Gothèye

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Landgemeinde Gothèye
Landgemeinde Gothèye (Niger)
Landgemeinde Gothèye
Landgemeinde Gothèye
Koordinaten 13° 52′ N, 1° 34′ O13.8666666666671.5666666666667Koordinaten: 13° 52′ N, 1° 34′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Gothèye
Einwohner 85.526 (2010)
Politik
Bürgermeister Zouzou Niandou (2012)

Gothèye (auch: Gothey, Gothéye) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Gothèye in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Gothèye liegt in der südlichen Sahelzone südlich der Regionalhauptstadt Tillabéri am Fluss Niger. Die Nachbargemeinden sind Tillabéri und Sinder im Norden, Kourteye im Osten, Namaro im Süden und Dargol im Westen.

Das Gemeindegebiet ist in 40 administrative Dörfer, 20 traditionelle Dörfer, 54 Weiler und ein Lager gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Gothèye.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Dörfer Saya und Zara Koiré im Gemeindegebiet von Gothèye gehörten zu jenen Orten im heutigen Niger, an denen sich nach dem Untergang des Songhaireichs 1591 Songhai-Flüchtlinge unter einem Nachkommen der ehemaligen Herrscherdynastie Askiya niederließen.[3]

Um 1844 wurde Gothèye von Silanké angegriffen, einer Untergruppe der Fulbe, die aus Dori in Liptako kamen. Unterstützung erhielten sie dabei von einem starken Zarma-Kontingent. Ein Bündnis aus Songhai und Tuareg besiegte die Angreifer. Die Tuareg unter ihrem Anführer Sinafal vertrieben die Silanké bis vor die Mauern von Say.[4] Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth besuchte 1854 mehrere Dörfer in Gothèye, für das er die Schreibweise „Gōte“ verwendete. Barth beschrieb unter anderem das von Kornfeldern umgebene Fulbe-Dorf Kassani („Ka-ssánni“), die Dörfer Bossia („Bō-sse“) und Hondobon („Hendōbo“).[5] 1899 gelangte das Gebiet von Gothèye als Teil des neu geschaffenen Kreises Sinder (cercle de Sinder) unter französische Militärverwaltung.[6]

1964 gliederte eine Verwaltungsreform Niger in sieben Departements, die Vorgänger der späteren Regionen, und 32 Arrondissements, die Vorgänger der späteren Departements. Gothèye wurde dem neu geschaffenen Arrondissement Téra zugeschlagen, erhielt jedoch – wie Bankilaré – den Status eines Verwaltungspostens (poste administratif) im Gebiet des Arrondissements. Verwaltungsposten waren besondere Gebietseinheiten eine Ebene unterhalb von Arrondissements, die als eine Art Vorstufe zu einer späteren Umwandlung in ein eigenes Arrondissement galten.[7] 1998 wurden die bisherigen Arrondissements Nigers in Departements umgewandelt.[8] Das administrative Dorf Larba Birno war von der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 betroffen. Dort wurden 294 Einwohner als Katastrophenopfer eingestuft.[9] Der Verwaltungsposten von Gothèye wurde 2011 aus dem Departement Téra herausgelöst und zum Departement Gothèye erhoben.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Gothèye 64.656 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 85.526 Einwohner berechnet.[11]

In Gothèye wird der Zarma-Dialekt Kaado gesprochen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Entlang des Flusses wird Nassreisanbau betrieben. Das übrige Gemeindegebiet liegt in einer Zone, in der Regenfeldbau vorherrscht.[12] Im zu Gothèye gehörenden Dorf Kakassi werden Korb- und Töpferwaren sowie traditionelle Seife hergestellt. Im Gemeindegebiet befinden sich mehrere Wochenmärkte. Der große Montagsmarkt im Hauptort zieht auch Händler aus der Hauptstadt Niamey an. Hier werden Töpferwaren, Mörser und Stößel, Matten aus Palmblättern und Getreideschwingen sowie Zwiebeln, rote Paprika und Erdnüsse verkauft. Der Mittwochsmarkt im Dorf Kouli Koira (Koulikoiré) ist auf Matten spezialisiert, die für tatara genannte Einzäunungen verwendet werden. Außerdem gibt es am Fluss angebautes Gemüse wie Zwiebeln und Kartoffeln zu erwerben. Der Mittwochsmarkt im Dorf Garbey Kouro hat eine mittlere Größe. Er ist hauptsächlich ein Lebensmittelmarkt. Am kleinen Samstagsmarkt im Dorf Larba Birno werden Gewürze, Kartoffeln und Zwiebeln gehandelt.[13] Durch Gothèye verläuft die Nationalstraße 4, die den Ort mit der Nachbargemeinde Namaro und der Staatsgrenze zu Burkina Faso bei Téra verbindet.

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Seyni Zoumari Issa: Le Soney (Songhay) après la conquête marocaine, 1592–1900, formation des provinces historiques (Tera, Gooro (Goruol), Namaro, Kokoru, Gothey). Contribution à l’histoire du Soney post-impérial et précolonial (République du Niger). Dissertation, Universität Paris 1 1982.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 74.
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 96.
  5.  Heinrich Barth: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika. Fünfter Band, Justus Perthes, Gotha 1858, S. 281–282.
  6. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 234.
  7. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 275.
  8. Historique de la décentralisation. ANIYA. Réseau des collectivités nigériennes et françaises, archiviert vom Original am 6. April 2012, abgerufen am 28. Januar 2014 (französisch).
  9. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  10.  Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2014).
  11. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.
  12. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. Save the Children UK, London 2009 (Online-Version; PDF; 2,6 MB), S. 8.
  13.  Dissirama Sabine Attama, Rita Dorigo, Toyé Amina Kiepin: Programme de Formation Modulaire en faveur de l’Artisanat Rural: Rapport de la mission d’identification dans la région de Gothèye et dans le Liptako Gourma. RESEDA, Niamey April 1994, S. 9, 11–12 und 14 (Word-Datei, abgerufen am 2. Mai 2014).
  14. Jean-Claude Peyronnet: La solidarité internationale à l’échelle des territoires: état des lieux et perspectives. Annexe 5: Document de travail de l’ambassade de France au Niger sur les coopérations décentralisées dans ce pays. Senat der Französischen Republik, 13. November 2012, abgerufen am 6. Juli 2013 (französisch).