Bouldern

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Boulderer mit Crashpad in Saint Just im Département Cantal, Frankreich
Die zweifache Boulderweltmeisterin Anna Stöhr, AUT, beim Boulder Worldcup München 2012 (Laufzeit 23 sec)
Dasselbe Problem gelöst von der sechsbesten der Weltrangliste, Mélissa Le Nevé, FRA (Laufzeit 1:11 min)

Bouldern (engl. boulder „Felsblock“) ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe. Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat vor allem seit den 1990er Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Bei den Kletterweltmeisterschaften 2001 in Winterthur war die Disziplin erstmals an einer Weltmeisterschaft präsent.

Ursprung[Bearbeiten]

Bereits um 1900 bestiegen in Frankreich bei den Felsen um Fontainebleau die so genannten „Bleausards“ die dort im Wald liegenden Sandsteinfelsen.

Der Bouldersport wurde durch John Gill (USA) und Wolfgang Fietz (Deutschland) maßgeblich geprägt. Gill entwickelte bereits in den 1950er und 1960er Jahren neue Klettertechniken und setzte dabei Elemente aus dem Geräteturnen ein. Er verwarf die Drei-Punkt-Regel, nach der beim Klettern von den vier Haltepunkten stets drei mit dem Fels in Kontakt sein sollen, und praktizierte stattdessen einen dynamischen Bewegungsstil. Hierdurch konnte er den Schwung der letzten Bewegung für den nächsten Zug nutzen, so dass eine fließende Gesamtbewegung (sogenannter „flow“) entstand.

Gill hat zudem die Verwendung von Magnesia in den Klettersport eingeführt. Mit diesem Pulver wird die Griffigkeit der Hände erhöht und der auftretende Handschweiß getrocknet. Zum Schutz vor Sturzverletzungen dienen Bouldermatten.

Allgemein[Bearbeiten]

Bouldern am Fels [Bearbeiten]

Bewertungssysteme beim Bouldern

Zur Bewertung der Schwierigkeit eines Boulders existieren unterschiedliche Bewertungssysteme.

John Gill führte erstmals ein Bewertungssystem für die Schwierigkeit einzelner Boulderprobleme ein. Diese „John Gill B-Scale“ nahm in ihrer ursprünglichen Form eine Einteilung von B1 bis B3 vor. Die Bewertung B1 steht dabei für einen Schwierigkeitsgrad, bei dem das Boulderproblem schwerer als eine äußerst schwere Kletterroute im Toprope-Stil ist. B2 soll deutlich schwerer sein als B1. B3 wird vergeben, wenn ein Boulder ein einziges Mal von einem Kletterer bewältigt wurde. Dieses geschlossene Bewertungssystem konnte nicht lange aufrechterhalten werden, was zu einer Öffnung der Skala und der Einführung neuer Schwierigkeitsgrade führte. Dieser Prozess wurde auch durch die von John Sherman („Vermin“) in den USA entwickelte, offene, V-Skala beschleunigt. Diese ist vom Schwierigkeitsgrad an die B-Skala angelehnt.  

Die weiteste Verbreitung hat beim Bouldern die Fb.-Skala (Fontainebleau-Skala) gefunden. Diese differenziert zudem ein Boulderproblem danach, ob es sich um ein reines Boulderproblem (Fb.-Bloc) oder um ein Traversenproblem (Fb.-Trav) handelt.  

Die Bewertungssysteme sind nicht fixiert. Da immer schwierigere Routen bewältigt werden, kommt es regelmäßig zu Abwertungen und Erweiterungen der Bewertungsskalen. Davon unberührt bleibt der individuell empfundene Schwierigkeitsgrad.

Wie auch beim Vorstiegsklettern wird es zusätzlich als besondere Leistung angesehen, einen Boulder zu flashen, d.h. ihn im ersten Versuch ohne vorheriges Ausprobieren zu klettern. Die Klettertechniken entsprechen denen anderer Kletterdisziplinen. Unterschiedlich ist dabei ihr Vorkommen: Dadurch, dass Boulderprobleme vergleichsweise kompakt sind, sind sie häufig mit starkem Einsatz von Technik verbunden beziehungsweise verlangen eine hohe Körperkraft.

Bouldern an künstlichem Fels [Bearbeiten]

In Boulderhallen erfolgt die Bewertung einer Route zumeist durch Grifffarben oder an den Griffen angebrachte Farbkärtchen. Trotzdem ist es ebenfalls üblich, die Wertung aus dem Felsbouldern zu verwenden. Um zusätzliche Schwierigkeit und Abwechslung zu bieten, können in vielen Hallen auch Volumen verwendet werden, welche optisch oft an natürlichen Stein angelehnt sind. Normalerweise ist jeder Boulder durch seine Startgriffe definiert: R (rechts), L (links) und T (Top). Natürlich können R und L auch zu einem einzelnen Startgriff zusammengefasst werden. In der Regel hat ein Problem vier bis acht Griffe, es gibt aber auch Routen welche lediglich aus einem Start- sowie Topgriff bestehen. Bei Wettkämpfen ist die maximale Länge auf zwölf festgesetzt, bei Amateurwettkämpfen gibt es jedoch auch längere Linien. Im Gegensatz zum Bouldern an natürlichem Fels sind innerhalb von Boulderhallen weiche Matten auf dem Boden verlegt, um die Sicherheit der Sportler zu gewährleisten.[1]

Deep Water Soloing [Bearbeiten]

Sowohl an künstlichem als auch an echtem Fels kann zudem über Wasser geklettert werden. Beim Deep Water Soloing (DWS) wird ein möglicher Sturz durch das Wasser abgefangen. Das Finale des Boulderwettbewerbes "HardMoves" 2013 fand in der Wuppertaler Schwimmoper in Form von DWS statt.[2] Oft verlaufen solche Probleme in fürs Bouldern unüblichen großen Höhen. Dies ist vergleichbar mit so genannten Highball-Problemen. Ein Highball ist ein Boulder, welcher sich nicht mehr in Absprunghöhe befindet.[3]

Ausrüstung[Bearbeiten]

Wesentliche Ausrüstungsteile beim Bouldern sind Kletterschuhe, Magnesiasack, Bouldermatten (engl. crashpad „Sturzpolster“), Bürsten zwecks Griffreinigung und ein Fußabstreifer zum Putzen der Schuhe. Zusätzlich kann zur Prävention oder auch als Behandlung kleiner Verletzungen, wie beispielsweise Schnitte in der Haut, ein Tapeverband angelegt werden.

Spotten[Bearbeiten]

„Spotten“

Da es keine Sicherung gibt, wird in der Regel bei höherem Schwierigkeitsgrad die Hilfe eines Spotters in Anspruch genommen. Dieser soll (bspw. in starken Überhängen) den Fall des Kletternden mit den Händen steuern, um ihn in eine aufrechte Position zu drehen, die eine Landung auf den Füßen ermöglicht. Ziel ist es dabei nicht, den Kletterer „aufzufangen“, sondern ein unkontrolliertes Aufschlagen von Rücken und Kopf auf den Boden zu verhindern. Dabei sollen nicht nur Verletzungen beim Kletterer verhindert werden, sondern bspw. in Hallen auch unachtsame Zuschauer geschützt werden, auf die der Sportler ansonsten fallen könnte. Wenn nötig, wird die Hilfe von mehreren Spottern beansprucht; dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Sturzrichtung schwer vorhersehbar ist.[4]

Bekannte Bouldergebiete[Bearbeiten]

Kletterer in 'Silent Screem' am Pixie Rock im Joshua Tree Nationalpark
Gilt als ältestes Bouldergebiet der Welt. In dem aus Sandstein bestehenden Gebiet wurde im Jahr 1947 auch der Boulderparcours erfunden. Diese Aneinanderreihung einzelner Boulderprobleme weist eine recht homogene Schwierigkeit auf. Der Parcours ist durchnummeriert, farblich gekennzeichnet und wird hintereinanderweg durchgeklettert. Manche Parcours sind so gestaltet, dass bei ihrer Begehung der Boden nicht betreten werden muss, vielmehr ist es möglich, durch Abklettern, Queren und Hinüberspringen durchgängig in Felskontakt zu bleiben.

Berühmte Boulderprobleme[Bearbeiten]

  • Das vielleicht weltweit bekannteste einzelne Boulderproblem befindet sich im Yosemite-Nationalpark (USA) und trägt den Namen Midnight Lightning (V8). Es wurde 1978 erstmals durch den amerikanischen Kletterer und Boulderer Ron Kauk bezwungen.
  • Tonino ’78: Das schwierigste Boulderproblem (Fb. 8c+) bislang. Meschia, Italien, mit 2 Begehungen (1. Mauro Calibani 2. Julien Nadiras).
  • Dreamtime (Fb. 8b+ bzw 8c), Cresciano, Schweiz
  • Unendliche Geschichte (Fb. 8b+), Magic Wood, Averstal, Schweiz.
  • Bokassa's Fridge - Assassin, Monkey and Man (Fb. 8c+), Kochel, Deutschland
  • The Game (Fb. 8c+) Boulder Canyon, USA, gilt als eines der schwersten Boulderprobleme; erstbegangen von Daniel Woods
  • Rainbow Rocket (Fb. 8a)[5] Fontainebleau, einer der bekanntesten Dynos

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bouldern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nationales Regelwerk 2011 (PDF; 526 kB) des Deutschen Alpenvereins - S. 32: 5.1.2, 5.1.6 - Zugriff am 23.Mai 2012
  2. http://hard-moves.de/de/infos-de/finale-2013 - Zugriff am 4. April 2013.
  3. http://www.outdoorshopper.net/highball/ - Zugriff am 4. April 2013.
  4. "Spotten - so gehts" http://www.klettern.de/besser-klettern/sicherheit/spotten-so-geht-s.284207.5.htm - Zugriff am 25. Mai 2012
  5. http://bleau.info/sablons110/1460.html - Zugriff am 1. April 2013.