Heiermann

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Ein Heiermann (bis 1975)

Die Bezeichnung Heiermann wird in manchen Gegenden Deutschlands umgangssprachlich für das 5-Mark-Stück, heute selten auch für den 5-Euro-Schein, verwendet. Das Wort entstand wohl Anfang des 20. Jahrhunderts im norddeutschen Sprachraum, breitete sich anekdotischen Angaben zufolge aber mindestens bis ins Rheinland aus.[1]

Vereinzelt (in Krefeld) soll zudem das 50-Pfennig-Stück als „Heiermännchen“ bezeichnet worden sein.[1]

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten]

Über den Ursprung des Begriffes gibt es mehrere Vermutungen. Die etymologisch am besten abgesicherte Variante besagt, dass der Begriff aus dem hebräischen Buchstaben ה („He“, in jiddischer Aussprache „Hey“) entstanden sei. Im Hebräischen steht jeder Buchstabe bereits seit biblischen Zeiten auch für eine Zahl (z. B. 1, 2, 3 … 20, 30 usw.), wobei das ה („He“) als fünfter Buchstabe des Alphabets für „fünf“ steht.

Heinemann wurde nur mit Briefmarken bis zu 2 DM geehrt

Weitere verbreitete Herleitungen beziehen sich einerseits auf den Begriff Heuer: Um 1900 waren fünf Goldmark ein gängiger Betrag, den Seeleute als Handgeld erhielten. Andererseits soll – so wird aus dem Rotlichtmilieu kolportiert – in den frühen 1950er-Jahren die DM eine so hohe Kaufkraft gehabt haben, dass Seeleute auf der Hamburger Reeperbahn für fünf Mark in ein Bordell gehen konnten. Da „heia machen“ in manchen Dialekten „schlafen“ bedeutet, habe man das Fünfmarkstück „Heiermann“ (Heiamann) genannt; dazu passt allerdings nicht, dass der Ausdruck schon Anfang des 20. Jahrhunderts benutzt wurde.

Vereinzelt finden sich auch Erklärungsversuche, die den Namen vom ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann ableiten wollen, dessen Porträt das Fünfmarkstück einst gezeigt habe. Tatsächlich zeigte das Fünfmarkstück aber immer nur die Zahl „fünf“ und einen Adler; Politikerköpfe zierten stattdessen das Zweimarkstück. Noch dazu wurde Heinemann selbst nie auf einer deutschen (Geld-)Münze, sondern nur auf Briefmarken abgebildet. Obendrein wurde Heinemann erst 1969 Bundespräsident, wodurch sich nicht das viel frühere Auftreten des Ausdrucks „Heiermann“ erklären lässt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. de Gruyter, Berlin 2002, Artikel: Heiermann. ISBN 3-11-017473-1.
  • Thorsten Weiland: Das Hundeshagener Kochum. Ein Rotwelsch-Dialekt von Wandermusikanten aus dem Eichsfeld. Quellen – Wörterbuch – Analyse. Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-79706-9. Das Buch enthält S. 149f. einen Artikel zu Heiermann, in dem der Gebrauch des Wortes im Kochum und ganz allgemein seine Etymologie behandelt wird.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. a b Peter Honnen, Martin Schott (Krefeld), Harald Einig (Ochtendung) (spätestens Mai 2007): Heiermann. Rheinisches MitmachWörterbuch (abgerufen 25. Juli 2010)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Heiermann – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen