Grazer Stadtpark

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Stadtparkbrunnen mit Blick zum Grazer Uhrturm. (Rechts hinter dem Brunnen die Skulptur Brunnenwerk, lokal: Rostiger Nagel, von Serge Spitzer, 1985)
Franz Marauschek (1830–1902), Obergärtner von Schloss Metahof: Situations-Plan der Stadtpark Anlagen in Graz, 1878[1]
Edmund Hellmer, 1899: Denkmal für Moritz Ritter von Franck[2]
Blick vom Brunnen zum Forum Stadtpark, im Hintergrund der Uhrturm
Hans Brandstetter (1891): Styria, für die Hauptbrücke (heute: Erzherzog-Johann-Brücke) geschaffen, dort 1964 wegen Neubaus abgetragen, 1970 im Stadtpark aufgestellt[3]

Der Grazer Stadtpark, die größte öffentliche Grazer Parkanlage, wurde 1869 auf der Fläche des Glacis vor der Stadtmauer unter Bürgermeister Moritz Ritter von Franck begründet und 1872 fertiggestellt.

Entstehung[Bearbeiten]

Bereits 1862 hatte die Stadt Graz versucht, die 1784 von den steirischen Landständen ersteigerten Glacisflächen zur Errichtung eines öffentlichen Parks zu erwerben.[4] Erst Ende 1868 konnte zwischen der Gemeinde Graz und der Militärverwaltung ein Grundstückstausch stattfinden. Das nutzlos gewordene Glacis vor den Stadtmauern wurde von der Gemeinde Graz übernommen, das Militär bekam dafür den von der Kommune um 36.000 Gulden an zinsfreien Privatkrediten erworbenen Feliferhof als Schießplatz.[5] Gemäß Reichsgesetz vom 22. November 1868 war auf den ca. 12,6 ha großen Glacisgründen ein öffentlicher Park anzulegen, auf dem mit Ausnahme eines Cursalons ohne Zustimmung des Ärars keine Gebäude errichtet werden durften.[6] Am 28. Dezember 1868 präsentierte Moritz von Franck dem Grazer Gemeinderat einen Plan für die Errichtung eines Stadtparks inklusive eines (der Stadt bis dahin fehlenden großräumigen) Kursalons sowie einer Wasserleitung. Für Organisation, Finanzierung (Bildung von Aktiengesellschaften) und Ausführung des Projekts schlug er die Gründung eines Vereins vor,[7] den später bis 1922 tätigen „Verein zur Stadtverschönerung in Graz“. Anfang Mai 1869 lobte der Verein einen mit 1. September des Jahres befristeten, drei Preise vorsehenden Wettbewerb aus.[8][Anm. 1] 1870 wurde vom Bürgermeister der erste Spatenstich gesetzt sowie das Pflanzen eines Baumes vorgenommen.[9] Mit sichtbar fortschreitender Arbeit am Stadtpark erhoffte man sich auch eine Besserung der Sanitätsverhältnisse, da Mitte 1870 die Sterblichkeitsziffer lokal höher war als jene in der Reichshauptstadt Wien.[10] 1871 ging die Regierung vom Grundsatz der unbebaut zu bleibenden Liegenschaft ab, als der Minister für Kultus und Unterricht, Karl von Stremayr, den Neubau der Universität auf stadtseitigen Teilen des Stadtparks vorschlug.[11][Anm. 2]

Ende 1872 war die erste Gestaltung des Stadtparks hauptsächlich nach den Plänen des Malers Ernst Matthèy-Guenet († 1898) abgeschlossen.[12] Zu Ehren von Moritz von Franck, Gründer und langjähriger Obmann des Verschönerungsvereins,[13] setzte man im Stadtpark eine Eiche (Welt-Icon47.07261415.446466).[14]

Gestaltung[Bearbeiten]

Der 1869 gegründete Stadtverschönerungsverein hatte das Ziel einen Naturpark nach Art eines Englischen Gartens anzulegen, wobei das Interesse an seltenen, exotischen Bäumen im Vordergrund stand. Auf den einstigen Dämmen wurden Doppelalleen angelegt. Die ursprünglichen Gaslaternen wurden in den 1970er Jahren auf elektrischen Betrieb umgerüstet, wobei die alten gusseisernen Stelen erhalten werden konnten. Im Park befinden sich 600 gusseiserne Ruhebänke sowie 1.989[15] Bäume. Im 20. Jahrhundert wurde die Parkanlage auch zu einer Freilichtgalerie zur steirischen Kulturgeschichte erweitert. Büsten von Robert Hamerling, Robert Stolz, Peter Rosegger, Johannes Kepler und anderen wurden aufgestellt. Neben dem Paulustor wurde für den Katholikentag 1981 eine Veranstaltungswiese geschaffen und mehrere Radwege angelegt. Nahe dem Zentrum des Parks steht das Forum Stadtpark, das sich aus dem ehemaligen Stadtparkcafe entwickelt hat. Gleich daneben wurde 1877 ein Musikpavillon errichtet.

Den Mittelpunkt der Parkanlage bildet der Stadtparkbrunnen, ein im Inneren der Rotunde platziert gewesenes, mit einem Ehrendiplom für Kunstguss[16] gewürdigtes Exponat der Wiener Weltausstellung 1873, das später nach Kaiser Franz Joseph I. benannt worden ist. Die Brunnenskulptur wurden von Jean-Baptiste-Jules Klagmann (1810–1867) geschaffen und vom Silber- und Bronzefabrikanten Antoine Durenne (1822–1895) umgesetzt. Nachdem im Mai 1874 der Gemeinderat der Stadt Wien vom Kauf des ihr schon während der Weltausstellung vom Vertreter der Firma Durenne zu Bedingungen weit unter dessen Gestehungskosten[17] offerierten, von mehreren Städten umworbenen Artefakts (Brunnenmittelteil samt Beckendekorationen)[Anm. 3] Abstand genommen hatte,[18] akzeptierte die Stadt Graz das Angebot zu 30.000 Gulden (zehn Jahresraten à 3.000 Gulden) und unterfertigte den Vertrag am 4. August 1874.[19] Am 19. August 1874 traf der mit fünf Bahnwaggons transportierte Brunnen in Graz ein und wurde an den im Stadtpark bereits baulich vorbereiteten Platz gebracht.[20] Wilhelm Kienzl (1827–1902), Bürgermeister der Stadt Graz, setzte im Beisein von Landeshauptmann Moritz von Kaiserfeld (1811–1885) die Brunnenanlage am 4. Oktober 1874,[21] dem Namenstag Franz Josephs I., in Betrieb.[22] Der Brunnen (mit acht Bronzefiguren im Becken)[23] war, zumindest im Eröffnungsmonat, täglich nur von 16 bis 17 Uhr wassergespeist.[24] Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1952, wurde der durch Spenden der Grazer Bevölkerung renovierte (und mit einem Schutzgitter umzäunte) Stadtparkbrunnen wieder eröffnet.[25]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Adalbert Klein: Die Geschichte der Erschließung des Grazer Stadtparks. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 54,2 (1963, LIV. Jahrgang). Verein, Graz 1963, ISSN 0437-5890, OVB, S. 379–386.
  • Elek Vajda: Als der Stadtpark noch Exerzierplatz war … Graz in alten Bildern. Zweite Auflage. Imago, Graz 1967, OBV.
  • Horst Schweigert (Bearb.): Graz. Zum 850jährigen Stadtjubiläum. Dehio-Handbuch – Die Kunstdenkmäler Österreichs – Topographisches Denkmälerinventar. Schroll, Wien 1979, ISBN 3-7031-0475-9.
  • Dietmar Wanko (Ill.), Max Mayr (Mitverf.), Hanns Koren (Vorwort): Grazer Stadtpark. Styria, Graz 1986, ISBN 3-222-11705-5.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. p12478: Der Grazer Stadtpark – von seiner Entstehung bis heute (PDF; 48 KB). In: Marina Dominik (Red.): graz.at, 2010, abgerufen am 24. Februar 2014.
  2. Schweigert: Graz, S. 110.
  3. Schweigert: Graz, S. 112.
  4. Hermann Reining: Der Grazer Stadtpark. In: Géza Hajós (Red.), Matthias Cremer (Ill.): Historische Gärten in Österreich. Vergessene Gesamtkunstwerke. Böhlau, Wien 1993, ISBN 3-205-98095-6, S. 174. – Online.
  5. Inland. (…) Graz. 22. November (…). In: Die Presse, Nr. 326/1868 (XXI. Jahrgang), 26. November 1868, S. 3, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  6. RGBl 1868/150. In: Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Oesterreich, Jahrgang 1868, S. 435. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rgb.
  7. Inland. (…) Graz. 29. Dezember (…) Die Glacisgründe. Stadtverschönerung. Ein Gerücht. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 1558/1868, 31. Dezember 1868, S. 3, oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. Concurs-Ausschreibung für die Erlangung von Projecten für Park-Anlagen auf den stadtischen Glacis-Gründen in Graz. In: Die Presse, Nr. 124/1869 (XXII. Jahrgang), 5. Mai 1869, S. 11 (unpaginiert), oben rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  9. Géza Hajós (Hrsg.), Wojciech Bałus (Beitr.): Stadtparks in der österreichischen Monarchie 1765–1918. Studien zur bürgerlichen Entwicklung des urbanen Grüns in Österreich, Ungarn, Kroatien, Slowenien und Krakau aus europäischer Perspektive. Böhlau, Wien (u.a.) 2007, ISBN 978-3-205-77638-3, S. 118.
  10. Grazer Briefe. I.. In: Tages-Post, Nr. 139/1870 (VI. Jahrgang), 22. Juni 1870, S. 2 (unpaginiert), Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/tpt.
  11. Der Universitätsbau in Graz. In: Wiener Zeitung, Beilage Wiener Abendpost, Nr. 43/1871, 22. Februar 1871, S. 170, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz;
    Original-Correspondenzen des „Vaterland“. (…) Graz, 25. Februar. In: Das Vaterland, Nr. 59/1871 (XII. Jahrgang), 28. Februar 1871, S. 2 (unpaginiert), Spalt 1 oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  12. Wilhelm Steinböck: 100 Jahre Grazer Stadtpark (1872–1972). In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Nr. 1/1974 (V/VI. Jahrgang), ZDB-ID 217827-8. Stadt Graz, Graz 1974, OBV, S. 181–195.
  13. Walter Brunner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Graz. Vier Bände. Eigenverlag der Stadt Graz, Graz 2003, ISBN 3-902234-02-4, OBV.
  14. Inland. (…) Graz. 2. April. (…) Von der schönen Murstadt. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 2733/1872, 4. April 1872, S. 4, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  15. Marina Dominik (Red.): Stadtpark. Eingehende Baumuntersuchungen. In: graz.at, 23. September 2011, abgerufen am 24. Februar 2014.
  16. Liste der Ehrendiplome. (…) Durenne Antoine (…). In: Das Vaterland, Nr. 231/1873 (XIV. Jahrgang), 22. August 1873, S. 2, Spalte 4 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  17. Tages-Neuigkeiten. (…) Der Brunnen in der Rotunde. In: Neuigkeits-Welt-Blatt, Nr. 138/1874, 21. Juni 1874, S. 3 (2. Bogen) Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwb.
  18. Eine monumentale Affaire. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Beilage zu Nr. 155/1874 (XXVII. Jahrgang), 7. Juni 1874, S. 7 (unpaginiert) unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  19. Kleine Chronik. (…) Der Weltausstellungs-Rotundebrunnen. In: Wiener Abendpost. Beilage zur Wiener Zeitung, Nr. 178/1874, 6. August 1874, S. 1418, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  20. Der Brunnen aus der Rotunde. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Beilage zu Nr. 229/1874 (XXVII. Jahrgang), 22. August 1874, S. 7, Mitte oben. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  21. Eröffnung des Stadtparkbrunnens. In: Grazer Volksblatt, Nr. 227/1874 (VII. Jahrgang), 6. Oktober 1874, S. 6 (unpaginiert), Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gre.
  22. Kleine Chronik. (…) Die Fontaine aus der Rotunde. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 3631/1874, 5. Oktober 1874, S. 1, unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp;
    Brunnenweihe zu Graz. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Beilage zu Nr. 274/1874 (XXVII. Jahrgang), 6. Oktober 1874, S. 8, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  23. Schweigert: Graz, S. 109.
  24. Grazer Notizen. (…) Der Stadtparkbrunnen (…). In: Grazer Volksblatt, Nr. 228/1874 (VII. Jahrgang), 7. Oktober 1874, S. 2 (unpaginiert), unten rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gre.
  25. Heimo Hofgartner, Katia Schurl, Karl Stocker: Berg der Erinnerungen. Die Geschichte der Stadt ist die Geschichte ihrer Menschen. Katalog zur Ausstellung im Stollensystem des Grazer Schloßberges, 22. März bis 28. September 2003. Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas Organisations GmbH, Graz 2003, ISBN 3-9501666-6-1, S. 50 f.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Zur selben Zeit ersuchte der neu berufene Kommandierende General von Graz, Franz von John (1815–1876), den Bürgermeister, die Glacisgründe bis zur Umsetzung des Parkprojekts der Garnison als Exerzierplatz zu überlassen. Moritz von Franck kam diesem Ansinnen jedoch nicht entgegen, was ihm 1870 den (an Guido Kübeck von Kübau, 1829–1907, gegangenen) Statthalterposten von Steiermark gekostet haben soll. – Siehe: Inland. (…) Graz, 4. Mai. (…) FML John. In: Die Debatte, Morgen-Ausgabe, Nr. 125/1869 (VI. Jahrgang), 6. Mai 1869, S. 3 (unpaginiert), Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/ddb sowie Feuilleton. (…) Grazer Spaziergänge. In: Neues Fremden-Blatt, Morgenausgabe, Nr. 59/1872 (VIII. Jahrgang), 29. Februar 1872, S. 11 (unpaginiert), Mitte unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfb.
  2. Die sich fast ein Jahr hinziehende Frage des endgültigen Bauplatzes für die neue Universität führte zu Kontroversen zwischen denen, die am baulich unberührten Stadtpark festhielten und denen, die ihn für zweitrangig bzw. überflüssig erachteten und befürchteten, die zwischen Stadt und Staat aufgekommenen Spannungen könnten mit dem (Salzburg begünstigenden) Verlust des Universitätsprojekts enden. Letztlich wurden 1871/72 von staatlicher Seite unweit der den Stadtpark begrenzenden Glacisstraße im Stadtbezirk Geidorf Grundstücke angekauft und Ende 1872 mit dem ersten Abschnitt des mehrteiligen Bauvorhabens, dem (von Karl Stattler, 1834–1895, und Josef Horky, 1828–1909, geplanten, 1875 fertiggestellten) Physikalischen Institut (Universitätsplatz 6), begonnen. – Siehe:
    Tagesneuigkeiten. (…) Universitätsbau in Graz. In: Tages-Post, Nr. 253/1871, 4. November 1871, S. 3, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/tpt;
    Wilhelm Edler v(on) Rezori: Die neue k. k. Universität in Graz. In: Allgemeine Bauzeitung, Jahrgang 1896, (LXI. Jahrgang), S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/abz.
  3. Die beiden Seitenteile finden sich in Paris auf der Place de la Concorde – Siehe: 49. Stadtparkbrunnen. (PDF; 0,6 MB). In: Wassersehenswürdigkeiten. wasserland.steiermark.at. Graz 2007, S. 4, abgerufen am 21. Februar 2014.

47.07484415.44443Koordinaten: 47° 4′ 29″ N, 15° 26′ 40″ O