Große Trübsal

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Der Begriff Große Trübsal, auch Große Drangsal oder Große Trübsalszeit, wird in der christlichen Eschatologie für die endzeitliche Zeit der Not verwendet, die der Neuschöpfung der Welt vorausgeht. Der Ausdruck wird wörtlich verwendet in der Endzeitrede Jesu im Matthäusevangelium (Mt 24,21 EU) und in der Offenbarung (Offb 7,14 EU).

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Trübsalszeit wird durch einen Bund eingeleitet werden, der durch den Antichristen mit Israel geschlossen wird.[1] Wahrscheinlich dauert die Trübsalszeit sieben Jahre, was aus den 70 Jahrwochen aus dem Danielbuch ersichtlich ist (Dan 9,24-27 EU). Der Zweck der Trübsalszeit ist zum einen das Gericht über die Nationen und über Israel. Sie führt auch zur Umkehr Israels, da sie am Ende der Trübsal Jesus als Messias anerkennen werden.[1]

Trübsal ist dabei die lutherische Übersetzung des griechischen θλιψις (thlipsis – Druck, Bedrängnis, Angst). Dieses Wort kommt im Neuen Testament 45-mal vor als Bezeichnung für verschiedene Arten von Not, z. B. Verfolgung, Gefängnis, Krieg, Krankheit, Hunger, aber auch für Angst und Traurigkeit.

Die Große Trübsal der Endzeit, von der in Matthäus (Mt 24 EU), Markus (Mk 13 EU) und der Offenbarung gesprochen wird, wird als ein Verdichten all dieser Nöte, eine Zeit von Krieg und Naturkatastrophen geschildert. Dazu gehören insbesondere die Sieben Siegel und die Apokalyptischen Reiter in der Offenbarung.

Auslegungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

Je nach Auslegung der eschatologischen Texte wird auch die Große Trübsal unterschiedlich ausgelegt:

  • eine symbolische Zeit;
  • ein Geschehnis der Vergangenheit (z. B. Christenverfolgungen);
  • ein Gottesgericht über die Juden durch die Eroberung Jerusalems im Jahr 70 unter Titus[2] (siehe auch Präterismus);
  • ein Ereignis, das in der nahen oder fernen Zukunft kommen wird – in dieser Variante wird die Länge dieser Zeit meistens mit sieben Jahren angegeben.

Die letztgenannte Sichtweise spielt insbesondere im Prämillenarismus und hier besonders im Dispensationalismus eine wesentliche Rolle, sowohl in der Theologie als auch in der Vorstellung der Gläubigen. Dabei gibt es innerhalb des Prämillenarismus noch drei Auslegungsvarianten, die das Verhältnis zwischen Großer Trübsal und Entrückung der Gläubigen bzw. der Wiederkunft Jesu Christi betreffen:

  • Die Gläubigen werden vor Beginn der Großen Trübsal zu Jesus Christus entrückt (Vorentrückungslehre oder Prä-Tribulationismus genannt). Diese Sichtweise ist besonders im dispensationalistischen Lehrsystem verbreitet und wurde durch die Romanserie Left Behind in weiteren Kreisen popularisiert.
  • Die Christen werden nach der Hälfte der Zeit, also nach dreieinhalb Jahren, entrückt.
  • Die Christen erleben die ganze Zeit mit und werden nachher entrückt (Nachentrückungslehre oder Post-Tribulationismus genannt).

Einige Autoren lehren die teilweise Entrückung. Hier wird davon ausgegangen, dass nur die Christen, die ganz treu sind, vor der Trübsalszeit entrückt werden und die anderen zur Läuterung durch die Trübsal hindurchmüssen, wobei die meisten von ihnen den Märtyrertod erleiden.

Verschiedene christliche Autoren bezeichnen lediglich die zweite Hälfte der Trübsalszeit als „Große Trübsal“. Es wird damit unterschieden zwischen der „Trübsal“ (sieben Jahre) und der „Großen Trübsal“ (die letzten dreieinhalb Jahre). Hintergrund ist, dass die in der Bibel beschriebenen Geschehnisse in der zweiten Hälfte noch viel dramatischer sind.

Ablauf und wichtige Ereignisse der Trübsalszeit[Bearbeiten]

In der prämillenaristischen Denkschule wird die Trübsal grundsätzlich in zwei Abschnitte unterteilt. Dabei soll in der Mitte der Trübsalszeit ein „Gräuelbild der Verwüstung“ (Dan 9,27 EU) durch den Antichristen im Tempel Gottes aufgestellt werden. In der ersten Hälfte wird der Prophet Elija auftreten, es wird ein weltweites Regierungssystem von zehn Königen mit zehn Reichen geben.[1] Einige Autoren vertreten die Ansicht, dass die Zahl zehn auch als kleine, aber abgeschlossene Zahl gedeutet werden kann, im Sinn von etwa zehn.

Für die erste Hälfte der Trübsalszeit sehen die Autoren die Siegel-Gerichte nach OffbEU und die Posaunen-Gerichte nach OffbEU. Für die zweite Hälfte der Trübsalszeit liegt die Betonung auf den sieben Zornschalengerichten (Offb 15 EU).

„In den hier geschilderten letzten Reihe von Gerichten wird den Menschen die Strafe über die Sünde gezeigt. Wir können daher von strafenden Gerichten sprechen.“

James Allen: Offenbarung[3]

Erst nachdem alle Gerichte vollendet sind, wird Jesus Christus wiederkommen (Offb 19,11–21 EU) und das Tausendjährige Reich aufbauen (Offb 20,1–15 EU).[4]

Basierend auf Offb 9,20 ELB gehen die meisten Autoren davon aus, dass die große Mehrheit trotz der Trübsalszeit nicht Gott suchen wird. Die anderen werden darin als Märtyrer umkommen, haben dafür aber an der Auferstehung teil.[5] Hingegen wird aus Israel ein messiastreuer Rest entstehen, der mit der symbolischen Zahl von 144.000 angedeutet wird.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tim LaHaye, Thomas Ice: Countdown zum Finale der Welt. Bildführer zum Verständnis biblischer Prophetie. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2003, ISBN 3-89436-370-3.
  • Bibel-Panorama. Die sieben Zeitalter des biblischen Heilsweges in zwölf farbigen Darstellungen mit Erklärungen zum Bibelstudium. 6. Auflage. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 1982, ISBN 3-921292-00-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Arnold G. Fruchtenbaum: Handbuch der biblischen Prophetie. 8. Auflage. Gerth, Asslar 2011, ISBN 978-3-89437-266-8.
  2. David Chilton: Die Große Trübsal. Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 1996, ISBN 3-928936-12-3, S. 12.
  3. James Allen: Offenbarung. (= Was die Bibel lehrt. Bd. 17). Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 1999, S. 409.
  4. Tim LaHaye: Die Entrückung. Wer muss durch die Trübsal? Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2005, ISBN 3-89436-459-9, S. 69.
  5. René Pache: Die Wiederkunft Jesu Christi. 10. Auflage. R. Brockhaus, Wuppertal 1985, ISBN 3-417-24553-2, S. 198.
  6. René Pache: Die Wiederkunft Jesu Christi. 10. Auflage. R. Brockhaus, Wuppertal 1985, ISBN 3-417-24553-2, S. 200.