Frische Nehrung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Frische Nehrung
Frische Nehrung und Frisches Haff, Landsat-Foto
Frische Nehrung und Frisches Haff, Landsat-Foto
Gewässer 1 Ostsee
Gewässer 2 Frisches Haff

Geographische Lage

54° 24′ 0″ N, 19° 30′ 0″ O54.419.5Koordinaten: 54° 24′ 0″ N, 19° 30′ 0″ O
Frische Nehrung (Oblast Kaliningrad)
Frische Nehrung
Länge 70 km
Breite 1,8 km
Trennender Landstreifen Frische Nehrung zwischen Frischem Haff und Danziger Bucht auf einer Landkarte von 1910.

Die Frische Nehrung (polnisch Mierzeja Wiślana, russisch Балтийская коса Baltijskaja Kosa) ist eine schmale Landzunge (Nehrung) von rund 70 km Länge und einigen hundert Metern Breite (größte Breite 1,8 km), die in nordöstlicher Richtung verläuft und das Frische Haff von der offenen Ostsee abtrennt. Quer über die Frische Nehrung verläuft die Grenze zwischen Polen (Woiwodschaft Pommern) und Russland (Oblast Kaliningrad).

Der preußische Name lautete „Aismares“ („aislu“: schnell + „mari, mary“: Haff). Zur Ordenszeit lautete der Name „Danziger Nehrung“. Diese Bezeichnung weist auf den Weg von Königsberg nach Danzig hin – analog zur „Kurischen Nehrung“, die den Weg nach Kurland bezeichnet. Die Bezeichnung „Frische Nehrung“ dürfte eine Übersetzung von „aislu“ sein (Analogie zu schnell: frisch, frische Brise), kann jedoch auch von den ersten deutschen Siedlern auf der Nehrung – den Friesen – abstammen (Friesische Nehrung verkürzt zu Frische Nehrung). In der Literatur ist auch eine andere Erklärung zu finden: Früher nannte man Süßwasser „Frisches Wasser“ (Englisch freshwater). Alle Haffe (haf=mittelniederdeutsch) mit ausgesüßtem Wasser wurden Frisches Haff genannt, wie beispielsweise auch das Oderhaff. Nicht erst seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ging der Name „Frisches“ auf das Haff (verwandt mit norwegisch, dänisch hav = Meer) bzw. auf die Nehrung über,[1] [2] sondern wurde bereits 1676 in dem Buch Speculum Germaniae oder ein kurtzer geographischer Bericht von dem Gesammten Teuschland als frisches Haff[3] bezeichnet, wobei auf vorherige Benutzung anderer Autoren gewiesen wird.

Orte[Bearbeiten]

Am Fuße der Frischen Nehrung befindet sich Steegen (Stegna). Der Landstraße von Danzig aus, „Gdanska“, nach Norden folgend liegen die Orte Bodenwinkel (Kąty), Vogelsang (Skowronki), Schortland, Pröbbernau (Przebrno), Liep und der Badeort Kahlberg (Krynica Morska). Hier gibt es einen 2,5 km langen Strand, gepflegte Parkanlagen und Mischwald. 1939 wurde der Ort jährlich von rund 5000 Gästen besucht. Der letzte Ort auf polnischer Seite ist Neukrug, poln. Nowa Karczma, der Ort heißt heute Piaski. Sie gehören jetzt zur polnischen Woiwodschaft Pommern und sind Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr. Narmeln mit der mit 45 Meter Höhe imposantesten Düne der Frischen Nehrung liegt bereits auf russischem Gebiet und hat seit 1945, soweit bekannt, keine zivile Besiedelung mehr. Der russische Teil der Nehrung ist gesperrt, an ihrem Nordende befinden sich Kaddighaken und Neutief (Kosa), ein Stadtteil der Hafenstadt Pillau (Baltijsk).

Geschichte[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert verlandete eine Durchfahrt durch die Nehrung, die Elbing und zuvor Truso, den direkten Zugang zur Ostsee ermöglicht hatte. Aus dem auf der Nehrung reichlich wachsenden „Kaddig“ (ostpreußisch für Wacholder) stellten die zugewanderten friesischen Mennoniten einst den berühmten Machandel-Schnaps her.

Zu Ende des Zweiten Weltkrieges verlief über das zugefrorene Haff und die Frische Nehrung eine Hauptroute des Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen in Richtung Westen.

Polen erwägt den Bau eines Kanaldurchstichs, um nicht auf den einzigen natürlichen Ostseezugang bei Pillau angewiesen zu sein, der russisch kontrolliert wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Eine weitere Ostseenehrung ist die Kurische Nehrung.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Domers: Ostseebad Kahlberg Frische Nehrung. Truso Verlag, Münster 1991
  2. H. Baudler: Frische Nehrung und Frisches Haff in der Literatur bis 1945. (Beiträge zur Klima- und Meeresforschung), Universität Rostock, 2003
  3. Speculum Germaniae..., Nürnberg, 1676, Beispiel: S.458 Frauenburg am frischen Haff