Girolamo Zanchi

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Girolamo Zanchi, Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert

Girolamo Zanchi (* 2. Februar 1516 in Alzano Lombardo; † 19. November 1590 in Heidelberg) war ein reformierter Theologe, Konfessionalist und Reformator.

Leben[Bearbeiten]

Zanchi wurde als Sohn eines Juristen und Historikers in Italien bei Bergamo geboren. Nach anfänglicher Grundausbildung in seinem Heimatort, trat er mit 15 Jahren bei den regulierten Augustinerchorherren in Bergamo ein. Nach Abschluss seiner Studien kam er nach Lucca und entschloss sich unter dem Einfluss Peter Martyr Vermigli, Theologie zu studieren. Außer Werken der Kirchenväter gewann er Kenntnis von Martin Bucer und Philipp Melanchthon, las auch Martin Luthers Schriften und die der Schweizer Reformatoren. Am stärksten bestimmte ihn aber Johannes Calvin.

Auch nachdem Vermigli hatte fliehen müssen, blieb er als Lehrer an der Klosterschule zurück. 1551 musste jedoch auch er fliehen. Nach kurzem Aufenthalt in Genf wollte er nach England gehen, wurde aber nach Straßburg berufen und wirkte hier als Professor für das Alte Testament. Sein Standpunkt ist gesetzlich, die Auslegung von peinlicher Genauigkeit. In seiner theologischen Gesamtauffassung legte er sich weder auf die lutherische noch auf die calvinische Art fest, obgleich er dieser zuzurechnen ist. Er war einer der gelehrtesten Theologen der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, ohne selbständig zu sein, ein trefflicher und konsequenter Lehrer.

Schon die Anfrage, sich auf die Confessio Augustana zu verpflichten, bereitete ihm Schwierigkeiten. Berufungen nach Genf und Lausanne musste er ablehnen, da man ihn in Straßburg festhielt. Aber aufhalten ließ sich die Auseinandersetzung mit Johannes Marbach nicht. 1561 kam es zum Streit. Zanchi hatte die Unterschiede in der Abendmahlslehre als geringfügig bezeichnet, lehrte auch streng calvinisch die Prädestination. Nach Einholung vieler Gutachten auswärtiger Theologen wurde ein Konsensus gefunden und die Einigungsformel von allen Straßburger Predigern und Professoren unterschrieben.

Als Calvin ihn wegen seiner Nachgiebigkeit tadelte und er daraufhin seine Auffassung erneut und präziser vortrug, begann der Streit von neuem. Jetzt ging Zanchi aus Straßburg fort und wurde im November 1563 Prediger in Chiavenna. 1568 erhielt er einen Ruf nach Heidelberg, wo er dogmatische Vorlesungen hielt und neben Zacharias Ursinus die erste Stelle einnahm. Hier verfasste er einige bedeutsame Werke, die meist apologetischen und polemischen Charakter tragen. Die Darstellungsweise ist schon ganz scholastisch. Im Auftrage des reformierten Staates verfasste er schließlich 1581 eine »Harmonia confessionum fidei«, die als Gegenstück zur „Formula Concordiae“ die vorhandenen reformatorischen Bekenntnisse zusammenfassen sollte. Als in Heidelberg durch einen Regierungswechsel die Reformierten Professoren vertrieben wurden, ging er nach Neustadt an der Weinstraße berufen. Auf einer Besuchsreise nach Heidelberg verstarb er und wurde in der Universitätskirche beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]