Heinrich Friedrich von Itzenplitz
Graf Heinrich Friedrich August von Itzenplitz (* 23. Februar 1799 in Groß Behnitz bei Nauen; † 15. Februar 1883 auf seinem Gut Kunersdorf bei Wriezen) war ein preußischer Minister, Naturwissenschaftler und Jurist.
Er ist der Sohn von Peter Alexander von Itzenplitz (1768-1834) und Henriette Charlotte von Borcke.
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Leben [Bearbeiten]
Itzenplitz studierte in Berlin und Göttingen Naturwissenschaft und die Rechte, bereiste mit Professor Lichtenstein einen großen Teil Europas. 1822 trat er in den Staatsdienst ein, war zunächst Auskultator in Frankfurt (Oder), wurde zwei Jahre später Referendar am Berliner Kammergericht und 1827 als Assessor im preußischen Innenministerium beschäftigt. Nach Stationen als Regierungsrat in Stettin von 1829 bis 1838, Oberregierungsrat in Berlin von 1829 bis 1843, als Regierungsvizepräsident in Posen, wurde er 1845 Präsident der Regierung in Arnsberg. Im März 1848 schied er aus dem Staatsdienst aus, um sein Rittergut zu bewirtschaften.
Nachdem er dem Allgemeinen Landtag 1847 und der Ersten Kammer von 1849 bis 1854 angehört hatte, wurde er 1854 auf Präsentation des Grafenverbandes der Mark Brandenburg Mitglied des Herrenhauses, in welchem er der gemäßigten Partei angehörte und häufig als Berichterstatter tätig war. Seit 1854 war Itzenplitz auch Mitglied des preußischen Staatsrates. Beide Ämter hatte er bis zu seinem Tode inne.
Im März 1862 wurde er Minister des Ackerbaues, und im Dezember des Jahres übernahm er im ersten Ministerium Bismarck das Handelsministerium, dessen Leiter er bis zum Mai 1873 blieb.[1]
Über seine Amtsführung schrieb das zeitgenössische Meyers Konversations-Lexikon 1888:
- Seine Eisenbahnpolitik zeichnete sich durch eine große Prinziplosigkeit aus: er gestattete zuerst die Anwendung des Systems der Generalentreprise, welches Bethel Henry Strousberg nach Deutschland importiert, und welches in der Form, wie es betrieben wurde, große Unzuträglichkeiten hatte; eine widerspruchsvolle Praxis verwischte den Unterschied zwischen dem gesetzlich Erlaubten und dem Unzulässigen bis zur Unerkennbarkeit. Als ab 1870 das Spekulationssystem des „Eisenbahnkönigs“ Strousberg europaweit zu kollabieren begann, war auch Deutschland finanziell schwer davon betroffen. Der durch Eduard Laskers Enthüllungen heraufbeschworne Sturm richtete sich daher vorzugsweise gegen Itzenplitz, welcher den heftigsten Angriffen nur die von niemandem bezweifelte Versicherung seiner persönlichen Redlichkeit gegenüberstellen konnte.
Er trat am 15. Mai 1873 zurück, um sein Rittergut zu bewirtschaften und blieb bis zu seinem Tod dem öffentlichen Leben fern.
1867 bis 1871 war er als Abgeordneter des Wahlkreises Gumbinnen 4 (Stallupönen - Goldap) Mitglied des Reichstags des Norddeutschen Bundes.[2]
Er ist im Erbbegräbnis der Familie von Lestwitz-Itzenplitz in Kunersdorf beerdigt.
Familie [Bearbeiten]
Graf Heinrich Friedrich stammt aus dem preußischen Adelsgeschlecht Itzenplitz und war mit Luise Freiin von Sierstorpff (1811-1848) (Haus Sierstorpff, Driburg) verheiratet. Das Paar hatte folgende Kinder:
- Marie (1833-1914)
- Charlotte Clementine Editha (1835-1921) (von 1867 bis 1916 Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, Gutsverwalterin von Pritzhagen)
- Louise Gabriele Marie (1839-1901) (1866 bis 1867 Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins) ∞ 21. Mai 1867 Karl von Oppen (* 2. April 1824; † 9. Mai 1896), preußischer Generalleutnant, Kommandant von Breslau
Die Tochter Marie heiratete 1858 den Gutsbesitzer und Landrat Bernhard von der Marwitz (1824–1880), Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Haunfelder, Bernd / Pollmann, Klaus Erich (Bearb.): Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. Düsseldorf: Droste Verlag, 1989, Foto S. 178, Kurzbiographie S. 421 (Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 2)
- ↑ Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 10
Weblinks [Bearbeiten]
- Online Biographie zu Heinrich Friedrich von Itzenplitz
- Heinrich Friedrich von Itzenplitz in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Georg Wilhelm Keßler | Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg 1845–1848 |
Moritz von Bardeleben |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Itzenplitz, Heinrich Friedrich von |
| ALTERNATIVNAMEN | Itzenplitz, Heinrich Friedrich August Graf von |
| KURZBESCHREIBUNG | preußischer Staatsmann, Naturwissenschaftler und Jurist |
| GEBURTSDATUM | 23. Februar 1799 |
| GEBURTSORT | Groß Behnitz bei Nauen |
| STERBEDATUM | 15. Februar 1883 |
| STERBEORT | Kunersdorf bei Wriezen |