film-dienst

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film-dienst
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Beschreibung deutsche Filmzeitschrift
Verlag dreipunktdrei mediengesellschaft mbh
Erstausgabe 1947
Erscheinungsweise 14-täglich
Verkaufte Auflage
(Preisliste Nr. 3, gültig ab 1. Januar 2006)
6350 Exemplare
Chefredakteur Horst Peter Koll
Herausgeber Katholische Filmkommission für Deutschland
Weblink film-dienst

Der film-dienst ist eine deutsche Filmzeitschrift. Sie erscheint alle 14 Tage und enthielt bis Frühjahr 2013 ausführliche Rezensionen zu sämtlichen Filmen, die in diesem Zeitraum in deutschen Kinos anlaufen sowie eine umfangreiche Fernsehbeilage. Der film-dienst gilt neben epd Film als eine der beiden führenden religiösen Zeitschriften für Filmkritik in Deutschland.

Die Redaktion setzt sich zusammen aus Chefredakteur Horst Peter Koll, Felicitas Kleiner, Josef Lederle und (bis März 2013)[1] Hans Messias.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Oktober 1947 erschien zum ersten Mal der Filmdienst der Jugend, der von Studenten aus der katholischen Jugendarbeit herausgegeben wurde. 1949 entstand die Katholische Filmkommission für Deutschland, die für die Filmbewertung der Katholischen Kirche zuständig war. Die Kommission übernahm den Filmdienst der Jugend und benannte die Zeitschrift 1949 in film-dienst um. Sie ist damit die älteste Zeitschrift für Filmkritik in Deutschland.

„Die Legitimation der kirchlichen Filmpublizistik nach dem Krieg ergab sich aus den Empfehlungen des Papstes Pius XI., die er in seiner EnzyklikaVigilanti cura[2] 1936 veröffentlicht hatte, die aber wegen der Beschränkungen kirchlicher Filmarbeit in der NS-Zeit nicht durchzusetzen gewesen waren.“

Peter Hasenberg: Katholische Filmarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg[2]

1953 entstand das Katholische Rundfunk-Institut, das sich ab 1973 Katholisches Institut für Medieninformation (KIM) nannte und den film-dienst als Herausgeber übernahm. Von Oktober 2003 bis Mai 2011 erschien der film-dienst in Bonn im Verlag Deutsche Zeitung GmbH, ab Heft 11/2011 in der dreipunktdrei mediengesellschaft mbh, deren Alleingesellschafterin, die Katholische Nachrichten-Agentur ist. Die Kritiken wurden auch jeweils zusammengefasst in Buchform veröffentlicht. Zwischen 1951 und 1965 erschienen sie als Handbuch der katholischen Filmkritik in sieben Bänden im Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf.

Der film-dienst war in den ersten 20 Jahren ein Organ, das sich an den katholischen Gläubigen richtete. Seine Kritiken kamen in den Schaukästen der Pfarreien zum Aushang. Die Kritiken konnten dadurch erheblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Films nehmen. Die Filmindustrie ging dazu über, ihre Kinofilme den Kritikern des film-dienstes vorab zu zeigen. Die politisch eher links orientierte Zeitschrift Filmkritik sah 1962 gar eine „katholische Film-Zensur“ heraufziehen.

Im Laufe der 1960er Jahre kam es aber zu einer zunehmenden Unabhängigkeit der katholischen Filmkritik und damit auch der Zeitschrift film-dienst von der Meinung der Deutschen Bischofskonferenz. Dies zeigte die unterschiedliche Einschätzung des Kinofilms von Ingmar Bergman Das Schweigen von 1963 und der Skandal um die Prämierung des Films Teorema – Geometrie der Liebe von Pier Paolo Pasolini 1968 beim Filmfestival Venedig durch die katholische Jury. Auch fand von 1962 bis 1965 das Zweite Vatikanische Konzil statt.

Das zunehmend unabhängige Urteil des film-dienstes hat sein Ansehen in der Öffentlichkeit eher gesteigert. So kam es 1987 zur Herausgabe der gesammelten film-dienst-Kritiken als Lexikon des internationalen Films durch den Rowohlt Verlag. Dabei wurden auch Einschätzungen aus früheren Jahrzehnten teilweise revidiert oder in neuer Textform dargelegt.

Die katholische Filmarbeit war in wichtigen Gremien der Filmwirtschaft, der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und wichtigen staatlichen Organen, wie der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, der Filmbewertungsstelle der Länder und der Filmkommission beim Bundesinnenministerium, durch ihre Filmfachleute beteiligt. Die Arbeiten sind besonders in der Filmbewertungsstelle Wiesbaden und der Filmförderungsanstalt[2] erfolgt.

Inhalt[Bearbeiten]

Das Magazin versteht sich als Publikation, die das Medium Kinofilm in all seinen Erscheinungsformen beschreiben und kritisch bewerten soll. Das gilt für das Mainstream-Kino, in besonderer Weise aber auch für Filme und Filmkünstler, die ohne finanzstarke Produktions- und Verleihfirmen im sonstigen Medienangebot wenig wahrgenommen werden.

Wie dargestellt, können im Jahre 2007 vereinzelt auch Horrorfilme oder leichte Unterhaltungsfilme wohlwollend besprochen werden. Eine ausgesprochen katholische Interpretation kommt nur in punktuellen Streitfällen (Die letzte Versuchung Christi, 1988, Die Passion Christi, 2004) zum Tragen. In neuen Heften wird der Inhalt und die Bedeutung eines Werkes schlussendlich mit einer Synopse („Kurzkritik“, „Stellungnahme der Katholischen Filmkommission für Deutschland“) in zwei oder drei Sätzen beurteilt. In vielleicht fünf bis zehn Prozent aller Fälle spricht die katholische Filmkritik ein „Sehenswert“ und sehr selten das „Wir raten ab“ aus, in anderem Zusammenhang wird auch von „sehens- und diskussionswerten“ Filmen gesprochen. Nicht in jeder Ausgabe, aber meist, wird ein neu erschienener Film zum „Kinotipp der katholischen Filmkritik“. Besonders lohnende DVDs („außergewöhnliche Fassung“, „überdurchschnittliches Sekundärmaterial“) können seit einigen Jahren das Gütesiegel „Silberling“ erhalten.

Über die ausführlichen Rezensionen hinaus gibt es weitere Berichte rund ums Kino: Porträts von Filmemachern und Schauspielern, thematische Analysen, Interviews mit Filmschaffenden, filmgeschichtliche Zusammenfassungen, aktuelle Kurzmeldungen aus der Filmbranche, Blicke auf das Schaffen einzelner Filmnationen sowie auf die großen internationalen Filmfestivals, Besprechungen zu Ausstellungen, neuen Filmbüchern und Filmmusiken. Zusätzlich werden ausgewählte DVD- bzw. Videopremieren vorgestellt.

Mehrmals im Jahr widmen sich besondere Themenhefte unterschiedlichen filmtheoretischen oder cineastischen Schwerpunkten. Aus Anlass des 60. Geburtstags des film-dienstes im Oktober 2007 erschien das Themenheft „LICHT!“. In einem ständigen Focus begleitet der film-dienst das aktuelle Filmgeschehen in der Schweiz.[3] Die ständige Beilage Film im Fernsehen bietet einen Überblick über alle Kinofilme und Dokumentationen, die im Berichtszeitraum im deutschsprachigen Fernsehen ausgestrahlt werden, mit Wiedergabe der Kurzkritik.

Im Jahr 2002 erhielt der film-dienst - ebenso epd Film - den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Filmkritik. Die beiden Publikationen seien für alle unersetzlich geworden, die sich in Deutschland mit Filmen beschäftigen, erklärte der Vorsitzende des Verbands der deutschen Filmkritiker, Rolf-Rüdiger Hamacher. Der Preis wird von der Filmstiftung NRW und vom Verband der deutschen Filmkritik ausgelobt.

Mit der Ausgabe 4-2013 wurde die Zeitschrift auf ein neues Layout umgestellt. Außerdem werden künftig nicht mehr alle, sondern nur noch eine Auswahl an Filmen ausführlich besprochen. Für den Rest verweist die Redaktion auf ihr Onlineangebot. Im Laufe des Jahres wurde die Zahl der ausführlichen Rezensionen weiter verringert, die dafür wachsenden Kurzkritiken wurden in einer neuen Rubrik "Last but not least" zusammengefasst.

film-dienst ist Partner des Kirchlichen Filmfestivals Recklinghausen (s. u.).

Angebote und Medien[Bearbeiten]

Onlineangebot[Bearbeiten]

Im Internet sind Filmkritiken und ausgewählte Texte der aktuellen Ausgaben jeweils auch online zugänglich. Abonnenten des Filmmagazins haben außerdem Zugang zum cinOmat, der umfänglichsten deutschen Filmdatenbank, die Informationen und Wertungen zu mehr als 60.000 Filmen enthält, die seit 1946 in den deutschen Kinos und/oder auf Video bzw. DVD und im Fernsehen veröffentlicht wurden, und beinhaltet als Bonus Zugriff auf die Bestände der Funkkorrespondenz. Die Webseite www.film-dienst.de erreicht 130.000 Besucher (516.000 Seiten und 1.300.000 Hits) pro Monat (Stand Oktober 2005).[4]

Lexikon des Internationalen Films[Bearbeiten]

Zusätzlich zum Filmmagazin erarbeitet der film-dienst das Lexikon des Internationalen Films. Es erschien erstmals 1987 – in Fortführung der bisherigen Einzelbände – als zehnbändige Publikation; deren ergänzte und überarbeitete Neuauflage wurde im Oktober 2001 (Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/Main) publiziert. Im Rahmen der „Jahrbücher Film“ im Schüren Verlag (Marburg) wird das Lexikon jährlich in Buchform ergänzt und erweitert.

„Das Lexikon ist nicht einfach eine Auflistung von Filmen, sondern repräsentiert in gewissem Sinn die Ziele katholischer Filmarbeit. Die Erfassung des gesamten Filmangebots in seiner ganzen Breite spiegelt die Intention, die kulturelle Vielfalt des Films nachdrücklich zu unterstützen. (…) Auch das Anliegen, neben der künstlerischen Form die vermittelten Werte kritisch zu befragen, hat seine Berechtigung, die durch immer wieder neu entfachte Diskussionen über problematische Medienwirkungen unterstrichen wird.“

Peter Hasenberg, Richard W. Orth: Lexikon des Internationalen Films (Bd. 1, Geleitwort der Herausgeber, S. VIII)

Buchreihe Edition FILM-DIENST im Schüren-Verlag[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2000 existiert die vom film-dienst kuratierte Buchreihe Edition FILM-DIENST. Nachdem der erste Band, Krzysztof Kieslowski. Kino der moralischen Unruhe von Margarete Wach (2000), noch im Katholischen Institut für Medieninformation in Köln erschien, werden die Bücher inzwischen im Schüren Verlag, Marburg, verlegt. Bislang sind erschienen: Etwas Besseres als den Tod ... Filmexil in Hollywood von Helmut G. Asper (2002), Brennpunkt Hollywood von Franz Everschor (2003), Farbe im Kino von Susanne Marschall (2005) und Scheherazade im Kino: 1001 Nacht aus Hollywood (2006) von Felicitas Kleiner, Kameraautoren: Technik und Ästhetik (2008) von Thomas Brandlmeier, Worte/Widerworte. Volker Baer: Texte zum Film 1958-2007 (2009) von Ralf Schenk (Hrsg.), Fliegerträume und spanische Erde. Der Spanische Bürgerkrieg im Film (2010) von Wolfgang Martin Hamdorf/Clara López Rubio (Hrsg.) und Formen der Liebe: Die Filme von Rudolf Thome (2010) von Ulrich Kriest (Hrsg.).

CD-Reihe Edition Filmmusik - komponiert in Deutschland[Bearbeiten]

Seit Mai 2007 publiziert der film-dienst gemeinsam mit NORMAL Records die CD-Reihe Edition Filmmusik - Komponiert in Deutschland, die die Vielseitigkeit und die hohe Qualität von deutschen Filmkomponistinnen und -komponisten würdigt. Durch ständige Neuerscheinungen soll ein umfassender Überblick über die aktuelle deutsche Filmmusik gegeben werden, wobei jede CD jeweils eine Komponistin oder einen Komponisten präsentiert und in einem ausführlichen Booklet vorstellt. Bislang erschienen sind CDs zu Annette Focks, Katja Tchemberdji, Martin Todsharow (Doppel-CD), Stefan Will, Christine Aufderhaar, Dieter Schleip (Doppel-CD), Thomas Osterhoff, Angelika Niescier, Natalia Dittrich, Marcel Barsotti, Ralf Wengenmayr, Ali N. Askin, Ulrike Haage, Yati E. Durant, Fabian Römer und Niki Reiser. Vertrieben wird die Edition von Normal Records; unterstützt wird sie durch die DEFA-Stiftung sowie das Internationale FrauenFilmFestival Dortmund/Köln.

Literatur[Bearbeiten]

  • Katholisches Institut für Medieninformation, Zentralstelle Medien der Deutschen Bischofskonferenz, Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.): Dienst am Film. Dienst am Menschen. 40 Jahre film-dienst. 1947–1987. Köln Bonn 1987.
  • Katholisches Institut für Medieninformation, Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.): Jesus in der Hauptrolle. Zur Geschichte und Ästhetik der Jesus-Filme. Mit ausführlicher Filmographie und Bibliographie. Köln 1992.
  • Katholisches Institut für Medieninformation, Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.): 50 Jahre film-dienst. Köln 1997. (Mit Faksimile der ersten Ausgabe Filmdienst der Jugend von Oktober 1947)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachruf zum Filmdienst-Redakteur Hans Messias (film-dienst.de, abgerufen am 26. April 2013)
  2. a b c Papst Pius XI.: Vigilanti cura abgerufen am 11. Oktober 2006
  3. Siehe auch: Katholischer Mediendienst / Reformierte Medien (Hrsg.): Medienheft Schweiz.
  4. Preisliste Nr. 3, gültig ab 1. Januar 2006 (Online-Ressource, abgerufen am 11. Oktober 2006; PDF; 473 kB).

Quellen[Bearbeiten]

  1. Verlag dreipunktdrei mediengesellschaft mbH; Hrsg. Katholische Filmkommission für Deutschland: Film-Dienst: Das Film-Magazin. Bonn seit 2003 ISSN 0720-0781
  2. Wolf Götz: Schneiden für die Kirche, in Filmkritik, 6. Jg., H. 1/1962. S. 1. (zitiert nach einem Artikel von Peter Hasenberg: Katholische Filmarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg)
  3. Thomas Schatten: 50 Jahre film-dienst: Ein Beispiel für das Verhältnis von Kirche und Kultur in der Bundesrepublik. Düsseldorf/Köln 1997, ISBN 3-9805688-0-6

Weblinks[Bearbeiten]