Helvetica (Schriftart)

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Helvetica ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch: Helvetica (Begriffsklärung).
Helvetica
Schriftart Helvetica
Kategorie Sans-serif
Schriftfamilie Helvetica
Schriftklassifikation Grotesk
Typograf Max Miedinger, Eduard Hoffmann
Erstellung 1956
Beispiel
Schriftbeispiel für Helvetica

Die Helvetica ist eine Schriftart aus der Gruppe der serifenlosen Linear-Antiqua mit klassizistischem Charakter oder Grotesk. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten serifenlosen Schriftarten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Schriftschnitte gestaltete ab 1956 der Grafiker Max Miedinger in Zusammenarbeit mit Eduard Hoffmann, dem Geschäftsführer der Haas’schen Schriftgiesserei in Münchenstein bei Basel. Als Vorlage dienten ihnen die Akzidenz-Grotesk von Berthold und die Normal Grotesk aus dem Hause Haas. 1957 wurde die halbfette Garnitur zur Messe graphique 57 für den Handsatz veröffentlicht, zunächst unter dem Namen Neue Haas-Grotesk. Die D. Stempel AG, seit 1954 mehrheitlich an der Haas’schen Schriftgiesserei beteiligt, brachte die Schrift ab 1960 auch – angepasst an die technischen Gegebenheiten [1] – als Matrizen für Linotype-Setzmaschinen heraus. Im Zuge dessen schlug sie den Vertrieb unter dem Namen Helvetia vor, um auf dem internationalen Markt mehr Chancen zu haben. Dies gefiel der Haas’schen Schriftgiesserei jedoch nicht, da bereits eine Versicherung und eine Nähmaschinenfabrik diesen Namen trugen, und sie schlug stattdessen den Namen Helvetica – „die Schweizerische“ oder „die Schweizerin“ – vor, unter dem sie seit 1960 vertrieben wird.

1983 entwarf die D. Stempel AG für die Linotype AG die Schriftfamilie Neue Helvetica. Dafür wurden die historisch gewachsenen und nicht immer zueinander passenden Schnitte neu gezeichnet und besser aufeinander abgestimmt. In der Postscript-Version besteht die Schriftfamilie heute aus 51 Schnitten.

Seit 2011 ist der ursprüngliche Entwurf der Neuen Haas-Grotesk, digitalisiert durch Christian Schwartz, wieder von Linotype verfügbar. Sie enthält auch die von Max Miedinger gestalteten Alternativglyphen für das R (sog. „flaches R“) und das a, die statt in der Helvetica in der Arial Einzug gehalten haben und bisher als Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Schriften galten.

In der ehemaligen DDR wollte man sich nicht abhängig machen von den Herstellern aus dem Westen und schuf als sozialistische Antwort auf die Univers und die Helvetica die Schriftart Maxima.

Bedeutung[Bearbeiten]

Schriftenvergleich zwischen Arial und Helvetica

Die Helvetica ist durch ihren Einsatz als Hausschrift vieler Firmen allgegenwärtig. Sie wird unter anderem mit den Betriebssystemen Mac OS X und iOS von Apple ausgeliefert.[2] Eine sehr ähnliche Schrift, Arial von Monotype, wird mit den verschiedenen Versionen des Betriebssystems Windows von Microsoft ausgeliefert. Open-Source-Software benutzt häufig eine der Helvetica ähnliche Schrift, die Nimbus Sans L von URW Software & Type.

Im Jahr 2007 wurde das 50-jährige Bestehen der Schrift gefeiert und unter anderem durch den Dokumentarfilm Helvetica von Gary Hustwit gewürdigt. Darüber hinaus widmete das New Yorker Museum of Modern Art der Schrift eine Ausstellung, und es erschien ein Buch über ihre Entstehungsgeschichte.

Von Helvetica inspirierte Schriften[Bearbeiten]

  • Im Softwarepaket der CorelDRAW Graphics Suite ist eine weitgehend gleiche Schrift mit allen relevanten Schriftschnitten namens Swiss bzw. Switzerland als Ersatz für die Helvetica enthalten. Die Schrift Swiss wurde von Max Miedinger entworfen, der schon 1961 die Helvetica für die Firma Linotype entwickelt hatte.[3]
  • B & P Graphics (Dublin, Irland) veröffentlichte 1991 mit der CD SERIALS Vol. 2 (Sans Serif Collection) ebenfalls gleichartige Schriften namens Olympia (für Helvetica) und Olympia 88 (für Helvetica Neue).
  • Des Weiteren taucht sie auf unter den Namen: Aristocrat, Claro, Corvus, Europa Grotesk, Geneva/2, Hamilton, HE, Helios, Helios/II, Helv, Helvette, Holsatia, Megaron, Megaron/II, Newton, Spectra, Swiss 721, Triumvirate, Vega, Video Spectra

Klassifikation der Schrift[Bearbeiten]

  • Nach DIN 16518 kategorisiert man die Helvetica in der Gruppe VIa (Serifenlose Linearantiqua mit klassizistischem Charakter)
  • In der Klassifikation nach Formprinzip ist sie als statische Grotesk eingeordnet

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neue Haas-Grotesk – History, Font Bureau, http://www.fontbureau.com/nhg/history/
  2. Debatte über Helvetica bei iOS 7 - Dirk Hohnsträter, http://inventur-blog.de/01101001/ios-7/
  3. Linotype.com: Swiss, Linotype.com: Helvetica

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]