Guideline Daily Amount
Der Guideline Daily Amount (GDA) ist ein Richtwert für die Tageszufuhr von Energie sowie bestimmten Stoffen mit der Nahrung. Er wird als Bezugsgröße in der freiwilligen Kennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln verwendet, um dem Verbraucher eine Information über die Zufuhr von Nahrungskomponenten mit einer Portion des Lebensmittels geben zu können. Dabei hat man insbesondere solche Komponenten im Blick, deren übermäßiger Verzehr sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken kann, wie Energie, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz.
Das GDA-Kennzeichnungssystem wurde vom Verband der Europäischen Lebensmittelindustrie (Food and Drink Europe, FDE, bis 2011 Confédération des industries agroalimentaires de l’UE, CIAA) erarbeitet, die auch die Richtgrößen festgesetzt hat. Dazu wurden so weit wie möglich die Empfehlungen von Studien aus EURODIET verwendet,[1] einem durch die Europäische Kommission finanziertem Projekt mit dem Ziel, wissenschaftlich begründete europaweite Ernährungsempfehlungen als Basis für die europäische Ernährungs- und Gesundheitspolitik zu entwickeln. Da es seitens EURODIET keine Richtwerte für die Energiezufuhr gibt, hat die Arbeitsgruppe der CIAA hierfür selbst Richtwerte definiert.
Die vereinfachte Kennzeichnung erfolgt zusätzlich zu der Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln gemäß der Richtlinie 90/496/EEC (in Deutschland national umgesetzt durch die Nährwert-Kennzeichnungsverordnung, NKV), welche allgemein die nährwertbezogenen Angaben im Verkehr mit Lebensmitteln regelt. In Deutschland werden die Angaben der GDA-Kennzeichnung in kleinen tonnenförmigen Feldern auf der Lebensmittelverpackung dargestellt.
Die CIAA Richtwerte[2] sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.
| Nährstoff | Energie-% | Frauen | Männer |
|---|---|---|---|
| Energie | 100 % | 2000 kcal (=8373 kJ) | 2500 kcal (=10467 kJ) |
| Eiweiß | 10 % | 50 g | 60 g |
| Kohlenhydrate | 60 % | 270 g | 340 g |
| dabei Gesamtzucker (Zuckerart) | 90 g | 110 g | |
| Fett | 30 % | 70 g | 80 g |
| dabei gesättigte Fettsäuren | 20 g | 30 g | |
| dabei einfach ungesättigte Fettsäuren | 34 g | 29 g | |
| dabei mehrfach ungesättigte Fettsäuren | 16 g | 21 g | |
| - Omega-6-Fettsäuren | 14 g | 18 g | |
| - Omega-3-Fettsäuren | 2,2 g | 2,7 g | |
| - Linolensäure | 2,0 g | 2,5 g | |
| - Eicosapentaensäure/Docosahexaensäure | 0,2 g | 0,2 g | |
| Ballaststoffe | 25 g | 25 g | |
| Natrium (Salz) | 2,4 g (6 g) | 2,4 g (6 g) |
Die in der Tabelle zugrunde gelegten Daten ermöglichen eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung: so enthält beispielsweise eine Portion Tortelloni (200 g) 3,3 g gesättigte Fettsäuren. Dies entspricht mit Bezug auf den GDA von 20 g (zugrunde gelegt wird immer der Wert für Frauen) einem prozentualen Anteil von 17 % der empfohlenen Zufuhr. Zur Vereinfachung werden die Prozentwerte immer auf ganze Zahlen gerundet.
Kritik [Bearbeiten]
Die GDA-Kennzeichnung ist umstritten.
- Der tatsächliche Energieumsatz eines Individuums und die daraus resultierende benötigte Energiemenge, setzt sich zusammen aus dem Grundumsatz und dem Leistungsumsatz. Bereits der Grundumsatz variiert zwischen den verschiedenen Personengruppen (Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende, ältere Menschen sowie kranke Menschen) und der Leistungsumsatz weist zusätzlich, je nach Tätigkeit, beträchtliche Schwankungen auf (vgl. Bauarbeiter bei -5 °C mit Bürotätigkeit). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) kritisiert denn auch diese Vereinfachung.[3].
- Die DGE kritisiert ebenfalls die Angabe einer Prozentzahl, diese lasse nicht erkennen, ob ein hoher Wert oder niedriger Wert erstrebenswert sei.
- Die DGE kritisiert ebenfalls die Herleitung der Richtwerte, sie seien wissenschaftlich nicht ausreichend fundiert.
- Der Spiegel kritisiert die Festlegung der Größe einer Portion.[4]
- Die Organisation Foodwatch bezeichnet die GDA-Kennzeichnung als unverständlich und fordert die Einführung einer Ampelkennzeichnung [5]
- Gesamtzucker:
- Der Zusammenhang zwischen koronaren Herzerkrankungen und Zuckerkonsum wurde bereits 1972 von John Yudkin in seinem Buch Pure, White and Deadly (deutsche Übersetzung: Süß, aber gefährlich 1974) veranschaulicht, und der Zusammenhang zwischen Fructose und Hypertriglyceridämie und hohen VLDL-Blutwerten und dem daraus resultierenden Metabolischen Syndrom ist Gegenstand der Erforschung an der UCSF. Das Video Sugar: The Bitter Truth (deutsch Zucker: Die bittere Wahrheit)[6] von Dr. Med. Robert H. Lustig gewährt auch Laien einen Einblick in das Thema.
- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) empfehlen einen Gesamtzuckers von 50 - 60 Gramm täglich [7]
- Überhaupt ist die Bezeichnung Zucker unzulänglich, da sie sowohl die Handelsbezeichnung für den Doppelzucker Saccharose als auch ein Sammelbegriff für sämtliche süß schmeckenden Saccharide ist. Es ist sowohl für die Verdauung als auch für die Metabolisierung ganz erheblich ob man nun Saccharose, Maltose, Lactose oder einen andere als Zucker bezeichneten Saccharid aufnimmt. Deswegen ist eine eindeutige Benennung, wie bereits bei den Fetten, erforderlich.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Eurodiet Core Report, University of Crete, School of Medicine (englisch; PDF; 130 kB)
- ↑ Rationale für die von der CIAA vorgeschlagenen Richtwerte für die Tageszufuhr (englisch), Archivdokument bei web.archive.org vom 8. Mai 2012
- ↑ DGE-Stellungnahme zur Anwendung von „Guideline Daily Amounts“ (GDA) in der freiwilligen Kennzeichnung von Lebensmitteln vom 24. Januar 2008
- ↑ „Verbraucher fordern Fett-Ampel“, Spiegel-online 16. September 2008
- ↑ „GfK-Studie belegt: Ampel funktioniert, GDA verwirrt“
- ↑ Sugar: The Bitter Truth Vortrag vom 27. July 2009 von Dr. Med. Robert H. Lustig
- ↑ NetDoktor.at: Kohlenhydrate