Hohokam-Kultur

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Verbreitungsgebiet der Kultur

Die Hohokam-Kultur war eine präkolumbische indianische Kultur im Südwesten der heutigen USA. In der Sprache der Pima bedeutet Hohokam etwa Diejenigen, die verschwunden sind, wörtlich ungefähr aufgebraucht, nicht mehr benutzbar. Als archäologische Bezeichnung für besagte Kultur wurde der Begriff von Harold S. Gladwin eingeführt [1], der 1927 mit der Erforschung ihrer Relikte begann.

Die Kultur existierte von ca. 300 bis 1500 nach Christus im mittleren und südlichen Arizona, mit dem Schwerpunkt am Zusammenfluss von Gila und Salt River um das heutige Phoenix, Arizona. Die bekanntesten Überreste von Siedlungen der Hohokam sind die Casa Grande Ruins im gleichnamigen National Monument und das als Hohokam Pima National Monument ausgewiesene Snaketown, eine prähistorische Siedlung, die heute in der Gila-River-Reservation liegt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Weitere Funde sind aus dem Chaco Culture National Historical Park und den White Tank Mountains bekannt.

Merkmale und Lebensweise[Bearbeiten]

Oben: Grubenhaus der Hohokam, 1/3 unter der Erde 2/3 als Hütte, Unten: Jacal: Hütte der Hohokam mt Einfassungsmauern um einen Hof
Aus einzelnen Jacels (Hütten) entwickelten sich Siedlungen, zuerst für eine Sippe und später für eine ganze Dorfgemeinschaft

Archäologisch wurde die Hohekam-Kultur bei ihrer ersten intensiven Erforschung in den 1920er Jahren durch charakteristische Keramik-Funde abgegrenzt. Sie sind gekennzeichnet durch vielfache Wiederholungen kleiner Muster in roter Farbe auf gelblichen, grauem oder braunem Ton.

Die Siedlungen bestanden aus einem Kern von dicht zusammenstehenden Gebäuden und zerstreuten Häusern in der Peripherie. Das Zentrum gruppierte sich um große Plätze oder um Erdhügel mit einer Plattform auf der Oberseite. Die Bauten bestanden aus Grubenhäusern mit Wänden aus Flechtwerk und Lehmputz, ab etwa 1150 kamen auch Wände aus Adobe-Lehmziegeln auf.

Die Plätze werden traditionell mit Feldern für das Mesoamerikanische Ballspiel identifiziert, 2009 wurde jedoch vorgeschlagen, dass es sich um Tanzböden handelt, aus denen die bis in das 20. Jahrhundert bestehenden Traditionen des Vikita-Festes der Papago hervorgegangen sind. Die gekrümmten Seitenlinien und die niedrigen Begrenzungen, sowie weitere Merkmale machen die Plätze der Hohokam für das Ballspiel ungeeignet, entsprechen aber den Formen der Papago.[2]

Bis ca. 1300 war die Feuerbestattung die einzige Begräbnisform, in der Spätphase wurden Leichname auch direkt beigesetzt.

Ernährung und Landwirtschaft waren geprägt durch die klimatischen Bedingungen in der Tieflandwüste. Der jährliche Niederschlag liegt um 180 mm. Die ganzjährige Verfügbarkeit von Trinkwasser war nicht gesichert. Das wohl aufwändigste Kennzeichen der Hohokam-Kultur war ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das sich über 1200 Kilometer erstreckte und ein Gebiet von über zehntausend Hektar bewässerte.

Für den Cave Creek, einen Zufluss des Salt Rivers, ist nachgewiesen, dass die Hohokam das ganze Bett des Flusses in seiner Ebene künstlich umleiteten, um den Lehmanteil im Boden zu erhöhen, was die Fruchtbarkeit für mehrere Jahre förderte. Nach Bodenanalysen konnten sie den Wert von 18 Prozent Bodenanteil in den typischen Böden der Region auf rund 45 Prozent steigern und so das Wasserrückhaltevermögen des Bodens deutlich erhöhen.[3]

Auf terrassenartig aufgebauten Feldern bauten die Hohokam vor allem Mais an, daneben aber auch Bohnen und Kürbisse sowie Baumwolle. Vereinzelt wurden auch Amarant und Gerste [4] nachgewiesen. Für den Feldbau verwendeten sie ausschließlich Hacken und Grabstöcke mit Spitzen aus Knochen oder Stein, die daran befestigt waren. Neben der Landwirtschaft stand auch das Sammeln von wildwachsenden Früchten, insbesondere Mesquite und Opuntien-Kakteen.

Während bei der archäologischen Untersuchung der Hohokam-Kultur lange Zeit Siedlungen im Vordergrund standen, wurde im 21. Jahrhundert der Raum zwischen den Dörfern als für die Landnutzung und gesellschaftliche Aspekte bedeutend erkannt. Die Auswertung von isolierten Funden, die nicht im Kontext eines größeren Fundorts stehen, ergab, dass die Hohokam häufig in kleinen Gruppen oder einzeln verschiedenste Orte in ihrem Siedlungsgebiet aufsuchten, um dort spezialisierten Aufgaben nachzugehen. Die Hohokam nutzten also ihre Region weit über die landwirtschaftlichen Flächen und das unmittelbare Umfeld der Dörfer hinaus und wesentlich intensiver als bisher angenommen. Dabei wurden Artefakte fast gleichmäßig über die verschiedenen Landschaftsformen gefunden, auf dem Schwemmland in Talböden, trockenen Ebenen und auf Hügelketten. Die konkreten Nutzungen lassen sich nur schwer abschätzen, es gibt Hinweise darauf, dass Agaven als Faserpflanze und als Lebensmittel gesammelt oder dezentral angebaut wurden. Auch wurden Steinwerkzeuge hergestellt und vermutlich mindestens gelegentlich auch Tongefäße außerhalb der Siedlungsflächen produziert.[5]

Aufgrund der starken Ähnlichkeit aller Funde im gesamten Siedlungsgebiet kann von engen Kontakten zwischen allen Angehörigen der Hohokam-Kultur ausgegangen werden. Verwandtschaftsbeziehungen, die Entwicklung von klimatisch angepassten Wirtschaftsformen und Spekulationen über geteilte religiöse Überzeugungen werden als Methoden der kulturellen Homogenität genannt.

Verbindungen und Handel[Bearbeiten]

Vermutlich wurde die Kultur der Hohokam stark von Mittelamerika aus beeinflusst. Sowohl die Erdhügel mit Plattformen, wie das Ballspiel weisen auf enge Bezüge nach Mesoamerika hin.

Von den mexikanischen Küsten bezogen die Angehörigen der Hohokam-Kultur große Mengen an Muschelschalen, die zu Schmuck verarbeitet wurden. Beziehungen bestanden auch in die Rocky Mountains, von wo Obsidian gehandelt wurde. Speckstein und andere seltene Gesteine wurden aus dem Osten bezogen.

Ende der Kultur[Bearbeiten]

Ab dem zwölften Jahrhundert begann der Niedergang der Hohokam-Kultur. Zuerst sorgten Dürren für eine Hungersnot, im folgenden Jahrhundert wurde ein großer Teil des Bewässerungssystems durch Überschwemmungen zerstört, wodurch die Hohokam ihre Ernährungsgrundlage verloren. Zusammen mit dem Eindringen neuer Stämme aus dem Norden und gestörten Handelsbeziehungen mit Mexiko wurden die Hohokam schließlich auf ein niedrigeres Kulturniveau gezwungen. Vermutlich sind die Angehörigen des Stammes der Pima die letzten Nachfahren der Hohokam.

Literatur[Bearbeiten]

  • Linda M. Gregonis, Karl J. Reinhard: Hohokam Indians of the Tucson Basin. University of Arizona Press, 1979, ISBN 0-8165-0700-7. (im Volltext online: Hohokam Indians)
  • Helmut von Papen: Pueblos und Kivas; die Geschichte der ANASAZI und ihrer Nachbarn. 2000, ISBN 3-00-006869-4.
  • George J. Gumerman, Emil W. Haury: Prehistory: Hohokam. In: William C. Sturtevant: Handbook of North American Indians. vol. 9: Southwest. Smithsonian Institution, Washington 1979.
  • Werner Arens, Hans Martin Braun: Die Indianer Nordamerikas: Geschichte - Kultur - Religion. (aus der Reihe "Beck Wissen"). München 2004, ISBN 3-406-50830-8.
  • Paul R. Fish: Hohokam Culture Area. In: Guy Gibbon: Archaeology of Prehistoric Native America. Garland Publishing, New York 1998, ISBN 0-8153-0725-X, S. 366 ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Old Explorer, bei: The Official Website of the ARIZONA MUSEUM OF NATURAL HISTORY (abgerufen: 6. April 2013)
  2. Edwin N. Ferdon, jr.: The Hohokam ‚Ball Court‘ – An Alternative View of its Function. In: KIVA. Vol 75, Nr. 2, Winter 2009, ISSN 0023-1940, S. 165–178
  3. Hoski Schaafsma, John M Briggs: Hohokam Field Building. In: KIVA. Vol 71, Nr. 4, Summer 2007, ISSN 0023-1940, S. 431ff.
  4. Jonathon E. Ericson & Timothy G. Baugh, "The American Southwest and Mesoamerica: Systems of Prehistoric Exchange", Springer, 1993, S. 103 --- John P. Andrews und Todd W. Bostwick, "Desert Farmers at the River´s Edge - The Hohokam and Pueblo Grande", Pueblo Grande Museum, 1999; nach: Harvesting the Desert, Pueblo Grande Museum, Archaeological Park --- Kim Whitley und Jeri Ledbetter, "Hohokam Canal System (Introduction)", bei: Northern Arizona University, unter: Arizona Heritage Waters (alle Links abgerufen: 26. Juli 2013)
  5. Peter Pagoulatos: Isolated but not Alone: The Utility of Hohokam Isolated Occurrences from Florence Military Reservation, Middle Gila River Valley, Arizona. In: North American Archaeologist, Volume 35, Issue 1 (2014), Seiten 55–85