Franjo Pooth

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Franjo Pooth (2013)

Franz-Josef „Franjo“ Pooth (* 20. Juli 1969) ist ein deutscher Unternehmer. Bekanntheit erlangte er durch seine Heirat mit der deutschen Entertainerin Verona Pooth, geb. Feldbusch, im Jahr 2004, deren Lebenspartner er seit 2000 ist.

Herkunft / berufliche Tätigkeit[Bearbeiten]

Pooth stammt aus Meerbusch-Büderich und ist der Sohn des Düsseldorfer Architekten Franz-Josef Pooth.[1] Er hat einen Bruder namens Mano Pooth. Franjo Pooth besuchte das Städtische Mataré-Gymnasium in Meerbusch. Ein Studium der Architektur brach er nach zehn Semestern ohne Abschluss ab.[2] Im Anschluss an das Studium arbeitete er in Köln bei der Firstgate Internet AG sowie bei der Kommunikationsagentur Innovum.

Unternehmertätigkeit und Verurteilung wegen Wirtschaftskriminalität[Bearbeiten]

Maxfield-Firmenlogo

2003 gründete Pooth die Maxfield GmbH, die insbesondere MP3-Player vertrieb. Pooth leitete das Unternehmen in der Gründungsphase als Geschäftsführer. 2005 steigerte das Unternehmen seinen Jahresumsatz um 250 Prozent auf 35 Millionen Euro. 2006 war Pooth Finalist des Wettbewerbs „Entrepreneur des Jahres“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.[3] „Nur ein Jahr nach der Gründung läuft Maxfield bereits altbekannten großen Herstellern den Rang ab“, hieß es in der Begründung der Jury.

Anfang 2008 musste die Maxfield GmbH wegen Überschuldung Insolvenz anmelden, am 29. Februar 2008 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. 27 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz.[4] 461 Gläubiger forderten 2008 insgesamt 27 Millionen Euro von dem Unternehmen.[5] Das Landgericht Düsseldorf verurteilte Pooth im Oktober 2008 an die Commerzbank AG 1,8 Mio. Euro zu zahlen.[6]

Am 2. März 2009 wurde Pooth vom Amtsgericht Düsseldorf wegen Untreue, Bestechung im geschäftlichen Verkehr, Vorteilsgewährung und fahrlässiger Insolvenzverschleppung per Strafbefehl zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zur Zahlung von 100.000 Euro an den Insolvenzverwalter verurteilt. Da Pooth den Strafbefehl akzeptierte und Rechtsmittelverzicht erklärte, wurde der Strafbefehl rechtskräftig, und so blieb ihm ein öffentlicher Prozess erspart. Er gilt damit als vorbestraft.

Als Untreue wertete das Gericht die Verwendung von 15.900 Euro Firmengelder für die Renovierung seiner Londoner Privatwohnung; als Bestechung im geschäftlichen Verkehr eine nicht gerechtfertigte Zahlung von 20.000 Euro an einen britischen Einkäufer und Vertreiber von Maxfield-Geräten; als Vorteilsgewährung wertete das Gericht die Lieferung eines Fernsehers an Karl-Heinz Stiegemann (Ex-Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf) ohne Rechnung; die Insolvenzverschleppung wurde als lediglich fahrlässig gewertet, weil das Gericht eine Mitverantwortung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Sparkasse sah, die darauf hingewirkt hatten, dass kein Insolvenzantrag gestellt werde, um einen „Skandal“ zu verhindern.[7]

In diesem Rahmen ist auch eine Einstweilige Verfügung zu sehen, die von Pooths ehemaligem Leibwächter wegen „ehrverletzenden und herabwürdigenden Behauptungen“ gegen diesen erwirkt wurde. Pooth darf nicht mehr behaupten, dass der Personenschützer ihn bestohlen habe und in sein Haus eingebrochen sei. Die Eheleute Pooth hatten angedeutet, dass sie in dem ehemaligen Leibwächter einen der Schuldigen für ihre Misere sehen. Sie hatten ihn bezichtigt, die Unterlagen an die Presse verkauft zu haben, die die Bestechungsaffäre und das Ermittlungsverfahren gegen Franjo Pooth ausgelöst hatten. Der Leibwächter hatte danach gegen beide Eheleute Klage wegen Rufschädigung eingereicht.[8][9][10]

Im Zusammenhang mit der Pooth-Affäre kam es zur Kündigung von Vorstandsmitgliedern der Stadtsparkasse Düsseldorf im März 2008. Deren Vorstandsvorsitzender Heinz-Martin Humme sowie das Vorstandsmitglied Karl-Heinz Stiegemann hatten Pooth, trotz Warnungen aus Verwaltungsratskreisen der Sparkasse einen Kredit in Höhe von 9,3 Millionen Euro gewährt, obwohl sein Unternehmen Maxfield in hohem Maße verschuldet war.[11] Das Unternehmen wurde insolvent und nach der Liquidation verkauft.[12]

Franjo Pooth gestand, die beiden Vorstände unter anderem mit hochwertigen Fernsehern der Luxusmarke Bang & Olufsen im Wert von über 9.000 Euro bestochen zu haben; jedoch beschuldigte er mindestens ein Vorstandsmitglied, ihn dazu genötigt zu haben.[13] Nachdem Wirtschaftsprüfer belastende Belege über die Vorstandsmitglieder gefunden hatten, beschloss der Verwaltungsrat einstimmig deren fristlose Kündigung.[14] Stiegemann reichte trotz des verlorenen Millionenkredits Klage auf Auszahlung von Erfolgsprämien in Höhe von 105.000 Euro gegen die Sparkasse ein.[15] Verona Pooth behauptete in einem RTL-Interview, ihr Mann habe das Talent, „Bankleute um den Finger zu wickeln“.[16] Ein Mitglied des Sparkassen-Verwaltungsrats äußerte öffentlich den Verdacht, dass der Kredit aufgrund des „Verona-Faktors“ zu leichtfertig gewährt worden sei.[17]

Im Rahmen der juristischen Abarbeitung der Pooth-Affäre wurde der frühere Düsseldorfer Stadtsparkassen-Vorstand Karl-Heinz Stiegemann nach einem Geständnis im Juli 2011 vom Düsseldorfer Landgericht zur Zahlung von 454.000 Euro an seinen früheren Arbeitgeber verurteilt.[18][19]

Privates[Bearbeiten]

Mit Verona Pooth hat Franjo Pooth zwei Söhne: San Diego (* 10. September 2003) und Rocco Ernesto (* 4. Juni 2011). Durch – zum Teil gemeinsame – Auftritte in Talkshows und der Boulevardberichterstattung hat der Unternehmer gezielt auch auf sein Unternehmen Maxfield aufmerksam gemacht. Er lebt in Meerbusch-Büderich. Im März 2014 stellten die Eheleute Pooth in einer 80-minütigen Dokumentation auf dem Fernsehsender RTL ihr Privatleben vor.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eheleute Pooth: Dicke Hose in Düsseldorf, Stern, Ausgabe 11/2008
  2. Die Pleite an ihrer Seite, Kölner Stadt-Anzeiger, 22. Februar 2008
  3. Entrepreneur des Jahres 2006: Die Finalisten, in: Manager Magazin, vom 22. September 2006
  4. Insolvenzverfahren gegen Franjo Pooth eröffnet, Die Welt, 2. März 2008
  5. Gläubiger fordern 27 Mio. Euro von Pooth (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv Archive.today), Financial Times Deutschland, 7. Mai 2008
  6. Prozess gegen Commerzbank: Franjo Pooth muss zahlen in: Handelsblatt vom 28. Oktober 2008
  7. Strafbefehl: Franjo Pooth akzeptiert Bewährungsstrafe, Beck-Ticker, 3. März 2009
  8. Verona Pooth Vom Leibwächter verklagt in Stern.de vom 14. Januar 2009
  9. Pooth kassiert Niederlage n-tv.de, vom 1. Oktober 2008
  10. Leibwächter-Streit: Franjo Pooth kassiert Niederlage vor Gericht in: Südeutsche.de vom 17. Mai 2010
  11. Pooth-Affäre: Ex-Sparkassenvorstand erhält Bewährungsstrafe
  12. Pooth-Affäre: Sparkassen-Chef Humme fristlos gefeuert, Die Zeit online, 1. April 2008
  13. Maxfield-Pleite: Franjo Pooth räumt Bestechung ein, Spiegel Online, 6. April 2008
  14. Pooth-Pleite: Düsseldorfer Sparkassenchef muss Posten räumen, Spiegel Online, 31. März 2008
  15. Pooth-Affäre: Stiegemann will Erfolgsprämie, Rheinische Post, 12. Juni 2008
  16. Verdacht der Untreue: Bankchef muss wegen „Pooth-Affäre“ gehen, Die Welt, 22. Februar 2008
  17. Bestechungsvorwurf gegen Veronas Ehemann: Sparkasse – da werden Sie geholfen, Rheinische Post, 21. Februar 2008
  18. Ex-Sparkassen-Vorstand muss 454 000 Euro zahlen in: Rheinische Post vom 28. Juli 2011. Abgerufen am 3. August 2011.
  19. Pooth-Affäre: Früherer Sparkassen-Vorstand legt Geständnis ab in: Spiegel Online v. 22.März 2011
  20. RTL zeigt peinliche Szenen bei Pooths zu Hause in: Welt.de vom 30. März 2014

Siehe auch[Bearbeiten]