Föderaltheologie

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Die Föderaltheologie (lat. foedus, „Bund“; daher auch: Bundestheologie) ist eine theologische Richtung im Protestantismus, vor allem des 17. und 18. Jahrhunderts.

Überblick[Bearbeiten]

Der Bundesbegriff in der Theologie der Reformation geht wohl auf die Täufer zurück, wurde von Ulrich Zwingli aufgegriffen und von Heinrich Bullinger zu einem geschlossenen Entwurf ausgearbeitet. Der Grundgedanke hierbei ist, dass der alte Bund (berîth) des Alten Testaments, den Gott schon mit Adam und Noah, dann der Vätergott mit Abraham schloss und JHWH mit Mose erneuerte, im Neuen Testament seine Fortsetzung finde.

Die so geschaffene heilsgeschichtliche Kontinuität stellt nach der Auffassung ihrer Vertreter aber gleichzeitig eine Entwicklung dar. Johannes Coccejus nennt beispielsweise, partiell an Johannes Calvin anschließend, fünf Etappen, in denen sich so von der Schöpfung bis zu Christus das Heil Gottes vollziehe. Dabei sind innerhalb des Christentums der Sündenfall und das Ende des mosaischen Gesetzesglaubens, dann der Tod und die Auferstehung Jesu Christi als Schnittstellen weniger umstritten. Der Sinn einer exponiert wie getrennt verhandelten Aufeinanderfolge, wie sie die Föderaltheologie bietet, wurde hingegen häufiger hinterfragt. In ein rätselhaftes Dunkel verlegt erschien nun aber vielen Betrachtern die in der Reihenfolge des heilsgeschichtlichen Vollzugs zweite Etappe, die einer innertrinitarischen Spannung.

Neben dieser Frage ist immer wieder auch die Problematik einer zu anthropozentrisch konstruierten Heilsgeschichte betont worden. Dahingegen wird die Adaption der alttestamentlichen Bundestheologie innerhalb eines heilsgeschichtlichen Gesamtentwurfs eher gewürdigt – mancherorts wurde bei Coccejus daher sogar die erste „evangelische Eschatologie seit der Reformationszeit“ (Paul Jacob) gesehen.

Auch die Befreiung von der Gefahr des Determinismus (auch wenn das Spannungsverhältnis von Gnade und Prädestination erhalten bleibt) wie der Versuch einer Auflösung des Konfliktes zwischen Erwählung und Heil werden hervorgehoben.

Innerhalb des Protestantismus diente das Konzept der Föderaltheologie zur Abgrenzung gegenüber dem radikalen Flügel des Calvinismus, ist aber auch als ein Versuch des Ausgleichs zwischen Lutherischer Orthodoxie und Pietismus zu bewerten, deren Vertreter aber dann in der Regel zur Seite der Erweckung neigten: neben den oben genannten vor allem Campegius Vitringa, Friedrich Adolf Lampe, Johann Heinrich Heidegger, Johann Gerhard Hasenkamp, Gottfried Menken, Christian Krafft, Samuel Collenbusch und andere.

Eine besondere Rolle spielte der Bundesgedanke im Puritanismus (Kongregationalismus). Gott schließt mit den von ihm erwählten Menschen einen Bund (covenant) und führt sie zu einer Gemeinde (congregation) zusammen.[1] Laien und Geistliche sind einander gleichgestellt. Die erwachsenen männlichen Gemeindeglieder wählen Pfarrer, Lehrer und Kirchenälteste, die gemeinsam die Gemeinde leiten und ihr gegenüber verantwortlich sind. In der Plymouth Colony (1620), Massachusetts Bay Colony (1628), Rhode Island (Roger Williams; 1636), Connecticut (Thomas Hooker; 1636) und anderen englischen Kolonien in Nordamerika wurde diese "kirchengemeindliche Demokratie" (congregational democracy) auch auf die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Gemeinwesen angewendet.[2] Beispielsweise wurde der Mayflower-Vertrag, die Verfassungsgrundlage der Plymouth Colony, nach dem Vorbild der Verträge geschlossen, die die Puritaner für die Gründung neuer Kirchengemeinden verwendeten.[3] Damit war der Grundstein für das Entstehen der amerikanischen Demokratie gelegt. Die Pilgerväter waren überzeugt, dass diese Regierungsform dem Willen Gottes entsprach.[4][5]

Kritik[Bearbeiten]

Im Urteil des Dispensationalisten Charles C. Ryrie vom Dallas Theological Seminary ist die Bundestheologie ein Produkt der nachreformatorischen Zeit unter dem Einfluss der Reformatoren, der Lehren von Johannes Coccejus und des Westminster-Bekenntnisses.[6]

John F. Walvoord, langjähriger Präsident des Dallas Theological Seminary, kritisiert am Konzept der Bundestheologie, dass sie die mannigfaltigen Facetten der Zielsetzungen Gottes einzig durch das Objektiv der Erfüllung des Bundes der Gnade sehe. Vom logischen Standpunkt aus sei dies ein reduktionistischer Irrtum, weil ein einzelner Aspekt als determinierendes Element eingesetzt werde.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States. Prentice-Hall, Englewood Cliffs, N.J., 1960, S. 15-16
  2. Vgl. Robert Middlekauff: The Glorious Cause: The American Revolution, 1763-1789. Revised and Expanded Edition. Oxford University Press, 2005. ISBN 978-0-19-516247-9, S. 50-52
  3. Allen Weinstein, David Rubel: The Story of America: Freedom and Crisis from Settlement to Superpower. DK Publishing, New York, N.Y., 2002. ISBN 0-7894-8903-1, S. 61
  4. Clifton E. Olmstead: History of Religion in the United States, S. 15-16, 64 ff
  5. M. Schmidt: Pilgerväter. In Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band V, Tübingen 1961, Spalte 384
  6. Charles C. Ryrie: Dispensationalism. Moody Publishers, Chicago 2007, ISBN 0-8024-2189-X, S. 218.
  7. John F. Walvoord: The Millennial Kingdom. Dunham, Findlay OH 1959, S. 92, Zitiert in: Charles C. Ryrie: Dispensationalism. Moody Publishers, Chicago 2007, ISBN 0-8024-2189-X, S. 106f.