Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Physikzentrum Bad Honnef, Sitz der GDNÄ-Geschäftsstelle

Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e.V. (GDNÄ) wurde 1822 in Leipzig gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg im Februar 1950 in Göttingen als Verein wieder gegründet. Sie ist die älteste und größte interdisziplinäre Wissenschaftsvereinigung in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe sieht sie im Wissens- und Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen und zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Sie hat gegenwärtig etwa 4.000 Mitglieder. Ihre Geschäftsstelle befindet sich in den Räumen des Physikzentrums Bad Honnef in Bad Honnef bei Bonn.

Geschichte[Bearbeiten]

Lorenz Oken, Gründer der GDNÄ

Die GDNÄ wurde 1822 vom Naturforscher und Arzt Lorenz Oken gegründet. Im gleichen Jahr fand in Leipzig die erste Versammlung der Gesellschaft statt. Das Gründungsziel war das persönliche Kennenlernen der deutschen Naturwissenschaftler und Ärzte, um durch den Austausch untereinander zu profitieren. Diese Zusammenkünfte („Verhandlungen“) wurden in der Folgezeit zunehmend zu einem Forum zur Präsentation neuer Ergebnisse aus der naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung. 1828 wurden innerhalb der GDNÄ Fachsektionen eingerichtet. In der Anfangszeit wurde die Arbeit der Gesellschaft durch die Gefahr der Zensur behindert und erst 1861 konnten beispielsweise die österreichischen Mitglieder auch namentlich genannt werden, da sie sich vorher der Verfolgung ausgesetzt sahen. Bekannte Beispiele für die Vorstellung und Diskussion wichtiger Erkenntnisse auf Versammlungen der GDNÄ sind die Relativitätstheorie von Albert Einstein im Jahr 1909 und ein Vortrag von Gerhard Domagk im Jahr 1936, der den Beginn der Chemotherapie von bakteriellen Infektionen markierte. Die Versammlungen, die nach der Gründung der Gesellschaft zunächst jährlich abgehalten wurden, finden gegenwärtig in einem zweijährigen Rhythmus in verschiedenen Städten statt. Sie stehen jeweils unter einem Generalthema. Seit 1983 verleiht die GDNÄ während jeder Versammlung die Lorenz-Oken-Medaille an Personen, „die bei der allgemeinverständlichen Interpretation oder Verbreitung naturwissenschaftlicher und/oder medizinischer Erkenntnisse und Einsichten herausragende Leistungen erbracht haben“.

Ziele[Bearbeiten]

Die GDNÄ sieht ihre Ziele und Aufgaben in der Schaffung von Verständnis und Vertrauen für die wissenschaftliche Forschung durch Dialog zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit und in der Förderung des interdisziplinären Informations- und Meinungsaustausches zwischen Wissenschaftlern verschiedener Fachgebiete. Sie verfolgt diese Ziele durch verschiedene Veranstaltungen, Publikationen und andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit. Ihr offizielles Organ ist die monatlich erscheinende Zeitschrift „Naturwissenschaftliche Rundschau“.

Die wichtigste Veranstaltung ist die alle zwei Jahre stattfindende Versammlung der Gesellschaft, zu der jeweils in Form der „Verhandlungen“ ein Tagungsband herausgegeben wird. Die 125. Versammlung stand unter dem Thema "Wachstum - Eskalation, Steuerung und Grenzen" und fand vom 19. bis 22. September 2008 in Tübingen statt. Die 126. Versammlung fand vom 17. bis 21. September 2010 in Dresden zum Generalthema „Herausforderung Mensch: Energie, Ernährung, Gesundheit“ statt.

Vom 14. bis 18. September 2012 fand die 127. Versammlung in Göttingen statt. Das Thema war: " Gesellschaft braucht Wissenschaft – Wissenschaft braucht Gesellschaft: MobilitätKommunikationInteraktion".

Mitgliedschaft und Gliederung[Bearbeiten]

Eine ordentliche Mitgliedschaft in der GDNÄ steht jedem an den Naturwissenschaften, der Medizin und Technik interessierten Menschen offen. Während die meisten Mitglieder forschend tätig sind an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in der Industrie, sind insbesondere Schüler und Studenten als Mitglieder ebenso willkommen wie interessierte Laien. Derzeit hat die Gesellschaft etwa 4.000 ordentliche Mitglieder, von denen rund 14 Prozent jünger als 35 Jahre sind. Korporatives Mitglied können darüber hinaus Verbände, Organisationen, Institute, Firmen und ähnliche juristische Personen werden.

Die GDNÄ gliedert sich in die Fachsektionen Chemie, Physik einschließlich Geowissenschaften, Biologie, Medizin und Technik. Bei den beiden Versammlungen im Jahr 2004 in Passau und im Jahr 2006 in Bremen wurde allerdings auf die Durchführung fachbezogener Sektionssitzungen verzichtet.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Lorenz-Oken-Medaille kann von der Gesellschaft an Personen verliehen, die besonders zur Interpretation und Verbreitung naturwissenschaftlicher oder medizinischer Erkenntnisse beigetragen haben. Die Alexander von Humboldt-Medaille kann erhalten, wer sich um die GDNÄ besonders verdient gemacht hat. Die Auszeichnungen werden zu Beginn der zweijährig stattfindenden Versammlungen in einem Festakt überreicht.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Fritzsch, Jörg Hacker, Henning Hopf, Klaus Peter, Markus Schwoerer, Wolfgang Donner: Materie in Raum und Zeit. Hirzel, Stuttgart 2005, ISBN 3-7776-1375-4 (Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 123. Versammlung, Passau 2004)
  • Rolf Emmermann, Rudolf Balling, Günther Hasinger: An den Fronten der Forschung. Hirzel, Stuttgart 2003, ISBN 3-7776-1257-X (Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 122. Versammlung, Halle/ Saale 2002)
  • Ernst-Ludwig Winnacker, Johannes Dichgans, Gerhard Erker: Unter jedem Stein liegt ein Diamant. Hirzel, Stuttgart 2001, ISBN 3-7776-1122-0 (Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 121. Versammlung, Bonn 2000)
  • Detlev Ganten, Erhard Meyer-Galow, Hans-Hilger Rogers: Gene, Neurone, Qubits & Co. Hirzel, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0970-6 (Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 120. Versammlung, Berlin 1998)
  • Joachim Treusch, Helmut Altner, Harald zur Hausen: Koordinaten der menschlichen Zukunft: Energie, Materie, Information, Zeit. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1999, ISBN 3-8047-1525-7 (Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 119. Versammlung, Regensburg 1996)
  • Katrin Ursula Schmalenbeck: Ludwig Franz Alexander Winther (1812–1871). Erster ordentlicher Professor für Pathologie der Gießener Ludwigsuniversität. Dissertation, Universität Gießen 2007 (Volltext)
Zur Geschichte
  • Heinz Degen: Vor hundert Jahren: Die Naturforscherversammlung zu Göttingen und der Materialismusstreit. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Band 7, 1954, S. 271–277.
  • Heinz Degen: Die 16. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Breiburg i. Br. im Jahre 1838. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Band 7, 1954, S. 358–367.
  • Heinz Degen: Lorenz Oken und seine Isis um die Gründungszeit der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. In: Naturwissenschaftliche Rundschau Band 8, 1955, S. 145–150, 180–189.
  • Heinz Degen: Die Gründungsgeschichte der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. In: Naturwissenschaftliche Rundschau Band 8, 1955, S. 421–427, 472–480.
  • Heinz Degen: Die Entwicklung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in der Spätromantik bis zur Münchener Versammlung 1827. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Band 9, 1956, S. 185–193
  • Heinz Degen: Die Naturforscherversammlung zu Berlin im Jahre 1828 und ihre Bedeutung für die deutsche Geistesgeschichte. In: Naturwissenschaftliche Rundschau. Band 9, 1956, S. 330–340.
  • Lübeck: Festschrift den Theilnehmern der 67. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte, gewidmet von dem Arztlichen Verein und dem Naturwissenschaftlichen Verein zu Lübeck. Lübeck: Rahtgens 1895

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website der Gesellschaft (abgerufen am 6. November 2013)

50.6513888888897.2197222222222Koordinaten: 50° 39′ 5″ N, 7° 13′ 11″ O