Hans Ferdinand Mayer

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Hans Ferdinand Mayer (* 23. Oktober 1895 in Pforzheim; † 18. Oktober 1980 in München) war ein deutscher Physiker und Elektrotechniker.

Leben[Bearbeiten]

Mayer stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Nach der Volksschule besuchte er die Friedrichsschule in Pforzheim. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. An seinem 19. Geburtstag wurde er schwer verwundet und wurde nach der Genesung einem Ersatzbataillon zugewiesen. Im Februar 1915 erhielt er das Notabitur. Mayer studierte ab dem Sommersemester 1915 Mathematik, Physik und Astronomie an Hochschulen in Karlsruhe und Heidelberg. 1920 promovierte er „Über das Verhalten von Molekülen gegenüber freien langsamen Elektronen“. Sein Doktorvater war der Nobelpreisträger Philipp Lenard. 1922 trat er bei der Berliner Siemens & Halske AG ein. 1926 fing seine Zusammenarbeit mit Karl Küpfmüller (1898–1977) an. Beide Wissenschaftler beschäftigten sich mit Möglichkeiten der störungsfreien Informationsübertragung in Kabelverbindungen über große Entfernungen. Am 20. April 1936 übernahm Mayer die Leitung des Zentrallaboratoriums bei der Berliner Siemens & Halske AG. Im Jahre 1938 wurde er zum Direktor ernannt. Ab 1938 unternahm er zahlreiche Reisen ins Ausland. 1943 wurde Mayer aus politischen Gründen (Hören von „Feindsendern“ und Kritik am NS-Regime) zu KZ-Haft verurteilt. Auf Intervention von Hermann von Siemens und Friedrich Lüschen bei Albert Speer, Heinrich Himmler und verschiedenen Parteistellen, konnte ein Prozess beim Volksgerichtshof verhindert werden. Mayer blieb im KZ Sachsenhausen und ab September 1943 im KZ Dachau bis zum Ende des Krieges. Im KZ Dachau wurde er wissenschaftlicher Leiter eines neu eingerichteten Forschungsinstituts für Hochfrequenztechnik. In seinem Institut arbeiteten Häftlinge aus zwölf Nationen, darunter u.a. der frühere Rektor der TU Warschau Kazimierz Drewnowski (1881-1952). Im Juni 1944 erfolgte die Verlegung in das KZ Groß-Rosen. Mitte Februar 1945 erfolgte schließlich die Verlegung in das KZ Mauthausen. Das die technischen Gerätschaften nach Sachsenhausen gebracht worden waren, gelang Mayer eine erneute Verlegung dorthin.

1946 zog Mayer für vier Jahre in die USA. Dort forschte er für die US Air Force in Dayton (Ohio) und lehrte an der Cornell University in Ithaca (Bundesstaat New York) als Professor für Nachrichtentechnik. 1950 kehrte er nach Deutschland zurück. Er hatte in München bis 1962 die Leitung der Forschungsabteilung für Nachrichtentechnik bei der Siemens & Halske AG.

Mayer war seit 1926 mit Betty Charlotte Stutius verheiratet. Aus der Ehe sind mehrere Kinder hervorgegangen.

Werk[Bearbeiten]

Mayer war der Verfasser des Oslo-Reports, ein siebenseitiger Bericht über die militärische Forschung im "Dritten Reich", der im Sommer 1939 auf einer Dienstreise nach Norwegen entstand und dem britischen Konsulat in Oslo zugespielt wurde und den er mit "ein deutscher Wissenschaftler, der Ihnen wohlgesinnt ist" unterzeichnete. Erst 1977 vertraute er seiner eigenen Familie an, dass er den Oslo-Report geschrieben hatte. Auf seinen Wunsch wurde dies erst nach dem Tod Mayers und seiner Frau veröffentlicht.

Im November 1926 veröffentlichte Mayer einen Artikel (H.F.Mayer. "Über das Ersatzschema der Verstärkerröhre". Telegraphen- und Fernsprech-Technik, 15:335–337, 1926.) der (unabhängig von älteren Vorgängerarbeiten von Hermann von Helmholtz und Léon Charles Thévenin) die Einführung von Ersatzspannungsquellen nach Ersatzstromquellen beschreibt. Mayer war damit der erste der veröffentlichte, dass die äquivalente Spannung der Ersatzspannungsquelle gleich der Leerlaufspannung und der äquivalente Strom der Ersatzstromquelle gleich dem Kurzschlussstrom ist. Edward Lawry Norton hat dies ebenfalls 1926 in einem internen Bericht der Bell Labs beschrieben. Das Theorem ist unter dem Namen Norton- oder Mayer-Norton-Theorem bekannt.

Hans Ferdinand Mayer veröffentlichte weiterhin 25 technische Artikel und hält mehr als 80 Patente.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ZPF Heft-Nr. 22/1961 S. 849

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Biographie bei der Deutschen Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte (DGPT)