Gemeinwesenarbeit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gemeinwesenarbeit (GWA) ist neben sozialer Gruppenarbeit und Einzelfallhilfe eine der grundlegenden Arbeitsformen der Sozialen Arbeit. Sie befasst sich in Städten und Gemeinden mit sozialer Intervention und ist – im Gegensatz z. B. zu Bürgerinitiativen und ehrenamtlichem Engagement – eine Tätigkeit von professionellen, dafür bezahlten Fachkräften.

Als historische Ausgangspunkte der heutigen Gemeinwesenarbeit gelten die von Samuel Barnett im späten 19. Jahrhundert gegründete Toynbee Hall in London und das von Jane Addams initiierte Hull House (ein Nachbarschaftszentrum in Chicago). Grundgedanke dieser Einrichtungen war, dass die Ursachen von Armut und sozialer Ungerechtigkeit nur gemeinsam mit den Betroffenen bekämpft werden können.

Ziele und Methoden[Bearbeiten]

Gemeinwesenarbeiter werden vornehmlich in „sozialen Brennpunkten“ mit vielfältigen Problemen und einem entsprechenden Konfliktpotential eingesetzt, zum Beispiel in Wohnquartieren mit multi-kultureller Einwohnerschaft oder in Stadtteilen mit einer hohen Arbeitslosenquote und überdurchschnittlicher Kriminalitätsrate.

In Zusammenarbeit mit den Betroffenen wird versucht, die Lebensqualität vor Ort zu steigern und die das Gemeinwesen beeinträchtigenden Probleme aufzugreifen und langfristig zu lösen. Die als Gemeinwesenarbeiter tätigen Sozialarbeiter oder professionellen Fachkräfte verstehen sich entweder in der Rolle eines außenstehenden, neutralen Moderators oder in der eines aktiven und parteilichen Akteurs. Ein wichtiger Teil der Gemeinwesenarbeit ist die Mobilisierung der Bürgerinnen und Bürger, damit sie sich selbst für die Verbesserung ihrer Lebensqualität einsetzen.

Über die Vernetzung mit örtlichen Institutionen (Behörden, Schulen, Jugendhäusern, Kirchen), Initiativen (Vereinen, Gruppierungen) und die Aktivierung von Einzelpersonen (Meinungsmachern, Wortführern, Ehrenamtlichen) soll eine nachhaltige Wirkung erzielt werden.

In der Schweiz und im französischsprachigen Raum überschneidet sich die Gemeinwesenarbeit mit der Soziokulturellen Animation, welche ähnliche Ziele verfolgt, aber in der Umsetzung den soziokulturellen und künstlerischen Ausdrucksformen einen zentralen Stellenwert einräumt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Oliver Fehren: Wer organisiert das Gemeinwesen? Zivilgesellschaftliche Perspektiven Sozialer Arbeit als intermediärer Instanz. Edition Sigma, Berlin 2008, ISBN 978-3-89404-560-9.
  • Michael Galuske: Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. 7. Auflage. Juventa, Weinheim/ München 2007, ISBN 978-3-7799-1441-9.
  • Fritz Karas, Wolfgang Hinte: Grundprogramm Gemeinwesenarbeit. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal 1978, ISBN 3-7795-7324-5.
  • Stefan Kirchgraber: Was kann gemeinwesenorientierte Sozialarbeit zur Generationenfrage beitragen? Ed. Soziothek, Rubigen/ Bern 2006, ISBN 3-03796-162-7.
  • Astrid Lewy, Ludwig Weitz (Hrsg.): Praxis Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhandbuch. Stiftung Mitarbeit, Bonn 2003, ISBN 3-928053-84-1.
  • Maria Lüttringhaus, Hille Richers: Handbuch Aktivierende Befragung. Stiftung Mitarbeit, Bonn 2003, ISBN 3-928053-82-5.
  • Marion Mohrlock, Michaela Neubauer, Rainer Neubauer, Walter Schönfelder: Let’s Organize!, Gemeinwesenarbeit und community organization im Vergleich. München 1993, ISBN 3-923126-81-6.
  • Marc Diebäcker (Hrsg.): Partizipative Stadtentwicklung und Agenda 21. Diskurse – Methoden – Praxis. Verb. Wiener Volksbildung, Wien 2004, ISBN 3-900799-57-1.
  • Fritz Karas, Wolfgang Hinte: Studienbuch Gruppen- und Gemeinwesenarbeit. Luchterhand Verlag, Neuwied/ Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-472-07743-3.

Weblinks[Bearbeiten]