Kollaboration

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Dieser Artikel befasst sich mit der Kollaboration in der Geschichte (Zusammenarbeit mit einem Besatzungsregime). Weitere Bedeutungen für Kollaboration finden sich unter Kollaboration (Begriffsklärung).

Eine Kollaboration (lat. con- „mit-“, laborare „arbeiten“) ist die Mitarbeit bzw. Zusammenarbeit mehrerer Personen oder Gruppen von Personen.

Historisch steht der Begriff für die Zusammenarbeit mit dem Feind zu Zeiten eines Krieges oder der Besatzung. In diesem Sinne „kollaborierende“ Personen werden als Kollaborateure bezeichnet. Der vorliegende Artikel beschreibt dieses negative Begriffsverständnis.

In einem wertfreien Sinn wird Kollaboration heute unter anderem in den Wirtschaftswissenschaften als Synonym für Zusammenarbeit (s. dort) verwendet, wohl auch, weil dieser Begriff in englischen sowie französischen Texten im Begriff collaboration seine Entsprechung hat. In diesem Sinne stellt eine Kollaboration bzw. Zusammenarbeit eine starke Form einer Kooperation dar.

Der Begriff „Kollaborateur“[Bearbeiten]

In anderen Sprachen wie bspw. dem Englischen, Spanischen und Italienischen bedeutet „collaborator“, „colaborador“ bzw. „collaboratore“ nur ganz allgemein Mitarbeiter. Im Englischen wird jemand, der mit dem Feind zusammenarbeitet, hingegen mit dem Wort „Quisling“ bezeichnet. Dieser auch in anderen Sprachen verbreitete Ausdruck für einen Kollaborateur im Krieg leitet sich vom Nachnamen des Norwegers Vidkun Quisling her, der während der Besatzung seines Landes durch die Deutschen mit den Nationalsozialisten kollaborierte. Im Spanischen nennt man einen solchen Kollaborateur „colaboradorista“, im Italienischen „collaborazionista“.

Im Französischen wird die Benennung „collaborateur“ für beide Begriffe verwendet, kann also je nach Kontext entweder „Mitarbeiter“ (wertungsfrei) oder „Kollaborateur“ im hier beschriebenen negativen Sinn bedeuten. Daneben wird für den Begriff der Kollaboration mit dem Gegner auch der eindeutig negativ belegte Ausdruck „collaborationniste“ benutzt.

Im Deutschen ist die neutrale Verwendung des Wortes Kollaborateur im Sinne von „Mitarbeiter“ (wertungsfrei) vornehmlich in Österreich zu finden und gilt als Austriazismus. Noch im 19. Jahrhundert war allerdings auch in Deutschland, vor allem im süddeutschen Raum, die latinisierte Berufsbezeichnung Kollaborator für bestimmte Hilfsbedienstete anzutreffen (etwa Hilfsgeistliche, Hilfslehrer an höheren Schulen etc.); das entsprechende Amt hieß dann Kollaboratur. In diesem Sinn taucht etwa in der Erzählung Die Frau Professorin von Berthold Auerbach der „Bibliothekskollaborator Reihenmaier“ auf.

Die Verwendung des Ausdrucks zur Bezeichnung einer mit dem Feind kollaborierenden Person zu Kriegszeiten ist im deutschen Sprachgebrauch seit dem 19. Jahrhundert belegt. Schon damals spielte er besonders auch in den verschiedenen deutsch-französischen Konflikten seit den napoleonischen Kriegen eine Rolle (Stichwort „Erbfeind“). So erscheint es nur als logische Entwicklung, dass der Begriff in der Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs während des Zweiten Weltkrieges neue Aktualität gewann und auch heute noch insbesondere auf diese Vorgänge bezogen wird.

Unmittelbarer Anlass für die Verwendung dieses Ausdrucks im besetzten Frankreich war eine im Radio übertragene Rede des Staatschefs Pétain vom 30. Oktober 1940 nach seinem Treffen mit Adolf Hitler in Montoire-sur-le-Loir am 24. Oktober, in der er die Franzosen zur „Zusammenarbeit“ („collaboration“) mit den deutschen Besatzern aufrief. Besondere Brisanz besitzt in diesem Zusammenhang die erst in den vergangenen Jahrzehnten im vollen Umfang bekannt gewordene Mitwirkung französischer Polizeiorgane und Behörden an der Deportation französischer Juden in die NS-Vernichtungslager. Der Vorwurf der Kollaboration mit dem Dritten Reich führte in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu zahlreichen Verhaftungen und Misshandlungen tatsächlicher oder auch vermeintlicher Kollaborateure im befreiten Frankreich.

In der Zeit des Kalten Krieges benutzte man das Wort Kollaborateur in Deutschland auch als Schimpfwort für weltanschauliche Gegner, die man der Zusammenarbeit mit dem politischen System auf der jeweils anderen Seite des Eisernen Vorhangs bezichtigen oder als dessen Sympathisanten bloßstellen wollte (siehe auch: Fünfte Kolonne).

In vielerlei Konfliktlagen wurde und wird der Begriff Kollaboration bzw. Kollaborateur auch in jüngerer Zeit häufig benutzt, um die Zusammenarbeit einheimischer Gruppierungen mit fremden, als Kolonial- oder Besatzungsmächte angesehenen Kräften abwertend zu kennzeichnen – so etwa im Maghreb, in Afghanistan, auf dem Balkan und im Irak.

Kollaboration mit Nazi-Deutschland[Bearbeiten]

Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es in den von Deutschen besetzten Gebieten Organisationen, Bewegungen und Einzelpersonen, die mit Deutschland kollaborierten.

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

Im Protektorat Böhmen und Mähren war Emanuel Moravec Minister für Schulwesen und Volksaufklärung. Sein Name gilt heute in Tschechien als Symbol des Kollaborateurs (ein tschechischer Quisling, ein „Kolaborant“). Der letzte tschechoslowakische Staatspräsident Emil Hácha wurde zum „Staatspräsidenten“ des Protektorats und als Kollaborateur nach der Befreiung 1945 verhaftet. Der mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollaborierende Präsident der Slowakei, Jozef Tiso, wurde 1947 als Kollaborateur hingerichtet.

Belgien[Bearbeiten]

Rexisten – eine um 1930 entstandene, faschistische Organisation in Belgien. Die Rexbewegung formierte sich Anfang der 1930er Jahre unter der Führung des wallonischen Populisten Léon Degrelle als katholisch-wallonische Bewegung. 1935 organisierte sich die Bewegung als von der Katholischen Aktion unabhängige Partei und verbuchte erste Wahlerfolge. Ab Mai 1940 kollaborierten die Rexisten mit der nationalsozialistischen deutschen Besatzung in Belgien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Rexistenpartei verboten.

Auch flämische Nationalisten in Nordbelgien beteiligten sich an der Kollaboration und meldeten sich auch freiwillig zur Waffen-SS.

Der damalige Vorsitzende der Belgischen Arbeiterpartei Henri de Man löste die Partei auf und beteiligte sich an der Gründung einer der DAF vergleichbaren Arbeiterorganisation. Seinem Neffen, dem Literaturtheoretiker Paul de Man, brachten Artikel für die belgische Zeitung Le Soir posthum den Vorwurf der Kollaboration mit den Nazis ein.

Im Februar 2007 veröffentlichte das Zentrum für Kriegs- und Sozialforschung Ceges einen Bericht mit dem Titel „Das gefügige Belgien“, in dem von sechs Historikern insbesondere die Juden-Deportationen 1942 und die Mitwirkung der belgischen Behörden dabei im Auftrag der heutigen belgischen Regierung untersucht wurden. Dadurch starben etwa 40 Prozent der belgischen Juden. In der Folge konnten aber 60 % sich vor den Verfolgern im Krieg versteckt halten und überleben. Die meisten Aufpasser in nordfranzösischen Baustellen der Wehrmacht waren Belgier.

Frankreich[Bearbeiten]

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Hauptartikel: Kollaboration in Frankreich (1940–1944)

Nach dem militärischen Debakel der französischen Armee und dem folgenden Waffenstillstand beauftragte die Nationalversammlung den bereits 84-jährigen Marschall Pétain, Kriegsheld aus dem Ersten Weltkrieg, mit der Bildung einer Regierung, die in Vichy im unbesetzten Teil Frankreichs ihren Sitz hatte. Ihm und seiner Regierung wurde von der Nationalversammlung die Vollmacht erteilt, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Pétain nannte sich daher Chef de l’État und verfügte über nahezu absolute Vollmachten.

Anfangs wurde das antikommunistische, konservative und katholische Vichy-Regime, das zu Beginn die meisten Kolonien beherrschte und über ein 100.000 Mann starkes Heer verfügte, von vielen Franzosen begrüßt. Der traditionellen Losung der Französischen Revolution Liberté, Égalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) setzte das Regime die Parole Travail, Famille, Patrie (Arbeit, Familie, Vaterland) zur moralischen Erneuerung Frankreichs entgegen. An der Seite Nazi-Deutschlands sollte Frankreich zu alter Größe gelangen, wobei der ideologische Hauptfeind nun vor allem Großbritannien war (Vive la France, mort à l’Angleterre!).

Mit zunehmender Kollaboration mit den Nationalsozialisten, brutalen Morden und Verfolgung Andersdenkender nahm die Popularität des Regimes ab.

Außerdem erließ das Regime harte Maßnahmen zur Ausgrenzung und Verfolgung von Ausländern, Freimaurern und vor allem Juden. 1942 wurde der Judenstern auch in Vichy-Frankreich eingeführt, und später wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung des Südens nach Deutschland deportiert und ermordet (siehe Chronologie der Kollaboration der Vichy-Regierung beim Holocaust). Hunderttausende Franzosen wurden zur Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland gezwungen (Relève).

Der in den 1930er Jahren organisierte Parti Nationaliste Breton (PNB) kollaborierte während der deutschen Besatzung Frankreichs teilweise mit dem NS-Regime. Die bretonische Brigade Bezen Perrot, die der SS angegliedert war, kämpfte gegen französische Partisanen. Viele Mitglieder der in den 1930er Jahren gegründeten rechtsextremen und antirepublikanischen Terrororganisation Cagoule hatten wichtige Posten im Vichy-Frankreich inne.

Als Reaktion auf die alliierte Invasion in Nordafrika am 11. November 1942 marschierte die Wehrmacht unter Bruch der Waffenstillstandsbedingungen von Compiègne auch in die „freie“ Südzone ein. Gleichzeitig schwand die Macht des Vichy-Regimes zusehends.

Als die Alliierten 1944 in der Normandie landeten (D-Day) und die deutsche Niederlage absehbar wurde, wuchs der Widerstand der Résistance zu einer „Volksbewegung“. Mit der Befreiung durch die Alliierten und der Einsetzung einer provisorischen französischen Regierung unter General de Gaulle am 25. August 1944 – an diesem Tag kapitulierte auch Paris – endete das vierjährige Vichy-Regime. Ministerpräsident Pierre Laval und Staatschef Philippe Pétain wurden ins Deutsche Reich transferiert, wo sie bis April 1945 in Sigmaringen ein Schattendasein fristeten.

Viele Vichy-Kollaborateure, die der Rache der Sieger entkamen, flüchteten nach Québec, nach Spanien, Portugal oder nach Argentinien, wo es zum Beispiel Marc Augier zum Instrukteur der Armee (und zum Skilehrer von Eva Perón) brachte.

Als Kollaborateure wurden nun diejenigen Franzosen bezeichnet, die mit der deutschen Besatzungsmacht oder dem von Nazi-Deutschland kontrollierten Vichy-Regime unter Marschall Pétain zusammengearbeitet hatten. Ihnen wurde vorgeworfen, dem Feind aus eigennützigen Motiven geholfen oder mit ihm sympathisiert zu haben und so zu Verrätern am eigenen Staat beziehungsweise Volk geworden zu sein. Häufig betraf das auch Frauen, die mit deutschen Soldaten ein Verhältnis hatten („Horizontale Kollaboration“).

Eine häufige Form der Kollaboration in dieser Epoche waren etwa Spitzeldienste für die Besatzungsmacht oder Propaganda und denunziatorisches Anprangern, für das Robert Brasillach hingerichtet wurde; Bernard Faÿ kam mit dem Leben davon, wurde aber zu harter Arbeit und Ehrverlust verurteilt. Marschall Pétain selbst wurde zum Tode verurteilt, aber von Charles de Gaulle zu Festungshaft begnadigt und starb dort 1951.

Eine besonders bedrückende Tatsache ist auch die Mitwirkung an der Judendeportation, die nach dem Krieg jahrzehntelang kaum thematisiert wurde. Erst in Gerichtsverfahren der 1990er Jahre wurden einige dieser Vorfälle aufgearbeitet. So wurde einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dass französische Polizisten im Juli 1942 in einem Stadion, dem Vélodrome d’Hiver, etwa 13.000 jüdische Pariser – darunter etwa 4.000 Kinder – zusammengetrieben, Tage später in Viehwaggons ins Sammellager Drancy bei Paris und dann weiter ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert hatten. Zwischen 1941 und 1944 sind unter Mitwirkung französischer Beamter etwa 75.000 Juden, darunter 12.000 Kinder, in Konzentrationslager deportiert worden, wo sie ermordet wurden. Bekanntester Kollaborateur wurde Maurice Papon, dem im Nachkriegs-Frankreich eine glänzende Karriere ermöglicht wurde. Ebenso ist Paul Touvier zu nennen, dessen Name für die aktive Verbindung von antisemitischem Rechts-Katholizismus und Kollaboration steht. Diese Kontakte ermöglichten ihm jahrzehntelanges Verbergen im Nachkriegs-Frankreich vor der Justiz. Einige, die aus der Tätigkeit in der Cagoule einflussreiche Persönlichkeiten wie den Gründer von L’Oréal, Eugène Schueller, kannten, konnten sich nicht nur der Justiz entziehen, sondern auch in der Konzernleitung im Ausland ein privilegiertes Auskommen finden.

Der Vorwurf der Kollaboration führte in der Nachkriegszeit zu zahlreichen (auch willkürlichen) Verhaftungen, Misshandlungen und Lynchjustiz. Nach der Befreiung wurden mehr als 10.000 Menschen wegen erwiesener oder vermuteter Kollaboration in wilden außergerichtlichen „Säuberungen“ (épuration sauvage = „wilde Säuberung“) ermordet. Durch verschiedene Kommissionen zur Épuration/Reinigung/Säuberung sollten der Polizeidienst und andere auf sein bzw. ihr Handeln in der Zeit des Vichy-Regimes überprüft werden.

Großbritannien, Irland[Bearbeiten]

Britische Nationalsozialisten unter ihrem Anführer Oswald Mosley wollten mit dem „Dritten Reich“ zusammenarbeiten, und einige von ihnen dienten auch in der Waffen-SS.

Von der faschistischen Bewegung der Greenshirts ist bekannt, dass sie das Bündnis mit dem Dritten Reich suchte.

Schweiz[Bearbeiten]

Im Laufe der 1930er Jahre gab es mit der „Nationalen Front“ auch eine faschistisch orientierte Partei in der Schweiz, die aber stets eine Minderheit im demokratischen System blieb. 1934 scheiterte ein Putschversuch. Den plötzlichen Erfolg verdankte die Partei, ähnlich wie die NSDAP in Deutschland, der Weltwirtschaftskrise und innenpolitischen Krisen. 1940, nach der Eroberung Frankreichs durch Deutschland, wollten faschistisch orientierte Kreise die Schweiz erneut Hitler-Deutschland angliedern, ein Teil der Bewegung wollte aber auch einen selbständigen Staat bewahren und nur die Staatsform autoritär umbauen. Die Schweizer Nationalisten wurden, gleich den Kommunisten am linken Rand des politischen Spektrums, verboten. Nicht wenige Anhänger begaben sich jedoch ins „Exil“ ins „Deutsche Reich“, wo sie sich z.B. der SS anschlossen.[1]

Aber auch die offizielle Schweiz praktizierte vor allem während des Krieges eine teils durch die äußeren Umstände (Umschliessung durch die Achsenmächte) erzwungene, später "Anpassung" genannte teilweise Kollaboration, etwa indem sie sämtliche Rüstungsexporte trotz ihres Neutralitäts-Status nur noch Deutschland und Italien zukommen ließ und deutsches Raubgold in Devisen umtauschte, welche das Reich zum Kauf von Rüstungs-Rohstoffen benötigte.[2]

Liechtenstein[Bearbeiten]

Hier gab es den NSDAP-Ableger „Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein“. Gemäß dem Schlussbericht der Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein, Zweiter Weltkrieg (ISBN 3-0340-0806-6), welcher die Fragen in Bezug auf Flüchtlinge, Vermögenswerte, Kunst und Rüstungsproduktion zu beantworten versucht, wurde ein möglicher Einfluss des NSDAP-Ablegers auf die Liechtensteiner Bevölkerung sehr stark eingeschränkt und fand nur verhältnismäßig wenige Anhänger. Zudem reagierte die Bevölkerung mehrheitlich negativ auf die damalige „Volksdeutsche Bewegung“.

Ungarn[Bearbeiten]

Ungarische Pfeilkreuzler 1944
Antisowjetische ukrainische Partisanenjäger 1943

Nach dem Sturz des Reichsverwesers Horthy und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen kollaborierten die an die Macht gelangten Pfeilkreuzler unter dem neuen Diktator Ferenc Szálasi mit der Besatzungsmacht und verhinderten so ein Ausscheiden Ungarns aus dem Weltkrieg.

Osteuropa[Bearbeiten]

Fließend zwischen Kollaboration und Zwangsarbeit sind die Grenzen im Fall der osteuropäischen sogenannten Hilfswilligen der deutschen Wehrmacht. Nachdem diese kleineren Länder 1939 in einem geheimen, völkerrechtswidrigen Vertrag zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt und anschließend von den beiden Großmächten besetzt wurden, brach Hitler diesen geheimen Vertrag, eroberte auch die zunächst abgegebenen Länder und präsentierte sich dort als Befreier. In den Ostlegionen der Wehrmacht, einem Teil der Osttruppen (1.000.000), waren alle kollaborierenden Angehörigen sowjetischer Minderheitenvölker zusammengefasst. Zu ihnen gehörten beispielsweise die Georgische Legion oder lettische SS-Verbände.

Im besetzten polnischen Gebiet, das als Generalgouvernement von Hans Frank verwaltet wurde, wurden ca. 10.000 ehemalige polnische Polizisten unter Androhung der Todesstrafe zum Dienst für die Besatzungsmacht gezwungen. Ein Sonderfall vor eher kriminellem Hintergrund sind hier die Aktivitäten der sog. Szmalcowniks.

Die ca. 1000 „hilfswilligen“ Ukrainer und Litauer in deutschen Diensten, auch als Trawnikis bezeichneten, „halfen“ bei der Ermordung der zwei Millionen Juden im Generalgouvernement Polen. In Trawniki, etwa 40 km östlich von Lublin, befand sich das Ausbildungslager dieser Kollaborateure. Darüber hinaus gab es Kampfeinheiten an der deutschen Seite, die aus ukrainischen Freiwilligen bestanden, wie z. B. die 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1), (22.000 Mann) oder die Bataillone „Nachtigall“ und „Roland“, (ca. 1000 Mann).

Die Russische Befreiungsarmee (ROA) war ein russischer Verband, der am Ende des Zweiten Weltkrieges unter General Andrei Andrejewitsch Wlassow auf Seiten der Wehrmacht kämpfte. Ihm gehörten rund 50.000 Freiwillige an. Es handelte sich um Kosaken, frühere Soldaten der Weißen Armee und russische Kriegsgefangene, die dem Hungertod entgehen wollten. Da sich Hitler aus rassistischen Motiven zunächst geweigert hatte, Russen, also „Untermenschen“, für sich kämpfen zu lassen, wurde die ROA erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aufgestellt. Zuvor gab es das XV. Freiwilligen-Kosaken-Kavalleriekorps, das der Waffen-SS unterstellt war.

Südosteuropa[Bearbeiten]

SS-Division Handschar

Die serbischen Tschetniks von Dragoljub Draža Mihailović und das Serbische Freiwilligenkorps von Dimitrije Ljotic kollaborierten im Jugoslawischen Bürgerkrieg 1941–1945 mit den Besatzertruppen der Achse. Milan Nedić bildete ein Marionettenregime in Serbien.

Die kroatischen und bosniakischen Ustascha-Milizen unter der Führung von Ante Pavelić kollaborierten im Jugoslawischen Bürgerkrieg 1941–1945 mit den Besatzertruppen der Achse. Die Muslime Großkroatiens und Großalbaniens wurden in Bosnische SS-Einheiten eingegliedert.

Slovensko domobranstvo (Slowenische Landwehr, auch Slowenische Heimwehr oder Slowenische Domobranzen/Domobrancen genannt) war eine im September 1943 während des Zweiten Weltkriegs nach dem Rückzug Italiens im Gebiet der Provinz Laibach aufgestellte antikommunistische und konservativ katholische militärische Organisation, in der Slowenen dienten. Ein Angehöriger wurde dementsprechend Domobranec, deutsch Domobranze, genannt. Als Kollaborateure unterstützten sie die Wehrmacht und Waffen-SS im Kampf gegen die Narodna Osvobodilna Borba (NOB – Volksbefreiungkampf). Der Großteil der Ausrüstung war anfangs italienischer Herkunft, sie war nach der Kapitulation Italiens am 8. September 1943 von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt worden. Die meisten Domobranzen dienten als Infanteristen. Am 23. September erklärte sich General Leon Rupnik zum Befehlshaber der slowenischen Heimwehr.

Norwegen, Dänemark[Bearbeiten]

Vom Nachnamen des norwegischen Kollaborateurs Vidkun Quisling leitet sich die weltweit verbreitete Bezeichnung „Quisling“ ab. Seine Bewegung Nasjonal Samling existierte schon vor dem Krieg. Die unter deutscher Besatzung weiterarbeitende Regierung Dänemarks trat nicht der Antihitlerkoalition, sondern dem Antikominternpakt bei und versuchte bis 1943/44 durch Zusammenarbeit, die Besatzungsmacht zu beschwichtigen. Tausende dänische Freiwillige kämpften in deutschen Einheiten.

Griechenland[Bearbeiten]

Im besetzten Griechenland unterstützten „Sicherheitsbataillone“ die deutsche Besatzungsmacht und deren Kampf gegen die kommunistischen ELAS-Partisanen. Georgios Tsolakoglou und Konstantinos Logothetopoulos bildeten Marionettenregierungen.

Irak[Bearbeiten]

Im April 1941 ergriff in einem Militärputsch ein antibritischer Nationaler Verteidigungsrat unter Ex-Premier Raschid Ali al-Gailani die Macht. Trotz gewisser aktiver deutscher Hilfe (Luftangriffe auf britische Stellungen und Kolonnen) wurde er von britischen Truppen im Mai 1941 niedergerungen. Die Bewertung dieser Bewegung als Kollaboration ist umstritten, irakische Patrioten werten sie als nationalen Aufstand, selbst die Kommunistische Partei des Irak stufte 1988 ihre einstige Ablehnung Gailanis als historischen Fehler ein.

Ägypten[Bearbeiten]

In Erwartung eines baldigen Sieges des herannahenden deutschen Afrikakorps kam es Ende 1941, Anfang 1942 in Alexandria und Kairo zu antibritischen und prodeutschen Demonstrationen und Sabotageakten. Die sich auf die Urabi-Bewegung berufende nationalistische Partei Hizb Misr El-Fatat (Junges Ägypten) stellte paramilitärische Verbände auf („Grünhemden“), der Generalstabschef der ägyptischen Armee nahm geheime Kontakte zum deutschen Stab auf. Der britische Botschafter, der vom ägyptischen König Faruk I. und seinem nationalistischen Premierminister einen Umsturz befürchtete, ließ den Palast daraufhin mit Panzern umstellen, Offiziere verhaften und eine neue probritische Regierung einsetzen.

Marokko, Tunesien[Bearbeiten]

Nach dem Weltkrieg wurde der an sich königstreuen Istiqlal-Partei (Unabhängigkeitspartei) unterstellt, mit Nazi-Deutschland zusammengearbeitet zu haben, führende Parteimitglieder wurden inhaftiert. Gleiches geschah mit der Destour-Partei (Verfassungspartei) in Tunesien. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen Versuch Frankreichs, die marokkanische und tunesische Unabhängigkeitsbewegung zu diskreditieren und zu schwächen.

Südafrika[Bearbeiten]

In der mit Großbritannien verbündeten Südafrikanischen Union operierten zum einen die burisch-nationalistische bzw. faschistische Ossewabrandwag[3] und ihre Secret Army im Untergrund, verübte Sabotageakte und lieferte Geleitzug-Informationen für den U-Boot-Krieg gegen Großbritannien. Zwei für andere Kriegsschauplätze vorgesehene Divisionen wurden so gebunden. Zum anderen bemühten sich pronazistische Politiker, z. B. Balthazar Johannes Vorster, um einen Austritt Südafrikas aus dem Krieg gegen Deutschland und hielten bis 1942 die Beziehungen zu Vichy-Frankreich aufrecht.

Israelische Besatzungsgebiete[Bearbeiten]

Palästinensische Gebiete[Bearbeiten]

Nach der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens errichtete Israel ein Informationsnetz aus Kollaborateuren. Als Gegenleistung für Passierscheine, Ausreiseerlaubnis, Arbeitsgenehmigungen, Haftverschonung und Geld gaben Palästinenser Informationen über ihre Nachbarn preis.[4] Nutzte dies nicht, wurde auch Erpressung eingesetzt, wie kompromittierende gefälschte Fotos von Mädchen oder ein gezielt gestreutes Gerücht, jemand "arbeite für Israel". Für zivile Streitigkeiten und Entschädigungen für Unfälle mied man die israelischen Behörden, um nicht in den Verdacht zu kommen, Kollaborateur zu sein.

Während der beiden Intifadas wurden geschätzt über 1000 Palästinenser von Palästinensern ermordet, weil sie der Kollaboration mit der Armee bezichtigt wurden. Von diesen seien allerdings nur 40-50 % in Kontakt mit israelischen Kräften gewesen.[5]

Unter der Autonomiebehörde gab es weiterhin Lynchmorde und offizielle Anklagen wegen Kollaboration.[6] Nach den eigenen palästinensischen Gesetzen steht auf dieses Delikt die Todesstrafe.[7] Andererseits arbeitet der palästinensische Geheimdienst intensiv mit den Israelis zusammen und nimmt immer wieder Personen auf Anweisung fest.

Der Abzug aus dem Gazastreifen erhöhte den Bedarf an Informanten, die Abriegelung ist ideal, Personen, die auf Grenzübertritte (z. B. für medizinische Spezialbehandlungen) angewiesen sind, zur Zusammenarbeit zu „überreden“.[8] Auch wenn die technischen Möglichkeiten zur Überwachung heute enorm sind, sind es noch immer Informanten, die z. B. die „gezielten Tötungen“ so treffsicher machen.[9] Die Hamas-Regierung im Gazastreifen verhängte mehrmals gegen Kollaborateure Todesurteile, die auch – ohne die notwendige Bestätigung durch den Präsidenten – exekutiert wurden.[10]

Eine spezielle Form der Kollaboration sind palästinensische Landkäufer. Sie kaufen arabische Grundstücke stellvertretend für jüdische Siedlerorganisationen von solchen Eigentümern, die niemals direkt verkaufen würden.[11]

In einigen Fällen gewährte Israel enttarnten Informanten großzügig Asyl in Israel oder setzte sich für deren Auswanderung ein. In anderen Fällen dultet man lediglich ihren illegalen Aufenthalt in Israel.[12]

Libanon[Bearbeiten]

Während der israelischen Besetzung des Südens des Landes zwischen 1978 und 2000 überwachte die Südlibanesische Armee das Gebiet für Israel. Nach dem überhasteten Abzug war Israel gezwungen, ehemalige SLA-Soldaten mit ihren Familien vorübergehend aufzunehmen bzw. ca. 2.000 einzubürgern und finanziell zu unterstützen.[13]

Palästinenser in den Golfstaaten[Bearbeiten]

Die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991 fand unmittelbar nach dem Zweiten Golfkrieg statt, als von Kuwait etwa 450.000 Palästinenser aus dem Lande vertrieben wurden. Der Exodus war auf den Anführer der PLO, Jassir Arafat, und dessen Unterstützung Saddam Husseins und seiner Gutheißung der irakischen Annexion zurückzuführen. Die palästinensischen Araber wurden der Kollaboration mit den irakischen Invasoren bezichtigt und binnen weniger Tage aus Kuwait vertrieben, weitere Golfstaaten stellten ihre Unterstützung ein.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kollaborateur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kollaboration – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Jeffrey W. Jones: „Every Family Has Its Freak“: Perceptions of Collaboration in Occupied Soviet Russia, 1943–1948. In: Slavic Review. Band 64, No. 4 (Winter, 2005), S. 747-770
  • Werner Röhr (Hrsg.): Okkupation und Kollaboration. (Europa unterm Hakenkreuz, Ergänzungsband 1), Berlin/Heidelberg 1994
  • Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Band 19 (Babette Quinkert, Christoph Dieckmann, Tatjana Tönsmeyer, Hrsg.): Kooperation und Verbrechen. Formen der "Kollaboration in Südost- und Osteuropa 1939–1945. Göttingen, Wallstein, 2003. ISBN 3-89244-690-3 (Tatjana Tönsmeyer: Kollaboration als handlungsleitendes Motiv? Die slowakische Elite und das NS-Regime; Tim Cole: Ebenen der „Kollaboration“ - Ungarn 1944; Mariana Hausleitner: Auf dem Weg zur „Ethnokratie“ - Rumänien in den Jahren des Zweiten Weltkriegs; Klaus-Peter Friedrich: Zusammenarbeit und Mittäterschaft in Polen 1939–1945; Frank Golczewski: Die Kollaboration in der Ukraine; Tanja Penter: Die lokale Gesellschaft im Donbass unter deutscher Okkupation 1941–1943; Katrin Reichelt: Der Anteil der Letten an der Enteignung der Juden ihres Landes zwischen 1941 und 1943)
Polen (1939–1945)
  • Itamar Levin, Rachel Neiman: Walls Around: The Plunder of Warsaw Jewry During World War II and Its Aftermath. Greenwood Publishing Group, 2003 (engl.)
  • Encyclopedia of the Holocaust. Eintrag über „Blue Police“. Macmillan Publishing Company, New York NY, 1990. ISBN 0-02-864527-8 (engl.)
  • Tadeusz Piotrowski: Poland’s Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration with Occupying Forces and Genocide… McFarland & Company, 1997, ISBN 0-7864-0371-3, S. 108–110 (engl.)
  • Tadeusz Wroński: Kronika okupowanego Krakowa. Wydawnictwo Literackie, Krakau 1974, S. 235–240 (poln.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handbuch der Schweizer Geschichte, Band 2
  2. Jürg Fink: Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, Diss. 1985
  3. dort Lit., auch in Deutsch (Kum'a N'Dumbe, IKO Frankfurt, 1993)
  4. Collaborator, Palestine Monitor, 28. August 2010.
  5. One Year Al-Aqsa Intifada: Fact Sheets And Figures – Collaborators. Palestinian Human Rights Monitoring Group, Oktober 2001, abgerufen am 24. Februar 2008.
  6. Palestinian collaborators executed, From occupied Palestine, 24. Oktober 2003.
  7. Palestinian collaborator: 'I am a traitor. I sold my people. But for what?', The Guardian am 17. Mai 2011
  8. Wer hilft, dem wird geholfen, Süddeutsche Zeitung am 17. Mai 2010
  9. Jonathan Cook: Israel’s Dark Art of Ensnaring Palestinian Collaborators, The National vom 13. September 2008.
  10. Hamas executes two 'Israel collaborators' in Gaza, Ha-Aretz vom 15. April 2010.
  11. Spotlight shines on Palestinian collaborators, Al-Jazeera am 17. Februar 2014
  12. Palästinensische Spione riskieren Leben für Israel, Die Welt am 24. November 2012
  13. Germany offers asylum to SLA, BBC am 5. Juni 2000
  14. Palästinenser In den Sand getreten Kuweit vertreibt die letzten Palästinenser, Jordanien leidet unter der Flüchtlingslast. Der Spiegel 8. Juni 1992