Hermann J. Roth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem deutschen Pharmazeuten Hermann Josef Roth; für den deutschen Naturwissenschaftler Hermann Josef Ludwig Roth siehe Hermann Josef Roth!
Hermann J. Roth (2012)

Hermann J. Roth (* 12. Mai 1929 in Eisenberg/Pfalz), auch Hermann Josef Roth, ist deutscher Pharmazeut, Hochschullehrer und Künstler. Er ist emeritierter Professor für Pharmazeutisch-Medizinische Chemie und ehemaliger Direktor der Pharmazeutischen Institute der Universitäten Bonn und Tübingen.

Leben[Bearbeiten]

Roth studierte Pharmazie in Mainz und Würzburg. Als akademischer Schüler von Harry Auterhoff wurde er 1956 promoviert. 1961 habilitierte er sich für Pharmazie an der Universität Würzburg. Zwischen 1966 und 1983 war Roth Direktor des Pharmazeutischen Instituts der Universität Bonn und von 1978 bis 1981 Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft. Von 1983 bis 1994 wirkte er als Ordinarius für Pharmazeutisch-Medizinische Chemie und als Direktor des Pharmazeutischen Instituts der Universität Tübingen.

Wissenschaftliches Werk[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Bekanntheit erlangte Roth vor allem als Autor oder Mitautor von zahlreichen Büchern über Arzneistoffsynthese,[1][2] Arzneistoffe,[1] Arzneistoffanalytik,[3] Stereochemie von Arzneistoffen,[4] Medizinische Chemie[5] sowie über 250 Originalarbeiten, die in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurden. Als Erstbetreuer führte Hermann J. Roth 120 Doktoranden – davon 32 Frauen – aus 14 Ländern zur Promotion. Sechs seiner akademischen Schüler haben sich habilitiert und wirken heute als Professoren an den Universitäten in Bonn, Erlangen, Frankfurt am Main, Freiburg, Leipzig und Zürich.

Künstlerisches Werk: Aspekte der molekularen Ästhetik[Bearbeiten]

Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich Roth seit 1972 mit Malerei und Grafik, mit dem Schwerpunkt der Visualisierung molekularer Ästhetik, Symmetrie und Chiralität (Händigkeit) von chemischen Stoffen.

Durch eine spezielle chemische Reaktion („Dimerisierung“) bilden sich bilateral-symmetrische oder zentrosymmetrische (= rotationssymmetrische) Moleküle. Letztere besitzen eine spielkartenartige ästhetische Anmutung, weil die beiden Hälften doppelt gespiegelt sind. Die Bildung ringförmiger, rotationssymmetrischer Moleküle erfolgt nach naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten. Bei linearen und dreidimensionalen Polymeren ist das Phänomen der Translation zu beobachten. Im Kristallgitter des Diamanten sind die unterschiedlichsten Figuren versteckt. Besonders attraktiv sind die Betrachtungen zur Chiralität von Natur- und Arzneistoffen, die den Molekülen überraschende (aber heute naturwissenschaftlich verstandene) Wirkungsunterschiede verleiht.

Die Gedankenwelt von Hermann J. Roth ist grenzüberschreitend und beinhaltet den Strukturvergleich von Molekülen, Worten, Texten und Kompositionen.[6]

Ehrungen[Bearbeiten]

Hermann Josef Roth ist vielfach geehrt worden, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der Caspar-Borner-Medaille der Universität Leipzig, der Carl-Mannich-Medaille der DPhG, dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold und der Ehrendoktorwürde der Benemérita Universidad Autónoma de Puebla, México.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hermann Joseph Roth: Wasser - Wort - Spiele. Heiteres, Anregendes, Nachdenkliches, Erstaunliches und Wissenswertes zum Wort und Begriff Wasser, Eigenverlag, 2009, ISBN 978-3-923117-29-1.
  • Hermann J. Roth: Naturstoffe: Molekulare Spielkarten, Eigenverlag, 2009, ISBN 978-3-00-027794-8.
  • Hermann J. Roth: Formen und Farben – Forminventionen - Farbinversionen, Eigenverlag, 2012, ISBN 978-3-00-039671-7.
  • Hermann J. Roth: Unser täglich Gift, Hirzel-Verlag, 2013, ISBN 978-3-942409-35-3.
  • Hermann J. Roth: Banker und Bankerte, IFB Verlag Deutsche Sprache, 2013, ISBN 978-3-7776-2346-7.
  • 14 Essays zum Thema Molekulare Ästhetik, Deutsche Apothekerzeitung 2006 bis 2009.
  • 16 Essays zum Thema Farben, Deutsche Apothekerzeitung 2011 bis 2012.

Homepage[Bearbeiten]

http://www.h-roth-kunst.com/

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hermann J. Roth und Axel Kleemann: Arzneistoffsynthese, Thieme Verlag, 2. Auflage, 1982, ISBN 978-3-13-632901-6 .
  2. Hermann J. Roth, Axel Kleemann und T. Beiswenger: Drug Synthesis, Ellis Horwood Chichester und New York, 1985, ISBN 0-470-21037-0.
  3. Kurt Eger, Reinhard Troschütz und Hermann J. Roth: Arzneistoffanalyse: Reaktivität - Stabilität - Analytik, Deutscher Apotheker Verlag, 6. Auflage, 2006, ISBN 978-3-7692-3761-0 .
  4. Hermann J. Roth, Christa E. Müller und Gerd Folkers: Stereochemie und Arzneistoffe. Grundlagen - Betrachtungen - Auswirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1998, ISBN 978-3-8047-1485-4 .
  5. Dieter Steinhilber, Manfred Schubert-Zsilavecz und Hermann J. Roth: Medizinische Chemie: Targets und Arzneistoffe: Targets - Arzneistoffe - Chemische Biologie, Deutscher Apotheker Verlag, 2. Auflage, 2010, ISBN 978-3-7692-5002-2 .
  6. Herbert Pichler (Herausgeber): Zwischen Wissenschaft und Kunst: Hermann Josef Roth – Portrait eines nicht nur wissenschaftlichen Lebens, Deutscher Apotheker Verlag, 1998, ISBN 978-3-7692-2212-8 .