Faktorring
In der Algebra bezeichnet man eine bestimmte Art von Ringen als Faktorring oder Quotientenring oder Restklassenring. Es handelt sich dabei um eine Verallgemeinerung der Restklassenringe ganzer Zahlen.
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Definition [Bearbeiten]
Ist
ein Ring und
ein (beidseitiges) Ideal von
, dann bildet die Menge
der Äquivalenzklassen modulo
mit folgenden Verknüpfungen einen Ring:
Diesen Ring nennt man den Faktorring
modulo
oder Restklassenring oder Quotientenring. (Er hat jedoch nichts mit den Begriffen Quotientenkörper bzw. Totalquotientenring zu tun; diese sind Lokalisierungen.)
Beispiele [Bearbeiten]
- Die Menge
aller ganzzahligen Vielfachen von
ist ein Ideal in
, und der Faktorring
ist der Restklassenring modulo
.
- Ist
ein Polynom über einem Integritätsring
, dann ist die Menge
aller Polynom-Vielfachen von
ein Ideal im Polynomring
, und
ist der Faktorring
modulo
.
- Betrachten wir das Polynom
über dem Körper
der reellen Zahlen, so ist der Faktorring
isomorph zum Körper der komplexen Zahlen; die Äquivalenzklasse von
entspricht dabei der imaginären Einheit
.
- Rechenbeispiele:
- Das Polynom
liegt wegen
in derselben Äquivalenzklasse modulo
wie
. - Für das Produkt
ermitteln wir ![[X+1]\cdot[X+2] = [(X+1)\cdot(X+2)] = [X^2+3X+2] = [3X+1]](//upload.wikimedia.org/math/2/b/9/2b9161f83f09bcb774d186408db393fe.png)
- Man erhält alle endlichen Körper als Faktorringe der Polynomringe über den Restklassenkörpern
.
Eigenschaften [Bearbeiten]
- Ist R ein kommutativer Ring mit Einselement, so ist ein Ideal I genau dann ein Primideal, wenn
ein Integritätsring ist. - Ist R ein kommutativer Ring mit Einselement, so ist ein Ideal I genau dann ein maximales Ideal, wenn
ein Körper ist. - Ist K ein Körper und f ein irreduzibles Polynom über K, dann ist
ein maximales Ideal in
und deshalb ist
ein Körper. Dieser Körper ist ein Oberkörper von K, in dem f eine Nullstelle hat (die Restklasse von X). Die Körpererweiterung
ist endlich und algebraisch, ihr Grad stimmt mit dem Grad von f überein.
Wiederholt man das Verfahren mit den über L irreduziblen Teilern von f, so erhält man schließlich einen Körper, in dem f in Linearfaktoren zerfällt: Den Zerfällungskörper von f.
Idealtheorie [Bearbeiten]
Sei
ein kommutativer Ring mit 1 und
ein Ideal. Dann sind
- die Ideale des Rings
genau die Ideale
von
, die
enthalten (also
) - die Primideale des Rings
genau die Primideale von
, die
enthalten - die Maximalideale des Rings
genau die Maximalideale von
, die
enthalten
Bemerkung [Bearbeiten]
Der Begriff ist zu unterscheiden vom faktoriellen Ring, in dem die eindeutige Primfaktorzerlegung existiert.
Literatur [Bearbeiten]
- Kurt Meyberg, Algebra I, Carl Hanser Verlag (1980), ISBN 3-446-13079-9, Kapitel 3: "Ringe"


aller ganzzahligen Vielfachen von
ist ein Ideal in
, und der Faktorring
ist der
ein
aller Polynom-Vielfachen von
ein Ideal im
, und
ist der Faktorring
über dem Körper
der
isomorph zum Körper der
entspricht dabei der imaginären Einheit
.
liegt wegen
in derselben Äquivalenzklasse modulo
.
ermitteln wir ![[X+1]\cdot[X+2] = [(X+1)\cdot(X+2)] = [X^2+3X+2] = [3X+1]](http://upload.wikimedia.org/math/2/b/9/2b9161f83f09bcb774d186408db393fe.png)
.
ein
ein maximales Ideal in
und deshalb ist
ein Körper. Dieser Körper ist ein Oberkörper von K, in dem f eine Nullstelle hat (die Restklasse von X). Die
ist endlich und
von
enthalten (also
)