Guillaume Postel

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Guillaume Postel

Guillaume Postel (* 25. März 1510 in Dolerie, Département Manche in der Diözese Avranches, Basse-Normandie; † 6. September 1581 in Paris) war ein französischer Humanist und Universalgelehrter (Mathematiker, Kartograph, Linguist, Kabbalist, Orientalist).

Guillaume Postel studierte Latein und Griechisch am Collège Sainte-Barbe in Paris. Nebenbei lernte er auch Portugiesisch und Spanisch. Pariser Juden brachten ihm die Anfänge des Hebräischen bei. Postel beherrschte später auch Italienisch und Arabisch, das Syrische und andere semitische Sprachen. Sein Talent wurde von dem französischen König Franz I. und seiner Schwester Marguerite von Navarra bemerkt. 1535 wurde Postel vom König nach Konstantinopel entsandt, um Jean de La Forêt zu unterstützen, der von 1534 bis 1537 dort der Botschafter Frankreichs war und bei Sultan Süleyman I. für das Bündnis der Osmanen mit der französischen Krone gegen den Habsburger Kaiser Karl V. warb. Postel kehrte mit wertvollen und wichtigen Manuskripten nach Paris zurück.

André Thevets Portrait von G. Postel

Guillaume Postel war von 1539 bis 1543 am Collège des trois languages Professor für Griechisch, Hebräisch und Arabisch. Intrigen und eigenes ungeschicktes Verhalten vertrieben ihn aus Paris. Er ging zu Fuß nach Rom und trat dort im Juni 1544 den Jesuiten Rom bei, der Novize konnte dort aber nur achtzehn Monate lang bleiben. Er offenbarte Ignatius von Loyola seine Vision einer französischen Weltherrschaft mit einem in Frankreich gewählten Papst und musste gehen. Er konnte zunächst in Rom bleiben, danach führte er ein unruhiges Wanderleben als Mystiker, Astrologe und Visionär. Von Ende 1546 oder Anfang 1547 bis 1549 war er in Venedig, von dort reiste er, von seinem Verleger Daniel Bomberg unterstützt, nach Jerusalem, Ägypten, ins Heilige Land und dann mit Hilfe des französischen Botschafters d'Aramont nach Konstantinopel. Man kam im Juni 1550 dort an. Postel verließ die Stadt vielleicht schon im Herbst. Er war 1550 oder 1551 in Venedig und kehrte, wohl über Dijon (1552), nach Paris zurück. Er wurde gnädig aufgenommen, allerdings war sein Gönner, König Franz I., gestorben und Postel erhielt keine Stelle am Collège de France. Er unterrichtete am Collège des Lombards und predigte daneben er sehr erfolgreich seine religiös-politischen Visionen, bis ihm das von König Heinrich II. untersagt wurde. Im Mai 1553 verließ er Paris und ging über Dijon und Besançon nach Basel auf, wo er mit Kaspar Schwenckfeld, Sebastian Castellio und David Joris zusammentraf. Postel veröffentlichte eine Verteidigung (Apologia pro Serveto) des von Johannes Calvin verbrannten Ketzers Michael Servetus. Calvin antwortete mit einer anklagenden Verteidigung Defensio contra Servetum und Postel musste Basel verlassen. Er ging nach Venedig, um an syrischen Bibeltexten zu arbeiten. Als er von einem ähnlichen Projekt in Wien hörte, ging er Ende 1553 dorthin. König Ferdinand I. ernannte ihn zum Professor, aber Postel blieb nur ein halbes Jahr.

Portrait

Schriften von ihm sollten in Venedig indiziert werden und er ging im Mai 1554 nach Venedig zurück, um sich zu verteidigen. 1555 wurde er in Venedig wegen Häresie angeklagt und verurteilt, aber, eingestuft als amens, also als Schwachsinniger, freigelassen. Wegen eines anderen Buches in Ravenna festgesetzt und nach Rom überstellt, war er seit 1556 in dem päpstlichen Gefängnis Ripetta in Rom inhaftiert, einem Gefängnis für Juden und Häretiker. Die Ripetta wurde im Jahre 1559 im Aufruhr nach dem Tod Papst Paul IV. von der Bevölkerung gestürmt und Postel konnte entkommen. Nach einigen Umwegen über Basel, Venedig, Augsburg und Lyon, kehrt er 1562 nach Paris zurück. Erneutes Predigen brachte ihn wiederholt in Schwierigkeiten und er musste sich 1563 in das Kloster St-Martin-des-Champs zurückziehen, wo er am 6. September 1581 starb. Er war allerdings kein Gefangener im eigentlichen Sinn und konnte das Kloster von Zeit zu Zeit verlassen. Er arbeitete dort weiter an seinen Schriften.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Guillaume Postel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien