Filmgeschichte

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Die Filmgeschichte zeichnet die Entwicklung des Films nach, der neben der Musik, der Literatur und der bildenden Kunst eine eigenständige Kunstform darstellt. Die Filmgeschichte erstreckt sich von den frühesten technischen Errungenschaften über die ständige stilistische Weiterentwicklung bis hin zum jetzigen Stand des Films. Dabei wird versucht, die komplizierten Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik und Ästhetik aufzulösen.

Vom stehenden zum bewegten Bild[Bearbeiten]

Vorführung mit einer Laterna magica um 1760
Serienfotografie eines galoppierenden Pferdes von Eadweard Muybridge (1872)

Die Geschichte der Bewegtbildmedien mit Bildsequenzen, die die Illusion einer Bewegung hervorrufen, begann mit der Filmtechnik, d.h. mit der Aneinanderreihung fotografischer Bilder.[1] Erste Vorführungen gab es mit der Laterna magica im 17. Jahrhundert. Dieses Gerät konnte eine Reihe von Bildern, die auf eine Glasplatte gemalt waren, ähnlich einem Diaprojektor an die Wand werfen, musste aber manuell bewegt werden. Die Fotografie wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen wurde bereits 1727 entdeckt, doch erst 1826 gelang es Joseph Nicéphore Nièpce, ein Bild auf einer Zinnplatte festzuhalten, was mit einer Belichtungszeit von acht Stunden verbunden war. Nach dem Tode von Niépce wurde die Entwicklung von Louis Daguerre weitergetrieben und führte zu den so genannten Daguerreotypen, Unikaten, die noch nicht vervielfältigt werden konnten.[1] Ein Daguerreotyp ist ein seitenverkehrtes Foto-Positiv auf Metall.

1832 entwickelten der Deutschösterreicher Simon Stampfer und der Belgier Joseph Plateau unabhängig voneinander das Lebensrad, das beim Betrachter den Eindruck bewegter Bilder erzeugte. Es macht sich den stroboskopischen Effekt zunutze: eine Bewegungsillusion entsteht beim Betrachter, sobald Einzelbilder mit Unterbrechung und in ausreichender Geschwindigkeit aufeinanderfolgen.

Der Artillerie-Ingenieur Franz von Uchatius schließlich erfand 1845 eine Kombination beider Geräte, den so genannten „Nebelbildapparat“[2] der jedoch nicht für die Projektion längerer Sequenzen hergestellt werden konnte.

Um 1838 experimentierte der Engländer William Talbot mit Papier als Trägermaterial, das er durch Chlorsilber lichtempfindlich machte. Das nasse Papier musste mehr als zwei Stunden belichtet werden, bevor die Umrisse der Abbildung als Negativ erschienen, d.h. dass helle Stellen im Gegenstand dunkel wiedergegeben wurden und umgekehrt. Das Negativpapier konnte anschließend durch Wachs transparent gemacht werden, so dass nach Durchleuchtung und Schwärzung eines zweiten Chlorsilberpapiers das Positiv erschien. Die Erfindung wurde Photo Drawing oder auch Photo Graphics genannt, woraus der Name Fotografie entstand […]. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zwei wesentliche Bestandteile der modernen Fotografie entwickelt, nämlich das Negativ-Positiv-Verfahren und die Verwendung lichtempfindlicher chemischer Schichten auf Silberbasis.[1]

Der Durchbruch gelang im Jahre 1872 dem Fotografen Eadweard Muybridge, der erstmals Serienfotografien eines galoppierenden Pferdes anfertigte. Später erfand er auch ein Vorführgerät für seine Fotografien, das Zoopraxiskop. Auch Ernst Kohlrausch fotografierte ab 1890 Turnübungen in Reihen mit einem selber gebauten Chronofotografen. Weitere von Muybridge inspirierte Erfindungen sind der Elektrische Schnellseher (Tachyskop) des deutschen Erfinders Ottomar Anschütz (1886/87) sowie die Chronofotografische Flinte des Franzosen Étienne-Jules Marey. Mareys wissenschaftlicher Assistent Georges Emile Joseph Démény meldete 1893 seinen Photochronographe zum Patent an, eine der praktischeren Erfindungen auf dem Gebiet.

Aufgrund von lichtstarken Objektiven und Verbesserung der lichtstarken Schichten, konnte die Belichtungszeit auf 30 Sekunden gesenkt werden. Eine weitere Revolution ergab sich 1888 als man Nitrozellulose verfügbar für flexible Schichtträger machte. Damit wurde die Fotografie massentauglich und George Eastman begann den Verkauf seiner Kodak-Box. Man konnte 15 Bilder pro Sekunde abspielen, womit ein neues Medium geboren wurde: Die Kinematographie oder Bewegungsaufzeichnung. Die Entwicklung eines Apparates, der abspielen konnte, gelang Thomas Alva Edison und seinem Entwicklerteam. So stellte Edison nach dem Aufzeichnungsgerät Kinetograph von 1891, einen Prototyp eines Projektionsgerätes vor. Das Kinetoskop wurde dann 1893 auf der Weltausstellung in Chicago, der World’s Columbian Exposition, vorgeführt. Auch eine Patentanmeldung folgte. Der Filmtransport wurde dabei mit Hilfe einer Perforation im Film ermöglicht, die mit vier Löchern pro Bild definiert war.[3]

Der Franzose Louis Le Prince entwickelte in Leeds, England, als erster eine Filmkamera mit nur einem Objektiv. 1888 drehte er damit die ersten bewegten Bilder, die man aus heutiger Sicht als Film bezeichnen kann (Roundhay Garden Scene, Traffic Crossing Leeds Bridge).

Die Stummfilmzeit (1895 bis 1927)[Bearbeiten]

Das Berliner Varieté Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die Skladanowsky-Brüder dort 1895 zum ersten Mal einen Film vor Publikum vorführten
Kameramänner vor dem Berliner Stadtschloss, 1907
Hauptartikel: Stummfilm

Kommerziell wurde erstmals ein Film, als Vorführung von 15-minütiger Dauer, im Rahmen eines Varieteeprogramms im Berliner Wintergarten vor Publikum aufgeführt. Die Brüder Skladanowsky stellten hier am 1. November 1895, ihr Bioskop mit mehreren kurzen Filmabschnitten vor.

Die ersten hergestellten, zumeist nur sekundenlangen Filmshots des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wurden publikumswirksam, beispielsweise wie in Deutschland in Varieté-Theatern vorgeführt – waren jedoch anfänglich in erster Linie der Mittelschicht vorbehalten. Oft war das gezeigte, eine schlichte Ablichtung von wiederkehrenden Geschehnissen aus dem Alltag dieser Zeit. Es gab aber auch schon erste Humor-Sequenzen, Vorläufer der später beliebten Slapstick-Szenen. Das Interesse an einer inszenierten bzw. dramaturgisch gestalteten Handlung, wie beispielsweise im Theaterstück, kam erst langsam auf, denn die Faszination machte vor allem zunächst die vorgeführte technische Möglichkeit zur Herstellung der bewegten Bilder aus.

Laut Ulrich Schmidt[4] gilt die Filmvorführung der Brüder Lumière am 28. Dezember 1895 in Paris als Geburtsstunde des Mediums Film, obwohl in den USA bereits über 2 Jahre früher, am 9. Mai 1893 eine Filmpräsentation mit den vom Edison-Team erfundenen Apparaten, Kinetoskop und -graph vor Publikum[5] stattfand. Auch die Berliner Varieteeaufführung der Skladanowsky´s ereignete sich noch etwa 8 Wochen früher.

Die Lumière´s erfanden Filmtechnik, u. a. die Kamera Domitor, eine Maschine zur Perforation des Filmmaterials und den 35mm-Cinématographe, der sowohl Aufnahme-, Kopier- als auch Wiedergabegerät war. Mit diesem Apparat erfolgte die angesprochene Präsentation ihres Filmrepertoires am 28. Dezember 1895 in einem Saal (Salon Indién) des „Grand Café“ nahe dem Place de l'Opéra. Da die Brüder als Fabrikanten und Großbürger über das nötige Kapital und Kontakte zur Wirtschaft verfügten, aber auch durch den damals einzigartigen Vorteil, dass der von ihnen entwickelte Cinématographe, die Funktionen von Kamera und Projektor in einem Gerät vereinte, konnte sich ihre Erfindung in den folgenden Jahren behaupten. Als weiterer Vorteil stellte sich die Geschäftspraktik heraus, dass die Apparate der Lumière´s, noch vor 1900 nicht nur verkauft sondern auch an Schausteller verliehen wurden. Sie sahen Vorführungen zuerst als Nebenerwerb an, konnten später aber als Wanderkinobetreiber sogar im Haupterwerb, Filme präsentierten.

Da als erstes französische Filmgesellschaften das wirtschaftliche Potential des bewegten Bilder erkannt hatten, dominierten sie auch bis zum Ersten Weltkrieg den weltweiten Filmmarkt. Großbritannien, Italien, Deutschland, Dänemark und die Vereinigten Staaten konnten erst ab 1914 nennenswerte Marktanteile erobern.

Mit Anstieg des Bekanntheits- und Popularitätsgrades des Films entstanden auch erste ortsfeste Kinos, die nun auf laufend neue Filmaufnahmen angewiesen waren, um Besucher anzulocken. In Deutschland nannte man die ersten Kinos auch Kintopp, in den USA wurden sie häufig als Nickelodeons, „Theater für einen Nickel“ bezeichnet.

Da die Brüder Lumière den Film nur als eine Ergänzung zur Fotografie sahen – sie sprachen von „lebender Fotografie“ –, beschränkten sie sich in ihrer Arbeit auf die Dokumentation realer Ereignisse. Der französische Illusionist und Theaterbesitzer Georges Méliès war jedoch der erste, der das narrative (erzählende) Potential des jungen Mediums erkannte und ausschließlich inszenierte Filme drehte. Für die Umsetzung seiner weitgehend phantastischen Stoffe und Szenen entwickelte Méliès bereits Filmtricks, wie z. B. das Stop-Motion-Verfahren, die noch heute angewandt werden.

Als erster erzählender Film aller Zeiten gilt der australische Film "Soldiers of the cross" der Limelight Department Filmstudios. Er handelt von den teils sehr grausamen Geschichten früher Christen, die für ihren Glauben gekämpft haben und gestorben sind. Die Vorführung lief fast zweieinhalb Stunden und hatte ihre Premiere am 13. September 1901 in der Melbourne Town Hall.

Der Brite Arthur Melbourne-Cooper stellte die ersten erzählenden Filme in England her. George Albert Smith präsentierte 1901 mit The Little Doctor zum ersten Mal die Nahaufnahme einer Katze und legte dadurch einen Grundstein für filmisches Erzählen. Durch den Perspektivenwechsel, durch die Variation der Bildgrößen und folglich durch die Montage, die diese Wechsel in einen Rhythmus bringt, entwickelten sich in den folgenden Jahren die Grundzüge der Filmsprache. Als wegweisend für den erzählenden Film wird der 12-minütige Film Der große Eisenbahnraub (1903) von Edwin S. Porter angesehen. In diesem ersten Western wird ein Eisenbahnüberfall von der Durchführung über die Flucht bis hin zum Showdown geschildert.

Dreharbeiten in den New-Yorker Edison Studios, ca. 1907

Ab 1910 ließen sich in Hollywood verschiedene Filmschaffende nieder, unter ihnen William Fox, Samuel Goldwyn und Adolph Zukor, und legten den Grundstein für die spätere „Traumfabrik“. Grund für die Wahl Kaliforniens war zum einen die große Entfernung von den brancheninternen Revierkämpfen an der Ostküste, zum anderen das sonnige Wetter: Aufgrund des relativ lichtunempfindlichen Filmmaterials und des damaligen Standes in der Lichttechnik war Tageslicht die wichtigste Beleuchtungsquelle beim Dreh. Auch die „Kunst des Erzählens“ wurde in den 1910er Jahren perfektioniert, und zwar auch außerhalb der Vereinigten Staaten. Italienische Monumentalfilme, Cabiria (1914), u. a. setzten Maßstäbe in Sachen Produktionsaufwand. Bekannter und einflussreicher sind jedoch die Filme des Amerikaners D. W. Griffith, aus denen Die Geburt einer Nation (1915) und Intoleranz (1916) als Meilensteine herausragen.

Das Studio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegründet und war damit das erste große Filmstudio der Welt - und ein Vorläufer zu Hollywood. Es produziert noch immer regelmäßig Blockbuster-Filme.
Filmgelände der UFA in Berlin-Tempelhof, 1920

Der Erste Weltkrieg isolierte die Filmwirtschaften der beiden Bündnissysteme voneinander und beanspruchte Rohstoffe, die auch zur Filmherstellung notwendig waren, was für das international orientierte und produktionsstarke Frankreich einen schweren Rückschlag bedeutete. Für andere Länder wiederum, wie etwa Österreich oder Deutschland, bedeutete der Erste Weltkrieg eine Entledigung von der bis dahin so starken ausländischen Konkurrenz. In Deutschland wurden gegen Ende des Ersten Weltkriegs die UFA-Studios gegründet, die ursprünglich als Propagandainstrument geplant waren. Sie entwickelten sich nach dem Krieg zu einer der weltweit wichtigsten Produktionsstätten von Filmen in den 1920er Jahren. Zugleich konnte sich die Filmwirtschaft im von den Kriegsschauplätzen weit entfernten Hollywood immer mehr entfalten, wodurch die US-amerikanische Filmindustrie nach dem Ersten Weltkrieg die Vormachtstellung Frankreichs ablösen konnte. Dies führte Mitte der 1920er Jahre so weit, dass die europäischen Länder Importbeschränkungen erlassen mussten, um die eigene Filmwirtschaft vor der US-amerikanischen Filmflut und somit vor dem Untergang zu retten.

Sehr beliebt beim Publikum waren Slapstick-Komödien, deren bekanntester Vertreter, Charlie Chaplin, ab 1914 mit Kurzfilmen großen Erfolg hatte. Mit The Kid (1921) drehte er seinen ersten abendfüllenden Film. Auch Buster Keaton war ein Star des Slapsticks und wegen seiner sparsamen Mimik bekannt. Sehr erfolgreich war Harold Lloyd, der einen Durchschnittsamerikaner mit Hornbrille und kreisrundem Strohhut als Filmfigur entwickelte und in seinen Filmen oft haarsträubende Stunts an Wolkenkratzern zeigte. Daneben zählte auch Harry Langdon zu den Stars des Stummfilmslapsticks. Ab 1926 arbeitete das Duo Laurel & Hardy zusammen und errang rasch eine große Popularität. Während Charlie Chaplin seine Trampfigur bis weit in die Tonfilmzeit hinein zunächst nicht sprechen ließ (Lichter der Großstadt, 1931 und Moderne Zeiten, 1936) und erst 1940 mit Der große Diktator einen reinen Sprechfilm herausbrachte,[6] war Keaton bereits 1929 in einem Tonfilm zu hören. Seine bis 1933 bei der Metro-Goldwyn-Mayer entstandenen Spielfilme mögen künstlerisch nicht mehr so gehaltvoll gewesen sein wie seine Stummfilme, waren aber finanziell umso erfolgreicher.[7] Auch Harold Lloyd bewies mit Filmen wie Feet First (1930) oder Movie Crazy (1932), dass seine Stimme tonfilmtauglich war.[8] Harry Langdons Stern begann noch während der Stummfilmzeit zu sinken, Laurel & Hardy hingegen steigerten ihre Beliebtheit in der Tonfilmära und blieben bis Anfang der fünfziger Jahre im Filmgeschäft.[9]

In Europa bestand seit den 1910er Jahren ein besonderes Interesse am kunstvollen Film. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt die Avantgarde des Stummfilms. Der deutsche und österreichische Film dieser Zeit entwickelte eine besondere Ästhetik, die sich an der expressionistischen Malerei orientierte. Als erster expressionistischer Film gilt Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) von Robert Wiene. Metropolis von F. Lang (1925/27) am Ausgang dieser Epoche gilt als Klassiker der expressionistischen Filmkunst mit mythischen Zügen eines Monumentalfilms und kühnen Spezialeffekten.

Die russische Avantgarde zählt Künstler wie Sergej Eisenstein in ihren Reihen, der die Montagetechnik maßgeblich beeinflusste. Er entwarf das Konzept der "Montage der Attraktionen". Eine Art der Montage, bei der die einzelnen Einstellungen so aneinandergefügt werden, dass dem Betrachter der Inhalt schockartig vermittelt wird. Sein bekanntester Film, Panzerkreuzer Potemkin (1925), erzählt von einem Aufstand auf dem gleichnamigen Schiff und der Konfrontation der Meuterer mit der russischen Armee in Odessa. Einige Szenen aus diesem Film, darunter die Treppenszene in Odessa, gehören zu den meistzitierten in der Filmgeschichte.

Sprechende Bilder und die klassische Hollywood-Ära (1927 bis 1945)[Bearbeiten]

Orson Welles

Die Ära des Tonfilms wurde 1927 in den USA mit Der Jazzsänger eingeleitet. Seitdem wurde die amerikanische Filmproduktion sehr rasch und konsequent auf Ton umgestellt, und auch die weltweite Filmindustrie zog binnen weniger Jahre mit. Dies hatte zunächst zur Folge, dass die frühen Tonfilme gegenüber den bis dato stilistisch weit entwickelten Stummfilmen an Qualität einbüßten. Während amerikanische Filmexporte früher einfach mit Untertiteln versehen wurden, drehte man viele Filme, so genannte Versionenfilme, gleich in mehrfacher Ausführung – in anderen Sprachen und zwangsläufig auch mit komplett anderer Besetzung. Die Synchronisation war bei den ersten Tonfilmen aus technischen Gründen noch nicht möglich. Den weltweiten Markt für Tonaufnahme und -abspielgeräte teilten sich 1930 die beiden größten derartigen Unternehmen, Western Electric und Küchenmeister-Tobis-Klangfilm-Gruppe, im Pariser Tonfilmfrieden auf.

Der Tonfilm unterstützte in den 1930er Jahren die Ausprägung einiger neuer Genres: Musicals wie Die 42. Straße (1933), Gangsterfilme wie Scarface (1932), Horrorfilme wie Frankenstein (1931) und Screwball-Komödien wie Es geschah in einer Nacht (1934) hielten Einzug in die Kinos.

Ab 1933, verstärkt jedoch ab Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Ausbreitung des Deutschen Reichs auf immer weitere Teile Europas, setzte eine Emigrationswelle von zumeist jüdischen Filmschaffenden aus Europa ein. Waren deren Auswanderungsziele zu Beginn noch häufig europäische Städte mit Filmindustrie wie Wien, Paris oder London, kristallisierte sich bald die aufstrebende Filmindustrie Hollywoods als begehrtestes und vielversprechendstes Ziel der Emigranten heraus – verstärkt durch gezieltes Anwerben europäischer Filmgrößen durch Hollywood-Studiobosse. Insgesamt verlor Europa während des Nationalsozialismus rund 2.000 deutschsprachige, jüdische Filmschaffende an das Ausland, darunter fast die gesamte Elite des deutschsprachigen Filmschaffens. Rund 800 davon gelangten nach Hollywood. Vielen gelang dort eine ruhmvolle Karriere, viele scheiterten jedoch auch an den neuen Verhältnissen.[10]

Um 1939 herum erreichte das klassische Hollywoodkino seinen Zenit. Typisch für die Klassiker jener Zeit war, dass sie zumeist ein fantasievolles Bild von Glück und Hoffnung zeichneten – ein Merkmal dessen ist auch das obligatorische „Happy End“. Als Ablenkung von dem grauen Alltag (die amerikanische Wirtschaft erreichte in den 1930ern einen Tiefpunkt) waren die Hollywood-Filme vielen Menschen willkommen. Daher brachte die so genannte „goldene Ära“ des Kinos eine Vielzahl von Blockbustern hervor, z. B. Vom Winde verweht (1939). Mit Beginn der 1940er Jahre lässt sich in den USA jedoch auch eine Tendenz zum Realismus ausmachen, bestes Beispiel dafür ist Orson Welles' Citizen Kane.

Marlene Dietrich, 1933

In dieser Zeit stärkte das amerikanische Studiosystem seine Macht in der Filmindustrie. Die arbeitsteilige, profitorientierte Produktion, bei der alle Beteiligten unter der Schirmherrschaft des Produzenten standen, engte ambitionierte Regisseure und andere Filmschaffende massiv ein. Stars mit ihren jeweiligen festen Genres, wie John Wayne im Western, Cary Grant in Komödien oder Errol Flynn in Abenteuerfilmen wurden zu Hauptprodukten und Aushängeschildern der Studios – dementsprechend trat die Handlung eines Films oft weit in den Hintergrund. Ein Merkmal jener Zeit sind auch die so genannten Double Features, bei denen nach einem Hauptfilm noch ein B-Film gezeigt wurde – in diesen billig produzierten B-Filmen bestand lange Zeit die einzige Existenzmöglichkeit für individuelle Filmemacher.

Nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der amerikanischen Produktion mit Filmen wie Chaplins Der große Diktator (1940), Hitchcocks Das Rettungsboot (1943) oder Casablanca (1942) auf Propaganda umgestellt, an der sich selbst Walt Disney mit Der Fuehrer’s Face (1943) beteiligte.

In Europa ging der „sprechende Film“ hingegen andere Wege. Deutschland befand sich in den frühen 1930er Jahren in der Zeit der Neuen Sachlichkeit, weshalb der so berühmt gewordene expressionistische Film sein Ende fand. Große Erfolge feierte der Film Der blaue Engel (1930), der Marlene Dietrich zum Star werden ließ. Deutsche Tonfilme enthielten zunehmend sozialkritische Elemente, siehe z. B. M (1931). Als Ursache dafür muss das Aufkommen des Nationalsozialismus gesehen werden.

Frankreich brachte eine Reihe von Filmen wie Hafen im Nebel (1938) und Kinder des Olymp (1945) von Marcel Carné oder Die große Illusion (1937) von Jean Renoir hervor, die man heute dem Poetischen Realismus zuschreibt.

Die Farbe erobert die Leinwand[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte des Farbfilms

Entwicklungen des Nachkriegsfilms (1945 bis etwa 1960)[Bearbeiten]

Während die amerikanische Filmproduktion weitgehend ihren gewohnten Gang lief, stand der europäische Film vor einem Neuanfang.

Die ersten europäischen Nachkriegsfilme entstanden in Italien unter Regisseuren wie Roberto Rossellini, Luchino Visconti oder Federico Fellini; der sogenannte Neorealismus wurde vor allem vom Poetischen Realismus beeinflusst und galt unter anderem als Antwort auf den Faschismus. Eine enge Verbindung bestand auch zu deutschen Trümmerfilmen, wie z. B. in Rosselinis Deutschland im Jahre Null (1948). Die Filme waren aus Gründen des Materialmangels so minimalistisch, dass sie auf sämtliche Effekte verzichteten und oft sogar von Laiendarstellern gespielt wurden. Sie behandelten das Leben der kleinen Bürger in der Nachkriegszeit, wie z. B. Vittorio De Sicas Fahrraddiebe (1948) oder Giuseppe De Santis Bitterer Reis (1949) oder aber die Erfahrungen des Krieges selbst, wie in Rosellinis Rom, offene Stadt (1945).

Der schwedische Film erreicht mit Arne Sucksdorffs Menschen in der Stadt (1948) und vor allem Ingmar Bergmans Das Lächeln einer Sommernacht (1956) internationale Erfolge. In Frankreich werden, neben Werken wie Tatis Schützenfest (1947) von Jacques Tati, hauptsächlich Filme mit alternden Darstellern wie Jean Gabin oder Jean Marais gedreht, die allerdings auf kein großes Interesse stoßen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt auch die große Zeit des asiatischen Kinos, vor allem in Japan und Indien. Yasujiro Ozu und Akira Kurosawa machen das Japanische Kino mit Tokyo Story (1953) und Rashomon (1950) weltweit bekannt und mit Die sieben Samurai (1954) und Satyajit Rays Apu-Trilogie (1950–1959) entstehen weltweit einflussreiche Filme.

Die europäischen Stilrichtungen blieben nicht ohne Auswirkung auf den amerikanischen Film: Das Genre des Film noir, der mit John Hustons Die Spur des Falken (1941) begann, übernahm Elemente des Neorealismus und Expressionismus aus Werken wie Fritz Langs Blinde Wut (1936) und aus den Filmen des poetischen Realismus wie Im Dunkel von Algier (1936). Während der McCarthy-Ära der frühen 1950er Jahre wurden viele Filmschaffende, wie die Hollywood Ten in den USA aufgrund vorgeblich kommunistischer Inhalte in ihren Filmen verfolgt, wodurch die Qualität der allgemeinen Filmproduktion litt. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges entstanden in großer Zahl Sciencefiction-Filme. Sie handelten meist von Invasionen Außerirdischer, z. B. Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951), The Body Snatchers (1956), Formicula (1954) oder die Verfilmung von H. G. Wells Kampf der Welten (1953).

Ein weiterer Einschnitt in die amerikanische und weltweite Filmgeschichte ist die Verbreitung des Fernsehens, das eine ernsthafte Konkurrenz für das Kino darstellte. Als Konsequenz musste sich das Kino weiter entwickeln, um länger das Publikum anziehen zu können. So wurden eine Vielzahl technischer Neuerungen eingeführt, die das Kinoerlebnis attraktiver machen sollten. Die Entwicklung des Breitwandformats mit Verfahren wie Vistavision, Cinemascope oder Cinerama führte zu einer Renaissance der Monumental– bzw. Sandalenfilme, wie Ben Hur (1959), Quo vadis? (1951) oder Die zehn Gebote (1956). Andere technische Neuerungen, wie z. B. 3D-Filme, konnten sich auf Dauer jedoch nicht durchsetzen. All das konnte allerdings nicht verhindern, dass das Kino eine jahrelange Rezession erfahren musste.

Die finanzielle Krise erforderte einen grundlegenden Strukturwandel der Filmindustrie. Wegen Verstoßes gegen den Sherman Anti-Trust Act wurde das monopolistische Agieren der großen Studios Warner Bros., MGM, 20th Century Fox, RKO Pictures und Paramount Pictures unterbunden. Das Verbot des Blocksystems und 1950 das Verbot für die Gesellschaften, selbst Kinoketten zu betreiben, führten letztlich zum Ende des amerikanischen Studiosystems. Immer mehr Filme wurden mit niedrigen Budgets und unabhängig produziert. Die Internationalisierung des Kinos durch Im- und Exporte weltweit schuf ein neues, vielfältigeres Spektrum an Filmen. Neben Filmen in der Tradition des klassischen Hollywood wie Zwölf Uhr mittags (1952), Singin’ in the Rain (1952) oder Manche mögen's heiß (1959), gab es eine neue Orientierung am jugendlichen Publikum. Mit dem Aufkommen der Beat Generation und des Rock ’n’ Roll lockten Helden wie James Dean in … denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) oder Marlon Brando in Endstation Sehnsucht (1951) junge Menschen und boten ihnen ein Identifikationspotenzial. Autokinos waren bei der Jugend, nicht zuletzt wegen der Love Lane, beliebt und erreichten in den 1950er und 1960er Jahren ihre größte Popularität.

Neue Wellen (1960er und 1970er Jahre)[Bearbeiten]

Größte Kinospielfilm– Produktionsländer
des Jahres 1975[11]
Rang Land Anzahl
1. Indien 471
2. Japan 333
3. USA 258
4. Italien 230
5. Frankreich 222
Deutschland 73
Schweiz 15
Österreich 6
Weltproduktion 3.692

Die 1960er Jahre waren die Zeit des Niedergangs des Golden Age of Hollywood. Die Abschaffung des Hays Code markiert das Ende des klassischen Hollywoodkinos, das mit seinen bewährten Rezepten zunehmend in die Krise geriet. Berühmte Regisseure wie Alfred Hitchcock oder John Ford hatten ihr Hauptwerk abgeschlossen, und die legendären Golden-Age-Stars kamen in die Jahre (Cary Grant, John Wayne) oder waren tot (Humphrey Bogart, Gary Cooper). Die großen Studios wurden von alten Männern wie Jack Warner geleitet, die teils seit der Stummfilmzeit ihren Posten bekleideten und keinen Kontakt mehr mit der gesellschaftlichen Realität hatten. Immer mehr Filme wurden am Publikum vorbei produziert, und in einem verzweifelten Versuch, ihre Zuschauer zurückzugewinnen, pumpten die Studios Mitte der 1960er Jahre enorme Summen in künstlerisch weniger bedeutende Monumentalfilme und Musicals.

In dieser Zeit entwickeln sich in Europa neue kreative Filmströmungen. Dort bekam der Regisseur eine zunehmende Bedeutung und wurde zunehmend auch als Drehbuchautor bedeutsam. Dies war bis auf wenige Ausnahmen (Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Otto Preminger, Alfred Hitchcock) im Hollywoodkino der 1950er und frühen 1960er Jahre nicht der Fall.

Die französische Nouvelle Vague beginnt als Epoche des Autorenfilms in den späten 1950er Jahren mit Sie küssten und sie schlugen ihn (1959) von François Truffaut. Die Filme dieser Epoche basieren auf der Theorie der politique des auteurs, die von einer Gruppe von Kritikern, die für die Filmzeitschrift Cahiers du cinéma schrieben, entwickelt wurde. Sie forderten eine klare künstlerische Autonomie für den Regisseur, und richten sich gegen die tradition de la qualité des französischen Kinos. Zu diesen Kritikern gehörten neben Truffaut auch Claude Chabrol, Éric Rohmer, Jacques Rivette und Jean-Luc Godard, der 1960 mit Außer Atem (nach einem Skript von Truffaut) debütierte. Zu den großen Publikumserfolgen zählen Truffauts Jules und Jim (1962) und Geraubte Küsse (1968) sowie Godards Elf Uhr nachts (1965).

Eine englische Parallele zur Nouvelle Vague stellt in gewisser Weise das Free Cinema dar, das in den frühen 1960er Jahren Konjunktur hatte. Die Filme erzählten meist Geschichten aus der englischen Arbeiterklasse und machten so auf soziale Missstände aufmerksam. Bekannt geworden sind vor allem Verfilmungen des Autors Alan Sillitoe.

Auch in Lateinamerika erwuchs ein neuer Filmstil, der seinen Ursprung in dem Kampf der Bevölkerung gegen politische und wirtschaftliche Unterdrückung hatte, das so genannte Cinema Novo. Kunstschaffende verstanden sich in den 1960er Jahren oft als politische Akteure, und so entstanden nicht nur in Lateinamerika eine Reihe von politisch relevanten Filmen: In vielen osteuropäischen Ländern erhoben sich Filmemacher gegen die diktatorischen Regimes.

Der deutsche Film wurde ebenfalls revolutioniert: Eine Gruppe junger Filmemacher verschrieb sich stilistischen und inhaltlichen Neuerungen im Film. Zum Einen wurden althergebrachte Stilkonventionen über den Haufen geworfen, zum Anderen behandelten die neuen Filme oft politisch brisante Themen. Einflussreiche Regisseure des Neuen Deutschen Films waren Werner Herzog, Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Hans Jürgen Syberberg und Rainer Werner Fassbinder.

Francis Ford Coppola bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, 2001

Der US-amerikanische Film folgte, wenn auch etwas später, dieser Epoche der Erneuerung mit dem New-Hollywood-Kino. Als Startpunkt dieser Epoche gelten Arthur Penns Bonnie und Clyde (1967) und Mike NicholsDie Reifeprüfung (1967). Einen weiteren Einschnitt markiert das Jahr 1971 mit den Filmen A Clockwork Orange, The French Connection und Dirty Harry. Das amerikanische Kino wird politischer, gesellschaftskritischer und Regisseure wie Martin Scorsese und Francis Ford Coppola beschäftigten sich zunehmend mit gesellschaftlichen Realitäten wie Sex und Gewalt.

Nachdem die Budgets nach den Erfolgen von Filmen wie Coppolas Der Pate (1972) oder Scorseses Taxi Driver (1976) immer größer wurden, fand das New Hollywood mit Werken wie Heaven's Gate (1980) oder Apocalypse Now (1979) sein Ende.[12][13]

Zwischen Hochglanz und Anspruch (1980er und 1990er Jahre)[Bearbeiten]

Größte Kinospielfilm– Produktionsländer
des Jahres 1985[11]
Rang Land Anzahl
1. Indien 905
2. USA 356
3. Japan 319
4. Türkei 185
5. Philippinen 158
Deutschland 64
Schweiz 44
Österreich 12
Weltproduktion 4.202
Größte Kinospielfilm– Produktionsländer
des Jahres 1995[11]
Rang Land Anzahl
1. Indien 795
2. USA 631
3. Japan 289
4. Philippinen 175
5. Hongkong 154
Deutschland 63
Schweiz 38
Österreich 19
Weltproduktion 1) 3.329
1) zu einigen größeren Produktions-
ländern wie Türkei, Iran und Pakistan
waren keine Zahlen verfügbar

Nachdem die Verbreitung von Videorekordern ab Mitte der 70er zunahm und von der Filmindustrie anfangs stark misstrauisch begegnet wurde, zeigten sich später ihre Vorteile. Über die Vermarktung von Videokassetten konnten sich Produktionen rechnen, denen im Kino der Erfolg fehlte.[14] Andererseits versuchte man an die Erfolge von Blockbustern wie Der weiße Hai (1975) und Krieg der Sterne (1977) anzuknüpfen. Im Musikbereich wurde das Musikvideo ein wichtiges Vermarktungsinstrument und gleichzeitig kreativer Impulsgeber für Kinoproduktionen und beeinflusste Produzenten wie Don Simpson mit Filmen wie Flashdance (1983), Beverly Hills Cop oder Top Gun (1986). Vor allem die Produzenten und Regisseure George Lucas und Steven Spielberg prägten das Jahrzehnt mit Filmreihen wie Indiana Jones und Star Wars.[15] In England konnte der Produzent David Puttnam mit den Filmen Die Stunde des Siegers (1981), Gandhi (1982), The Killing Fields (1984) und Zimmer mit Aussicht (1985) Erfolge verbuchen.

Wichtige Filme der Achtziger: AmadeusBlade RunnerBrazilPretty WomanDer Name der RoseParis, TexasSubwayDiva

In den neunziger Jahren stiegen die Budgets der Hollywood-Produktionen zum Teil in schwindelnde Höhen. Zudem erweiterten sich die technischen Möglichkeiten, computergenerierte Spezialeffekte wurden zum Standard in vielen Mainstreamfilmen, besonders in den Genres Action und Fantasy. Besonders teuer produzierte Produktionen wie Titanic, Armageddon und Jurassic Park wurden zu den Kassenschlagern des Jahrzehnts. Im Zuge dieser Entwicklung wurde der Begriff des Blockbusters populär.

Auf der anderen Seite lässt sich das Erstarken des Independentfilms beobachten (parallel zur Alternative in der Unterhaltungsmusik). Waren Produktionen mit niedrigerem Budget und höherem künstlerischen Anspruch in den achtziger Jahren noch seltener und schwerer am Markt zu positionieren, gelang es in dem darauf folgenden Jahrzehnt unabhängigen Regisseuren wie Quentin Tarantino, Terry Gilliam, Jim Jarmusch und den Coen-Brothers, beachtliche Erfolge zu erzielen. Viele Independentfilme waren zwar keine Markterfolge, wurden aber im Laufe der Zeit zu Kultfilmen.

Ebenso konnte der deutsche Film neue Besucherrekorde verzeichnen. Besonders Komödien wie Männer, Schtonk, Kleine Haie, Der bewegte Mann und Knockin’ on Heaven’s Door, aber auch die Produktion Das Boot oder experimentelle Filme wie Lola rennt waren große Erfolge und stießen zum Teil sogar im Ausland auf Beachtung. Eine stärkere Genredifferenzierung und bessere Finanzierungsmöglichkeiten kennzeichnen den deutschen Kinomarkt in den Folgejahren.

Wichtige Filme der 1990er: Das Schweigen der LämmerJurassic ParkDer König der LöwenPulp FictionSchindlers ListeIndependence Day - Godzilla - Star Wars: Episode I - Men in BlackMatrixAmerican Beauty - Titanic

Computeranimierte Trickfilme[Bearbeiten]

Eine neue Entwicklung der 1990er ist der computeranimierte Trickfilm. Den ersten Versuch, einen abendfüllenden computeranimierten Film zu produzieren, gab es mit The Works schon in den 1980ern, allerdings scheiterte das Projekt. Der 1995 erschienene Film Toy Story von Pixar, in Zusammenarbeit mit Disney, war der erste Kinolangfilm, der allein am Computer erzeugt wurde. Die Pixar Animation Studios spezialisierten sich erfolgreich auf diese Art von Film und produzierten in den folgenden Jahren Das große Krabbeln (1998), Toy Story 2 (1999), Die Monster AG (2001), Findet Nemo (2003), Die Unglaublichen – The Incredibles (2004), Cars (2006), Ratatouille (2007), WALL-E (2008) und Oben (2009). Als Konkurrenz in dieser Sparte etablierte sich 1998 Dreamworks mit den computeranimierten Filmen Antz (1998), Shrek (2001), Große Haie – Kleine Fische (2004), Shrek 2 (2004), Madagascar (2005), Shrek der Dritte (2007) und Madagascar 2 (2008). Als drittem Konkurrenten gelang es den Blue Sky Studios mit den erfolgreichen Filmen Ice Age (2002), Robots (2005) und Ice Age 2 (2006), sich als Produzent computeranimierter Spielfilme zu etablieren. Gemeinsam ist diesen Filmen, dass sie die klassische Erzählstruktur der Disney-Zeichentrickfilme stärker brechen und die Geschichten durch ironischen Humor begleitet werden.

Das neue Jahrtausend (2000 bis heute)[Bearbeiten]

Größte Kinospielfilm– Produktionsländer
des Jahres 2006[16]
Rang Land Anzahl
1. Indien 1091
2. Nigeria 872
3. Vereinigte Staaten 485
4. Japan 417
5. China 330
6. Frankreich 203
7. Deutschland 174
8. Spanien 150
9. Italien 116
10. Südkorea 110

Im neuen Jahrtausend setzte sich der Trend zu High-Budget-Produktionen fort. Zu Beginn der 2000er lässt sich ein neues Aufblühen des Genres Fantasy beobachten. Filmreihen wie Der Herr der Ringe, Harry Potter und Star Wars erfreuten sich weltweiter Beliebtheit. Jedoch lässt sich gleichzeitig ein wachsendes Interesse an ausländischen Produktionen und Independent-Filmen wie Donnie Darko erkennen. Die Popularisierung des Filmemachens mit neuen technischen Möglichkeiten durch Computer und Internet lässt auf neue Strömungen und Innovationen hoffen. Gleichzeitig sieht sich die Filmindustrie durch das Aufkommen des Internets und speziell von P2P-Netzwerken, die eine massenhafte, unautorisierte Distribution von Filmen ermöglichen, gefährdet.

Zugang zur Filmgeschichte[Bearbeiten]

Das Bild, das wir uns von der Filmgeschichte machen, hängt ab von den Filmen, die wir gesehen haben bzw. überhaupt sehen konnten. Wer nicht gerade an einer Filmhochschule ist oder Filmwissenschaft studiert, hat nur einen eingeschränkten Zugang zur Filmgeschichte. Was ins Kino bzw. ins Fernsehen kommt, entscheiden andere. Außer von den bekannten wirtschaftlichen Strukturen ist der Filminteressent von dem Geschmack der Programmmacher bzw. von dem, was diese für den Geschmack des Publikums halten, abhängig. Teilweise kann diese Vorauswahl durch Eigeninitiative (z. B. Besuch von Filmfestivals) korrigiert werden.

Seit der Erfindung der Videokassette, mehr noch der DVD, geraten diese Einschränkungen mehr und mehr aus dem Blick, die Illusion der völligen technischen Verfügbarkeit der Filmgeschichte herrscht vor. DVD-Editionen wie z. B. die Cinemathek der Süddeutschen Zeitung, die seit März 2005 erscheint, verheißen einen leichten und billigen Zugang. Tatsächlich aber, so meinen Kritiker, verstärkt diese Edition nur den üblichen, extrem verkürzten Blick auf die Filmgeschichte. Sie enthält z. B. keinen einzigen experimentellen Film, keinen Dokumentarfilm, keinen einzigen afrikanischen Film. Stattdessen wird eher auf die ökonomisch sichere Bank gesetzt.[17] Die mittlerweile erhältliche Fortsetzung der SZ-Cinemathek behebt diesen Missstand zumindest teilweise. Sofia Coppola wurde als erste Regisseurin gewürdigt (Lost in Translation). Die der SZ-Cinemathek nachempfundene Filmkollektion Der österreichische Film, die dem Namen entsprechend ausschließlich österreichische Filme der letzten Jahrzehnte beinhaltet, berücksichtigte bereits in der ersten, 50-teiligen Ausgabe auch das Experimental- und Avantgardefilmschaffen des Landes. Mittlerweile sind über 100 österreichische Filme auf DVD erhältlich.

In den englischsprachigen Ländern gibt es ein sehr vielfältiges Angebot von Filmen auf DVD.[18]

Stark erweitert hat sich der Zugang zur Filmgeschichte durch das Internet. Hier sind umfangreiche Angebote entstanden, die teilweise kostenlos (z. B. Experimentalfilme bei UBU Web[19] ), teilweise kostenpflichtig (wie die klassischen Spielfilme in der Online Cinematheque[20] der Criterion Collection) sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Bordwell, Kristin Thompson: Film Art. An Introduction. 10. Auflage. McGraw-Hill, New York 2013, ISBN 978-0-07-131831-0, S. 457–499.
  • David Bordwell, Kristin Thompson: Film History. An Introduction. 3. Auflage. McGraw-Hill, New York 2010, ISBN 978-0-07-126794-6.
  • Jean-Pierre Coursodon, Bertrand Tavernier: 50 ans de cinéma américain. Überarb, u. aktual. Auflage. Nathan, Paris 1995, ISBN 2-258-04027-2.
  • Werner Faulstich: Filmgeschichte. Fink, Paderborn 2005, ISBN 3-8252-2638-7.
  • Joseph Garncarz: US-Film in Europa. In: Europäische Geschichte Online. hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz), 2012 Zugriff am: 17. Dezember 2012.
  • Andrea Gronemeyer: Schnellkurs Film. DuMont, Köln 1998, ISBN 3-7701-3844-9.
  • Wolfgang Jacobsen, Anton Kaes, Hans H. Prinzler (Hrsg.): Geschichte des deutschen Films. 2. erw. Auflage. Metzler, Stuttgart 2004, ISBN 3-476-01952-7.
  • Siegfried Kracauer u.a.: Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films. Übersetzt von Ruth Baumgarten und Karsten Witte. Suhrkamp, 1984, ISBN 3-518-28079-1.
  • Siegfried Kracauer u.a.: Theorie des Films: Die Errettung der äußeren Wirklichkeit. Suhrkamp 1985, ISBN 3-518-28146-1.
  • Corinna Müller: Vom Stummfilm zum Tonfilm. Fink, München 2003, ISBN 3-7705-3925-7.
  • Geoffrey Nowell-Smith (Hrsg.): Geschichte des internationalen Films. Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01585-8.
  • Joachim Pfeiffer, Michael Staiger: Grundkurs Film 2. Filmkanon - Filmklassiker - Filmgeschichte. Schroedel, Braunschweig 2010, ISBN 978-3-507-10019-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Filmgeschichte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Portal: Film – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Film

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Schmidt, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. Auflage. Hanser Verlag, 2008, S. 11.
  2. Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren, Wien 2007, S. 73.
  3. Schmidt, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. Auflage. Hanser Verlag, 2008, S. 12.
  4. Schmidt, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. Auflage. Hanser Verlag, 2008, S. 13.
  5. Veröffentlichungen der Bibliothek des US-Kongress loc.gov
  6. Robinson, David: Chaplin. Sein Leben, seine Kunst. Diogenes Verlag, Zürich 1989.
  7. Neibaur, James L.: The Fall of Buster Keaton. His Films for MGM, Educational Pictures, and Columbia. Scarecrow Press, Plymouth 2010.
  8. Vance, Jeffrey und Suzanne Lloyd: Harold Lloyd. Master Comedian. Harry N. Abrams, Inc., New York 2002.
  9. Skretvedt, Randy: Laurel and Hardy: The Magic behind the Movies. Second Edition. Past Times, Beverly Hills 1996.
  10. Helmut G. Asper: Etwas besseres als den Tod – Filmexil in Hollywood. Schüren Verlag, Marburg 2002, S. 20, 28.
  11. a b c WORLD FILM PRODUCTION/DISTIBUTION Weltfilmproduktionsbericht (Auszug) (PDF; 280 kB). In: Screen Digest, Juni 2006, S. 205–207. Auf: fafo.at (via Wayback Machine)
  12. www.matchflick.com vom 9. November 2009.
  13. History of film#1970s: The 'New Hollywood' or Post-classical cinema vom 9. November 2009.
  14. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.35millimeter.deDie Einführung des Videorekorders
  15. http://www.filmsite.org/80sintro.html
  16. http://www.unesco.de/3566.html
  17. http://jungle-world.com/artikel/2008/47/30468.html gesichtet am 8. Dezember 2008.
  18. Übersicht bei: Ian Haydn Smith: Home Entertainment In: International Film Guide 2009, hrg. von Ian Haydn Smith, London & New York, Wallflower Press, S. 76–88 online
  19. http://www.ubu.com/film/ abgerufen am 5. August 2009.
  20. http://www.criterion.com/ abgerufen am 5. August 2009.