Friedrich Balduin

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Friedrich Balduin (etwa 1620)

Friedrich Balduin (* 17. November 1575 in Dresden; † 1. Mai 1627 in Wittenberg; auch: Friedrich Balduinus) war ein lutherischer Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Balduin wurde als Sohn des Kürschners Paul Balduin und seiner Frau Magdalena Sperling geboren. Nachdem er die Stadtschule in Dresden absolviert hatte, besuchte er mit Unterstützung seines Landesherrn am 27. April 1590 die Fürstenschule Meißen. Ab 1593 studierte er an der Universität Wittenberg unter Polykarp Leyser dem Älteren, Ägidius Hunnius dem Älteren sowie Salomon Gesner Theologie, Philosophie und Mathematik. Er erwarb 15. März 1597 den philosophischen Magistergrad und zwei Jahre später in Jena einen poetischen Dichterlorbeer. Zurückgekehrt nach Wittenberg, wurde er 1601 Adjunkt des philosophischen Kollegiums. Er wendete sich unter Leonhard Hutter der Theologie zu und wohnte als dessen Gehilfe 1601 dem Regensburger Religionsgespräch bei.

Er ging dann als Pfarrer nach Freiberg und wurde 1603 Prediger sowie Superintendent im Oelsnitz. 1604 wurde er als theologischer Professor und Nachfolger von David Runge nach Wittenberg berufen. Am 28. Juni 1605 erwarb er das Lizentiat der Theologie, promovierte am 23. Juli 1605 zum Doktor der Theologie und wurde 1607 als Nachfolger von Georg Mylius Generalsuperintendent des sächsischen Kurkreises. Besonders erlangte er als Pfarrer an der Stadtkirche einen großen Ruf. 1608 übernahm er als Assessor den Vorsitz des Theologischen Konsistoriums, sodass er sich vom Kurfürsten Christian II. 1610 auf den Prager Fürstentag begleiten ließ. Als Haupt der theologischen Fakultät blieb er bis zum Tod der Universität Wittenberg.

Balduin las an der Universität die Paulinischen Briefe unter Bezugnahme auf die kirchlichen Streitfragen und legte diese auf die kirchliche Praxis der Zeit aus. Er ist der Begründer der Kasuistik auf der evangelischen Seite geworden. Dazu hielt er im Gegensatz zur katholischen Kasuistik Vorlesungen, um den Inhalt der von der Fakultät erforderten Gutachten systematisch zu gestalten. Dazu gab die Fakultät längere Zeit nach seinem Tod unter dem Titel „Tractatus de casibus Conscientiae“ eine Schrift heraus, die als erste lutherische Bearbeitung des Gegenstandes gilt. Seine deutschen und lateinischen Schriften, Reden, Predigten und Abhandlungen sind zahlreich und betreffen teilweise die Schrifterklärung, teilweise die lutherischen Symbolbücher, den Racauer Katechismus und mehrere Streitlehren, zum Beispiel vom Abendmahl, dem Ablasswesen, dem Bilderdienst und Antichrist.

Familie[Bearbeiten]

Balduin war zweimal verheiratet. Die erste Ehe ging er am 9. November 1602 mit Dorothea (* 5. September 1585 in Dresden; † 4. Oktober 1622 in Wittenberg), der Tochter des Stadtpredigers in Dresden Balthasar Meisner d. Ä. und dessen Frau Anna (geb. Crantz), ein. Aus der zwanzigjährigen Ehe gingen zehn Söhne und zwei Töchter hervor. Vier Söhne und eine Tochter waren bereits vor dem Tod der Mutter gestorben. Die Söhne Balthasar Balduin (* 5. Februar 1605 in Dresden; war 1651 in Döbeln/Lausitz, 1636 Superintendent Chemnitz; 1638 Superintendent Zwickau, 1647 Sup. Regensburg, † 29. April 1652 ebenda), Christian Adolf Balduin (Schöffer zu Hayna, † 1682, Verfasser von chymischen Schriften (Adelung)), Friedrich Balduin († 30. Oktober 1604 in Oelsnitz), Gottlieb Balduin (der 1684 als Prediger zu Regensburg starb und dessen Lieder größtenteils in seinem: „Entdecktes Heiligthum des neuen Bundes im heiligen Abendmahl“ stehen), Johannes Balduin und Paulus Balduin überlebten ihren Vater. Seine Nichte Sybylla, Tochter des kurfürstlich sächsischen Zeughauswärters Paul Balduin in Zwickau, heiratete am 29. Januar 1624 der Witteberger Archidiakon August Fleischhauer. Nachdem seine erste Frau 1622 gestorben war, heiratete er Sophia, die Tochter des Torgauer Ratsherrn und Stadtrichters Eucharius Barwasser. Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt.

Werke[Bearbeiten]

  • Tractatus de casibus conscientiae
  • Christliche Leichpredigt / Uber den seligen Abschied von dieser welt / des … Augusti, Hertzogen zu Sachsen / Gülich ...Dessen Fürstliche Gnaden den 26. Decemb. An. 1615 zu Dreßden im Herrn entschlafen … Wittenberg 1616

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]