Feenkreis

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Feenkreise im Marienflusstal in Namibia, im Hintergrund die Hartmannberge
Feenkreise im Marienflusstal in Namibia
Einzelner Feenkreis im Marienflusstal in Namibia

Der Feenkreis (engl. fairy circle) ist ein Phänomen, das vor allem in trockenen Graslandschaften im südlichen Afrika, beispielsweise in Namibia, beobachtet werden konnte. Dabei handelt es sich um vegetationslose grob kreisförmige Kahlstellen inmitten von Grasflächen, die von einem Ring kräftiger gewachsenen Grases umgeben sind. Die Entstehung dieser Kreise wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht.

Entstehungshypothesen[Bearbeiten]

Tierische Aktivitäten (Termiten)[Bearbeiten]

Alle Feenkreise enthalten unterirdische Termitengänge. Radaruntersuchungen legten nahe, dass sich unter den Kreisen Schichten feuchteren Bodens befinden.[1]

Am 29. März 2013 veröffentlichte das Magazin Science zusammen mit der Gondwana Collection in Namibia eine wissenschaftlich von vielen Seiten her belegte Entstehungsursache. Demzufolge befreit die 'Sandtermite' Psammotermes allocerus den Sandboden von einjährigen Gräsern, damit das versickernde Regenwasser nicht von den Gräsern aufgenommen und über die Blätter verdunstet wird, sondern in den tieferen Bodenschichten verbleibt. In Gebieten mit durchschnittlich 100 mm Regen im Jahr befinden sich im Sandboden unter den Kreisen stets mehr als 5 Volumenprozent Wasser - selbst nach jahrelanger Trockenheit. Diese Werte erhielt der Biologe Norbert Jürgens im Rahmen einer Langzeitstudie in Feenkreisen auf dem Gelände der Namib Desert Lodge südlich von Solitaire. Der Wasserspeicher sorgt in den Gängen der Termiten für eine relative Luftfeuchtigkeit von 98 %, die das Insekt zum Überleben benötigt. [2][3] Jürgens untersuchte nicht nur die vegetationslosen Zonen, sondern auch die Grasgürtel am Rande der Feenkreise, die er wegen ihres üppigeren Wuchses „Luxusgürtel“ nannte.

Neben der Sandtermite Psammotermes allocerus werden auch noch andere Insekten, namentlich Termiten- und Ameisenarten für die Entstehung der Feenkreise verantwortlich gemacht. Ein ähnliches Phänomen gibt es in den Prärien Nordamerikas. In Idaho wurden allerdings Ameisen als Verursacher ausfindig gemacht.

Eine Hypothese ist, dass das kahle Innere der Kreise auf die Tätigkeit der Erntetermiten Hodotermes mossambicus zurückgehe, die im Umfeld ihres Nests das Gras abfressen. Der Durchmesser der Feenkreise schwankt von einigen Dezimetern bis zu einer Größe von 12 Metern.[4]

Auch die Termiten der Art Baucaliotermes hainsei stehen im Verdacht, die Kreise zu verursachen.

Die Untersuchung des Phänomens wird durch die verborgene Lebensweise der Termiten erschwert, deren Bau mehrere Meter unter der Erdoberfläche liegen kann. Zur Grasernte begeben sich die Erntetermiten nur nächtlich aus ihrem Bau oder wenn akuter Nahrungsmangel die Insekten zwingt, ihr Nest zu verlassen. Dabei werden sie oft Beute des Erdwolfs (Proteles cristatus), einer auf Termiten spezialisierten Hyänenart, und anderer Fressfeinde, wie dem Wüstengoldmull.

Geologische Gegebenheiten[Bearbeiten]

Jüngere Untersuchungen in Afrika ließen jedoch auch eine chemische Entstehungshypothese zu. Wissenschaftler des Fachbereichs Botanik der Universität Pretoria, Südafrika, haben in ausgewählten Feenkreisen die Gaszusammensetzung des Bodens mit analytischen Methoden untersucht. Demnach schienen Gase und Flüssigkeiten geologischen Ursprungs bei der Entstehung der Feenkreise eine Rolle zu spielen. Mit einem tragbaren Gasanalysator wurde mehrfach der Gehalt an Kohlenmonoxid (CO), Kohlendioxid (CO2), Sauerstoff (O2), Schwefelwasserstoff (H2S) sowie Stickstoffdioxid (NO2) bestimmt. CO lässt Rückschlüsse auf das Vorhandensein von Erdgas zu. Erdgas erweist sich zwar nicht als Pflanzengift, jedoch als ein wichtiger Stressfaktor für die Vegetation: Kohlenwasserstoffe steigern die Tätigkeit von oxidierenden wie auch beispielsweise Schwefel reduzierenden Bakterien, welche den Sauerstoffgehalt im Boden reduzieren. Dies beeinflusst den pH-Wert des Bodens und damit die Verfügbarkeit von Mineralstoffen, die für das Pflanzenwachstum notwendig sind.[5]

Selbstorganisation[Bearbeiten]

Die über große Distanzen auffällig homogene Verteilung der Kreise spricht nach Ansicht von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung für eine natürliche Selbstorganisation. Das großflächige Verteilungsmuster soll über eine Computersimulation repliziert worden sein. Dem Effekt liege demnach eine Konkurrenz um Ressourcen zu Grunde. So zeige sich in den Bereichen mit besserer Wasserversorgung eine deutlich verringerte Verteilungsdichte.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Namibia - Das Geheimnis der Feenkreise. Dokumentarfilm, Österreich, 2011, 44:50 Min., Buch und Regie: Barbara Fally-Puskás, Produktion: Magic Touch Films, ORF, Reihe: Universum (Fernsehserie), Erstsendung: 22. September 2011 bei ORF2, Inhaltsangabe von arte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feenkreise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Feenkreis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wanja Njuguna: Fairy rings – enigmatic features of Namibia (English). In: The Namibian, 27 November 2012. Archiviert vom Original am 21. Februar 2013. 
  2. Geheimnis der Feenkreise gelüftet. In: Gondwana Collection, 29. März 2013, abgerufen am 30. März 2013
  3. Norbert Jürgens: The Biological Underpinnings of Namib Desert Fairy Circles. In: Science Magazine, 29. März 2013.
  4. Barbara Fally-Puskás: Geheimnis der Feenkreise. arte, abgerufen am 3. Dezember 2013 (Die Sendung zieht die mühevolle Erforschung von Prof. Norbert Jürgens' These nach, dass Sandtermiten und bis zu einem gewissen Grad Ameisen zur Entstehung der Feenkreise führen und wie sie durch den Vegetationsgürtel drumherum dazu beitragen, am Ende der 10-monatigen Trockenzeit das Überleben der Tiere zu ermöglichen.).
  5. Guido Deußing: Thermodesorptions-GC/MS enträtselt Naturphänomen in der Namib-Wüste. In: Laborpraxis, Nr. 7/8, 2011.
  6. Fairy circles apparently not created by termites after all. Phys.org, 20. Mai 2014, abgerufen am 13. Juni 2014.