Galsan Tschinag

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Galsan Tschinag bei einer Lesung in München, 2006

Galsan Tschinag (mongolisch Чинаагийн Галсан, eigentlich Irgit Schynykbai-oglu Dshurukuwaa, * 26. Dezember 1944 im Bajan-Ölgii-Aimag, Mongolei) ist ein aus der Mongolei stammender deutschsprachiger Schriftsteller. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Er ist Angehöriger der Volksgruppe der turksprachigen Tuwiner. Tschinag ist auch Stammesoberhaupt, Schamane, Lehrer und Schauspieler. Er selbst sieht sich in erster Linie als Ernährer seines Stammes, den er in einer Karawane von Sibirien in seine mongolische Heimat geführt hat. Bekannt wurde er als deutschsprachiger Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Galsan Tschinag wurde 1944 im Bajan-Ölgii-Aimag, im Hohen Altai in der westlichen Mongolei als jüngster Sohn einer tuwinischen Familie geboren. Seine Tante - die Frau des Bruders seines Vater - war Schamanin. 1962 bis 1968 studierte er Germanistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und beendete sein Studium mit einer Diplomarbeit über Erwin Strittmatter. Er kehrte danach in die Mongolei zurück und arbeitete als Deutschlehrer an der staatlichen mongolischen Universität. 1976 wurde ihm die Lehrerlaubnis wegen politischer Unzuverlässigkeit entzogen. 1980 schloss Galsan Tschinag mit seinem Leben bereits mit nur 36 Jahren ab, nachdem bei ihm ein schweres Herzleiden diagnostiziert wurde. Der Autor arbeitete zuvor 12 Stunden täglich als Dozent an allen vier mongolischen Universitäten. Laut Tschinag haben ihm allein seine schamanischen Kräfte und viel Sport das Leben gerettet.

Heute lebt er den größten Teil des Jahres in der Landeshauptstadt Ulan Bator gemeinsam mit seiner knapp 20-köpfigen Familie und verbringt viel Zeit auf Lesereisen im deutschsprachigen Ausland. Je ein Drittel des Jahres verbringt er in seiner Residenz in Ulan Bator, in Europa und in der westmongolischen Steppe bei seinem tuwinischen Stamm. Er schreibt seine Romane, Erzählungen und Gedichte meist auf Deutsch, weshalb er als deutschsprachiger Migrantenschriftsteller gesehen wird. Seine Erzählungen wurden auch in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.

Die Beziehung zu seinem umfassenden Volk beschreibt Tschinag als ein kontinuierliches Geben und Nehmen. Die Geschichten aus seinen Büchern sind die Geschichten des Volkes. Das Honorar für die zahlreichen Lesereisen verwendet er, um die Menschen in seinem Volk finanziell zu unterstützen. Ohne seine Erlaubnis darf niemand zum Arzt gehen, vorher muss sich die betreffende Person von dem Schamanen untersuchen lassen. Neunzig Prozent dieser Krankheiten, so Tschinag, können von ihm selbst geheilt werden. Als sein Stellvertreter gilt sein jüngster Sohn, der auch die Nachfolge als Stammesoberhaupt von seinem Vater erben wird.

Werke[Bearbeiten]

  • 1981 Eine tuwinische Geschichte und andere Erzählungen. Erzählungen. Verlag Volk & Welt, Berlin.
  • 1992 Der siebzehnte Tag. Erzählungen. A1 Verlag, München.
  • 1993 Das Ende des Liedes. Erzählungen. A1 Verlag, München.
  • 1994 Der blaue Himmel. Roman. Suhrkamp Verlag, München; als Suhrkamp Taschenbuch 1997, ISBN 3-518-39220-4.
  • 1995 Eine tuwinische Geschichte und neue Erzählungen. Erzählungen. A1 Verlag, München.
  • 1995 Zwanzig und ein Tag. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
  • 1995 Alle Pfade um deine Jurte. Gedichte. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 1996 Nimmer werde ich dich zähmen können. Gedichte. Frauenfeld, Waldgut Verlag.
  • 1997 Die Karawane. Erzählungen. A1 Verlag, München.
  • 1997 Im Land der zornigen Winde. Zusammen mit Amelie Schenk. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 1998 Wolkenhunde. Gedichte. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 1999 Die graue Erde. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
  • 1999 Der Wolf und die Hündin. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 1999 Sonnenrote Orakelsteine. Schamanengesänge. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 2000 Der weiße Berg. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
  • 2001 Dojnaa. Erzählung. A1 Verlag, München.
  • 2002 Tau und Gras. Erzählungen. Unionsverlag, Zürich.
  • 2002 Der Steinmensch von Ak-Hem. Gedichte. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 2003 Die Verteidigung des Steins gegenüber dem Beton. Zwei Reden. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 2004 Das geraubte Kind. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
  • 2005 Mein Altai. Erzählungen. A1 Verlag, München.
  • 2006 Das zaubermächtige Goldplättchen und andere Märchen aus der Gegenwart. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 2006 Jenseits des Schweigens. Gedichte. Waldgut Verlag, Frauenfeld.
  • 2007 Liebesgedichte. Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt am Main/ Leipzig.
  • 2007 Die neun Träume des Dschingis Khan. Roman. Insel Verlag, Frankfurt am Main/ Leipzig, ISBN 978-3-458-17336-6. (Insel-Bücherei 1302)
  • 2007 Auf der großen blauen Straße. Erzählungen. Unionsverlag, Zürich, ISBN 978-3-293-00371-2.
  • 2008 Das Menschenwild. Erzählung. Insel Verlag, Frankfurt am Main/ Leipzig, ISBN 978-3-458-19302-9.
  • 2008 Die Rückkehr. Roman. Insel Verlag, Frankfurt am Main/ Leipzig, ISBN 978-3-458-17410-3.
  • 2011 Das andere Dasein. Roman. Insel Verlag, ISBN 978-3-458-17494-3.
  • 2012 In der Mitte ein Feuer. Geschichten und Bilder der tuwinischen Nomaden in der Mongolei. Buch und DVD zusammen mit Gernot Gleiss und Gernot Stadler. Verlag G2, Klagenfurt, ISBN 978-3-200-02558-5.
  • 2012 Gold und Staub. Roman. Unionsverlag, Zürich, ISBN 978-3-293-00446-7.
  • 2013 Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind. Roman. Unionsverlag, Zürich, ISBN 978-3-293-00465-8.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]