Heinrich Düntzer

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Heinrich Düntzer (* 12. Juli 1813 in Köln; † 16. Dezember 1901 in Köln) war ein Altphilologe und Literarhistoriker.

Biografie[Bearbeiten]

Heinrich Düntzer widmete sich seit 1830 erst in Bonn, dann in Berlin altklassischen und sprachwissenschaftlichen Studien und veröffentlichte als deren erste Früchte die Schriften: Die Lehre von der lateinischen Wortbildung (Köln 1836) und Die Deklination der indogermanischen Sprachen (Köln 1839). Daneben schrieb er: Jacques-Auguste de Thou’s Leben, Schriften und historische Kunst (Preisschrift, Darmstadt 1837) und De versu quem vocant Saturnio (mit Laurenz Lersch, Bonn 1838).

Im Sommer 1837 habilitierte er sich in Bonn für altklassische Literatur, nahm aber 1846 die Stelle eines Bibliothekars am katholischen Gymnasium seiner Vaterstadt an, seit 1849 mit dem Titel Professor. In der klassischen Philologie ein Schüler Boeckhs und Welckers, veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten, von denen hier nur genannt seien:

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Homer[Bearbeiten]

  • Homer und der epische Kyklos (Köln 1839);
  • De Zenodoti studiis Homericis (Göttingen 1848);
  • Kritik und Erklärung der Horazischen Gedichte (Braunschweig 1840–46, 5 Bde.);
  • Die römischen Satiriker (Übersetzung, Braunschweig 1846);
  • Rettung der Aristotelischen Poetik (das. 1840);
  • Die Fragmente der epischen Poesie der Griechen (Köln 1840–42, 3 Tle.);
  • Die Homerischen Beiwörter des Götter- und Menschengeschlechts (Göttingen 1859); *Homerische Abhandlungen (Leipzig 1872);
  • Kirchhoff, Köchly und die Odyssee (Köln 1872) und
  • Die Homerischen Fragen (Leipzig 1874).

Goethe[Bearbeiten]

Besonders verdient und in weiten Kreisen bekannt gemacht hat sich Düntzer durch seine eingehenden und vielseitigen Arbeiten über die klassische deutsche Literatur, insbesondere über Goethes Leben und Werke. Hierher gehören besonders die Schriften:

  • Goethes Faust in seiner Einheit und Ganzheit (Köln 1836);
  • Goethe als Dramatiker (Leipzig 1837);
  • Die Sage von Dr. Johannes Faust (Leipzig 1848);
  • Zu Goethes Jubelfeier (Elberfeld. 1849);
  • Goethes Prometheus und Pandora (Leipzig 1850);
  • Goethes Faust (Leipzig 1850–51, 2 Bde.; 2. Aufl. 1857);
  • Frauenbilder aus Goethes Jugendzeit (Leipzig 1852);
  • Freundesbilder aus Goethes Leben (Leipzig 1853);
  • Goethes Götz und Egmont (Braunschweig. 1854);
  • Goethes Tasso (Leipzig 1854);
  • Goethes lyrische Gedichte. Für gebildete Leser erläutert (Elberfeld 1858, 2 Bde.);
  • Schiller und Goethe (Stuttgart 1859);
  • Goethe und Karl August (Leipzig 1861–65, 2 Bde.);
  • Neue Goethe-Studien (Nürnberg 1861);
  • Aus Goethes Freundeskreise (Braunschweig 1868);
  • Charlotte von Stein, Goethes Freundin (Stuttgart 1874, 2 Bde.);
  • Charlotte von Stein und Corona Schröter, eine Verteidigung (Stuttgart1876);
  • Goethes Leben (Leipzig 1880, 2. Aufl. 1883);
  • Goethes Eintritt in Weimar (Leipzig 1883);
  • Abhandlungen zu Goethes Leben und Werken (Wartig, Leipzig. 1885, 2 Bde.) (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Goethes Beziehungen zu Köln (Leipzig 1885).

Sonstige[Bearbeiten]

Ferner erschienen: Erläuterungen zu den deutschen Klassikern (Jena u. Leipzig 1855–80, 78 Hefte unter Mitarbeit von Ludwig Eckardt), die für das große Publikum bestimmt sind und die außer Goethes und Schillers poetischen Werken Klopstocks Oden, Lessings Dramen, Wielands Oberon, Herders Cid und Legenden, Uhlands Balladen und Romanzen behandeln.

Edierte Briefwechsel[Bearbeiten]

Wertvolle Beiträge zur Kenntnis der klassischen Literaturperiode bilden noch die von ihm herausgegebenen Briefwechsel zwischen Goethe und Staatsrat Schultz (Leipzig 1853); Briefe von Schillers Gattin an einen vertrauten Freund (Leipzig 1856); Aus Herders Nachlaß (Leipzig 1856–57, 3 Bde.); Aus Knebels Briefwechsel mit seiner Schwester Henriette (Jena 1858); Zur deutschen Literatur und Geschichte, Briefe aus Knebels Nachlaß (Nürnberg 1857–58, 2 Bde.); Herders Reise nach Italien (Gießen 1859); Von und an Herder (Leipzig 1861–1862, 3 Bde.); Briefwechsel zwischen Friedrich Jacobs und Franz Göller (Leipzig 1862); Zwei Bekehrte. Zacharias Werner und Sophie v. Schardt (Leipzig 1873); Schillers Leben (Leipzig 1881); Lessings Leben (Leipzig 1882); Christoph Kaufmann, der Apostel der Geniezeit und herrnhutische Arzt (Leipzig 1882).

Sonstiges[Bearbeiten]

Als Dichter trat Düntzer anonym auf in Adeline. Liebeslieder vom Rhein (Köln 1860). Zahlreiche Abhandlungen und Aufsätze von ihm finden sich in Zeitschriften; auch schrieb er einen Katalog der Altertümer des Museums Wallraf-Richartz (2. Aufl., Köln 1873) und gab Dido. Ein Trauerspiel von Frau v. Stein (Frankfurt 1867) heraus.

Düntzer wird die kritische Formulierung „Hier irrt Goethe“ zugeschrieben; sie wurde aber bislang in seinen Schriften nicht nachgewiesen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Martin Kruckis: Mikrologische Wahrheit. Die Neugermanistik des 19. Jahrhunderts und Heinrich Düntzer. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 41 (1991), S. 270–283.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Heinrich Düntzer – Quellen und Volltexte
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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