trat aber bereits nach 100 Tagen wieder zurück.

Premierminister[Bearbeiten]

Vom 6. November 1957 bis zum 15. April 1958 stand er selbst als bislang jüngster Premierminister an der Spitze einer der kurzlebigen französischen Regierungen der IV. Republik. Die schwierige Regierungsbildung hatte 35 Tage gedauert.

Seine Amtszeit wurde wie die seiner Vorgänger und Nachfolger vom Algerienkrieg überschattet. Der Luftangriff auf das tunesische Dorf Sakiet Sidi Youssef am 8. Februar 1958 erregte international großes Aufsehen. Nach diesem Vorfall sah er sich gezwungen eine Vermittlung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens im Algerienkrieg zu akzeptieren. Ein solches Dreiertreffen fand kurz darauf in Gaillards Privathaus in Barbezieux statt.

Beides kostete ihn die Unterstützung einiger Abgeordneter und der Öffentlichkeit, so dass er am 15. April 1958 zurücktrat. Als am 13. Mai 1958 sein Nachfolger Pierre Pflimlin vom Parlament bestätigt werden sollte hatte gerade der Putsch in Algier stattgefunden. Als noch amtierender Regierungschef beauftragte Gaillard den General Raoul Salan die Ordnung wiederherzustellen. In der Folgezeit sprach er sich für die Rückkehr Charles de Gaulles an die Macht aus.

Letzte Jahre[Bearbeiten]

1958 bis 1961 war er Parteivorsitzender der Radikalsozialisten.

Im Juli 1970 verunglückte er mit seinem Boot auf dem Ärmelkanal in der Nähe von Jersey. Er wurde in Lachaise im Département Charente beerdigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • François Le Douarec: Félix Gaillard, 1919–1970: Un destin inachevé. Economia 1991, ISBN 2-7178-2093-0 (französisch)
  • Félix Gaillard, in: Internationales Biographisches Archiv 43/1970 vom 12. Oktober 1970, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Vorgänger Amt Nachfolger
Maurice Bourgès-Maunoury Ministerpräsident der Vierten Republik
5. November 1957 – 15. April 1958
Pierre Pflimlin
Paul Ramadier Finanzminister von Frankreich
13. Juni 1957 – 6. November 1957
Pierre Pflimlin