Straßburg

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Strasbourg ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für andere Bedeutungen von Straßburg und Strasbourg siehe Straßburg (Begriffsklärung).
Strasbourg (dt. Straßburg)
Wappen von Strasbourg
Strasbourg (Frankreich)
Strasbourg
Region Elsass (Hauptort)
Département Bas Rhin (67)
(Präfektur)
Arrondissement Strasbourg-Ville
Kanton Chef-lieu von 10 Kantonen
Koordinaten 48° 35′ N, 7° 45′ O48.5836111111117.7480555555556142Koordinaten: 48° 35′ N, 7° 45′ O
Höhe 132–151 m
Fläche 78,26 km²
Einwohner 272.222 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 3.478 Einw./km²
Postleitzahl 67000, 67100, 67200
INSEE-Code
Website www.strasbourg.eu

Blick auf das Straßburger Münster, links davon der Temple Neuf

Straßburg (französisch Strasbourg [stʀazˈbuʀ], Schweizer Hochdeutsch Strassburg, im Straßburger Dialekt Schdroosburi) ist die Hauptstadt der im Osten Frankreichs gelegenen Region Elsass.

Die Stadt ist Sitz des Regionalrats und des Regionspräfekten sowie der Präfektur des Départements Bas-Rhin. Die Präfektur verwaltet auch die beiden Arrondissements Strasbourg-Campagne und Strasbourg-Ville; sie bestehen aus acht bzw. zehn Kantonen. Straßburg ist mit 272.222 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Stadtgebiet und mit etwa 640.000 Einwohnern in der Agglomeration die größte Stadt im Elsass.[1]

Straßburg ist Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, unter anderem Europarat, Europaparlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Europäischer Bürgerbeauftragter und Eurokorps. Aufgrund dessen versteht sich Straßburg als „Hauptstadt Europas“.[2][3][4]

Der Name der Stadt[Bearbeiten]

Die römische Vorgängersiedlung hieß Argentoratum (Keltisch: „Weiße Burg“)[5]. Der Name findet sich auch auf alten Darstellungen bis ins 16./17. Jahrhundert (Frans Hogenberg), die oft in Latein beschriftet sind. Verschieden wurde im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit der Name Argentina benutzt (Matthäus Merian, Hartmann Schedel). Der heutige Name kam im Mittelalter auf und setzt sich aus „Straße“ und „Burg“ zusammen, im Sinne von „Burg an der Straße“ bzw. „Burg an (wichtigen) Straßen“. Die Aussprache von Straßburg ist daher mit einem langen ersten Vokal wie im Wort Straße und wie in der lokalen Mundartaussprache (Schdroosburi).

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Ill, der sich im Stadtgebiet verzweigt. Auf der von beiden Illarmen umflossenen Grande Île (Große Insel) liegt die historische Altstadt. Die östlichen Stadtteile mit dem Hafen grenzen an den Rhein. Am gegenüberliegenden östlichen Rheinufer liegt auf deutscher Seite die Stadt Kehl. Beide Städte sind durch eine bekannte große "Europabrücke" für den Straßenverkehr sowie eine Eisenbahn- und eine Fußgängerbrücke verbunden. Straßburg ist der Endpunkt des Canal de la Marne au Rhin.

Straßburg ist in 14 Stadtteile (Quartiers) gegliedert:

  • Centre (17.798 Einwohner)
  • Conseil des XV – Orangerie – Contades (25.312 Einwohner)
  • Cronenbourg (21.462 Einwohner)
  • Elsau
  • Esplanade – Bourse – Krutenau (23.605 Einwohner)
  • Gare – Halles – Tribunal – Porte de Schirmeck (24.000 Einwohner)
  • Hautepierre (17.305 Einwohner)
  • Koenigshoffen (16.119 Einwohner)
  • Meinau (16.627 Einwohner)
  • Montagne verte (12.149 Einwohner)
  • Neudorf – Musau – Port du Rhin (40.706 Einwohner)
  • Neuhof (19.658 Einwohner)
  • Poteries (7.305 Einwohner)
  • Robertsau – Wacken – Cité de l'Ill (19.557 Einwohner)

Klimatabelle[Bearbeiten]

Straßburg
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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-1
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Straßburg
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,5 5,8 10,4 14,6 19,0 22,3 24,7 24,2 20,8 14,7 8,2 4,5 Ø 14,4
Min. Temperatur (°C) −1,7 −0,9 1,6 4,6 8,6 11,7 13,4 13,1 10,3 6,5 2,1 −0,7 Ø 5,8
Niederschlag (mm) 33 34 37 48 75 75 57 68 56 43 47 40 Σ 613
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,8 4,0 5,4 6,4 7,1 7,7 6,9 5,6 3,3 1,9 1,4 Ø 4,5
Regentage (d) 9 8 9 10 12 11 10 10 8 8 9 9 Σ 113
Luftfeuchtigkeit (%) 86 82 76 72 73 74 72 76 80 85 86 86 Ø 79
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13,4
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−0,7
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Geschichte[Bearbeiten]

Das römische Argentoratum auf einem Plan von Straßburg aus dem 18. Jahrhundert
Ansicht von Straßburg im Jahre 1493
Ansicht von Straßburg (Argentina) im Jahr 1644 nach Matthäus Merian

Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Argentoratum

Das Straßburger Becken weist eine mehr oder weniger ständige Besiedlung seit circa 700.000 Jahren auf. In Straßburg befand sich bereits eine gallische Siedlung.

Von dem dem römischen Feldherren Drusus wurde Straßburg im Jahre 12 v. Chr. als ein militärischer Außenposten namens Argentoratum in der späteren Provinz Germania superior gegründet. Unter Trajan und nach dem Brand von 97 hatte Argentoratum seine größte Ausdehnung und stärkste Befestigung erreicht.[6] Straßburg war möglicherweise ab dem 4. Jahrhundert Bischofssitz; 1956 wurden unterhalb der heutigen Église Saint-Étienne Überreste eines Apsidenbaus aus dieser Zeit ausgegraben. 357 fand in der Umgebung die Schlacht von Argentoratum statt. Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt durch Alamannen, Hunnen und Franken erobert.

842 wurden hier die Straßburger Eide geschworen und abgesehen von Latein auch in den Sprachen der jeweiligen Gefolgsleute festgehalten, in althochdeutsch und altfranzösisch, wodurch dies das älteste Dokument in einer frühen französischen Sprache darstellt. Die Sprache von Stadt und Region war damals althochdeutsch.

Freie Reichsstadt[Bearbeiten]

Familienwappen von Müllenheim

Im Mittelalter gehörte Straßburg zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.[7] Die Familie Müllenheim (die vom benachbarten Müllheim im Breisgau nach Straßburg zog) und die Familie Zorn waren zu dieser Zeit die bedeutendsten Straßburger Patriziergeschlechter, deren Rivalität um die Vormacht in der Reichsstadt in regelrechten Straßenschlachten ausgetragen wurde. So erhielt das Rathaus z. B. extra zwei Eingänge, einen für die Müllenheim und einen für die Zorn. Auch die beiden Ufer der Ill wurden nach diesen Familien benannt; das eine heißt Quai Müllenheim, das andere Quai Zorn.

Unter der Regentschaft dieser Familien entwickelte sich Straßburg zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszentren der Region. Als der Bischof versuchte die Rechte der Stadt zu beschneiden, kam es zum offenen Krieg mit den Bürgern. Im Jahr 1262 wurde Bischof Walter von Geroldseck in der Schlacht von Hausbergen entscheidend geschlagen, und die Stadt erlangte ihre Unabhängigkeit vom Hochstift Straßburg. In der Folge entwickelte sie sich zu einer Freien Reichsstadt.

Straßburg war Mitglied in beiden Rheinischen Städtebünden (Erster Rheinischer Städtebund vom 13. Juli 1254 bis 1257 und Zweiter Rheinischer Städtebund von 1381 bis 1389).

Der Höhepunkt der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den Familien Müllenheim und Zorn war der sogenannte „Geschell der Müllenheim und Zorn“ am 20. Mai 1332,[8] in deren Folge die Stadtadelsvorherrschaft gestürzt wurde, denn die eigentlichen Sieger dieses Kampfes waren die Zünfte. Somit war Straßburg als freie Reichsstadt eine der ersten kleinen Republiken im Heiligen Römischen Reich. In den kommenden Jahren wurden noch etwa 40 verschiedene Angehörige der Familie Müllenheim bis 1760 zu Straßburger Stettmeistern (adeligen Mitgliedern des Magistrats, die im Wechsel der städtischen Exekutive vorstanden) gewählt. Eine weitere Entmachtung musste das Patriziat nach Aufständen der Handwerker 1482 hinnehmen: Die neue Verfassung, die bis zur Französischen Revolution galt, gestand zwei Drittel der Sitze im Rat den Zünften zu.[9]

Relation Aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien, die erste gedruckte Zeitung der Welt, 1609

Im Zusammenhang mit der verheerenden europäischen Pest-Epidemie der Jahre 1348–49 (dem „Schwarzen Tod“) fand am 14. Februar 1349 einer der ersten und größten Pogrome der Welle von Judenverfolgungen in Verbindung mit der Pest im deutschen Raum statt: Im Laufe des sogenannten „Valentinstagmassakers“ wurden mehrere Hundert (nach einigen Quellen sogar bis zu 3000) Straßburger Juden öffentlich verbrannt, die Überlebenden der Stadt verwiesen. Bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb es Juden bei Todesstrafe untersagt, nach 10 Uhr abends innerhalb der Stadtmauern zu verweilen.

Karte von Straßburg, Frans Hogenberg 1572 (Norden am oberen rechten Bildrand)

1399 bis 1439 wurde auf die Westfassade des Straßburger Münsters nördlich der Turm gesetzt. Von dem Entwurf einer Doppelturmfront aus dem Jahre 1275 weichen schon die darunter liegenden Geschosse der Fassade ab. Das Münster blieb von 1647 (Zerstörung des Turmhelms der Stralsunder St.-Marienkirche) bis 1874 das höchste Gebäude der Welt und gehört immer noch zu den höchsten Kirchtürmen der Welt.

Nach der Erfindung des Buchdrucks in Europa durch Johannes Gutenberg wurde Straßburg schnell zu einem bedeutenden Zentrum der Bücherherstellung. Die Straßburger Drucker leisteten einen bedeutenden Beitrag zur Verbreitung der Reformation, denn dank der weitreichenden religiösen Toleranz der Stadt konnten hier schon früh Schriften von Martin Luther und anderen Reformatoren veröffentlicht werden. Ein Drittel der im 16. Jahrhundert gedruckten Schriften waren Bibeln oder Ausschnitte daraus.[10] Im Jahr 1605 gab Johann Carolus hier das Nachrichtenblatt Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien heraus, das als erste gedruckte Zeitung der Welt gilt.

Die Idee der Reformation fasste früh Fuß in Straßburg. Der erste evangelische Prediger war 1521 der Priester am Straßburger Münster Matthäus Zell. 1524 übernahm der Rat die Oberaufsicht über die Kirche. Obwohl seine Mitglieder zum großen Teil nicht selbst evangelisch waren, billigte er die evangelische Predigt und erlaubte auch zeitweise die Ansiedlung von andersorts Verfolgter wie Hans Denck, Kaspar Schwenckfeld und verschiedene Täufergruppen.[11] Am 20. Februar 1529 schaffte der Rat der Stadt die Heilige Messe ab.[12] Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 legte Straßburg ebenfalls ein Bekenntnis zur Reformation ab. Straßburg schloss sich dabei aber zunächst nicht den lutherischen „Protestanten“ der Confessio Augustana an, sondern legte mit Memmingen, Konstanz und Lindau ein eigenes, von Martin Bucer und Wolfgang Capito verfasstes Bekenntnis, die nach den vier Städten sogenannte Confessio Tetrapolitana, ab. 1531 nahmen Vertreter der Stadt am Konvent in Schmalkalden teil und später wurde Straßburg Mitglied des Schmalkaldischen Bundes zur Verteidigung der evangelischen Reichsstände gegen Kaiser Karl V. Die zwischen Martin Luther und ebenfalls Bucer ausgehandelte Wittenberger Konkordie von 1536 sorgte für eine festere theologische und politische Anbindung an das Luthertum. Mitglieder abweichender theologischer Richtungen wurden jedoch trotzdem geduldet, solange sie den soziale Frieden der Stadt nicht gefährdeten. So fanden die Hugenotten hier Zuflucht, und auch Johannes Calvin (1509 - 1564) hielt sich in Straßburg auf, wo Sebastian Castellio seine Bekanntschaft machte. Melchior Hofmann dagegen wurde 1531 ausgewiesen und nach seiner Rückkehr 1533 verhaftet.

Das Augsburger Interim zwang den Rat, dem 1524 verdrängten Bischof wieder einige Kirchen zu übergeben, und drängte Bucer zur Emigration nach England. Obwohl der Besuch der Messe von der Bevölkerung verweigert wurde, wurde sie erst 1559 wieder abgeschafft. Unter dem Einfluss von Johannes Pappus erlangte die lutherische Lehre (in Abgrenzung von der reformierten) alleinige Geltung. 1598 verpflichtete sich Straßburg in einer neuen Kirchenordnung auch auf die Konkordienformel. Im Straßburger Kapitelstreit 1583 bis 1604 konnte sich jedoch die katholische Partei durchsetzen, und das Gebiet des Fürstbistums Straßburg, d. h. ein großer Teil des Straßburger Umlands, blieb katholisch.

Französische Herrschaft[Bearbeiten]

Französische Karte von 1720 der Stadt und Festung Straßburg (mit Kehl auf der anderen Rheinseite). Eindrucksvoll sichtbar sind auch die zahlreichen Altrheinarme des noch nicht kanalisierten Oberrheins.

Nach 1648 strebte Frankreich den Rhein als Grenze an, wobei die im Westfälischen Frieden gewonnene Reichsvogtei über die elsässischen Reichsstädte den eigenen Zwecken nutzbar gemacht wurde; Straßburg blieb davon jedoch zunächst ausgenommen. Erst im Rahmen der 1679 begonnenen Reunionspolitik Königs Ludwigs XIV. geriet auch Straßburg ins Visier. Die Stadt wurde mitten im Frieden im September 1681 durch Frankreich besetzt. Der französische König nutzte hierbei die militärische Schwäche der Straßburger Schutzmacht (des deutschen Kaisers) aus, da die habsburgische Residenzstadt Wien ihrerseits von den Türken bedroht wurde. Diese Änderung der Herrschaftsverhältnisse wurde im Frieden von Rijswijk 1697 endgültig bestätigt. Protestanten wurden von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, das Münster wurde rekatholisiert. Die Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau im Jahr 1685, mit dem die Unterdrückung des Protestantismus in Frankreich endgültig legalisiert wurde, fand jedoch im Elsass keine Anwendung, und es herrschte Religionsfreiheit, wenn auch die französische Obrigkeit bemüht war, den Katholizismus, wo immer möglich, zu begünstigen. Die lutherische, deutsch geprägte Universität Straßburgs bestand weiter. Außerdem war das Elsass bis 1789 als eine faktisch ausländische Provinz (province à l’instar de l’étranger effectif) durch eine entlang der Vogesen verlaufende Zollgrenze vom übrigen Frankreich getrennt, also zollrechtlich Ausland, während es keine Zollgrenze gegenüber dem Reich gab. Daher blieben die Stadt und ihr Umland deutschsprachig und kulturell deutsch geprägt.

Ähnlich verhielt es sich mit der Münzgeschichte der Stadt. Auch nach der Besetzung durch Frankreich im Jahre 1681 prägte Straßburg bis 1708 Münzen mit der Aufschrift "MONETA NOVA ARGENTINENSIS" =(gültiges Geld von Straßburg).[13] Die Anpassung an das französische Geldsystem (Franc und Sous) erfolgte nur schrittweise, so dass zeitweilig in Straßburg Pfennige (frz. Denier) und Sols (= altfrz. für Sous) geprägt wurden.[14]

La Petite France

1770/71 studierte Johann Wolfgang Goethe in Straßburg. In diesen Jahren wurde die Stadt ein Kristallisationspunkt der literarischen Bewegung „Sturm und Drang“. Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Gottfried Herder lebten hier.

In der Zeit der französischen Revolution wurde die Stadt zu einem Anziehungspunkt für Republikaner aus Deutschland. Der bekannteste von ihnen ist Eulogius Schneider. Von Enragés aus dessen Umkreis kam Ende April 1794 der Vorschlag, den Nordturm des Münsters als Symbol für klerikale Arroganz und Verletzung des Prinzips der Gleichheit (Égalité) abzureißen. Dem widersetzten sich Straßburger Bürger, indem sie Mitte Mai den Turm mit einer riesigen Phrygischen Mütze aus bemaltem Blech bekrönten. Diese wurde später im städtischen Museum aufbewahrt und 1870 durch preußisches Artilleriefeuer vernichtet.[15] In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde Straßburg zum Exil für deutsche Oppositionelle und Revolutionäre, wie z. B. für Georg Büchner.

In Straßburg komponierte Claude Joseph Rouget de Lisle die Marseillaise.

1805, 1806 und 1809 hielt sich Napoleon Bonaparte mit seiner ersten Frau Joséphine de Beauharnais in Straßburg auf.[16] 1810 verbrachte seine zukünftige zweite Frau Marie-Louise von Österreich ihre erste Nacht auf französischem Boden in der Stadt. 1828 hielt sich dort auch König Charles X. auf.[17] Am 29. Oktober 1836 unternahm der künftige Napoleon III. einen ersten, erfolglosen Putschversuch in Straßburg.

Im Deutschen Reich[Bearbeiten]

Straßburg um 1895

Nach dem deutsch-französischen Krieg wurde Straßburg 1871 im neu gegründeten Deutschen Reich Hauptstadt des Reichslandes Elsaß-Lothringen. Während des Krieges selbst war Straßburg von deutschen Truppen belagert und heftig beschossen worden, wobei die Stadtbibliothek mit dem Großteil ihrer wertvollen Bestände (darunter der „Hortus Deliciarum“) sowie das städtische Kunstmuseum vernichtet wurden. Am 28. September 1870 kapitulierte die Stadt, nachdem sie einen Monat lang der Kanonade getrotzt hatte.

Historische Karte von Straßburg aus dem Jahre 1888
Der Bahnhof von Straßburg um 1905

Neben den Festungen Metz und Köln wurde Straßburg nach 1871 zu einer der wichtigsten Festungen im Westen des Deutschen Reiches ausgebaut. Im Zuge der Stadterweiterung entstand eine moderne Umwallung, die ältere Wallabschnitte aus der französischen Zeit miteinbezog. Von den Wallanlagen sind im Osten der Stadt Reste der Zitadelle von Vauban erhalten, vor allem aber große Teile der preußischen Befestigungen entlang der rue du Rempart hinterhalb des Bahnhofs, darunter das imposante „Kriegstor“. Hier sind heute noch Grabenwehren aus Eisen zu sehen, damals und heute eine absolute Seltenheit. Neben dieser inneren Umwallung entstand in weitem Umkreis um die Stadt ein Gürtel aus Forts nach dem Einheitsfortsystem von Hans Alexis von Biehler, von denen die meisten heute noch stehen und als Monuments historiques eingetragen sind, so zum Beispiel Fort Roon (heute Fort Desaix) und Fort Podbielski (heute Fort Ducrot) in Mundolsheim, Fort Moltke (heute Fort Rapp) in Reichstett, Fort Bismarck (heute Fort Kléber) in Wolfisheim, Fort Kronprinz (heute Fort Foch) in Niederhausbergen, Fort Großherzog von Baden (heute Fort Frère) in Oberhausbergen und Fort Kronprinz von Sachsen (heute Fort Joffre) in Holtzheim.[18] Diese Forts wurden später von der französischen Armee benutzt (Fort Podbielski/Ducrot beispielsweise wurde in die Maginot-Linie einbezogen[19]) und dienten 1918 und 1945 auch als Kriegsgefangenenlager.

Politisch war die Situation nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Annexion Elsass-Lothringens durch das Deutsche Reich komplex. Die Mehrheit der elsässischen Bevölkerung stand 1871 einer Eingliederung in das neu gegründete Deutsche Reich ablehnend gegenüber, was sich in den Reichstagswahlen nach 1871 zeigte: die Autonomisten waren bis 1890 die führende Partei. In den Jahren nach 1871 ergab sich jedoch auf wirtschaftlicher Seite ein starker Aufschwung der Stadt Straßburg und des Elsass, was zumindest einen Teil der Bevölkerung mit der deutschen Herrschaft versöhnte. Zur Zeit der Industrialisierung bis zum späten 19. Jahrhundert verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 150.000.

1872 wurde die Universität als „Kaiser-Wilhelm-Universität“ (nach Wilhelm I.) neu gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der bedeutendsten Hochschulen im Deutschen Reich. Eine weitere wichtige Veränderung des Stadtbilds brachte der vor allem aus militärischen Gesichtspunkten vorangetriebene Bau des neuen Straßburger Bahnhofs mit sich, der 1883 eingeweiht wurde und bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts weitgehend unverändert blieb. Mit dem Wiederaufbau des im Krieg vernichteten Stadtarchivs wurde der Historiker Rodolphe Reuss beauftragt. Die Neugründung und Bestückung der Kunstsammlungen leitete 1889 bis 1914 der kaiserliche Kurator Wilhelm von Bode. Die im Krieg zerstörte Bibliothek wurde, ebenfalls von Reuss, unter anderem durch Schenkungen aus dem ganzen Deutschen Reich zu einer der bedeutendsten Universitätsbibliotheken aufgebaut (heute ist sie nach Paris die zweitgrößte in Frankreich). Mit der wilhelminischen Neugestaltung der Stadt wurden vor allem die Architekten Hermann Eggert, August Hartel, Otto Warth, Jacques Albert Brion und Fritz Beblo beauftragt, weitere repräsentative Aufträge gingen unter anderem an Ludwig Becker, Ludwig Levy und Carl Schäfer sowie an Karl und Paul Bonatz.

Kommunale Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Vor-Weltkriegszeit[Bearbeiten]

Das deutsche Verwaltungssystem ließ den Kommunen einen eigenen Gestaltungsspielraum, anders als die zentralistische französische Bürokratie. Durch die 1895 erlassene Gemeindeordnung erhielt die Stadt Straßburg mehr kommunalen Entscheidungsspielraum, als sie vergleichbare französische Kommunen bis heute haben. In Elsaß-Lothringen galt das allgemeine gleiche Kommunalwahlrecht, im Gegensatz zum Dreiklassenwahlrecht in Preußen und eingeschränkten Wahlrechten in den meisten anderen deutschen Staaten. Dadurch wurde Straßburg vor dem Weltkrieg zur einzigen deutschen Großstadt, in der die Sozialdemokraten im Gemeinderat massiv vertreten waren und zusammen mit den Linksliberalen die Kommunalpolitik wesentlich beeinflussen konnten. [20] Schon unter dem Bürgermeister Otto Back war die Neustadt mit zahlreichen repräsentativen Bauten angelegt worden. 1906 wurde mit den entscheidenden Stimmen der SPD Rudolf Schwander zum Bürgermeister gewählt, der mit Hilfe eines Mitarbeiterstabs von sozialpolitisch engagierten Mitarbeitern den Ausbau der Stadt vorantrieb. Im sogenannten Großen Durchbruch, der zum umfangreichsten städtischen Sanierungsprojekt im Deutschen Reich wurde, wurden heruntergekommene Armenviertel abgerissen und durch großzügig gestaltete Neubauten ersetzt. Ein vorbildliches Reglement der städtischen Armenfürsorge und Gesundheitsvorsorge wurde eingeführt, das Straßburger System mit regelmäßigen Schulzahnarzt- und -arztvisiten. Im Rahmen der kommunalen Gesundheitsfürsorge wurden ein städtisches Volksbad und ein Tuberkulose-Sanatorium in den Vogesen errichtet. Dem wirtschaftlichen Aufschwung diente der Ausbau des Straßburger Rheinhafens. Auf Schwanders Initiative erwarb die Stadt Straßburg auch die Aktienmehrheit an dem zum AEG-Firmenimperium gehörenden Elektrizitätswerk Straßburg AG. Unter städtischer Kontrolle, aber privatwirtschaftlicher Führung, erfolgte danach die systematische Elektrifizierung der mittel- und nordelsässischen Dörfer, wodurch die Stadt sich neue Einnahmequellen erschloss. Noch heute besitzt die Nachfolgegesellschaft Électricité de Strasbourg eine gemischt kommunal-privatwirtschaftliche Rechtsform; im Gegensatz zur voll verstaatlichten Électricité de France im übrigen Frankreich.

Diese sozialdemokratisch inspirierte Kommunalpolitik stieß bei konservativen Kreisen in Deutschland auf Misstrauen. Insgesamt blieben die Beziehungen der Elsässer zum übrigen Deutschland trotz dieser positiven Entwicklungen nicht spannungsfrei. Insbesondere das Auftreten des Militärs in der Zabern-Affäre (ab November 1913) stieß auf heftigen Protest im Elsass und auch in weiten Teilen des übrigen Deutschland.

Panoramaansicht auf drei Türme der Gedeckten Brücken (Ponts couverts), Teil der ehemaligen Stadtbefestigung am Eintritt der Ill in das Stadtzentrum; im Hintergrund der Münsterturm

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Thronverzicht des Kaisers erklärte sich Elsass-Lothringen zur unabhängigen Republik Elsass-Lothringen, wurde aber innerhalb weniger Tage von französischen Truppen besetzt. Vom 11. bis zum 22. November herrschte in Straßburg eine kommunistische Räterepublik; an deren Niederschlagung erinnert heute der Name einer der Hauptstraßen, die Rue du 22 novembre.[21] Die Stadt wurde danach gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 wieder Frankreich zugesprochen.

Die Annexion durch Frankreich erfolgte gemäß den 14 Punkten von US-Präsident Woodrow Wilson ohne Volksabstimmung. Als Datum der Abtretung wurde rückwirkend der Tag des Waffenstillstands (11. November 1918) festgelegt. Es erscheint fraglich, ob ein Referendum in Straßburg zugunsten Frankreichs ausgegangen wäre, da die politischen Parteien, die eine Autonomie des Elsasses oder einen Anschluss an Frankreich erstrebten, bei den letzten Reichstags- und Kommunalwahlen nur noch geringe Stimmenanteile erzielten.

1920 wurde die Stadt Sitz der seit 1861 in Mannheim angesiedelten internationalen Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, die den ehemaligen Kaiserpalast bezog.

Bei der Errichtung der Maginot-Linie ab 1930 wurde das Gebiet der Stadt Straßburg dem „Befestigten Sektor Niederrhein“ (secteur fortifié du Bas-Rhin) unterstellt. Von den Bunkeranlagen des „befestigten Untersektors Straßburg“ (sous-secteur fortifié de Strasbourg) entlang des Rheins und des Rheinseitenkanals sind insbesondere im Robertsauer Forst noch zahlreiche Überreste zu besichtigen. Entlang der Route du Rhin, die gegenwärtig zur Europabrücke führt, standen bis zu deren Abriss 2009–2010 weitere Wehranlagen.[22]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zwischen der deutschen Invasion in Polen am 1. September 1939 und der britisch-französischen Kriegserklärung am 3. September 1939 an das Deutsche Reich wurde die ganze Stadt evakuiert (insgesamt 120.000 Menschen), wie alle anderen grenznahen Ortschaften auch. Bis zum Einmarsch der Wehrmachtstruppen Mitte Juni 1940 befand sich zehn Monate lang niemand in der Stadt, mit Ausnahme der kasernierten Soldaten.

Nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 wurde das Elsass an Deutschland angeschlossen und umliegende Städte und Ortschaften, unter anderem Kehl und Schiltigheim nach Straßburg eingemeindet. Die Stadt erlebte unter Robert Wagner eine strenge Germanisierungspolitik. Als im Juli 1940 die ersten Evakuierten zurückkehrten, wurden nur Einwohner elsässischer Herkunft zugelassen. Juden wurden abgewiesen und die Synagoge, ein gewaltiger neuromanischer Bau aus dem Jahre 1898 mit einer 54 Meter hohen Kuppel, in Brand gesteckt und abgerissen. Die jüdische Gemeinde flüchtete nach Périgueux und Limoges,[23] die Universität nach Clermont-Ferrand. Die seit 1918 ausschließlich französischen Straßennamen wurden wieder durch deutsche Bezeichnungen ersetzt, die französische Sprache wurde verboten, und das Vereinsleben und die religiösen Aktivitäten erloschen.

Ab 1942 wurden alle jungen Männer des Elsass und des Département Moselle in die Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt, wo etwa ein Drittel umkam.[24]

Ab 1943 bombardierten alliierte Flugzeuge Straßburg. 1944 wurden mehrere bedeutende Gebäude von Bomben beschädigt, darunter das Palais Rohan, der Alte Zoll und (am 11. August 1944) das Münster.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs gewann das Münster Symbolcharakter für beide Parteien. Adolf Hitler, der es am 28. Juni 1940 besichtigte, wollte aus ihm ein „Nationalheiligtum des deutschen Volkes“ machen[25]; am 1. März 1941 schwor General Leclerc in Kufra (in Libyen), die „Waffen erst dann niederzulegen, wenn unsere [Frankreichs] schönen [Landes]Farben wieder auf dem Straßburger Münster wehen“.[26]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Straßburg in der Moderne: Neubauviertel Esplanade (1960er Jahre) und Straßenbahn Straßburg (ab 1994)
Empfangssaal für Besucher(gruppen) im Straßburger Rathaus

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der offiziellen Befreiung der Stadt durch die französische 2. Panzerdivision unter General Philippe de Hauteclocque am 23. November 1944 galt es zunächst, die Zerstörungen, die die englisch-amerikanischen Luftangriffe (insbesondere jener vom 11. August 1944) in der Altstadt und den Industriegebieten angerichtet hatten, zu beheben. Zu den nicht wiedergutzumachenden Verlusten an alter Bausubstanz[27] kam 1947 eine Brandkatastrophe hinzu, die einen beträchtlichen Teil der städtischen Gemäldesammlung alter Meister zerstörte.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden in der Stadt neue Wohnviertel errichtet, die sowohl das Problem des Wohnungsmangels aufgrund von Kriegszerstörungen als auch den starken Zuwachs der Bevölkerung aufgrund von „Baby-Boom“ und Zuwanderung aus Französisch-Nordafrika lösen sollten: Cité Rotterdam im Nordosten, Quartier de l’Esplanade im Südosten, Hautepierre im Nordwesten. 1995 bis 2010 entstand südlich von Hautepierre im gleichen Sinne das Viertel Quartier des Poteries mit einer Kapazität von 8.000–10.000 Einwohnern. In den 1950er Jahren begann ebenfalls die Ausdehnung der Anlage der Universität Straßburg und deren Aufteilung auf drei Hauptgelände: die historischen Gebäude, den Campus im Viertel Esplanade und jenen im Osten von Illkirch-Graffenstaden.

1949 wurde die Stadt zum Sitz des von Winston Churchill angeregten Europarats. 1952 wurde sie zum Hauptsitz des Europäischen Parlaments. 1992 wurde sie zum Sitz des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. 2005 entstand der Eurodistrikt Straßburg-Ortenau, der erste überhaupt. Insbesondere dem Engagement des langjährigen Straßburger Oberbürgermeisters und Spitzenpolitikers Pierre Pflimlin ist es zu verdanken, dass die Stadt zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung und der europäischen Einigung werden konnte.

Im Jahr 2000 wurde in Frankfurt am Main eine Gruppe von algerischen Islamisten verhaftet, die geplant hatte, auf den Weihnachtsmarkt vor dem Straßburger Münster einen Anschlag zu verüben.[28] Am 6. Juli 2001 wurden im Laufe eines Freiluftkonzerts 13 Menschen durch eine von einem plötzlichen Gewitter gefällte, jahrhundertealte Platane getötet und 97 weitere verletzt; einer der verheerendsten Unfälle dieser Art in der Geschichte. Am 27. März 2007 wurde die Stadt Straßburg gerichtlich wegen Fahrlässigkeit für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 150.000 € verurteilt.[29]

Am 16. März 2008 wurde der Sozialist Roland Ries im zweiten Wahlgang mit 58,6 % der abgegebenen Stimmen zum Nachfolger von Fabienne Keller (UMP) zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt. Ries hatte das Amt bereits in den Jahren 1997 bis 2001 bekleidet, als Stellvertreter der zur Kulturministerin berufenen Catherine Trautmann.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Grafik der Bevölkerungszahl in Straßburg
1684 1789 1851 1871 1910 1921 1936 1946
22.000 49.943 75.565 85.654 178.891 166.767 193.119 175.515
1954 1962 1975 1982 1990 1999 2009
200.921 228.971 253.384 248.712 252.338 264.115 271.708

Partnerstädte[Bearbeiten]

Straßburg hat mit sechs Städten Städtepartnerschaften geschlossen. Mit drei weiteren Städten gibt es eine enge Zusammenarbeit vor allem auf kulturellem Gebiet.[30]

Städtepartnerschaften
Zusammenarbeit
Hirsebreifahrt

Zum Beweis, der Stadt Straßburg im Bedarfsfalle jederzeit zu Hilfe eilen zu können, löste die Stadt Zürich 1456 die Wette ein, einen Topf Hirsebrei auf dem Wasserweg so schnell von Zürich nach Straßburg zu befördern, dass die Hirse in Straßburg immer noch heiß sei. Noch heute wird dieser sogenannten Hirsebreifahrt alle zehn Jahre gedacht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Straßburg ist der Sitz der Chambre de commerce et d’industrie de Strasbourg et du Bas-Rhin, also der Industrie- und Handelskammer von Straßburg und dem Elsass.

Medien[Bearbeiten]

In Straßburg wurde die erste deutschsprachige Bibel gedruckt und die erste Zeitung der Welt (die „Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien“).

Heute werden in der elsässischen Metropole noch mehrere deutschsprachige oder zweisprachige Publikationen, Radio- und Fernsehprogramme produziert.

Die größte Zeitung der Stadt ist das Tagblatt „Dernières Nouvelles d’Alsace“ („Elsässische Neueste Nachrichten“). Neben der französischsprachigen Ausgabe gab es bis März 2012 auch eine deutschsprachige Ausgabe, die separat abonniert werden konnte.

Zu den weiteren Publikationen in Straßburg mit deutschsprachigen Nachrichten gehört unter anderem die Zeitschrift „Land un Sproch“.

In Straßburg wird auch das Programm des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE produziert.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Universitäten und Hochschulen[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude der Universität aus der Zeit des Reichslandes – „Palais U(niversitaire)

Johannes Sturm gründete 1538 das protestantische Gymnasium, das 1556 in den Rang einer Akademie erhoben und nach und nach in eine Universität (1621) und in eine königliche Universität (1631) verwandelt wurde. Ab dem Anschluss Straßburgs an Frankreich und besonders im Zuge der Französischen Revolution wird die Universität mehr und mehr zu einer französischen Universität und zu einem französischen Pol in der Stadt. Nach dem Krieg von 1870 und dem Verlust des Elsass für Frankreich sowie der Abwanderung des frankophilen Teils der Elite wurde sie als Kaiser-Wilhelm-Universität neu gegründet. Ab 1918, nach dem Wiederanschluss des Elsass an Frankreich, mussten nach 1871 angesiedelte Deutsche das Elsass verlassen, die Unterrichtssprache wurde gänzlich auf Französisch umgestellt. Während des Zweiten Weltkriegs, als das Elsass de facto vom Deutschen Reich annektiert wurde, verließ der französischsprachige Teil erneut die Universität Straßburg, um sich in Clermont-Ferrand niederzulassen. Während dieser Zeit führte die deutschsprachige Reichsuniversität Straßburg Forschung und Lehre fort. Nach 1945 kehrte der französischsprachige Teil nach Straßburg zurück.

Die Universität Straßburg ist in der Europäischen Konföderation der Oberrheinischen Universitäten (EUCOR) mit dem Karlsruher Institut für Technologie und den Universitäten Basel, Mülhausen und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verbunden. Sie verfügt wegen der kirchenrechtlichen Sonderstellung des Elsass als einzige in Frankreich über zwei staatlich finanzierte theologische Fakultäten (katholisch und protestantisch).

In den 1970er Jahren wurde die Universität Straßburg auf drei verschiedene Einrichtungen aufgeteilt:

  • Université Louis Pasteur (Strasbourg I) (Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften)
  • Université Marc Bloch (Strasbourg II) (Geisteswissenschaften)
  • Université Robert Schuman (Strasbourg III) (Politikwissenschaften, Jura)

Seit dem 1. Januar 2009 ist die Universität erneut zu einer Einheit verschmolzen. Die neugegründete „Université unique de Strasbourg“ (Unistra) zählt 42.000 Studenten und beschäftigt 5.200 Personen.[31]

Straßburg ist ferner Sitz der französischen Verwaltungshochschule ENA (École nationale d’administration), der INSA (Institut National des Sciences Appliquées), des INET (Institut national des études territoriales) und der ENGEES (École nationale du génie de l’eau et de l’environnement de Strasbourg).

Die Straßburger Kunst- und Musikhochschulen wurden 2011 in der Haute école des arts du Rhin zusammengefasst.

Straßburger Nationalbibliothek Bibliothèque nationale et universitaire

Bibliotheken[Bearbeiten]

Die Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg (BNUS), mit über 3 Millionen Dokumenten zweitgrößte Sammlung des Landes nach der Bibliothèque nationale de France, wurde nach 1871 vom Deutschen Reich als Wiedergutmachung für die Vernichtung der Vorgängerbibliothek in der ehemaligen Dominikanerkirche eingerichtet. Die Bibliothek besitzt den einzigartigen Status, zugleich als Staats- und als Universitätsbibliothek zu dienen.

Die Stadtbibliothek Bibliothèque municipale de Strasbourg (BMS) verwaltet ein Netz von einem Dutzend Einrichtungen verschiedener Größe. Am 19. September 2008 wurde am ehemaligen Binnenhafen Môle Seegmuller die sechsstöckige Zentralbibliothek Médiathèque André Malraux eingeweiht, die als größte öffentliche Bibliothek in Ostfrankreich gilt.[32]

Wiegendrucke[Bearbeiten]

Als eines der ersten Buchdruckzentren Europas zählte Straßburg jahrhundertelang eine große Sammlung von Wiegendrucken zu seinen wertvollsten Schätzen, jedoch wurde der überwiegende Teil dieser Drucke durch die Vernichtung der Stadtbibliothek im Jahre 1871 zerstört. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde eine neue Sammlung zusammengestellt. Heute hat die elsässische Metropole erneut eine beachtliche Anzahl von Inkunabeln, die sich auf folgende Bibliotheken verteilen: Bibliothèque nationale et universitaire, ca. 2 300[33] Médiathèque de la ville et de la communauté urbaine de Strasbourg, 349[34] Bibliothèque du Grand Séminaire, 237[35] Médiathèque protestante, 66[36] und Bibliothèque Alsatique du Crédit Mutuel, 5.[37]

Europäische und internationale Institutionen in Straßburg[Bearbeiten]

Folgende europäische Institutionen haben in der Stadt ihren Sitz:[38]

Verkehr[Bearbeiten]

TGV nach Paris im Bahnhof Straßburg
Regionalbahn der SNCF im Straßburger Hauptbahnhof - „Baleine bleue“ (Blauwal)
Straßburger Straßenbahn
Rhein-Rhône-Kanal bei Straßburg

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof Straßburg ist ein wichtiger Knotenpunkt der französischen Staatsbahn SNCF, der auch von deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen wie der Deutschen Bahn und der Ortenau-S-Bahn angefahren wird. Die meisten Nah- und Fernverkehrsverbindungen mit Deutschland werden über die Europabahn nach Appenweier hergestellt. Berührt wird Straßburg von den EuroCity-Zügen der Relation Zürich–Basel–Straßburg–Luxemburg–Brüssel. Straßburg ist auch Mittelpunkt des elsässischen TER-Systems „Metralsace“, das bis zu 200 km/h schnelle Nahverkehrszüge vorsieht und sich bis in die Nachbarländer Deutschland und Schweiz erstreckt. Die sogenannten TER 200 verkehren nur auf der Strecke Nancy–Straßburg–Basel SNCF. Der Hochgeschwindigkeitszug TGV aus Paris verkehrt seit Sommer 2007 direkt über die LGV Est européenne genannte neue Schnellfahrstrecke nach Straßburg und über Karlsruhe nach Stuttgart. Weitere internationale TGV zwischen Frankreich und der Schweiz (über Basel nach Zürich) verkehren unter der Marke TGV LYRIA und werden durch Lyria, eine Tochtergesellschaft der SNCF und der SBB, betrieben und vermarktet. Eine TGV-Verbindung zum Mittelmeer nach Marseille über Lyon besteht seit 2012 ebenfalls direkt und bedient außer Strasbourg auch die deutschen Städte Baden-Baden, Karlsruhe, Mannheim und Frankfurt am Main.

Zwischen dem Straßburger Hauptbahnhof und dem Bahnhof der Stadt Kehl auf der deutschen Rheinseite liegt auf Straßburger Gemarkung noch der Haltepunkt Krimmeri-Meinau, der von Nahverkehrszügen der Ortenau-S-Bahn bedient wird.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Straßburg ist Ausgangspunkt der Schnellstraße RN4 Richtung Paris via Nancy und der französischen Autoroute A4 Richtung Metz und Paris. Die RN4 führt ostwärts bis zur Europabrücke und geht dort in die B 28 in Richtung Kehl über. Aufgrund des starken Durchgangsverkehrs über die Europabrücke existiert eine Südumfahrung von Straßburg, die zur deutschen A 5 und nach Offenburg führt. Auf französischer Seite ist sie als N353 überwiegend autobahnähnlich ausgebaut, in Deutschland wird sie allerdings nur durch eine Landstraße mit Kreisverkehren (jedoch ohne Ortsdurchfahrten) fortgesetzt. Außerdem führt an Straßburg die Nord-Süd-verlaufende Autoroute A35 vorbei, die Lauterbourg an der deutschen Grenze mit Colmar, Mülhausen und Basel verbindet.

ÖPNV[Bearbeiten]

Die Straßenbahn Straßburg, welche von der Compagnie des transports strasbourgeois (CTS) betrieben wird, besteht aus sechs Linien (A bis F), die neben den zahlreichen Buslinien den Kern des öffentlichen Nahverkehrs ausmachen. Eine Besonderheit dieses erst in den 1990er Jahren entstandenen Netzes sind die damals futuristisch anmutenden Straßenbahnwagen mit Niederflurtechnik, die eher einem Hochgeschwindigkeitszug als einer Straßenbahn gleichen und zu einer Touristenattraktion wurden.

Im Jahr 2007 wurden mehrere neue Strecken durch Neudorf und Neuhof in Betrieb genommen sowie eine Verlängerung der Linie E von Wacken nach Robertsau durch das Europaviertel eröffnet, 2008 ist die Verlängerung der Linie B nach Lingolsheim fertiggestellt worden, 2010 kam die neue Linie F hinzu.

Derzeit wird an der Verlängerung der Linie D über die Staatsgrenze in die deutsche Stadt Kehl gebaut, die 2016 eröffnet werden soll. Hierfür wird zur Zeit (Juli 2014) unmittelbar nördlich der Europabrücke eine neue Rheinbrücke errichtet.

Fahrrad[Bearbeiten]

Das Radwege-Netz von Straßburg wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut.

Der ca. 1.230 km langer Radfernweg Rheinradweg - EV15 EuroVelo 15 (auch: Rhein-Radweg; niederländisch: Rijnfietsroute; französisch: Véloroute Rhin; englisch: Rhine cycle route), der durch vier Staaten vom Quellgebiet des Rheins in den Schweizer Alpen am Oberalppass bis zur Mündung bei Rotterdam schlängelt, führt durch die elsässische Metropole. In Straßburg kreuzt er den EV5 Radweg Via Romea Francigena, der London mit Rom/Brindisi verbindet.

Außerdem führt seit 2012 ein 85 km deutsch-französischer Radweg, die Piste des Forts oder Radweg zu den Forts, entlang des Festungsgürtels, der nach 1871 um Straßburg ausgebaut wurde. Nach und nach geht er u. a. auf den westlichen Anhöhen an Forts wie z. B. Fort Roon (heute Fort Desaix) und Fort Podbielski (heute Fort Ducrot) in Mundolsheim, Fort Moltke (heute Fort Rapp) in Reichstett, Fort Bismarck (heute Fort Kléber) in Wolfisheim, Fort Kronprinz (heute Fort Foch) in Niederhausbergen, Fort Großherzog von Baden (heute Fort Frère) in Oberhausbergen und Fort Kronprinz von Sachsen (heute Fort Joffre) in Holtzheim vorbei.

Damit zählt die Stadt zu den radfahrerfreundlichsten Kommunen Frankreichs. An mehreren innerstädtischen Stationen können für Geld kommunale Fahrräder ausgeliehen werden. Zusätzlich bietet die Stadt auch einen Fahrradverleih vor dem EU-Parlament während der monatlichen Plenarsitzungen an.[39]

Schifffahrt[Bearbeiten]

Straßburg liegt an der Ill, am Rhein und ist angebunden an die Kanäle Canal de la Marne au Rhin und Rhein-Rhône-Kanal. Es findet sowohl Güterumschlag wie auch der Besuch diverser Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe statt. Die Ausflugsboote in Straßburg (Bateau-omnibus) befördern jährlich ca. 650.000 Besucher.

Der Hafen Port Autonome de Strasbourg ist der zweitgrößte Binnenhafen Frankreichs (nach Paris) und der drittgrößte Rheinhafen (nach Duisburg und Köln). An Gütern wurde 2006 8,5 Mio. Tonnen auf dem Binnenschifffahrtsweg und ca. 1,9 Mio. Tonnen auf dem Schienenweg umgeschlagen. Hauptsächlich Nahrungsmittel, Erdölprodukte, Kies, Erze. Zunehmend auch der Containerverkehr. Es bestehen regelmäßige Liniendienste nach Le Havre und Flandern.

Der Hafen ist gleichermaßen ein Industrie- und Logistikzentrum, das sich mit mehreren Standorten von Lauterbourg bis nach Marckolsheim erstreckt. Die größte Einrichtung ist das eigentliche Straßburger Hafengelände mit insgesamt 1000 Hektar. 354 Unternehmen mit insgesamt 13.000 Mitarbeitern sind im Hafenareal angesiedelt; hierbei handelt es sich um Unternehmen aus der Industrie, Logistik und anderen Dienstleistungen.

Im südlichen Bereich des Hafengeländes betreibt der Port Autonome einen Containerterminal mit zwei Multimodal-Portalkranen. Die Hochseecontainer werden auf Rheinschiffen, per Zug oder per Lkw angeliefert und weiterverschickt. Zehn Rheinschifffahrts-Linien befahren mehrmals wöchentlich die Strecken Straßburg–Rotterdam, Straßburg–Antwerpen und Straßburg–Zeebrügge.

Luftfahrt[Bearbeiten]

Der internationale Flughafen von Straßburg liegt in Entzheim, etwa 20 Kilometer südwestlich von Straßburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Münsterplatz
Gerberviertel Petite FranceKlein Frànkrich
Spanferkelmarkt (Marché aux Cochons de Lait)

Straßburgs gut erhaltene historische Altstadt Grande Île, welche 1988 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, wird von der Ill, einem Nebenfluss des Rheins, umflossen. Wahrzeichen der Stadt ist das 1176–1439 erbaute romanische und gotische Straßburger Münster. Dominiert von der Westfassade des Münsters, stehen am Münsterplatz zahlreiche, teilweise vier- bis fünfgeschossige Fachwerkhäuser im alemannisch-süddeutschen Stil. Charakteristisch sind die steilen Dächer mit bis zu vier Dachgeschossen. An der Nordseite des Münsterplatzes steht das bekannte, reich verzierte Haus Kammerzell.

Gegenüber dem Südportal des Münsters liegt das Palais Rohan, die ehemalige Stadtresidenz der Straßburger Bischöfe, die im 18. Jahrhundert sämtlich aus der Familie Rohan stammten. Das Palais wurde 1727 von Robert de Cotte entworfen und am Ort 1731–1742 unter Leitung von Joseph Massol ausgeführt. Es folgt in Typus, Stil und Materialien der damaligen Pariser Architektur und unterscheidet sich deutlich von den älteren Straßburger Bauten. Bedeutend sind die Wohn- und Empfangsräume in den Formen des Louis-quinze, des französischen Rokoko. Im Palais befinden sich heute Museen (siehe unten), die historischen Räume können besichtigt werden.

Touristisch sehr beliebt ist das so genannte „Gerberviertel“ (frz. „Quartier des Tanneurs“) im Stadtteil La Petite France am Ufer der Ill und mehrerer ihrer Kanäle mit seinen malerischen Fachwerkhäusern, kleinen Gassen und den typischen Dachgauben. Früher lag dort auf einer Insel ein Militärkrankenhaus.

Sehenswerte Denkmäler aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs sind der Bahnhof, die Kunsthochschule, die ehemalige Jungmädchenschule (heute Lycée international des Pontonniers), der ehemalige Kaiserpalast Palais du Rhin, das Gericht und die Universität mitsamt Bibliothek und Sternwarte. Die Synagogue de la Paix wurde 1958 anstelle der zerstörten alten Synagoge errichtet. Für die Konzeption des Parkplatzes und der Straßenbahnhaltestelle in Hoenheim-Nord[40] erhielt Zaha Hadid den Mies-van-der-Rohe-Preis für Europäische Architektur 2003.

Religion[Bearbeiten]

Wegen der Vielfalt der Kirchen, Klöster, Kongregationen und Synagogen hatte Straßburg einst den Spitznamen ville aux mille églises („Stadt der tausend Kirchen“).

Christentum[Bearbeiten]

Seit der Reformation bildete der Gegensatz zwischen der mehrheitlich protestantischen Stadt und dem katholischen Umland eine wichtige Komponente der Stadtgeschichte. Durch Einwanderung aus dem Umland, aus dem übrigen Frankreich und aus Südeuropa ist heute die Mehrheit der Stadtbewohner katholisch. Straßburg ist Sitz des Erzbistums Straßburg. Zu den katholischen Kirchen der Stadt zählen das Straßburger Münster (Cathédrale Notre-Dame), Saint-Pierre-le-Jeune catholique, die Johanniskirche, die Magdalenenkirche, die Moritzkirche, die Ludwigskirche und die Stephanskapelle. Zu den protestantischen zählen Saint-Pierre-le-Jeune protestant, der Temple Neuf, die Thomaskirche, die Paulskirche, die Nikolaikirche, die Wilhelmskirche und die Aureliakirche. Die Kirche Saint-Pierre-le-Vieux ist seit 1683 zwischen den Konfessionen geteilt (Simultankirche), erst seit 2012 existiert eine Verbindungstür zwischen Chor und Langhaus.

Außerdem bestehen in der Stadt Kirchengebäude der serbisch-, russisch-, bulgarisch-, rumänisch- und griechisch-orthodoxen Kirchen.

Judentum[Bearbeiten]

Außerdem besaß die Stadt eine große jüdische Gemeinde; von 1389 bis 1789 war Juden das Betreten der Stadt aber verboten und sie siedelten sich in den Umlandgemeinden an. Im 19. Jahrhundert blühte die jüdische Gemeinde erneut auf. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden während der Besatzung durch Nazi-Deutschland 1940 bis 1944 mehrheitlich deportiert und ermordet, seither wuchs die Gemeinde aber wieder auf etwa 20.000 Mitglieder, vor allem durch die Ankunft sephardischer Juden aus Nordafrika in den 1960er Jahren. Die jüdische Gemeinde verfügt über die repräsentative Synagogue de la Paix und weitere Synagogen, ein Krankenhaus, ein Altenheim und mehrere Schulen.

Islam[Bearbeiten]

Die muslimische Gemeinde besteht vor allem aus Einwanderern aus muslimischen Staaten wie Algerien, Marokko, Tunesien und der Türkei. Den Gläubigen stehen 35 Moscheen und Gebetsräume zur Verfügung. Im Sommer 2012 wurde im Stadtteil Heyritz im Beisein zahlreicher hochrangiger Persönlichkeiten die zweitgrößte Moschee in Frankreich eröffnet. Im Bau (2013) sind weitere Moscheen in den Vierteln Hautepierre, Elsau, der Robertsau und im Neuhof. Geplant sind auch Moscheen für Kronenbourg und Koenigshoffen. Außerdem besteht in Straßburg seit Februar 2012 der erste muslimische Friedhof Frankreichs. Ab Januar 2013 wird eine neugegründete private Islamische Fakultät in Straßburg Imame ausbilden. [41]

Profane Bauwerke[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Zur Weihnachtszeit bietet Straßburg einen Weihnachtsmarkt, der auf mehrere Standorte in der Innenstadt verteilt ist. An allen Standorten werden elsässische Spezialitäten angeboten. Beim Rathaus befindet sich der Christkindelsmärik. Auf dem Kléberplatz wird alljährlich eine riesige Weihnachtstanne aus den Vogesen aufgestellt (2009 war sie 28 Meter hoch[42]), die von einer Arbeitsgruppe alljährlich ein anderes Dekor erhält. Auch Weihnachtskonzerte werden in den Kirchen und dem Münster angeboten.

Darstellende Kunst[Bearbeiten]

Palais du Rhin (ehemaliger Kaiserpalast), Sitz der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt
  • Das Operngebäude am Place Broglie ist ein Spielort der Opéra national du Rhin, dem gemeinsamen lyrischen Ensemble und Ballett der Städte Straßburg, Mülhausen und Colmar.
  • Der Kabarettist Roger Siffer betreibt seit 1984 sein eigenes Kabarett, das „Théâtre de la Choucrouterie“ oder auch „Sürkrüt-Theater“, einer ehemaligen Sauerkrautfabrik, im Viertel Finkwiller am Rande der Straßburger Altstadt. Seine Revues laufen gleichzeitig auf Französisch und auf Elsässisch in zwei Sälen. In die Choucrouterie kommen jährlich mehr als 20 000 Besucher.
  • Seit 1982 findet an jedem 21. Juni in Strasbourg die Fête de la Musique statt – wie derzeit (2009) auch in etwa 340 anderen Städten in Europa. Die Innenstadt (Petite France) ist dann ab 18 Uhr für den Verkehr gesperrt und Besucher können unentgeltlich Musikdarbietungen von Solisten, Bands und Chören in den Straßen der Stadt genießen.
Musée historique in der „Grossen Metzig“ an der Ill neben dem Alten Zoll

Museen[Bearbeiten]

  • Das Musée des Beaux-Arts (im Palais Rohan) präsentiert Gemälde alter Meister, u. a. Hans Memling, El Greco, Goya, Correggio, Rubens, Tintoretto, Veronese, Canaletto, Giotto, Van Dyck und Watteau.
  • Das Musée des Arts décoratifs (im Palais Rohan) ist das Kunstgewerbemuseum. Zu ihm gehören die historischen Räume des Palais de Rohan. Bedeutend ist auch die Sammlung von Silber und Fayencen.
  • Das Musée archéologique (im Palais Rohan), bietet die archäologische Geschichte des Elsass von der Urgeschichte bis zum Anfang des Mittelalters. Die Abteilung „Das römische Elsass“ bietet eine reichhaltige Sammlung von Funden des 1.–5. Jh. n. Chr.[43]
  • Das Musée de l’Œuvre Notre-Dame („Frauenhausmuseum“), das Museum der Münsterbauhütte zeigt Meisterwerke der Gotik und der Renaissance (Originalskulpturen, Glasfenster und Baupläne des Straßburger Münsters, Bilder von Hans Baldung und Sebastian Stoskopff) und oberrheinische Kunst vom 11. bis 17. Jahrhundert.
  • Im Musée Alsacien wird Volkskunst und Kunsthandwerk aus dem Elsass ausgestellt.
  • Weithin bekannt ist das Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg, das „Museum für moderne und zeitgenössische Kunst“, mit seiner markanten Pferdestatue auf dem Dach und seiner großen Sammlung von Werken von Gustave Doré, Hans Arp und Victor Brauner.
  • Das Cabinet des estampes et dessins zeigt eine Sammlung von circa 200.000 internationalen Grafikwerken aus dem Mittelalter bis 1871.
  • Im Musée Tomi Ungerer – centre international de l’illustration ist das zeichnerische und graphische Lebenswerk des berühmten elsässischen Künstlers zu sehen. Eine Spielzeugsammlung, Fotografien, das Familienarchiv sowie Werke anderer international bekannter Zeichner (Saul Steinberg, Ronald Searle ...) ergänzen das Museum.
  • Seit 2005 bereichert das „Le Vaisseau“,[44] ein Wissenschafts- und Technikzentrum für Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 15 Jahren, die Straßburger Museumslandschaft.
  • Das Musée historique (Historische Museum) widmet sich der wechselhaften Geschichte der Stadt. Es zeigt unter anderem ein Modell des abgerissenen historischen Rathauses „Pfalz“ und das Grüselhorn, ein mittelalterliches Horn, mit dem die Straßburger Juden jeden Abend um 22 Uhr zum Verlassen der Stadt aufgefordert wurden. Ebenfalls gezeigt wird die Balbronner Hand, eine Armprothese aus dem 16. Jahrhundert.
  • Das Musée zoologique stellt eine sehr umfangreiche naturhistorische Sammlung aus, deren Bestände und Geschichte auf das 18. Jahrhundert zurückgehen.

Sport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten wurden in Straßburg geboren, darunter: Johannes Tauler, Sebastian Brant, Johann Fischart, Johann Friedrich Oberlin, Jean-Baptiste Kléber, Marie Tussaud, Ludwig I. von Bayern, Gustave Doré, Charles Friedel, Matt Pokora, Émile Mathis, Émile Waldteufel, Charles de Foucauld, Hugo Becker, Hans Arp, Charles Münch, Rudolf Schwarz, Hans Bethe, Marcel Marceau, Tomi Ungerer, Arsène Wenger und Armando Teixeira.

Nachstehende hielten sich längere Zeit in Straßburg auf: Johannes Gutenberg, Martin Bucer, Johannes Calvin, Hans Baldung, Hans von Gersdorff, Jean Georges Noverre, Johann Wolfgang Goethe, Jakob Michael Reinhold Lenz, Klemens Wenzel Lothar von Metternich, Georg Büchner, Louis Pasteur, Ettore Bugatti, Ferdinand Braun, Georg Simmel, Albert Schweitzer, Otto Klemperer, Marc Bloch, Alberto Fujimori und Jean-Marie Lehn.

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Recht, Georges Foessel, Jean-Pierre Klein: Connaître Strasbourg, 1988, ISBN 2-7032-0185-0
  • Georges Livet, Francis Rapp (Hrsg.): Histoire de Strasbourg des origines à nos jours, vier Bände (ca. 2000 Seiten), 1982, ISBN 2-7165-0041-X
  • Ralf Bernd Herden: Straßburg Belagerung 1870. BoD Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8334-5147-8.
  • Yuko Egawa: Stadtherrschaft und Gemeinde in Straßburg vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis zum Schwarzen Tod (1349), Kliomedia, Trier 2007 (Trierer Historische Forschungen 62). ISBN 978-3-89890-108-6.
  • Robert Schelp: Die Reformationsprozesse der Stadt Strassburg am Reichskammergericht zur Zeit des Schmalkaldischen Bundes, (1524)/1531-1541/(1555). Buchhandlung Geschw. Schmidt, Kaiserslautern 1965.

Weblinks[Bearbeiten]

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 Commons: Strasbourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Straßburg – Quellen und Volltexte
 Wikiquote: Straßburg – Zitate
 Wiktionary: Straßburg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Straßburg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Population totale par sexe et âge regroupé (französisch)
  2. Strasbourg, capitale européenne. peap.fr. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  3. Strasbourg, capitale européenne. ciel-strasbourg.org. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  4. Résultats de recherche pour "Belin, Jean Marie". ina.fr. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  5. Argentoratum als Beispiel in der Enciclopedia Toponomastica (1937)
  6. Zu Straßburg im Altertum: Robert Forrer: Strasbourg-Argentorate: préhistorique, gallo-romain et mérovingien. 2 Bände, Istra, Strasbourg 1927; Jean-Jacques Hatt: Argentorate - Strasbourg. Presses Universitaires de Lyon, Lyon 1993, ISBN 2-7297-0471-X; Des origines à la Pax Romana (französisch).
  7. Eine bis ins 14. Jahrhundert reichende Stadtchronik hat der Theologe Jakob Twinger von Königshofen (1346-1420) verfasst: Chronik des Jakob Twinger von Königshofen, in: Die Chroniken der oberrheinischen Städte. hrsg. v. K. G. T. Schröder, Bd. 8, Leipzig 1870. Das Straßburger Stadtrecht findet sich in: Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach und Altenburg. Breslau 1851, S. 36–93.
  8. Ludwig Spach: Bertold von Buchegg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 529–531.
  9. Schwörbrief – Verfassungsvertrag der Reichsstadt Straßburg (1482) (abgerufen am 17. April 2012; PDF-Datei; 103 kB)
  10. Bernard Vogler: Straßburg. In: Theologische Realenzyklopädie (TRE). Band 32, de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-016712-3, S. 233–640 (234).
  11. Die Reformation im Elsass
  12. retro|bib – Seite aus Meyers Konversationslexikon: Elsaß-Lothringen (Geschichte: 15.-17. Jahrh.)
  13. 33 Sols- Stück von 1708
  14. Greissler, Paul: De la monnaie d’empire à la monnaie de France à Strasbourg; In: Revue d'Alsace 1993, S. 163.
  15. La Cathédrale de Strasbourg pendant la Révolution. (1789–1802) (französisch)
  16. Das Napoleonzimmer
  17. Recht, Roland; Foessel, Georges; Klein, Jean-Pierre: Connaître Strasbourg, 1988, ISBN 2-7032-0185-0
  18. Vollständige interaktive Karte der Forts
  19. Festen incorporée dans la ligne. ligne-maginot.fr. Abgerufen am 14. Juni 2011.
  20. www.strassburg.eu/erster-weltkrieg
  21. 11 novembre 1918: le drapeau rouge flotte sur Strasbourg (französisch)
  22. Verzeichnis der Anlagen (Französisch)
  23. Limoges et Périgueux, Refuges des Juifs de Strasbourg sous l’Occupation (französisch)
  24. Benoît Jordan, op. cit., S. 119f. Siehe auch "Malgré-nous"
  25. „Nazideutschland im Elsass“
  26. „Der Schwur vor Kufra“
  27. Fotos der 1944 zerbombten Straßburger Altstadt
  28. Al-Qaida-Prozess in Frankfurt: War Straßburger Synagoge das Ziel?
  29. City of Strasbourg fined in storm deaths
  30. Website Straßburg, Jan. 2010
  31. Université de Strasbourg: Une identité forte
  32. Strasbourg ouvre une grande médiathèque sur le port in L’Express
  33. Les incunables | BNU
  34. Portail de lecture publique
  35.  L. Schlaefli: Supplément au catalogue des incunables et livres du XVIe s. (jusqu’en 1530) de la bibliothèque du grand séminaire de Strasbourg. In: Archives de l’Eglise d’Alsace. 51, ISSN 1141-2992, S. 11-68.
  36. La Médiathèque Protestante – fondation saint thomas
  37. Général
  38. Liste der internationalen Institutionen in Straßburg
  39. „Straßburgs Bürgermeisterin legt gutes Wort für Radfahrer ein“, Tagesspiegel, 29. November 2006
  40. Straßenbahnhaltestelle in Hoenheim-Nord. In: archINFORM. Abgerufen am 14. Dezember 2009
  41. Frankreichs größte Moschee in Straßburg eingeweiht. "Der Westen" 59 (2012), Heft 3/4, S. 15
  42. StrasTV.com: Le Sapin de la place Kléber à Strasbourg (12. November 2009) (Version vom 16. November 2009 im Internet Archive)
  43. Auswahl (zwei Seiten) (Version vom 13. Januar 2009 im Internet Archive) vom Musée archéologique
  44. Le Vaisseau
  45. is2007.com