Guayana Esequiba

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Guayana Esequiba (spanische Aussprache: [ɡwaˈʝana eseˈkiβa]) ist der Name eines Gebietes westlich des Flusses Essequibo, welches seit einem Schiedsspruch von 1899 zum guyanischen Staatsgebiet gehört, jedoch von Venezuela beansprucht wird. Das Gebiet ist 159.542 km² groß, und umfasst damit 62 % des guyanischen Staatsgebietes. 2010 lebten dort 283.000 Menschen. Dies entspricht einer Einwohnerdichte von 0,75 Einwohner pro km². Damit ist Guayana Esequiba extrem dünn besiedelt (zum Vergleich: Guyana 3,5 Einw./km², Venezuela 30 Einw./km²).[1]

Guayana Esequiba

Geschichte[Bearbeiten]

Guayana Esequiba wurde von dem in spanischen Diensten stehenden Christoph Kolumbus bei seiner dritten Amerikareise entdeckt. 1777 schuf Karl III. per Dekret die Statthalterschaft von Venezuela und erklärte den Essequibo als natürliche Grenze zur niederländischen Kolonie in Guyana, obwohl die niederländischen Kolonien Berbice, Essequibo und Demerara auch teilweise westlich des Essequibo lagen. Mit dem Britisch-Niederländischen Vertrag von 1814 gingen ein Teil der niederländischen Kolonien an Großbritannien über, darunter auch die Gebiete östlich des Essequibo. Im Jahr 1831 fusionierte Großbritannien Berbice, Demerara und Essequibo zu Britisch-Guayana, mit dem Essequibo als Westgrenze, obwohl viele britische Siedler westlich des Essequibo lebten.

1840 beauftragte die britische Regierung den deutschen Botaniker Robert Hermann Schomburgk mit der Feststellung der Grenzen zwischen Britisch-Guayana und Venezuela. Mit dieser Aufgabe war er mehrere Jahre beschäftigt. Die von ihm festgelegte Grenzlinie (die so genannte Schomburgk-Linie) zog sich über die Mündung des Orinoco, und damit in (heutiges) venezolanisches Territorium. Von Venezuela wurde diese Grenzziehung nicht anerkannt.

Der Schiedsspruch von 1899[Bearbeiten]

Nach einem jahrelangen Streit vereinbarten Venezuela und das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland im Jahre 1897, sich einem Schiedsspruch einer internationalen Juristenkommission zu unterwerfen.[2] Dieser am 3. Oktober 1899 erfolgte Schiedsspruch fiel weitgehend zugunsten des Vereinigten Königreiches aus.[3]

Wiederbelebung des Konflikts[Bearbeiten]

1963, als die britische Kolonie Guyana sich in Richtung Unabhängigkeit bewegte, wurden Stimmen in Venezuela laut, welche die Rückgabe dieser Region in venezolanische Souveränität forderten. Diese drängten die venezolanische Regierung, vor der Unabhängigkeit Britisch-Guayanas zu handeln.

Die venezolanische Regierung erklärte daraufhin die Schlichtung 1899 für nichtig, mit der Begründung, es habe Verfahrensfehler gegeben. Am Vorabend der Unabhängigkeit von Guyana im Jahr 1966 unterzeichneten am 7. Februar das Vereinigte Königreich und Venezuela die Genfer Vereinbarung, welche eine Schlichtungskommission vorsah.[4] Doch nach vierjährigem Streit ohne Ergebnisse wurde die Kommission aufgelöst. Im selben Jahr verschärfte sich der Konflikt mit der venezolanischen Besetzung der nach der Grenzziehung von 1899 geteilten Isla de Anacoco.

Venezolanische Karte mit Guayana Esequiba

Es wurde daher beschlossen, alle Ansprüche für zwölf Jahre einzufrieren. 1982, am Ende dieser Periode, beschloss Venezuela, seine Ansprüche zu erneuern und brachte die Angelegenheit vor die UN und 2006 wurde es dem Generalsekretariat der Vereinten Nationen vorgelegt.[5] Im November 2007 gab es einen Zwischenfall in dem umstrittenen Grenzgebiet.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Gillis Wetter: The international arbitral process. Public and private. Oceana, Dobbs Ferry 1979 (5 Bände).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Büro für Statistik (PDF; 161 kB) von Guyana. Aufgerufen am 4. Mai 2012
  2. The treaty of arbitration between Venezuela and Great Britain, signed at Washington and dated the second day of February, 1897, dort vor allem Art. 13 (englisch), abgerufen am 27. Dezember 2014.
  3. Text of the decision agreed upon unanimously in Paris by the Arbitral Tribunal deciding upon the boundary between Venezuela and British Guiana, dort Nr. 988 (englisch), abgerufen am 27. Dezember 2014.
  4. Genfer Vereinbarung (PDF; 76 kB). Aufgerufen am 4. Mai 2012.
  5. Cronología del Proceso de la Reclamación (spanisch), abgerufen am 27. Dezember 2014.
  6. Venezuela and Guyana to Improve Alerts After Border Incursion, abgerufen am 27. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten]