Freiklettern

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Kletterer in der Sächsischen Schweiz

Unter Freiklettern versteht man das Klettern an Felsen oder Kunstwänden, bei dem nur Hände und Füße zur Fortbewegung verwendet werden. Künstliche Hilfsmittel sind zur Fortbewegung nicht erlaubt. Zum Freiklettern zählen das Sportklettern mit dem dazugehörigen Bouldern, sowie das traditionelle sächsische Freiklettern[1] und das Freiklettern im Rahmen des alpinen Kletterns.

Mit Ausnahme des selten praktizierten Free-Solokletterns dürfen bei allen anderen Formen des Freikletterns Hilfsmittel wie Seil und Haken verwendet werden, allerdings nur zur Gewährleistung der Sicherheit und nicht als Kletterhilfe. Das "frei" des Wortes Freiklettern bedeutet frei von technischen Hilfsmitteln zur Fortbewegung und nicht, wie dies oft fälschlicherweise angenommen wird, frei von Sicherungsmitteln.[2] Von anderen Spielarten des Klettersports grenzt sich Freiklettern somit durch die konsequente Einhaltung der gängigen Kletter-Ethik ab, nach der eine Route erst dann als frei geklettert gilt, wenn diese ohne aktive Verwendung von Haken oder sonstigen Hilfsmitteln durchstiegen wurde. Hier gilt der klassische Satz wörtlich: der Weg ist das Ziel.

Reibungsklettern an der Punta di u Corbu auf Korsika

Bei exaktem Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff „Freiklettern“ nur auf die Begehungsart, unabhängig von der Art der Route. Die typische Art des Freikletterns wird aber in Sportkletterrouten ausgeübt, deshalb wird Freiklettern oft als Synonym für Sportklettern benutzt. Der Begriff Felsklettern oder Klettern ist dagegen ein Oberbegriff, der sowohl das Freiklettern wie das technische Klettern beinhaltet.

Geschichte[Bearbeiten]

Extremsituation beim Freiklettern (Hier: Bouldern)
Freikletter-Abwehrmaßnahme

Dieser Kletterstil entwickelte sich seit etwa 1890 in der Sächsischen Schweiz, als versucht wurde, auf künstliche Hilfsmittel zur Gipfelbesteigung gänzlich zu verzichten. Zu Beginn der dortigen Klettertradition seit 1864 waren zunächst noch künstliche Hilfsmittel wie Leitern und Metallstifte verwendet worden.

Ein Pionier des Freikletterns in den Alpen war Paul Preuß (1886-1913). In seinem kurzen Leben vollbrachte er mehr als 1.200 Fels-, Ski- und Hochtouren, davon 150 Erstbegehungen und 300 Besteigungen im Alleingang. Er lehnte sämtliche technischen Hilfsmittel beim Aufstieg sowie das Abseilen ab und vertrat das Prinzip, dass sich Kletterer einzig auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten verlassen sollen.

Der erste Kletterführer mit entsprechenden Regeln wurde 1908 von Rudolf Fehrmann herausgegeben („Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz“). 1913 wurden in einem Nachtrag die sächsischen Kletterregeln veröffentlicht. Diese gelten seitdem und wurden in der Sächsischen Schweiz über die Jahrzehnte beibehalten und befolgt. Diese Regeln wurden zum Teil auch in andere Gebiete (Pfalz, Battert, Zittauer Gebirge) übernommen oder dienten dort als Vorbild. 1923 erschien eine ergänzende Ausgabe erstmals mit Einteilung in sieben Schwierigkeitsgrade.

Der sächsische Bergsteiger Fritz Wiessner emigrierte in den 1930er Jahren in die USA. Dort wurden die Regeln durch ihn populär und von vielen Kletterern angewendet (vor allem von Kletterern im Camp 4 des Yosemite-Nationalparks, dem damaligen Kletter-Zentrum der USA), die in den Siebziger Jahren das Klettern zu neuen Schwierigkeitsgraden vorantrieben. Wiessner beeinflusste dadurch die dort herrschende Bergsteigerethik erheblich.

Um etwa 1970 kam das Freiklettern über westdeutsche Kletterer, die im Yosemite-Nationalpark und auch in der Sächsischen Schweiz kletterten, wieder nach Westdeutschland und später ganz Europa zurück. Durch – vor 1990 schwierig zu organisierende – Besuche in der Sächsischen Schweiz bei dortigen Kletterern wie Bernd Arnold hatten Kurt Albert und andere Kletterer gesehen, dass es möglich war, schwierige Felsstücke zu überwinden, ohne dabei künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung zu verwenden. In der Bundesrepublik führte vor allem Kurt Albert das Freiklettern ab 1975 mit dem Begriff des Rotpunkt-Kletterns ein. In den Jahren danach war auch der österreichische Kletterer und Bergfotograf Heinz Zak an dieser Renaissance im europäischen Raum nicht ganz unbeteiligt: er kletterte solche Routen oft selbst mit und dokumentierte sie in hoher fotografischer Qualität, so dass sie über die Fachzeitschriften bekannt wurden und ein größeres Publikum fanden. Bis dahin (1970er Jahre) wurden in Westdeutschland Kletterrouten häufig mit Hilfe von Haken, Strickleitern und ähnlichen Hilfsmitteln bewältigt, was heute technisches Klettern genannt wird. In der Sächsischen Schweiz wurde und wird es noch immer nach den alten Regeln ausgeübt, wobei sich auch dort der Rotpunkt-Gedanke durchgesetzt hat. Technisches Klettern wurde in der Sächsischen Schweiz nie akzeptiert.

Daneben existieren auch mehr oder minder illegale Varianten des Freikletterns, bei denen nicht Berge, sondern Gebäude oder Bäume bestiegen werden. Trotz teils hoher Strafen sind diese illegalen Varianten in manchen Gegenden durchaus recht verbreitet.[3]

Schwierigkeitsgrade[Bearbeiten]

Je nachdem, wie anspruchsvoll eine Kletterroute ist, wird sie in verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Oft orientiert sich der Grad der Route an der schwierigsten Stelle des Weges. Schwierigkeitsgrade werden im optimalen Fall nicht von den persönlichen Vorlieben der bewertenden Person beeinflusst, sondern sollten eine möglichst objektive Beurteilung der Kletterschwierigkeit darstellen. Da dies jedoch häufig schwer realisierbar ist, kommt es vor allem bei hohen Schwierigkeitsgraden immer wieder zu hitzigen Diskussionen.

In verschiedenen Ländern und Klettergebieten werden dabei unterschiedliche Schwierigkeitsskalen verwendet. In Deutschland hat sich weitgehend die UIAA-Skala durchgesetzt, in Sachsen wird weiterhin die sächsische Skala verwendet. Daneben gibt es noch die amerikanischen Skalen: Yosemite Decimal System (YDS) und National Climbing Classification System (NCCS), sowie australische, norwegische und schwedische Skalen. In Europa hat sich mittlerweile die französische Bewertung durchgesetzt, während die englische Bewertung auch der psychischen Belastung einer Route Rechnung trägt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elsner, Dieter / Haase, Jochen: Bergsport Handbuch. Reinbek, Rowohlt 2000 ISBN 3-499-61002-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sächsischer Bergsteigerbund: Sächsische Kletterregeln (http://www.gipfelbuch.de/kletterregeln.htm) Zugriff: 11. Januar 2008
  2. Dieter Elsner / Jochen Haase: Bergsport Handbuch, Reinbek, Rowohlt 2000, S.73
  3. spiegel.de: ein Beispiel