Hausfrau

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Dieser Artikel behandelt die in der Hausarbeit tätige Frau. Zur 1877 bis 1884 erschienenen österreichischen Frauenzeitschrift siehe Die Hausfrau.
Hausfrau in der DDR (1966)

Als Hausfrau wird eine Frau bezeichnet, die sich vorrangig der Haus- und Familienarbeit widmet und in der Regel keiner oder nur geringfügiger Lohnarbeit nachgeht.[1] Ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Es werden auch die Begriffe Vollzeit-Hausfrau[2] oder Nur-Hausfrau verwendet. Mit Bezug auf die DDR wird bisweilen von der „Auch-Hausfrau“ gesprochen.[3] Wenn eine Mutter sich in der DDR entschied, ganztägig zuhause zu bleiben, geschah dies bisweilen aus einer bewussten, gesellschaftlich aber gering geschätzten Entscheidung, „die eigenen Kinder der staatlichen Erziehung und bzw. oder sich selbst einer Vergesellschaftung innerhalb des Berufs zu entziehen“.[4]

Ein in dem Zusammenhang auch üblicher Rollen-Begriff ist Hausfrau und Mutter.[5]

Im amerikanischen Englisch ist der Ausdruck „stay-at-home-mom“ (bleibt-zu-Hause-Mama, abgekürzt SAHM) üblich; im Französischen sagt man „femme au foyer“.

Für einen Mann in ähnlicher Rolle wird entsprechend der Begriff Hausmann verwendet.

Historische Entwicklung[Bearbeiten]

Mutter mit Tochter 2007

Im traditionellen bürgerlichen Familienmodell, das zwischen einer „männlichen“ außerhäuslichen Welt und einer „weiblichen“ häuslichen Welt unterscheidet, bildet die Hausfrau und Mutter das notwendige weibliche Gegenstück zum männlichen „Versorger“. Bis in die 1960er Jahre galt in Deutschland gemäß dem Leitbild der Familienpolitik die Rolle der Hausfrau und Mutter als der „natürliche Beruf der Frau“.[6] So hieß es in der Einführung zum Gleichberechtigungsgesetz von 1957: „Es gehört zu den Funktionen des Mannes, dass er grundsätzlich der Erhalter und Ernährer der Familie ist, während die Frau es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen muss, das Herz der Familie zu sein.“[7]

In dem Maße, in dem in den Industriestaaten der westlichen Welt dieses Familienmodell egalitären Konzepten weicht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen – und zunehmend auch für Männer − zu einer erreichbaren Lebensform wird, verliert das Konzept der Hausfrau und Mutter einen Großteil seiner früheren Selbstverständlichkeit. Die wachsende Erwerbstätigkeit von Frauen ist ein Phänomen, das in allen reichen westlichen Ländern beobachtet werden kann. Die Rolle der Hausfrau und Mutter ist dort heute oft nur noch eine von vielen Optionen, zwischen denen Frauen wählen können. In den skandinavischen Ländern und Frankreich ist ein größerer Anteil der Frauen erwerbstätig als in den deutschsprachigen Ländern.

Statistische Daten[Bearbeiten]

Zeitliche Entwicklung des Anteils der nicht erwerbstätigen Frauen und Mütter im Alter von 18 bis 65 Jahren in Deutschland

Anteil der nicht erwerbstätigen Mütter in verschiedenen Ländern:

Land jüngstes Kind <6 jüngstes Kind 6–17 Bemerkung
Dänemark 26 %
Deutschland 47,1 %[8]
Frankreich 41 %
Vereinigte Staaten[9] 37,2 %[10] 22,1 % Frauen mit Kindern unter 1 Jahr: 46 %; Stand: 2003

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten war die Unzufriedenheit von Frauen mit College-Ausbildung, denen in den 1950er Jahren nahegelegt wurde, ihre persönliche Erfüllung allein in der Rolle als Hausfrau und Mutter zu suchen – das, was Betty Friedan „das Problem ohne Namen“[11] nannte –, einer der Ausgangspunkte für die zweite Welle der Frauenbewegung.

Heute, da sogar Mütter von Säuglingen mehrheitlich erwerbstätig sind, wird in den USA nicht nur das Image der stay-at-home-mom als problematisch empfunden, sondern vor allem die Tatsache, dass mit der fehlenden Berufstätigkeit der Frau auch ein Einkommen entfällt.[12]

Japan[Bearbeiten]

In Japan ist die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter von großer Bedeutung, und die Lebenswelten von Männern und Frauen unterscheiden sich deutlich. Den Müttern obliegt die Verantwortung für den Schulerfolg der eigenen Kinder im stark selektiven Schulsystem Japans.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeine Literatur
Sozialwissenschaftliche Literatur
  • Angela Barron McBride: Das normalverrückte Dasein als Hausfrau und Mutter. Befreiung von der Mutter-Ideologie. Rowohlt, Reinbek 1982, ISBN 3-499-16962-2.
  • Rosemarie Nave-Herz: Frauen zwischen Tradition und Moderne (Theorie und Praxis der Frauenforschung; 18). Kleine Verlag, Bielefeld 2000, ISBN 3-89370-156-7.
  • Beate Wimmer-Puchinger, Barbara Fuchs: Hausfrau und Mutter – Rolle und Realität. Normative Einstellungen und Erwartungshaltungen von Frauen und Männern. Kammer f. Arbeiter u. Angestellte f. Wien, 1998, ISBN 3-7063-0139-3.
Stereotypenforschung
  • Lothar Ulsamer, Cordula Ulsamer, Wilhelm Hahn: Als Dummchen am Herd diffamiert. Die Hausfrau und Mutter. Die „Bunte“ käut die „stern“-Thesen der 70er Jahre wieder (Perspektiven; 30). Verlag Ulsamer, Esslingen 1985, ISBN 3-922241-17-4.
Bestandsaufnahme für die Schweiz (und Schweden)

Filme[Bearbeiten]

  • L’aggettivo donna, Annabella Misuglio, Italien 1971, Dokumentarfilm – Kritik des Patriarchats in Italien. L’aggettivo donna analysiert die doppelte Ausbeutung der Arbeiterinnen, die Isolation der Hausfrauen und die Abrichtung der in die Schulen einsperrten, von den anderen Menschen getrennten Kindern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hausfrau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Hausfrau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christine von Oertzen: Teilzeitarbeit und die Lust am Zuverdienen: Geschlechterpolitik und gesellschaftlicher Wandel in Westdeutschland 1948–1969, Vandenhoeck & Ruprecht, 1999, ISBN 3-525-35795-8. S. 117.
  2. Hartmut Häussermann, Walter Siebel, Jens Wurtzbacher: Stadtsoziologie: Eine Einführung, Campus-Verlag 2004, ISBN 3-593-37497-8. S. 203.
  3. Gunilla-Friederike Budde: Frauen der Intelligenz: Akademikerinnen in der DDR 1945 bis 1975, Vandenhoeck & Ruprecht, 2003, ISBN 3-525-35143-7, 9783525351437. S. 311
  4. Babett Bauer: Kontrolle und Repression: individuelle Erfahrungen in der DDR, 1971–1989 : historische Studie und methodologischer Beitrag zur Oral History, Vandenhoeck & Ruprecht, 2006, ISBN 3-525-36907-7, 9783525369074 S. 130
  5. Mutter und Mütterlichkeit: Wandel und Wirksamkeit einer Phantasie... herausgegeben von Irmgard Roebling,Wolfram Mauser
  6. Christiane Kuller: Familienpolitik im Föderativen Sozialstaat: Die Formierung eines Politikfeldes in der Bundesrepublik 1945–1975, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004, ISBN 3-486-56825-6. S. 76
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatClaudia Pinl: Uralt, aber immer noch rüstig: der deutsche Ernährer. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 44/2003). Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 21. Mai 2008.
  8. Zahl für April 2001. Aus: Statistisches Jahrbuch 2002 für die Bundesrepublik Deutschland, Statistisches Bundesamt, Metzuler-Poeschel, Stuttgart, Abschnitt 6.6 (Erwerbstätigkeit), Seite 106.
  9. Zahlen für 1999 in: House Ways and Means Committe Prints: 106-14, 2000 Green Book, Section 9. Child Care (PDF; 327 kB), Seite 576. Auszüge:Child Care
  10. U.S. Department of Health and Human Services, Child Health USA 2004. Rockville, Maryland.
  11. "Betty Friedan, Der Weiblichkeitswahn oder die Selbstbefreiung der Frau: Ein Emanzipationskonzept, Rowohlt 1970, S. 17ff, ISBN 3-499-16721-2
  12. The myth of the stay-at-home mom: Many can't or won't leave jobs; What is Mom worth? Working Mom vs. Stay-at-Home-Mom salaries; The real price of stay-at-home mom (engl.)