Gerhard Halepaghe

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Gerhard Halepaghe (* um 1430 in Buxtehude; † April 1485 ebenda) war Benediktiner, Vikar an der St. Petri-Kirche, Lehrer (lat. Magister) und Stifter in Buxtehude.

Name[Bearbeiten]

Der Nachname des Gerhard Halepaghe ist als Halepaghe[1] oder Halepage[2] oder weiter auch Halepaghen[3] oder Halepagen zu finden, da im Mittelalter die Namensschreibung variieren konnte. Halepaghe selbst schrieb sich auch Gherd Halepaghe.

Der Satzname Halepaghe ist zusammengesetzt aus den alten niederdeutschen Wörtern halen= holen und page, m. = das Pferd, im Akkusativ paghen. Halepaghen heißt also "Hol das Pferd.", was auf eine Tätigkeit als Pferdeknecht, aber vor allem auf den Beruf des Tierarztes und Geburtshelfers hindeutet. Gerhard Halepaghe führte denn auch ein Pferd in seinem Wappen. Das silberne Petschaft ist bis heute erhalten.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Studium in Leipzig brach er zu einer dreijährigen Pilgerreise nach Rom auf, wo er nach eigenem Bekunden den Borgia-Papst Calixtus gesehen hat.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts war er in der Niederelberegion an der Reform des Kirchen- und Klosterlebens im Sinne einer neuen Frömmigkeit (Devotio moderna) beteiligt. 1469 der Bursfelder Union beigetreten, wendete er sich gegen den Missbrauch von kirchlichen Ämtern und warb besonders in seiner Eigenschaft als Beichtvater und Teilnehmer von Visitationen im Neuen Kloster bei Buxtehude (gegründet 1286) und anderen umliegenden Konventen für die Beachtung der Ordensregeln des Hl. Benedikt von Nursia in ihrer ursprünglichen Reinheit und Strenge, so im Alten Kloster ("Altkloster", gegründet 1196) oder den Klöstern Lühe und Harvestehude.

Gedenken[Bearbeiten]

Öffentliche Darstellung[Bearbeiten]

Gerhard Halepaghe ist in der Buxtehuder St. Petri-Kirche auf dem um 1510 vom Meister des Halepagener Altars geschaffenen mittelalterlichen Passionsaltar zu Füßen des Apostels Paulus dargestellt. Auftraggeber und Stifter des Altars war Hermann Langenbeck, ab 1482 Bürgermeister von Hamburg und Mündel von Gerhard Halepaghe. Auch Hermann Langenbeck selbst ist auf dem Altar als Hl. Hieronymus dargestellt.

Vor dem Heimatmuseum Buxtehude in der Nähe der St. Petri-Kirche ist für Gerhard Halepaghe ein Brunnendenkmal errichtet worden.

Namensgeber[Bearbeiten]

Nach Halepaghe ist in Buxtehude die Halepaghenstraße und seit 1952 die Halepaghen-Schule benannt. Diese ist aus der 1390 gegründeten Klosterschule in Buxtehude hervorgegangen, an der Halepaghe unterrichtet hat.

Halepaghen-Stiftung[Bearbeiten]

Gerhard Halepaghe stammte aus begüterten Verhältnissen, lebte selbst aber sparsam. Er verlieh Geld an die im Alten Land ansässigen Bauern gegen Gewährung einer Geldrente und bedachte mit dem Ertrag die Vikare zu Buxtehude, die davon mehrere Spitäler und eine Badestube unterhielten.

In seinem 240 Seiten umfassenden Testament stiftete er seine Ländereien bei Nincop im Alten Land zu je einem Drittel für kirchliche Zwecke, für Stipendien und für die Armenfürsorge.[4] Die Halepaghen-Stiftung von 1484 [5] ist eine der ältesten kirchlichen Stiftungen Deutschlands.

Literatur[Bearbeiten]

  • Margarete Schindler: Der Buxtehuder Magister Gerhard Halepaghen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Bd.37/1965, S. 35-45
  • Martin Jank: Leben und Wirken des Buxtehuder Magisters Halepaghe. Buxtehude, 1984
  • Martin Jank: 500 Jahre Halepaghen-Stiftung Buxtehude. Buxtehude, 1984
  • Robert Gahde: Halepaghe, Gerhard (Lexikoneintrag). In: Brage Bei der Wieden, Jan Lokers: Lebensläufe zwischen Elbe und Weser. Ein biographisches Lexikon, Bd. 1. Stade 2002, S. 120-122.
  • Robert Gahde: Vom Pachthof der Halepaghen-Stiftung zum eigenständigen Obstbaubetrieb. Die Geschichte des Hofes von Heiner Prigge in Nincop, in: Monika Genz: Der Baum Neuenfelde. Geschichte und Geschichten von Menschen, 1059-2009. Moisburg 2010, S. 610-627.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Satzname – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: magister – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Halepaghe, Gerhard In: Brage Bei der Wieden et. al.: Lebensläufe zwischen Elbe und Weser. Ein biographisches Lexikon, Bd. 1. Stade 2002, S. 120-122
  2. Dedeke, Wilm. In: Franklin Kopitzsch et al:: Hamburgische Biografie Band 2, Göttingen 2008
  3. Margarete Schindler: Der Buxtehuder Magister Gerhard Halepaghen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte" Band 37/1965, S. 35-45
  4. Walter Zimdahl: Rede zum Gründungsakt der Stiftung der St. Ludgeri Gemeinde 2003
  5. Halepaghen-Stiftung von 1484 in Buxtehude