Max Goldt

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Max Goldt (2009)

Max Goldt (* 1958 in Weende; eigentlich Matthias Ernst) ist ein deutscher Schriftsteller und Musiker.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abitur zog Max Goldt 1977 nach West-Berlin, wo er eine Fotografenausbildung begann. Er brach diese jedoch ab und wandte sich der Musik zu. 1981 gründete er mit Gerd Pasemann das teilweise der Neuen Deutschen Welle zugeordnete Duo Foyer des Arts, für das er textete und Lieder sang.

Schon zuvor arbeitete Max Goldt mit Gerd Pasemann an einem Projekt namens Aroma Plus – zu der Zeit noch mit englischsprachigen Texten. Es folgten zahlreiche Schallplattenveröffentlichungen, diesmal auch solo, zum Beispiel 1984 Die majestätische Ruhe des Anorganischen.

Mit Stephan Winkler produzierte er 1998 als Musik-Duo NUUK die LP/CD Nachts in schwarzer Seilbahn nach Waldpotsdam.

Heute ist er vorrangig als Schriftsteller bekannt. Nachdem er mit humorvollen Kolumnen in der unabhängigen Berliner Zeitschrift Ich und mein Staubsauger in kleinem Kreis Aufmerksamkeit erregt hatte, engagierte ihn das Satire-Magazin Titanic. Zwischen 1989 und 1998 veröffentlichte er in dem Magazin 108 Kolumnen unter den Titeln Aus Onkel Max’ Kulturtagebuch, Diese Kolumne hat vorübergehend keinen Namen, Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart und Informationen für Erwachsene. Von 2005 bis 2009 schrieb Goldt eine titellose Kolumne für Titanic, 2011 erschienen unregelmäßig einige weitere Kolumnen. Goldt veröffentlicht Kompilationen seiner Prosa in Buchform, darunter Kolumnen, Fotos, Liedtexte, Dialoge und Tagebucheinträge.

Seine Texte zeichnen sich durch Wortwitz, hohe sprachliche Eleganz und die Kunst der Abschweifung aus. Kritiker schätzen an seinen Texten den Abwechslungsreichtum und die Freude an sprachlichen Kunstgriffen.[1]

2008 wurde Max Goldt auf Empfehlung von Daniel Kehlmann mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es, Goldt habe den deutschen Alltag „bis zur Kenntlichkeit entstellt“.[2] Bemerkenswert an dieser Formulierung ist, dass Goldt sie wie viele andere Phrasen („mit spitzer Feder“) 1990 persifliert hatte.[3]

Seit 1996 arbeitet Goldt als Comictexter mit dem Zeichner Stephan Katz zusammen. So entstanden zahlreiche Comic-Strips mit dem Titel Katz und Goldt, die beispielsweise in Titanic, Zeitmagazin und Intro publiziert werden, aber auch in Buchalben erhältlich sind.

Max Goldt lebt derzeit als freier Schriftsteller und Musiker in Berlin und unternimmt immer wieder Lesereisen durch den deutschsprachigen Raum. Auf diesen Lesungen testet er stets unveröffentlichte, noch in Arbeit befindliche Texte, liest aber auch Texte aus einigen seiner vielen bereits veröffentlichten Bücher.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Comics (gemeinsam mit Stephan Katz)[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

  • Die sonderbare Zwitter-CD (Lese-Live Eins). Fünfundvierzig 1993.
  • Die CD mit dem Kaffeeringecover (Lese-Live Zwei). Fünfundvierzig 1994.
  • Weihnachten im Bordell (Lese-Live Drei). Fünfundvierzig 1995.
  • Objekt mit Souvenircharakter (Lese-Live Vier). Fünfundvierzig 1996.
  • Schöne Greatest Lese Live Oldies – Komische Appläuse. Motor 1997.
  • Das kellerliterarische Riesenrad (mit Ditterich von Euler-Donnersperg). Fünfundvierzig, 1998.
  • Die Aschenbechergymnastik. Raben Records/Heyne 2000.
  • Der Krapfen auf dem Sims. Heyne Hörbuch 2001, ISBN 3-453-19096-3.
  • Okay Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine. Hörbuch München 2002, ISBN 3-453-16783-X.
  • Wenn man einen weißen Anzug anhat und anderes. HörbuchHamburg 2003, ISBN 3-89903-118-0.
  • Für Nächte am offenen Fenster. Luxusprosa aus den neunziger Jahren. HörbuchHamburg 2003, ISBN 3-89903-123-7.
  • Für Nächte am offenen Fenster. Zweite Folge – besser als die erste. HörbuchHamburg 2004, ISBN 3-89903-156-3.
  • Ein Leben auf der Flucht vor der Koralle. HörbuchHamburg 2005, ISBN 3-89903-186-5.
  • Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens. HörbuchHamburg 2005, ISBN 3-89903-187-3.
  • ’ne Nonne kauft ’ner Nutte ’nen Duden. Dreizehn Texte 1991–2005. HörbuchHamburg 2006, ISBN 3-89903-236-5.
  • QQ – Quiet Quality. HörbuchHamburg, 2007, ISBN 978-3-89903-409-7.
  • Nichts als Punk und Pils und Staatsverdruß. HörbuchHamburg 2008, ISBN 978-3-89903-490-5.
  • Nicht jede kalte Säge schafft es nach New York. HörbuchHamburg 2009, ISBN 978-3-89903-650-3.
  • Unsere traurige technische Zukunft. HörbuchHamburg 2010, ISBN 978-3-89903-698-5.
  • Penisg’schichterln aus dem Hotel Mama, 2 CD, HörbuchHamburg 2011, ISBN 978-3-89903-601-5.
  • Gattin aus Holzabfällen, Bildhörbuch auf DVD, HörbuchHamburg 2011, ISBN 978-3-89903-318-2.
  • Max Goldt für Leute, die Max Goldt noch nicht kennen, HörbuchHamburg 2012, ISBN 978-3-89903-367-0.
  • Zweisprachig erzogene Bisexuelle mit Fahrrädern auf dem Autodach, HörbuchHamburg 2012, ISBN 978-3-89903-368-7.
  • Chloroformierte Vierzehnjährige im Tweed-Kostüm, HörbuchHamburg 2013, ISBN 978-3-89903-862-0.
  • Schade um die schöne Verschwendung!, HörbuchHamburg 2014, ISBN 978-3-89903-844-6.

Weitere Platten[Bearbeiten]

  • Schöner für „IHN“ Stärker für „SIE“. Kultuhr Kassette, Berlin 1982.
  • L’église des crocodiles. ARO 004, 1983.
  • Die majestätische Ruhe des Anorganischen (Musik und Dramolette). ARO 007, 1984.
  • Restaurants, Restaurants, Restaurants. Zweiundzwanzig hysterische Miniaturen. Team Records 1986.
  • Die Radiotrinkerin & Die legendäre letzte Zigarette (zwei Hörspiele (Dialoge mit fiktiven Figuren), zwei Texte und eine Coverversion von Verdammt, ich lieb’ dich). Fünfundvierzig 1990.
  • Nirgendwo Fichtenkreuzschnäbel, überall Fichtenkreuzschnäbel. Fünfundvierzig 1993.
  • Musik wird niemals langsam (mit Michael Dubach und Nino Sandow). Fünfundvierzig 1994.
  • Ende Juli, Anfang August (streng limitiertes Schlauchalbum mit Heimaufnahmen 1982–1989), LP. Hidden Records 1994.
  • Alte Pilze (Historische Heimaufnahmen 1981–1992 Volume II), LP. Hidden Records 1996.
  • Legasthenie im Abendwind (Historische Heimaufnahmen 1981–1995 Volume III), LP. Hidden Records 1997.
  • Nuuk (Stephan Winkler und Max Goldt): Nachts in schwarzer Seilbahn nach Waldpotsdam. Traumton (CD) bzw. Hidden Records (Vinyl) 1998.
  • Bundesratufer. Instrumentals. Captain Trip Records 1999.
  • There Are Grapefruit Hearts to Be Squeezed in the Dark. Musiksachen von Kassetten 1981–1983. Gagarin Records 2007.

Musikclips[Bearbeiten]

Über Max Goldt[Bearbeiten]

  • Moritz Baßler: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47614-7.
  • Gerald Fricke: Schreiben gegen das Ozonloch. Max Goldt – zweiter Versuch. In: Griffel 2 (1995), S. 48–50.
  • Iannis Goerlandt: Ausländer – wo? Das Bild vom anderen Land im narrativen Verfahren Max Goldts. In: Sprachkunst. Beiträge zur Literaturwissenschaft 35.1 (2004): S. 75–87.
  • Daniel Kehlmann: Über den witzigsten Schriftsteller deutscher Sprache. Er ist klug und klar, ein unaufdringlicher Moralist mit frei flottierender Aufmerksamkeit: Lobrede auf Max Goldt. In: Süddeutsche Zeitung, 26. November 2008, Nr. 275, S. 14.
  • Ursula März: Tach, ich schau mal hin. Latent anarchisch: Kolumnismus als Stil, Gattung und Denkart. In: Frankfurter Rundschau, 28. Mai 2004, Nr. 123, S. 17.
  • Mathias Mertens: Unterreflektiert und überformuliert. Die Sprachrundfahrten des Max Goldt. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Popliteratur. Sonderband Text+Kritik. Edition Text+Kritik, München 2003, ISBN 3-88377-735-8.
  • Nico Rau: Komik in Max Goldts Prosa: eine komiktheoretische Einordnung. VDM Verlag Dr. Müller, 2010, ISBN 978-3-639-28044-9.
  • Thomas Ringmayr: Hochkomische Höchstleistungen. Neue Prosa-Sammlungen von Eckhard Henscheid und Max Goldt. in: Focus on Literatur 1 (1994), S. 44–51.
  • Frank Schäfer: Abprotzen. Versuch über Max Goldt. In: Griffel 2 (1995), S. 44–47.
  • Erhard Schütz: Journailliteraten. Autoren zwischen Journalismus und Belletristik. In: Baustelle Gegenwartsliteratur. Die neunziger Jahre. Hrsg. von A. Erb, Westdeutscher Verlag, Opladen/Wiesbaden 1998, S. 97–106, ISBN 3-531-12894-9.
  • ders.: Tucholskys Erben oder Wiener Wiederkehr? Versuch einer Terrainerkundung zur Literatur von Leben & Stil: Biller, Droste, Goldt und andere. In: Jahrbuch für Internationale Germanistik, 1 (1995), S. 101–122.
  • ders.: Kindercowboy und Unscheinbarkeitsdandy. Maxim Biller, Wiglaf Droste, Max Goldt oder: Die Literatur der Kolumnisten. In: Frankfurter Rundschau, 29. Oktober 1994, Nr. 252, S. ZB 2.
  • Michael Rutschky: Für Fortgeschrittene. Max Goldt als Gewährsmann. In: die tageszeitung, 9. Oktober 1991, Nr. 3529, S. 35 (Literataz).
  • ders.: Das Interesse am Alltag. Anläßlich von Rolf Schwendters ›Kultur- und Sittengeschichte‹, in: Der Alltag 75 (März 1997), S. 177-190.
  • Georg Stanitzek: Essay - BRD, Vorwerk 8, Berlin 2011, S. 150-153.
  • Walter van Rossum: Max Goldt: Von den Wonnen der Umnachtung in geschlechtsverkehrsfreier Zone. In: Rowohlt Revue. Neue Bücher und Taschenbücher 79 (Frühjahr 2005), S. 24.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Mentz: Komik a la carte. Titanic 03/1986
  2. Kleist-Preis geht an Max Goldt sueddeutsche.de vom 7. April 2008.
  3. Max Goldt: Edith Hancke findet den Theaterclub mehr als okay-hey für sich (Dezember 1990), in: Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau. Rowohlt, Reinbek 2005, S. 151ff.
  4. Zeit:Literatur Titanic-Autor Max Goldt erhält Kleist-Preis 2008
  5. Mitteilung der Stadt Pirmasens: Hugo-Ball-Preis 2008 an Max Goldt

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Max Goldt – Zitate