Nauen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nauen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Nauen
Nauen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nauen hervorgehoben
52.612.88305555555635Koordinaten: 52° 36′ N, 12° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 266,78 km²
Einwohner: 16.491 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14641
Vorwahlen: 03321, 033230 (Börnicke, Tietzow), 033237 (Ribbeck), 033239 (Groß Behnitz, Schwanebeck, Wachow)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HVL
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 208
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
14641 Nauen
Webpräsenz: www.nauen.de
Bürgermeister: Detlef Fleischmann (SPD)
Lage der Stadt Nauen im Landkreis Havelland
Brieselang Dallgow-Döberitz Falkensee Friesack Gollenberg (Havelland) Großderschau Havelaue Ketzin/Havel Kleßen-Görne Kotzen (Havelland) Märkisch Luch Milower Land Mühlenberge Nauen Nennhausen Paulinenaue Pessin Premnitz Rathenow Retzow Rhinow Schönwalde-Glien Seeblick Stechow-Ferchesar Wiesenaue Wustermark BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Nauen ist eine Stadt im Landkreis Havelland in Brandenburg, westlich von Berlin. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes und wird auch „Funkstadt“ genannt.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Nauen liegt im nordöstlichen Teil der Region Havelland, ca. 18 km westlich vor Berlin und ca. 24 km nordwestlich der Landeshauptstadt Potsdam. Das Gebiet der Stadt zählt zu den flächengrößten in Deutschland. Landschaftlich liegt Nauen zwischen dem ausgedehnten Landschaftsschutzgebiet Nauen-Brieselang-Krämer und überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen im Süden und Südwesten. In geologischer Hinsicht liegt die Stadt am nördlichen Rand der nach ihr benannten Nauener Platte, einer bis zu 15 Meter dicken und weitgehend geschlossenen Grundmoränenbildung der Saaleeiszeit und der letzten Eiszeit, die zum Teil von flachwelligen Endmoränenbildungen überlagert ist. Die Nauener Platte ist heute ein ausgewiesenes Windnutzungsgebiet, welches durch eine hohe Anzahl und Dichte von Windkraftanlagen charakterisiert wird.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Kirche in Klein Behnitz

Geschichte[Bearbeiten]

Brennerei in Ribbeck

Nauen wurde 1186 erstmals urkundlich als Nowen in einer Urkunde von Bischof Balderam von Brandenburg erwähnt, nicht, wie früher fälschlich angenommen, im Jahre 981. Eine Theorie für die Namensgebung Nauens ist, dass eine Familie von Nauen aus dem Westharz hier lebte und ihre neue Ansiedlung mit dem Namen ihrer alten Heimat versah.[2][3] Nauen erhielt 1292 das Stadtrecht, erbaute 1302 ein erstes Rathaus und erhielt 1317 das Marktrecht durch Markgraf Waldemar verliehen. Bereits im Mittelalter siedelten Juden im Ort. 1819 legten sie einen Friedhof außerhalb der Stadt Am Weinberg an.

Im Jahre 1414 verursachte ein Rachefeldzug des Dietrich von Quitzow einen großen Stadtbrand. 1631 zerstörten die Truppen Tillys einen Teil der Stadt.

Im Jahre 1675 fand am 27. Juni das Gefecht bei Nauen zwischen schwedischen und brandenburgischen Truppen während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges statt.

Ab 1716 begann die Einquartierung von Militär. 1732 hielt sich Kronprinz Friedrich drei Monate als Bataillonskommandeur in Nauen auf. Der Bau von zwei Kasernen erfolgte 1767 im Bereich des heutigen Landratsamtes.

1800 erfolgte die Einweihung der Synagoge (Goethestraße 11), die in der Reichspogromnacht 1938 geschändet wurde. Im Jahre 1816 wurde der Kreis Osthavelland gegründet, Nauen wurde 1826 Kreisstadt und blieb dies bis zur Kreisreform 1993. 1846 wurde Nauen an die Berlin-Hamburger Bahn angeschlossen. 1890 wurde der Vorortverkehr nach Berlin eröffnet. Vom 20. September 1901 bis zum 1. April 1961 war Nauen Endbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.

Zwischen 1865 und 1930 wurden mehrere Großprojekte erstellt. 1865 wurde die städtische Gasanstalt eröffnet. 1869 erfolgte die Einweihung einer höheren Knabenschule. 1883 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. 1889 erfolgte der Bau der Zuckerfabrik. 1891 wurde ein neues Rathaus eingeweiht. 1906 entstand die Großfunkstelle Nauen zunächst als Versuchsstation, die Erweiterung zur Großstation erfolgte 1921. 1907 wurde das Kreiskrankenhaus errichtet. Im Februar 1911 stürzte der Turm des neuen Rathauses bei einem Orkan um und schlug durch das Dach. Die Turmspitze ragte mitten in den Sitzungssaal. 1912 wurde die elektrische Beleuchtung eingeführt. Der Bau des Gymnasiums in der Parkstrasse erfolgte 1916. 1923 erfolgte die Eröffnung der städtischen Badeanstalt und 1930 wurde die Vollkanalisation der Innenstadt durchgeführt.

Am 20. April 1945 erfolgte ein amerikanischer Luftangriff, bei dem etwa 60 Menschen starben. Der Bahnhof und die umliegenden Stadtgebiete erlitten schwere Zerstörungen.

Im Jahre 1933 wurde in einer Zementfabrik im Ortsteil Börnicke eines der frühen Konzentrationslager eingerichtet als Teillager des frühen KZ Oranienburg. Zwischen 150 und 500 politische Gefangene wurden hier gefangen gehalten, mindestens zehn ermordet, weitere starben an den Haftfolgen. Auch nach der Auflösung des frühen KZ wurde das Lager als Außenkommando des KZ Oranienburg weitergeführt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 26. Oktober 2003 wurden Berge, Bergerdamm, Börnicke, Groß Behnitz, Kienberg, Klein Behnitz, Lietzow, Markee, Ribbeck, Tietzow und Wachow eingemeindet.[4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Nauen:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[5]
Jahr Einwohner
1875 13 072
1890 14 330
1910 15 534
1925 18 154
1933 18 330
1939 19 448
1946 23 172
1950 24 208
1964 20 320
1971 19 688
Jahr Einwohner
1981 18 422
1985 18 109
1989 17 512
1990 17 140
1991 16 887
1992 16 757
1993 16 577
1994 16 397
1995 16 329
1996 16 889
Jahr Einwohner
1997 16 883
1998 16 793
1999 16 684
2000 16 695
2001 16 851
2002 16 945
2003 16 774
2004 16 555
2005 16 649
2006 16 674
Jahr Einwohner
2007 16 675
2008 16 626
2009 16 523
2010 16 684
2011 16 475
2012 16 491

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[6].

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008
Wahlbeteiligung: 38,92 % (2003: 38,28 %)
 %
40
30
20
10
0
33,34 %
28,19 %
20,92 %
9,19 %
5,35 %
3,01 %
keine
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+5,89 %p
-0,97 %p
+3,07 %p
-6,37 %p
+5,35 %p
+0,77 %p
-7,74 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2003: PDS
g 2003: FDP 4,48 % (1 Sitz); UB 3,26 % (1 Sitz)

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Rathaus, mittig das Wappen von Nauen

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nauen hat 28 Mitglieder bei folgender Sitzverteilung:

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[7]

Kirche in Markee

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 7. Januar 1994 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein schrägrechtsgestellter blauer Karpfen.“[8]

Flagge[Bearbeiten]

Die Farben der Flagge sind Blau – Silber (Weiß). Der Tuchuntergrund wird im Verhältnis 1:1 längs geteilt. Das amtliche Wappen kann in der oberen Hälfte der Flagge eingebracht werden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Rathausplatz mit Rathaus (neugotischer Backsteinbau von 1888–1891) und Sittelschem Haus.
  • Evangelische Kirche St.-Jacobi: Spätgotischer Backsteinbau, errichtet um 1400, Chor zweite Hälfte 15. Jahrhundert, nach einem Brand wurde die Kirche 1695 wieder aufgebaut. Der ca. 55 m hohe Turm mit barocker Haube wurde 1707 auf dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Unterbau errichtet. In der Kirche befindet sich eine 1874 gebaute Orgel aus der Werkstatt Heerwagen.
  • Katholische Kirche St. Peter und Paul: Neuromanische Backsteinbasilika, erbaut 1905/1906.
  • Historische Altstadt mit Gebäuden aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, zum Beispiel in der Mittelstraße mit dem Voßschen Haus (Nr. 33; Jugendstil), dem Barzschen Haus (Nr. 12–16) und dem Rumpffschen Haus, die zwischen 1999 und 2002 saniert wurden.
  • Goethe-Gymnasium: erbaute 1916 von Max Taut.
  • Wasserturm (Mauerstraße/Goethestraße; 1898 erbaut, steht unter Denkmalschutz). (2006 renoviert, beinhaltet jetzt Nauens höchste Wohnung)
  • Fachwerkkirche in Markee: erbaut 1697 als Ersatz für den hinfälligen Vorgängerbau, enthält vorreformatorische Apostelfiguren, Bild aus der Cranach-Schule, Altarkanzel und Empore von ca. 1700, Art-Déco-Ausmalungen aus den 1930er Jahren.
  • Gedenkstein für die KZ-Opfer von Börnicke seit 1975 auf dem Gelände der einstigen Fabrik
  • Sowjetischer Ehrenfriedhof, ehemals an der Berliner Straße, inzwischen auf den Städtischen Friedhof verlegt, erinnert an umgekommene Sowjetsoldaten und Zwangsarbeiter anderer Nationen
  • Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge in der Goethestraße 11, 1988 angebracht
  • Skulptur des Künstlers Ingo Wellmann zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger auf dem jüdischen Friedhof Am Weinberg, ebenfalls 1988 aufgestellt

Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Nauen mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmalen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nauen ist Sitz des Amtsgerichts Nauen, das unter anderem Zentrales Vollstreckungsgericht für das Land Brandenburg ist.

Bildung[Bearbeiten]

Goethe-Gymnasium
  • Berufliche Schule für Wirtschaft (soll 2017 nach Falkensee verlegt werden)
  • Goethe-Gymnasium
  • Leonardo-da-Vinci-Campus, private Bildungseinrichtung mit Kindertagesstätte, Grundschule, Oberschule und Gymnasium. Zum Komplex gehört auch ein Internat.
  • Dr.-Georg-Graf-von-Arco-Oberschule
  • Oberstufenzentrum Havelland
  • Käthe-Kollwitz-Grundschule
  • Grundschule am Lindenplatz
  • Regenbogenschule

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Werner Salomon, der ehemalige Bürgermeister des Berliner Bezirks Spandau, ist seit 1996 Ehrenbürger.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Sendeanlagen[Bearbeiten]

Drehstandantenne Nauen

Trödelmarkt[Bearbeiten]

Seit 2008 hat sich in Nauen ein bedeutender Trödelmarkt etabliert, auf dem zwei Mal im Monat reger Handel stattfindet.[9]

Film[Bearbeiten]

Nauen war ein Drehort der Filme Inglourious Basterds und Der Trinker.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nauen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.ggnauen.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=38 :Arbeit des Goethe-Gymnasiums Nauen
  3. Diese Urkunde des Brandenburger Bischofs Balderam ist im Domstiftsarchiv Brandenburg im Original erhalten und u. a. gedruckt im Codex diplomaticus Brandenburgensis, hrsg. von A. F. Riedel, 1. Hauptteil, Band 8. Berlin 1847, S. 114 f.(Lutz Partenheimer)
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. Gebietsstand Januar 2013
  6. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  7. http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf, Seite 47
  8. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  9. Bericht über den Markt in Nauen aus der Zeitung „Falkensee Aktuell“, Dezember 2009