François Blondel (Architekt)

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Die Porte St.-Denis
Frontispiz seines Cours d'Architecture
Analyse der Ionischen Säulenordnung nach Palladio

Nicolas-François Blondel (* um 1618[1] in Ribemont; † 21. Januar 1686[2] in Paris) war ein französischer Baumeister und Ingenieur, der es als Marschall und Diplomat zu höchsten Ehren brachte. Er wird als einer der wichtigsten Theoretiker der rationalistischen Architektur der Zeit Colberts angesehen.

Leben[Bearbeiten]

Aus einer Hofbeamtenfamilie[3] stammend und „während eines bewegten Lebens im Rahmen des Militärs“ als Festungsbaumeister[4] studierte er die Ingenieurwissenschaften und Mathematik, doch bald wandte er sich den bildenden Künsten zu. Er wurde zum Diplomaten in Missionen in Italien, Griechenland, der Türkei und Ägypten, aber auch zum Erzieher und Reisebegleiter von mehreren adligen Söhnen, darunter auch denen Colberts.

Académie royale[Bearbeiten]

Von diesem wurde er 1672 zum ersten Direktor der Académie royale d'architecture in Paris ernannt. Durch staatliche Verordnung gegründet, hatte die Académie, die zusammen mit anderen von Colbert nach dem Vorbild der Académie Française gegründet wurde, die Aufgabe, verbindliche Regeln und Normen der Architekturtheorie zu entwickeln, durchzusetzen und auch im Ausland zu propagieren.[4]. Die Académie bestand zunächst aus insgesamt acht Mitgliedern, die zunächst die verfügbare Literatur lesen, sichten und daraus einen Literatur- und Themenkanon bilden sollten. Während die mittelalterliche Architektur schnell als unerträglich verworfen wurde, war die Beurteilung antiker Zeugnisse und Quellen der (italienischen) Renaissance, auch wegen fehlender brauchbarer Bauaufnahmen[5], sehr viel umstrittener. Daraus resultierte die Querelle des anciens et des modernes, ein Richtungsstreit, als dessen konservativer Protagonist Blondel gelten kann.

Architekturtheorie[Bearbeiten]

Das Hauptwerk seiner theoretischen Schriften, Cours d'Architecture (1675–83), ist das Ergebnis Blondels zweimal wöchentlich gehaltener Vorlesungen vor der Académie und ein klarer Ausdruck der rational gebauten französischen Architekturtheorie. Er vertritt hierin konsequent einen Entwicklungsgedanken vom Einfachen zum Verfeinerten, eine Folgerichtigkeit der Architektur von der Urhütte bis zu den ausdifferenzierten Säulenordnungen, die ein geschlossenes System bildet, das gegen Einwände und widersprüchliche Entwicklungen taub ist.

Blondel schuf den Triumphbogen Porte Saint-Denis an Stelle der unter Ludwig XIV. dort gerade abgerissenen Stadtmauer.

Werke[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Cours d'Architecture, Bände 1–5, Paris 1675–83 Online: Bd. 1, Bd. 2/3Bd. 4/5(Uni Heidelberg)
  • Die Kunst Bomben zu werffen, Das ist: Neu-ausgefundene Art die Weiten und Höhen der Würffe und Bogen-Schüsse, nach allerhand Elevationen der Stücke oder Böller zu finden. Nürnberg 1686, Online-Ausgabe der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • Neue Manier Vestungen zu bauen. Nürnberg 1686, Online-Ausgabe der Sächsischen Landesbibliothek

Literatur[Bearbeiten]

  • Antoine Picon: Architectes et ingénieurs au siècle des lumières. Parenthèses, Marseilles 1988, ISBN 2-86364-049-6
  • Hanno-Walter Kruft: Geschichte der Architekturtheorie : Von der Antike bis zur Gegenwart. München: Verlag C. H. Beck 2004, ISBN 3-406-34903-X
  • Christian Freigang: François Blondel. In: Bernd Evers (Hrsg.): Architekturtheorie : Von der Renaissance bis zur Gegenwart, Köln: Taschen Verlag 2006, ISBN 3-8228-5082-9
  • Hrsg. Alfred Werner Maurer, Vanessa Alexia Maurer-Schwindt: Disput François Blondel und Claude Perrault: Der Streit zwischen Francois Blondel und Claude Perrault über den natürlichen Ursprung der architektonischen Proportionen und die Krise der Architekturtheorie,urn:nbn:de:0277-17, Archivserver der DNB [6]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Geburtsdatum ist bis heute nicht bekannt. Kruft nennt 1617 und beruft sich auf Henry Lemonnier (Hg.): Procès-Verbaux de l'Academie Royale d'Architecture 1671-1793, Paris 1911.
  2. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 1, Seite 195
  3. Kruft 2004, S. 146
  4. a b Evers et al. 2006, S. 156
  5. Kruft 2004, S. 147
  6. http://d-nb.info/1005758018/34