Fort Breendonk

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Eingang des Fort
Luftaufnahme

Das Fort Breendonk ist eine Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Festung bei Willebroek in Belgien. Es wurde im Rahmen des Westfeldzuges im Mai 1940 von der Wehrmacht erobert und diente bis zur Befreiung als Auffanglager für inhaftierte Regimegegner.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Fort Breendonk war ursprünglich Teil des belgischen Verteidigungsgürtels von Antwerpen und liegt zwischen den Nachbarforts Liezele im Westen und Walem im Osten. Anfangs gehörte es zum Gebiet der Gemeinde Breendonk, nach der es benannt ist. Durch den Bau der Autobahn A12 wurde der Teil der Gemeinde mit dem Fort abgetrennt und in die Gemeinde Willebroek eingegliedert. Baubeginn für das Fort war im Jahr 1906. Als der Erste Weltkrieg begann, war der Bau noch nicht abgeschlossen, aber gleichwohl technisch schon überholt (siehe Brisanzgranate).

Der Gebäudekomplex erstreckt sich über ungefähr 260 m Länge und eine Breite von 106 m. Er ist umgeben von einem 40 bis 50 m breiten Wassergraben (durchschnittliche Tiefe 2,75 m). Das Fort wird weitgehend von Erde bedeckt (9,75 m maximale Höhe der Schichten). Das Fort war zu Beginn mit sieben gepanzerten Kuppeln ausgestattet. Deren Kanonen bzw. Haubitzen hatten Kaliber zwischen 7,5 cm und 15 cm. Vierzehn 57-mm-Schnellfeuerkanonen dienten der Nahabwehr von Infanterieangriffen.

1940 war das Fort Hauptquartier der belgischen Streitkräfte, in dem am 10. Mai, um 8:30 Uhr, König Leopold III. eintraf. Von dort aus sendete er seine Proklamation an das belgische Volk. Dort empfing er auch die Kommandanten der südlich stehenden 7. Französischen Armee und der britischen Streitkräfte im Norden. Am Nachmittag des 17. Mai wurde das Hauptquartier weiter nach Sint-Denijs-Westrem bei Gent verlegt. Der König blieb in der Folge in Belgien; die Regierung floh nach London ins Exil.

Belgien kapitulierte am 28. Mai 1940. Am 22. Juni schloss auch Frankreich den kapitulationsgleichen Waffenstillstand von Compiègne. Die deutsche Geheime Staatspolizei (Gestapo) richtete im September 1940 im Fort das „Auffanglager Breendonk“ ein. Das Lager wurde zum Zentrum der Gestapo-Aktivitäten des Sicherheitsdienstes in Belgien und Nordfrankreich bis zur Befreiung dieser Gebiete im Herbst 1944. Bis zur Auflösung nach der Befreiung wurden dort mindestens 3.532 Menschen inhaftiert. 458 Personen sollen wieder entlassen worden sein,[1] etwa die Hälfte der 3.500 Menschen überlebte nicht.[2] Zahlreiche Angehörige des belgischen Widerstandes wurden von hier aus in deutsche Konzentrationslager deportiert.

Nach der Befreiung Belgiens am 4. September 1944 wurde das Fort zum Gefängnis für Kollaborateure. Zunächst sperrten die Anhänger des lokalen Widerstands dort die „Inciviques“ (etwa: als unzuverlässig betrachtete Mitbürger) ein. Es kam während dieser Zeit zu unrechtmäßigen Übergriffen an den Gefangenen. Am 10. Oktober 1944 wurde die vollständige Räumung des Lagers angeordnet. Die Gefangenen wurden zur Dossin-Kaserne nach Mechelen überführt. Anschließend wurde das Fort zum offiziellen Internierungslager des belgischen Staates.

Am 19. August 1947 beschloss das belgische Parlament einstimmig die Gründung der „Nationalen Gedenkstätte Festung Breendonk“ als eine unabhängigen Einrichtung. Die Gedenkstätte widmet sich seitdem der Erinnerung an die Geschehnisse in dem KZ-Sammellager sowie der baulichen Erhaltung der Festung und der dort aufbewahrten Gegenstände.

Ausschnitte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Breendonk. In: Collection Terres des Belges. Editions Jourdan, ISBN 2-930359-74-9 (französisch).
  •  Ministère de la justice du Royaume de Belgique, Commission des crimes de guerre (Hrsg.): Les Crimes de guerre commis sous l’Occupation de la Belgique 1940–1945 – Le camp de tortures de Breendonk. Georges Thone Éditeur, Liège 1949 (französisch).
  •  Wolfgang Benz, Barbara Distel: Terror im Westen – nationalsozialistische Lager in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg 1940–1945 (= Geschichte der Konzentrationslager 1933–1945. Band 5). Metropol-Verlag, Berlin 2004.
  •  Andreas Pflock, Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Auf vergessenen Spuren. Ein Wegweiser zu Gedenkstätten in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg. Bonn 2006, ISBN 3-89331-685-X.
  •  Paul M. G. Levy: Das 'Auffanglager' Breendonk. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Dachauer Hefte. Nummer 5, die vergessenen Lager, München 1994, ISBN 3-423-04634-1.
  •  Jean Améry: Die Tortur. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Dachauer Hefte. Nummer 5, die vergessenen Lager, München 1994, ISBN 3-423-04634-1.
Als literarisches Sujet

Das Fort erscheint als Topos im letzten Roman von Sebald:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fort van Breendonk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://fcit.usf.edu/HOLOCAUST/resource/gallery/BREEN.HTM
  2. http://www.breendonk.be/DE/index.html

51.0563888888894.3413888888889Koordinaten: 51° 3′ 23″ N, 4° 20′ 29″ O