Feldscher

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Feldscher (Begriffsklärung) aufgeführt.
Deutscher Feldscher im Deutsch-französischen Krieg 1870

Der Feldscher (Mehrzahl Feldschere), auch Feldscherer, war die unterste Stufe des frühmodernen Militärarztes. Als sogenannter Handwerksarzt war er Spezialist für äußere Verletzungen. Die Bezeichnung Feldscher wurde oft fälschlich synonym verwendet mit Medicus. Von diesem ist er aber grundlegend zu unterscheiden, da der Medicus als Absolvent einer Universität einst nur zuständig war für die Innere Medizin und "unsichtbare" Krankheiten, etwa Epidemien. Der Begriff Feldscher entstand im 14. Jahrhundert in der Schweiz und wurde auch für ungelernte Landärzte verwendet.

Historisches[Bearbeiten]

Hauptartikel: Chirurgie

Zur Geschichte der militärischen Heilfürsorge in der Antike, Mittelalter und Frühen Neuzeit siehe Wundarzt und Militärischer Sanitätsdienst. Die Neuzeit betreffend siehe Truppenarzt und Sanitätsoffizier.

Der Feldscher oder Wundarzt ist vom akademisch gebildeten Medicus, der sein Wissen an Universitäten erwarb, zu unterscheiden. Der Feldscher erlangte seine Kenntnisse in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Zahnpflege über die Ausbildung bei halbprofessionellen Laien: dem (Bart-)Scherer, Barbier, Bader, dem Hufschmied und, selten, dem gefürchteten und sozial geächteten Scharfrichter (der seine anatomischen Kenntnisse an der Folterbank erlangte). Ihr Wissen erlangten sie als Lehrlinge und gaben es wiederum an solche weiter.

Erstmals in eine Militärorganisation fest eingebunden waren Feldscherer bei den Landsknechten. Hier versorgte je einer pro Kompanie mit seinen Gehilfen Kranke und Verwundete. Die wesentlichen medizinischen Aufgaben waren Aderlass und Schröpfen, das Ausbrennen von Wunden mit einem Glüheisen, das Herausziehen von Kugeln, das Einrenken von Gliedmaßen und das Amputieren. Der Feldscher erhielt doppelten Sold, dazu von Erkrankten ein Extrageld, wenn die Verletzung bzw. Erkrankung "außerhalb des Dienstes" erworben war.

Noch in einem 1774 erschienenen Lehrbuch für Wundärzte heißt es: „Unsere Wundärzte werden leider größtenteils beim Barbierbecken gebildet. Drei Jahre stehen sie bei den Barbieren und Badern in der Lehre. Nach Verlauf dieser Zeit werden sie Gesellen und haben weiter nichts gelernt, als den Bart putzen, Pflaster streichen und Aderlassen […] Viele können nicht einmal lesen.“

Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurden Regimentsfeldscherer zuvor an chirurgischen Lehranstalten akademisch ausgebildet. Damit verbesserte sich ihr Ansehen erheblich. In den meisten Armeen erhielten sie seit Mitte des 18. Jahrhunderts Offiziersrang, die Begriffe Regimentschirurgus und Regimentsmedicus wurden inzwischen häufig fälschlich synonym verwendet. Ihnen weiterhin untergeben waren die nicht-akademisch gebildeten Kompaniefeldscherer (nun etwa Sergeanten oder Feldwebeln gleichrangig) und deren Gehilfen.

Mit der Vereinheitlichung der medizinischen Ausbildung Mitte des 19. Jahrhunderts endete deren bisherige Zweiteilung. Der moderne, umfassend gebildete Truppenarzt löste den althergebrachten Medicus und Feldscher ab.

In den Massenschlachten des Ersten und im Zweiten Weltkriegs kam es indessen häufig vor, dass auch Sanitätssoldaten oder -Unteroffiziere Amputationen vornehmen mussten, weil das ärztliche Personal mit der Versorgung allein überfordert war. Die unfachmännische Behandlung verursachte eine hohe Sterblichkeitsrate.

Die Bezeichnung Feldscher ist auch heute noch mit einer umgangssprachlichen Bedeutung für Sanitätssoldaten oder -unteroffiziere, zumindest in den deutschen Streitkräften, gebräuchlich. Eine offizielle Bezeichnung für diese Angehörigen der Sanitätsdienste ist er jedoch nicht.

Der Feldscher im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Russland[Bearbeiten]

In der russischen Armee gibt es den Feldscher als unterste Stufe des Militärarztes noch heute.

In der Sowjetunion und im heutigen Russland war und ist der Feldscher auch im zivilen Bereich als medizinische Hilfskraft tätig – vorzugsweise in ländlichen Gebieten. Er hält selbständig Sprechstunden ab und ist damit in etwa dem deutschen Heilpraktiker vergleichbar (hinsichtlich seiner Ausbildung in evidenzbasierter Medizin). Auch in Deutschland gab es bis 1950 medizinisches Personal, das in seiner Ausbildung unterhalb des Arztes angesiedelt war und im Alltag selbständig Behandlungen durchführte: Arzthelfer und Dentisten. Analog dazu gibt es noch heute in den USA nurse practitioners. Das sind besonders ausgebildete Krankenschwestern, die in Ärzte-Gemeinschaftspraxen – vor allem bei Internisten, Frauenärzten und Kinderärzten – eigene Sprechstunden abhalten.

Die Feldscher wurden und werden in Russland in Fachschulen ausgebildet. Ein Haupteinsatzgebiet ist die Medizinische Prophylaxe (Hygiene) und die Medizinische Grundversorgung. Schwerere Fälle überweisen sie an die nächsthöhere Stufe der medizinische Versorgung

Bulgarien[Bearbeiten]

Ganz ähnlich wie in Russland leitet ein Feldscher in Bulgarien eigenständig kleine Landambulatorien in Orten unter 4.000 Einwohner. Ihm/Ihr unterstehen dabei die Krankenschwestern. Die Ausbildungszeit, Ansehen und Bezahlung liegen in etwa zwischen Krankenschwester und Arzt.

DDR[Bearbeiten]

In der DDR wurden noch bis 1989 Arzthelfer für befreundete Entwicklungsländer ausgebildet (afrikanische Staaten, Afghanistan). Da in den Entwicklungsländern ein extremer und akuter Mangel an Ärzten herrscht, konnte so die Deckung einer gewissen medizinischen Grundversorgung sichergestellt werden. Die Ausbildung dieser Halbärzte war wesentlich billiger als die von Ärzten.

Auch in der Nationalen Volksarmee der DDR wurden Feldschere bis 1967 an den Offiziersschulen für Rückwärtige Dienste in Erfurt, ab 1963 in Zittau, drei Jahre ausgebildet (Medizinische Fachschulausbildung). Teile der Ausbildung (Sektion) wurden an der Medizinischen Akademie Erfurt durchgeführt. In jedem Bataillon der NVA gab es bis 1990 einen Sanitätszug dessen Leiter ein Feldscher mit der Planstelle Hauptmann war. Sein medizinisches Fachwissen umfasste die EVH (Erste Vorärztliche Hilfe), die Behandlung des traumatischen Schocks; weiterhin die Ausbildung des unteren Sanitätspersonals und die Erste-Hilfe-Ausbildung der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Er organisierte in den unteren Ebenen der Armee (Zug, Kompanie, Bataillon) den Abtransport der Verwundeten vom Gefechtsfeld.

Nach entsprechenden Lehrgängen für Impfärzte erhielt der Feldscher die Impfberechtigung für Pocken, Typhus, Influenza, Tetanus. Einen Monat im Kalenderjahr arbeitete der Feldscher im Krankenhaus oder im Lazarett zur persönlichen Weiterbildung. Dort wurde er auch als Assistent bei chirurgischen Eingriffen eingesetzt. Es gab Feldschere, die selbständig eine Hautstation leiteten. Ab 1967 wurden die Feldschere nach sowjetischem Muster ausgebildet. Ihre Ausbildungszeit betrug jetzt nur ein Jahr, sie wurden danach zum Fähnrich ernannt. Die Dienstgradgruppe der Fähnriche war denen der Unteroffiziere und Offiziere zwischengeschaltet (Mannschaften, Unteroffiziere, Fähnriche, Offiziere).

Anerkennung[Bearbeiten]

Da der Beruf in Westeuropa heute unbekannt ist, gibt es bei Übersiedlung aus Osteuropa keine der Ausbildung entsprechende Berufsklasse. Ein zukünftige Berufsausbildung fällt dann in eine niedrigere Klasse.

Beispiel Österreich[Bearbeiten]

„Die Inhaber eines bulgarischen Befähigungsnachweises für den Beruf des ‚фелдшер‘ (buchstäblich aus dem Deutschen: ‚Feldscher‘) haben keinen Anspruch darauf, dass ihr beruflicher Befähigungsnachweis in anderen Mitgliedstaaten im Rahmen dieser Richtlinie als der eines Arztes oder einer Krankenschwester bzw. eines Krankenpfleger für allgemeine Pflege anerkannt wird. ‚фелдшер‘ (‚Feldscher‘) sind daher nicht berechtigt, einen Antrag auf Zulassung in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege (als „Diplomierte/r Gesundheits- und Krankenschwester/-pfleger“) zu stellen; sie können jedoch einen Antrag auf Zulassung zur Berufsausübung in der Pflegehilfe einbringen“[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Consentius (Hrsg.): Meister Johann Dietz. Des Großen Kurfürsten Feldscher und Königlicher Hofbarbier. Nach der alten Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. = Meister Johann Dietz erzählt sein Leben (= Schicksal und Abenteuer. Bd. 11, ZDB-ID 513000-1). Zum ersten Male in Druck gegeben. Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München 1915, Digitalisat auf Commons (DjVu-Format)
  • Simone Trieder: Feldscher, Kratzer, Beutler. Vergangene Arbeitswelten (= Mitteldeutsche Kulturhistorische Hefte 15). Hasenverlag, Halle 2009, ISBN 978-3-939468-20-2.

Einige Quellen zur Geschichte der Feldscherer-Medizin[Bearbeiten]

(im modernen Jargon mit Militärmedizin oder sogar „Wehrmedizin“ bezeichnet)

  • Conrad Brunner: Die Verwundeten in den Kriegen der alten Eidgenossenschaft. Geschichte des Heeressanitätswesens und der Kriegschirurgie in schweizerischen Landen vom Anfang der Eidgenossenschaft bis zum Jahre 1798. 2 Teile. Laupp, Tübingen 1903 (Teil 1 auch in: Beiträge zur klinischen Chirurgie. Bd. 37, 1901, ZDB-ID 125341-4, S. 1–174).
  • Franz Hermann Frölich: Geschichtliches über die Militärmedicin der Deutschen im Alterthum und Mittelalter. In: Deutsches Archiv für Geschichte der Medicin und medicinische Geographie. Bd. 3, 1880, ZDB-ID 527039-x, S. 222–256.
  • Franz Hermann Frölich: Über die Anfänge der Militärmedicin im Mittelalter. In: Deutsches Archiv für Geschichte der Medicin und medicinische Geographie. Bd. 5, 1882, S. 75–80.
  • Nicolai Guleke: Kriegschirurgie und Kriegschirurgen im Wandel der Zeiten. Vortrag, gehalten am 19. Juni 1944 vor den Studierenden der Medizin an der Universität Jena. Fischer, Jena 1945.
  • Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtsheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit. Probleme und Lösungsansätze (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Bd. 51). Königshausen und Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-800-6 (Zugleich: Würzburg, Universität, Dissertation, 1990).
  • Gustav Wolzendorff: Die Feldchirurgie des Felix Würtz. Eine historische Studie. In: Der Militärarzt. Bd. 11, 1877, ISSN 1012-7291, Sp. 49–52, 59–62, 66–68 und 81–84.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Feldscher – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Information betreffend Zulassung zur Berufsausübung in der allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege aus dem Herkunftsstaat Republik Bulgarien. Bundesministerium für Gesundheit der Republik Österreich, 1. November 2010, S. 7, abgerufen am 9. Mai 2011 (PDF, 138 kB).