Orinoco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Orinoco
Paraguá (im Oberlauf)
Gewässerkarte des Orinoco-Beckens (siehe Korrekturhinweise[1])

Gewässerkarte des Orinoco-Beckens (siehe Korrekturhinweise[1])

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Venezuela, Kolumbien
Flusssystem Orinoco (und partiell Amazonas)
Quellgebiet am Cerro Delgado Chalbaud
in der Sierra Parima
2° 19′ 5″ N, 63° 21′ 42″ W2.318056-63.3616671047
Quellhöhe 1047 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in den Atlantischen Ozean8.56-60.50Koordinaten: 8° 33′ 36″ N, 60° 30′ 0″ W
8° 33′ 36″ N, 60° 30′ 0″ W8.56-60.50
Mündungshöhe mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 1047 m
Länge 2010 km[2] 
rund 3010 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen mit Río Guaviare
Einzugsgebiet annähernd 1.000.000 km²[3]
Abfluss[4] MNQ
MQ
MHQ
1330 m³/s
35.000 m³/s
ohne Deltagebiet 33.600 m³/sdep1
81.000 m³/s
Linke Nebenflüsse 4.0427-67.711487 Río Guaviare, 4.941957-67.844316 Río Vichada, 5.345317-67.818604 Río Tomo, 6.195168-67.456398 Río Meta, 7.556845-66.454268 Río Arauca, 7.618102-66.403427 Río Apure
Rechte Nebenflüsse 3.990301-67.039656 Río Ventuari, 7.635456-64.883194 Río Caura, 8.34535-62.719231 Río Caroní
Großstädte Ciudad Bolívar, Ciudad Guayana
Mittelstädte Puerto Ayacucho, Curiapo, Tucupita
Schiffbar ca. 1600 km
(430 km für Hochseeschiffe)
Im Oberlauf Wasserverlust zum Río Negro durch den abzweigenden 3.138333-65.88 Brazo Casiquiare
Brücke über den Orinoco bei Ciudad Bolívar, Venezuela (2004)

Brücke über den Orinoco bei Ciudad Bolívar, Venezuela (2004)

Der Orinoco ist mit einer Wasserführung von 35.000 m³/s der viertgrößte Fluss der Welt[5] und der zweitgrößte Südamerikas. Dort wird der Fluss allerdings hinsichtlich seiner Länge, die als Orinoco 2010 km[2] und als Flusssystem (ab Quellgebiet des Río Guaviare) etwa 3010 km beträgt, gleich von drei Strömen übertroffen (Amazonas, Paraná, Rio São Francisco). Das dennoch hohe Volumen des Orinoco erklärt sich durch die hohen Niederschläge in fast dem gesamten, etwa eine Million Quadratkilometer umfassenden Einzugsgebiet, die von 1000 mm/a bis über 4000 mm/a reichen. Das Flussgebiet liegt nur wenig nördlich des Äquators, ist teilweise von den Anden und anderen Gebirgen gerahmt (Sierra Nevada del Cocuy: 5330 m) und von tropischem Regenwald und Feuchtsavannen bedeckt. Es liegt zu etwa zwei Dritteln auf venezolanischem Staatsgebiet und zu etwa einem Drittel auf dem Kolumbiens.

Verlauf[Bearbeiten]

Das Quellgebiet des Orinoco befindet sich im südwestlichen Bergland von Guayana in der Sierra Parima im venezolanischen Bundesstaat Amazonas nahe der Grenze zum brasilianischen Bundesstaat Amazonas. Sein weiterer Verlauf beschreibt einen weiten, nach Westen ausholenden Bogen um das Bergland von Guayana herum nordwärts zum Atlantik. Üblicherweise werden vier Abschnitte unterschieden:

Alto Orinoco[Bearbeiten]

Für diesen auch Paraguá genannten, generell westnordwestlich gerichteten oberen Laufabschnitt gibt es Längenangaben um 800 km (ab 710 km, bis 850 km sind plausibel). Der Orinoco entspringt in nur 1.047 Metern Höhe am Cerro Delgado Chalbaud und durchfließt dann das hier überwiegend steil hügelige Bergland von Guayana in abwechselnd engen und beckenförmigen Talabschnitten. Sie werden in gewisser Entfernung von den Felswänden markanter Tafelberge bis zu 2000 Meter überragt wie etwa dem Cerro Duida nahe der früheren Missionsstation Esmeralda.

Die Talsohle ist hier Teil eines Netzes von Talsandebenen, das von einzelnen granitischen Hügeln und Felsformationen durchragt wird. Der Orinoco führt nach der Einmündung sedimentreicher Nebenflüsse aus dem höheren Bergland trübes Wasser und bildet hier bei seinen Verzweigungen nicht nur Inseln, sondern auch eine – in Oberläufen von Flüssen sehr seltene – Flussbifurkation; sie gilt als die bedeutendste Flussverzweigung weltweit. Der Brazo Casiquiare zieht vom Wasser des Orinoco (1.400 m³/s[4]) zwischen 12 % bei Niedrigwasser und mehr als 25 % bei Hochwasser ab und wächst im weiteren Verlauf zum linken Quellfluss des Rio Negro heran, der wiederum in den Amazonas mündet. Der Alto Orinoco bekommt dann weiter flussabwärts wieder zunehmend Merkmale eines Schwarzwasserflusses.

Der oberste Talabschnitt gehört zu den verkehrsfernsten Teilen Südamerikas und ist Siedlungsgebiet des indigenen Yanomamo-Volkes. Große Teile des Gebietes stehen unter dem Schutz des größten venezolanischen Nationalparks Parima-Tapirapeco sowie des Nationalparks Duida-Marahuaca. An einer verzweigten Stromschnelle mündet von rechts der Río Ventuari, der mit einer Wasserführung von mehr als 2.000 m³/s den Orinoco verdoppelt (Rhein bei Emmerich: ca. 2.330 m³/s).

Orinoco Medio[Bearbeiten]

Der mittlere Flussabschnitt beginnt mit der Einmündung des größten Orinoco-Nebenflusses, des in den kolumbianischen Anden entspringenden Río Guaviare. Er übertrifft den oberen Orinoco nicht nur deutlich an Länge (mit rund 1.760 km), sondern auch an Wasserführung (7.400 m³/s einschließlich des kurz zuvor eingemündeten Río Atabapó, gegenüber 4.750 m³/s des Orinoco). Nicht zu Unrecht wird daher darauf verwiesen (häufig von kolumbianischer Seite), dass der Guaviare den Hauptstrom des Orinoco-Flusssystems darstellt, das mit ihm eine Länge von rund 3.000 Kilometern (nach anderen Quellen 2.560 bis 2.800 km) erreicht.[2]

Raudales de Atures

Mit dieser Einmündung beginnt der Abschnitt des Orinoco, auf dem ihm von links in dichter Folge Nebenflüsse aus den Anden zuströmen. Außerdem bildet er über eine Länge von 270 Kilometern, bis zur Einmündung seines drittgrößten Nebenflusses, des Río Meta, die Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien. In diesem Abschnitt befinden sich auch die größten Stromschnellen am Orinoco, nach 145 Kilometern die Raudales de Maipures, nach weiteren 55 Kilometern die Raudales de Atures. Die Stadt Puerto Ayacucho unterhalb der Schnellen ist oberer Endpunkt des durchgehenden Schifffahrtsweges auf dem Orinoco. Wenig unterhalb mündet der Río Meta; er ist wesentlich weiter stromaufwärts schiffbar und daher der wichtigere Verkehrsweg. Teilweise wird schon ab hier vom unteren Orinoco gesprochen, teilweise aber erst ab der Einmündung des Río Apure, mit dem die Reihe andiner Nebenflüsse endet. Der Orinoco ist bis hier zu einem lehmgelben Weißwasserfluss geworden.

Orinoco Bajo[Bearbeiten]

Der Beginn des unteren Orinoco wird markiert durch die noch (2010) im Bau befindliche Brücke Puente Mercosur zwischen Caicara und Cabruta. Der Strom hat hier eine Wasserführung von 22.250 m³/s.

Im letzten Laufabschnitt erhält der Orinoco seine Nebenflüsse wieder vorwiegend von der rechten Seite, aus dem sehr regenreichen Bergland von Guayana. Im Einzugsgebiet des mit 4.800 m³/s zweitgrößten Orinoco-Nebenflusses, des Río Caroní, liegt der höchste Wasserfall der Welt, der Salto Ángel, und der Río Caura, der andere große Nebenfluss am unteren Orinoco, bildet mit dem Salto Pará den mächtigsten Wasserfall Venezuelas. Die Flüsse aus dem Bergland von Guayana sind wieder überwiegend dunkel gefärbt (durch Tannine aus Pflanzenresten und Huminsäuren).

Die Siedlungsdichte ist in diesem Abschnitt wesentlich höher als oberhalb; hier liegen die beiden großen Städte Ciudad Bolívar (mit der ältesten Brücke über den Orinoco, der Puente de Angostura) und Ciudad Guayana an der Mündung des Caroní (mit der Puente Orinoquia). Bis Ciudad Bolívar mit seinen bedeutenden Erzveradeanlagen in Puerto Ordaz und Palua können Hochseeschiffe den Orinoco hinauffahren.

Orinoco-Delta[Bearbeiten]

Das Mündungsdelta ist eines der weltweit größten mit einer Fläche von rund 19.000 km²[6] und einer Breite von 370 Kilometern. Der weitaus bedeutendste Mündungsarm, der Río Grande, fließt nach Osten; der westlichste Stromarm, der Río Mañano, wurde durch den Volcan-Damm größtenteils dem Caño Macareo, dem mittleren Hauptarm, zugeleitet. Weitere Eingriffe mit Risiken für die Lebensräume der sehr artenreichen amphibischen Deltalandschaft bringt die Erschließung der dortigen Erdölvorkommen mit sich. Das Delta wird vom Volk der Warao bewohnt.

Einem Begriff ihrer Sprache für Platz zum Paddeln (Bootsbereich) soll der Name Orinoco entlehnt worden sein.

Naturräumliche Entwicklung des Flusssystems[Bearbeiten]

Der Flusslauf des Orinoco konnte sich zur heutigen Form erst herausbilden, nachdem die Anden begonnen hatten, sich vor den nach Westen driftenden, sehr viel älteren kontinentalen Kernen (Kratonen) Südamerikas aufzufalten oder en bloc zu heben. Der Nordteil des Kratons, der Guayana-Schild, wölbt sich seit Beginn des Tertiärs gegenüber den heutigen Tiefländern des Amazonas und Orinoco auf. Ursprünglich trennte ihn noch ein Meeresarm, der das obere Amazonasbecken eine Zeitlang mit dem heutigen karibischen Meer verband, von den jungen Andenketten mit ihren oft wenig verfestigten Gesteinen. Von dort her füllten die Flüsse mit ausgedehnten Schwemmfächern den Meeresarm auf und sammeln sich seither entlang der Linie, wo die Schwemmfächer gegen den sich hebenden Guayana-Schild stoßen. Diese um den Fuß der Aufwölbung herumführende Entwässerungslinie stellt den heutigen bogenförmigen Verlauf des Orinoco dar.

Der Guayana-Schild wird überlagert von ebenfalls sehr alten und widerstandsfähigen Sandsteinen, deren inselhafte Reste das Hügelland als markante Tafelberge überragen.[7] Aus diesen Gesteinen können die Flüsse nur wenig Material abführen, weshalb sie, im Gegensatz zu den stark Sedimente führenden andinen Nebenflüssen, den Charakter von Klarwasserflüssen oder Schwarzwasserflüssen haben. Die Flussnetze im Bergland von Guayana spiegeln mit oft abrupten Richtungswechseln nicht selten Wege einstiger Entwässerungsrichtungen wider.

Ähnliches gilt auch für das Quellgebiet des Río Atabapó (Nebenfluss des Río Guaviare, die Tallinie des mittleren Orinoco nach oben fortsetzend), dessen einstiger Oberlauf an den Quellfluss Guainía des Río Negro verloren gegangen ist und dabei ein Trockental hinterlassen hat. Es ist unter der Bezeichnung Isthmos del Pimichin bekannt als alternative Verbindung zwischen Amazonas und Orinoco (früher Bootstransport, parallel verlaufende Schotterstraße).

Die jährlichen Niederschläge im Orinocogebiet nehmen von etwa 3.600 mm im Süden bis etwa 1.000 mm an der Deltawurzel ab, um dann auf der kurzen Distanz zur Küste wieder auf 2.400 mm zuzunehmen. Im perhumiden Klima des südlichen Orinocobeckens dominieren tropische Regenwälder mit wenigen offenen Inseln, nach Norden hin erstrecken sich weite Grasländer der Feuchtsavannen.

Erkundung des Orinoco[Bearbeiten]

Die erste Landkarte, in der der Orinoco eingezeichnet war, stammt aus dem Jahr 1529 und geht auf Diego Ribeiro zurück. Aber erst im 18. Jahrhundert fand die erste große Expedition unter Führung von José Solano statt. Vom oberen Orinoco drang sie bis zum Rio Negro vor.

1800 unternahmen der deutsche Forscher Alexander von Humboldt und der französische Botaniker Aimé Bonpland eine Expedition von der Mündung des Río Apure bis ins obere Orinoco-Tal. Sie sammelten wichtige Daten über die Flora und Fauna des Flussgebietes. Die nach heutigen Daten berechtigte und schon seit jeher erwogene Anwartschaft des Río Guaviare auf den Rang des hydrologischen Hauptflusses stellte Humboldt dabei als Ausdruck „geographischer Unkunde“ lange nachwirkend in Abrede. Dennoch war Humboldt derjenige, der als Erster die Existenz der Flussbifurkation belegte und die hydrologischen Eigentümlichkeiten des Orinoco verständlich erklären konnte.[8]

Die Quelle des Orinoco wurde erst im November 1951 von venezolanischen und französischen Forschern festgestellt.

Rezeption[Bearbeiten]

Der national gefärbte, bis heute nicht ganz beigelegte Disput um den Hauptquellast des Orinoco wird bereits von Jules Verne in seinem Roman Der stolze Orinoco (1898) thematisiert.[9]

Die Weite des Flusses reflektiert das Lied Orinoco Flow von Enya, welches 1988 in einigen Charts bis auf Platz 1 kam.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Korrigenda:
    Die politischen Grenzen geben nicht die völkerrechtlich anerkannte Situation wieder.
    Der südlichste Teil gehört nicht wie dargestellt zum Orinoco-Gebiet, sondern zum Río Siapá (Nebenfluss des Brazo Casiquiare).
    Es sind im Osten des Deltas auch Flussgebiete einbezogen, die ins offene Meer entwässern.
  2. a b c Gustavo Silva León: La cuenca del río Orinoco: visión hidrográfica y balance hídrico. Revista Geográfica Venezolana, Vol. 46(1) 2005, 75-108 (S. 79, Messung entlang des Mündungsarms Rio Grande). Die Längenangaben in der Literatur reichen von 2010 km bis 2560 km. Unterschiede sind besonders im Oberlauf mit seinen stark mäandrierenden Streckenabschnitten begründet, die individuell generalisierend gemessen werden. Angaben bis etwa 2150 km sind plausibel.
  3. Die Angaben streuen von 925.000 km² bis 1.032.500 km² (Gustavo Silva León: La cuenca del río Orinoco: visión hidrográfica y balance hídrico. Revista Geográfica Venezolana, Vol. 46(1) 2005, 75-108). Dies lässt sich vor allem durch unterschiedliche Grenzziehungen beiderseits des Mündungsdeltas erklären, teils aber auch durch verbreitete fehlerhafte topographische Gewässerdaten, die das obere Einzugsgebiet des Casiquiare-Nebenflusses Río Siapá dem Orinoco-Nebenfluss Río Movaca zuschlagen.
  4. a b Gustavo Silva León: La cuenca del río Orinoco: visión hidrográfica y balance hídrico. Revista Geográfica Venezolana, Vol. 46(1) 2005, 75-108 (S. 100, MQ in Tabelle zur Abflussbilanz)
  5. Anm.: nach Amazonas (209.000 m³/s), Kongo (40.000 m³/s) und Meghna (Oberer Meghna+Brahmaputra+Ganges: 36.500 m³/s)
  6. Anm.: Oft werden fälschlicherweise 40.200 km² angegeben; dies ist jedoch die Fläche des dortigen Bundesstaates Delta Amacuro.
  7. Das epikontinentale Amazonas-Becken (Institut für Geographie der Universität Innsbruck)
  8. Alexander von Humboldt: Ansichten der Natur, Berlin 1807 (Kap. Über die Wasserfälle des Orinoco bei Atures und Maipures)
  9. Jules Verne: Der stolze Orinoko. Bekannte und unbekannte Welten. Abenteuerliche Reisen von Julius Verne, Band LXXIII–LXXIV, Wien, Pest, Leipzig 1899, S. 5-17,19-20.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orinoco River Basin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Orinoco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien