Guy Delisle

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Guy Delisle, 2009

Guy Delisle (* 19. Januar 1966 in Québec) ist ein kanadischer Comiczeichner.

Leben[Bearbeiten]

Delisle studierte ab 1984 am Sheridan-College in Toronto Kunst und arbeitete im Anschluss daran ab 1986 für zwei Jahre bei dem Animationsstudio CinéGroupe in Montreal. Seine Arbeit führte ihn nach Europa, wo er für deutsche, belgische und französische Studios arbeitete. Viele Arbeitsschritte zur Herstellung eines Trickfilms werden in Asien in Auftrag gegeben. Delisle beobachtete und kontrollierte diese Arbeiten für die Studios vor Ort und reiste für längere Abschnitte nach China und Nordkorea. Die in Asien gesammelten Erfahrungen flossen in zwei journalistische Graphic Novels ein, 2000 erschien Shenzhen, 2003 folgte Pjöngjang (dt. Pjöngjang). Beide Comics wurden zunächst in Frankreich von L'Association veröffentlicht und dann u. a. ins Deutsche, Englische, Italienische, Polnische und Spanische übersetzt.

Bei dem französischen Verlag Dargaud erschien ab 2001 eine Serie humoristischer Comics, in denen der etwas tollpatschige Polizeiinspektor Moroni die Hauptfigur ist.

Mit seiner Frau, die für die die Organisation Médecins sans frontières (MSF; dt. Ärzte ohne Grenzen) arbeitet, lebte Delisle 2005 14 Monate in Myanmar (bis 1989 Birma), von dieser Zeit berichtet er in dem 2007 erschienenen Comic Chroniques Birmanes (dt. Aufzeichnungen aus Birma).[1] 2008/2009 begleitete er abermals seine für MSF tätige Frau, diesmal für 12 Monate nach Israel. Hiervon berichtet er in dem Comic Chroniques de Jérusalem (dt. Aufzeichnungen aus Jerusalem), wofür er 2012 den Prix du meilleur album des Festival International de la Bande Dessinée d'Angoulême gewann.

Seine Graphic Novel Shenzen war im Jahr 2011 Bestandteil der Sammelreihe Süddeutsche Zeitung Bibliothek Graphic Novels.[2]

Seit 1991 lebt und arbeitet Guy Delisle in Montpellier.

Kritiken[Bearbeiten]

Aufzeichnungen aus Jerusalem (2012):

„Delisle wird zum zeichnenden Reporter und Chronisten, indem er all die Begegnungen und Begebenheiten schildert, die ihm bei seinem einjährigen Aufenthalt in Jerusalem widerfahren sind. Mit seinem skizzenhaften, sparsam kolorierten Strichen führter uns hinein in Szenen eines für uns absurd anmutenden alltäglichen Wahnsinns.“

Heike Byn: eselsohr vpm Dezember 2012, S. 11[3]

Preise und Nominierungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • 1996 Réflexion, L'Association
  • 1999 Aline et les autres, L'Association
  • 2000 Shenzhen, L'Association; dt. 2006 bei Reprodukt
  • 2001 Albert et les autres, L'Association
  • 2002 Comment ne rien faire, Pastèque
  • 2003 Pyongyang, L'Association, dt. Pjöngjang 2007 bei Reprodukt
  • 2001 Inspecteur Moroni 1: Premiers pas, Dargaud
  • 2002 Inspecteur Moroni 2: Avec ou sans sucre, Dargaud
  • 2004 Inspecteur Moroni 3: Le Syndrome de Stockholm, Dargaud
  • 2005 Louis au ski, Delcourt; dt. Louis fährt Ski 2007 bei Reprodukt
  • 2007 Chroniques Birmanes, Delcourt; dt. Aufzeichnungen aus Birma 2009 bei Reprodukt
  • 2008 Louis à la plage, Delcourt; dt. Louis am Strand 2009 bei Reprodukt
  • 2011 Chroniques de Jérusalem, Delcourt; dt. Aufzeichnungen aus Jerusalem 2012 bei Reprodukt Verlag, Berlin
  • 2013 Le guide du Mauvais Père, Delcourt

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurzinformation zum Album (Version vom 27. September 2008 im Internet Archive)
  2. SZ-online: Staffel I, 5. Januar 2013
  3. http://www.eselsohr-leseabenteuer.de/