Hintergrundmusik

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Hintergrundmusik (auch atmosphärische Musik) ist unaufdringliche Musik, die für ihre Hörer normalerweise im Hintergrund der Aufmerksamkeit bleibt. Der Ausdruck wird in zwei Bedeutungen gebraucht:

Zwei Bedeutungen[Bearbeiten]

Zum einen kann es sich um Musik handeln, die ihrer Art und Lautstärke nach in einem bestimmten Darbietungsrahmen zu Tätigkeiten anregen soll, die nicht direkt mit dieser Musik zu tun haben. Eine traditionelle Hintergrundmusik ist die Tafelmusik, die ein zwangloses Gespräch beim Essen erleichtert. In Kaufhäusern soll Hintergrundmusik wie Muzak auch den Konsum fördern. Zum Arbeiten, Lesen oder Lernen wird Hintergrundmusik individuell eingesetzt. Ihre Wirkung ist in der Musikpsychologie umstritten, da sie sich schwer objektivieren lässt.

Zum anderen wird der Ausdruck Hintergrundmusik für akustische Komponenten in audiovisuellen oder multimedialen Produktionen verwendet, die gegenüber Texten, Bildern und Sprache im Hintergrund bleiben sollen, zum Beispiel bei einem Film, einem Computerspiel, einer Präsentation oder einer Website. Ein Musikbett in einem Jingle etwa soll die sprachliche Information nicht beeinträchtigen, sondern unterstützen. Hintergrundmusik im Computerspiel tritt gegenüber den Soundeffekten zurück, die aktuelle Ereignisse unterstreichen. Solche Musik dient oft der Orientierung ihrer Hörer über einen virtuellen Schauplatz und soll Stimmungen in der Art der filmmusikalischen Mood-Technik erzeugen.

Siehe auch: Filmmusik

Varianten[Bearbeiten]

Als Hintergrundmusik kann fast jedes Musikgenre dienen. Es gibt allerdings Genres wie Populäre Klassik oder Smooth Jazz, die auf eine Verwendung als Hintergrundmusik zugeschnitten sind. Oft gibt man Instrumentalmusik den Vorzug, weil man davon ausgeht, dass menschliche Stimmen und gesungene Texte die Aufmerksamkeit zu stark auf sich ziehen würden. Auch bei der elektronischen Ambient- und Lounge-Musik fehlen gesangliche Elemente oder gesprochene Texte. Solche Musik hilft bei der Gestaltung von Räumen, ähnlich wie die Innenarchitektur. Beim Ambient-Möbel sind architektonische und musikalische Komponenten miteinander verbunden.

Die Entscheidung darüber, was im Hintergrund der Aufmerksamkeit bleiben soll, trifft stets der Hörer. Beim Barpiano kann der frei gewählte Wechsel zwischen Nichtbeachtung der Musik und voller Aufmerksamkeit, etwa bei einer bekannten Melodie, den Reiz für das Publikum ausmachen. – Easy Listening ist ein Begriff für Hintergrundmusik vor allem in Rundfunkprogrammen.

Ästhetik[Bearbeiten]

Eine ästhetische Debatte entfachte die Hintergrundmusik in den 1920er-Jahren, als manche Komponisten Gegenentwürfe zur klassischen Konzertmusik suchten, die das bürgerliche Konzept der Kunstmusik in Frage stellen sollten. Erik Satie entwarf mit seiner Musique d’ameublement eine stark repetitive Musik, die sich an Tapetenmustern orientierte. Seine Anregungen wurden in neuerer Zeit von John Cage und der Minimal Music aufgenommen. Obsessive Wiederholungen wirken allerdings oft anstrengend und eignen sich nicht unbedingt als Hintergrundmusik.

Die Musique concrète seit den 1940er-Jahren, die bereits eine entwickelte Tonaufnahmetechnik voraussetzte, verwischte den Unterschied zwischen atmosphärischem Geräusch und Musik. Die modernen Möglichkeiten der Klangsynthese mit Sampling seit etwa 1990 verwischen außerdem die Grenze zwischen natürlichen und künstlichen Klängen. Diese Anregungen haben zu neuen Kunstformen wie der Klanginstallation oder dem Soundscape geführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Randolph Farnsworth: Sozialpsychologie der Musik, Stuttgart: Enke 1976.
  • Klaus-Ernst Behne: Zu einer Theorie der Wirkungslosigkeit von (Hintergrund-)Musik, in: Jahrbuch der deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, 14:1999, S. 7–23.
  • Reinhard Kopiez, Friedrich Platz, Anna Wolf: The overrated power of music in television news magazines, in: Musicae Scientiae, 17:2013, Nr. 3, S. 309-331, doi:10.1177/1029864913489703.