Fibröse Dysplasie

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Die Fibröse Dysplasie (FD) ist eine angeborene Störung der Ossifikation. Durch die minderwertige Substantia compacta ist der Knochen aufgetrieben, verformt und bruchgefährdet. Andere Bezeichnungen der (polyostotischen) FD sind Morbus Jaffé-Lichtenstein und McCune-Albright-Syndrom (in Verbindung mit Pubertas praecox und Pigmentstörungen).[1][2] Albrights Patient starb 1940 im Alter von 10 Jahren.[3] Vor der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur berichtete Weil am 28. Juli 1922 über ein 9 Jahre altes Mädchen mit vorzeitiger Pubertät, brüchigen Knochen und dermaler Pigmentation.[4]

Natur[Bearbeiten]

A benign condition presumably developmental in nature, characterized by the presence of fibrous connective tissue with a characteristic whorled pattern and containing trabeculae of immature non-lamellar bone.“

Definition der Weltgesundheitsorganisation

Wichtig ist die Unterscheidung von polyostotischen und monostotischen Formen. Der typische Befall mehrerer oder aller Knochen ist eine gravierende und unheilbare „Erkrankung“. Dagegen ist der Einzelbefall meistens ein Zufallsbefund bei Erwachsenen; man kann abwarten oder kürettieren.

Symptome und Begleiterkrankungen[Bearbeiten]

Fibröse Dysplasie des Jochbeines (markiert). Korrespondierende T2-gewichtete Kernspintomographie (links) und CT (rechts) desselben Patienten.

Die FD kann mit Myxomen der Skelettmuskulatur (Mazabraud-Syndrom) oder Funktionsstörungen von Herz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse oder anderen Organen einhergehen.

Durch den verstärkten Knochenumbauprozess ist die FD oft mit einem erhöhten Wert der alkalischen Phosphatase im Blut sowie Hydroxyprolin bzw. Desoxypyridinolin im Urin verbunden. Kontrollen erlauben eine gewisse Verlaufsbeurteilung der FD.

Ursachen[Bearbeiten]

Komplex des Gs-Proteins (2GVD). Der α-Abschnitt, der bei einer FD verändert ist, befindet sich unten rechts.

Die FD wird durch eine nichtvererbbare Mutation des G-Proteins ausgelöst (im α-subunit). Die Mutation befindet sich im Gen GNAS (oder auch Gsα-Gen) des 20. Chromosoms. G-Proteine sind im Zell-Stoffwechsel für die Signalweiterleitung extrem wichtig. Durch die Mutation kommt es zu einer Überaktivierung des Enzyms Adenylylcyclase, das die Katalyse von ATP zu cAMP steuert (das ist dann der eigentliche Signalübertragungsprozess). cAMP regelt z. B. die Herzfrequenz, Relaxation der glatten Muskulatur, die Wirkung von zahlreichen Hormonen und eben auch die Knochenzellen, die für den Aufbau von Knochen verantwortlich sind (Osteoblasten). Der Grund für diese Mutation ist noch unbekannt. Sie kann bereits im Föten-Stadium während der Schwangerschaft auftreten (dann treten die Symptome bereits im Kindes- und Jugendalter auf) oder auch erst später, nach der Geburt. Da die FD sehr stark mit Hormon- und anderen Zellstoffwechselprozessen verbunden ist, kann sie nach der Pubertät aufhören. An den eingetretenen Deformitäten ändert das nichts.

Der Gendefekt betrifft nur Körperzellen, nicht die Keimzellen (das erste nennt man dann somatische Mutation, dagegen bei Keimzellen gametische Mutation). D. h., der Gendefekt kann nicht an die Nachkommen weitergegeben werden. Findet die auslösende Mutation während der frühen embryonalen Entwicklung in der Zellmasse statt, kommt es vermutlich zum McCune-Albright-Syndrom; Mutation zu einem späteren Zeitpunkt der embryonalen Entwicklung löst vermutlich die polyostotische FD aus. Und eine Mutation nach der Geburt (im Kindes- oder gar Erwachsenenalter) wird für die monostoische FD verantwortlich gemacht. Je nachdem, wo die Mutation in der Zellmasse während der embryonalen Entwicklung stattfindet, gibt es später in diesen Körperregionen die Krankheit.

Eine Vererbung der FD ist offenbar möglich.[5]

Diagnose[Bearbeiten]

Die polyostotische FD ist klinisch und röntgenologisch auf den ersten Blick zu erkennen. Die befallenen Knochenbereiche weisen ein charakteristisches, milchglasartiges und unscharf begrenztes Erscheinungsbild im Röntgen oder CT auf. Eine Biopsie ist unnötig und erhöht die Bruchgefahr.

Behandlung[Bearbeiten]

Eine medikamentöse Behandlung der FD kann es naturgemäß nicht geben. Bisphosphonate (Risedronate, Zoledronate) hemmen die Osteoklasten, ändern aber am eigentlichen Problem so wenig wie Operationen. Der Chirurg steht zwischen Resignation und Risiko bei Eingriffen am Achsseklett: Auch „zwingend nötige“ Achskorrekturen und Stabilisierungen mit Marknägeln bergen große Risiken, die den Patienten eher zurückwerfen als voranbringen. Gesunden Knochen zur autologen Transplantation gibt es nicht und würde man nie entnehmen. Der homologe Ersatz mit einem Kortikalisspan aus der Knochenbank ist aussichtslos. Bei Befall des Schädelknochens kann die Schutzfunktion desselben beeinträchtigt sein. Eine neurochirurgische Operation mit Exzision der Läsion im gesunden und anschließender Rekonstruktion mit Kunstmaterialien (Titan oder Kunstmaterial wie PEEK, PMMA) kann entgegen den Eingriffen am Achsskelett ein risikoarmer und erfolgversprechender Therapieansatz sein.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D. J. McCune, H. Bruch: Osteodystrophia fibrosa. Report of a case in which the condition was combined with precocious puberty, pathologic pigmentation of the skin and hyperthyroidism, with a review of the literature. In: American Journal of Diseases in Childhood. 54 (1937), S. 806–848.
  2. F. Albright, A. M. Butler, A. O. Hampton, P. Smith: Syndrome characterized by osteitis fibrosa disseminata, areas of pigmentation and endocrine dysfunction, with precocious puberty in females. In: The New England Journal of Medicine. 216 (1937), S. 727–746.
  3. Obduktionsbericht von H. E. MacMahon: Albrights syndrome – thirty years later. In: Pathology Annual. 1971, ISBN 0-407-95954-8, S. 81–146.
  4. Abstract in Klinische Wochenschrift. 1 (1922), S. 2114–2115.
  5. B. Boscherini, G. Coen, G. Bianchini, G. Gallucci, P. Ballanti, A. M. Pasquino, F. Piccolo, M. L. Manca Bitti, G. L. Spadoni: Albrights hereditary osteodystrophy. In: Acta Paediatrica Scandinavica. 69 (1980), S. 305–309.
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