Fimo

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Fimo blocks.png

FIMO ist der Marken- und Vertriebsname einer Modelliermasse, die von der STAEDTLER Mars GmbH & Co. KG hergestellt wird und davor bis einschließlich 2009 von der Eberhard Faber GmbH hergestellt wurde. Die Hauptbestandteile sind laut Herstellerangaben PVC und phthalatfreie Weichmacher.

Verwendung[Bearbeiten]

Aus FIMO hergestellte Ohrringe

Die Modelliermasse wurde und wird in einer breiten Farbpalette angeboten. Als spartentypischer Vertreter im Bereich der Modelliermassen besitzt auch FIMO die Eigenschaft einer leichten Formbarkeit. Produktgruppentypisch kann FIMO in der Standardausführung z.B. im Backofen, oder unter ähnlichen Wärmequellen, bei 110 °C ausgehärtet werden. Daneben wird alternativ von STAEDTLER die Produktlinie FIMOair angeboten, eine Modelliermasse, welche an der Luft bei Raumtemperatur aushärtet. Laut herstellerspezifischer Gebrauchsanweisung besitzt die FIMO Modelliermasse folgende Charakteristiken: "In rohem Zustand kann sie vielfältig bearbeitet werden (mit flüssigen Farben oder Pulvern gemischt oder bedeckt werden, gestempelt, texturiert u.v.m.). Aber auch nach dem Härten kann sie noch z. B. bestempelt, geschnitzt, gedrechselt, gebohrt, geschliffen und poliert, mit z. B. Acrylfarben bemalt oder mit farbigem oder klarem Lack lackiert werden. Man kann aus ihr u. a. Figuren, Puppen, Miniaturen, Dekorationsartikel und Schmuck herstellen."

Laut Altersempfehlungen des Herstellers ist FIMO für Kinder ab acht Jahren geeignet. Das Aushärten mittels einer Wärmequelle sollte unter der Aufsicht von Erwachsenen erfolgen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Basisrezeptur zu FIMO wurde 1939 von Sophie Kruse erfunden, einer Tochter von Käthe Kruse. Ursprünglich sollte ein neues Material für die Fertigung von Puppenköpfen entwickelt werden, doch dieses Vorhaben war in dieser Richtung nicht erfolgreich. Nach Experimenten mit verschiedenen weiteren Zusätzen kam als neues Produkt stattdessen 1954 eine Modelliermasse für den Endverbraucher unter dem Namen Fimoik auf den Markt, zusammengesetzt aus dem Spitznamen der Erfinderin Fifi, Modelliermasse und Mosaik.

1964 wurden die Rechte an Eberhard Faber verkauft, der 1966 den Namen in FIMO änderte.

1978 übernahm Staedtler die Firma Faber und damit auch alle Rechte bezüglich FIMO.

Anwendungs- und Gesundheitsrisiken[Bearbeiten]

Wird FIMO entgegen der sachgemäßen Verwendung verschluckt, härtet es durch die Magensäure aus und kann innere Verletzungen durch scharfkantige Ausformung verursachen. Bei Verschlucken ist unbedingt ein Arzt hinzuzuziehen.

Laut Herstellerempfehlung darf auch bei sachgemäßer Verwendung die vorgeschriebene Temperatur von 130 °C nicht überschritten werden, da ansonsten vermehrt gesundheitsschädliche Salzsäuredämpfe entstehen können. Demnach wird auch empfohlen, während der Aushärteerwärmung Abstand zu halten, die Umgebung fortlaufend gut zu lüften und die Temperatur- und Zeitgrenzen keinesfalls zu überschreiten.

Entsprechend diesen Gefahren sind Kinder bei der Verwendung und Durchführung des Aushärtevorgangs unter Aufsicht zu halten.[1]

Toxizität[Bearbeiten]

FIMO entspricht der EU-Spielzeugrichtlinie und der entsprechenden EN-Norm EN71 Teil 5, welche Anforderungen an die Stoffe und Werkstoffe festlegt, die in chemischem Spielzeug, ausgenommen Experimentierkästen, verwendet werden. Auf Grund dessen ist FIMO berechtigt, das CE-Zeichen zu tragen, was der Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Inverkehrbringung innerhalb der gesamten EU entspricht. FIMO fällt unter die Normung laut EN71 Teil 5, da dieses Produkt ein "im Ofen zu härtendes weichmacherhaltiges Modelliermassen-Set" ist.

Im amerikanischen Sektor wird FIMO im Abstand von fünf Jahren vom DUKE University Medical Center, Durham, USA überprüft und durfte bislang aufgrund der jeweils ausgestellten Unbedenklichkeitsbescheinigungen in den USA das AP-Siegel non-toxic von ACMI (Arts and Crafts Material Institute) tragen.[2]

Trotz der formalen Zulassungen, welche die Vermarktung des Produktes legitimieren, ist im Zuge der allgemeinen Debatte zu Gesundheitsrisiken von erwärmten Kunststoffen und Weichmachern folgendes anzumerken:

  • die Zeitschrift Ökotest hat 1993 verschiedene dauerhaft und nicht-dauerhaft aushärtende Modelliermassen, darunter FIMO, untersucht und getestet. Von 21 untersuchten Modelliermassen gehört FIMO zu der Gruppe der drei dauerhaft aushärtenden Modelliermassen, die allesamt als nicht empfehlenswert eingestuft wurden. Diese Modelliermassen tragen eine zusätzliche Anmerkung Warnhinweis des Herstellers: Kein Kinderspielzeug (seither sind die in der EU seit 2007 in Kinderspielzeug verbotenen phthalathaltigen Weichmacher durch andere ersetzt worden). Die übrigen getesteten Modelliermassen härteten produkttypisch nicht dauerhaft aus.
  • von dem Bestandteil PVC ist belegt, dass erhebliche gesundheitliche Gefahren von ihm ausgehen.[3]

Eventuell verstärkt wird eine mögliche Gesundheitsbelastung durch die bei der Aushärtung eingesetzte Erwärmung und der damit verbundenen erhöhten Stoffflüchtigkeit pro Zeiteinheit.

Am Einsatzort sollte deshalb nicht gegessen, getrunken oder geraucht werden. Nach dem Verwenden sollten mit dem Produkt in Kontakt gekommene Hände sowie alle Arbeitsmaterialien mit Wasser und Seife gereinigt werden. Des Weiteren sollten lediglich Werkzeuge verwendet werden, welche der Hersteller in der Gebrauchsanweisung empfiehlt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://a.staedtlercdn.com/fileadmin/user_upload/images/inhalt/Products/Products-for-modelling/FIMO-Gebrauchsanleitung.pdf
  2. http://www.acminet.org/CPList.pdf
  3. Umweltproblematik von PVC (Grünbuch der EU-Kommission), abgerufen am 18. Juni 2012