Hyperkalzämie

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Als Hyperkalzämie (auch Hypercalcämie) wird ein erhöhter Calcium-Spiegel im Serum (Blut) bezeichnet. Dies ist der Fall bei einer Höhe von über 2,7 mmol/l für Gesamtcalcium im Serum und für ionisiertes, also freies Calcium, von über 1,3 mmol/l. Die Prävalenz für hospitalisierte Patienten liegt bei ungefähr 1 %. Von einer hyperkalzämischen Krise spricht man ab einem Gesamtserumcalcium von >3,5 mmol/l. Hier treten Polyurie, Erbrechen, Exsikkose mit Fieber, Psychosen und schließlich Koma auf.

Ursachen[Bearbeiten]

Jede Störung des Calciumstoffwechsels kann zu einer Hyperkalzämie führen. Mögliche Ursachen sind:

  1. maligne Tumoren (Tumorhyperkalzämie): Häufigste Ursache einer Hyperkalzämie sind bösartige Neubildungen (Krebserkrankungen). Meistens verursacht durch Bronchialkarzinom, Brustkrebs und Multiples Myelom.
  2. endokrinologische Ursachen: Primärer und tertiärer Hyperparathyreoidismus (20 % der Fälle), Hyperthyreose, Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison), MEN Typ I und IIa,
  3. iatrogen: Vitamin D-, Vitamin A-Intoxikation, Tamoxifen, Thiazid-Diuretika (mit meist nur vorübergehender milder Erhöhung des Calciumspiegels), calciumhaltige Ionenaustauscher, Lithium, Teriparatid, Theophyllin-Intoxikation u. a.
  4. Immobilisation von Patienten
  5. Sarkoidose durch Bildung von 1,25(OH)2-D3 in Makrophagen
  6. Nach einer Nierentransplantation kann eine vorübergehende Hyperkalzämie infolge der durch die Niereninsuffizienz verursachte Überfunktion der Nebenschilddrüse, auftreten.
  7. Überdosierung von Calcium oder Zufuhr großer Mengen an Milch und Alkalisalzen (Milch-Alkali-Syndrom) oder parenterale Ernährung.
  8. Familiäre benigne hypokalzurische Hyperkalzämie (FBHH): Hyperkalzämie durch verminderte Calcium-Ausscheidung über die Nieren.
  9. Akromegalie
  10. Phäochromozytom[1]
  11. Hypophosphatasie

Symptome[Bearbeiten]

  1. Eventuell Symptome des Grundleidens, z.B. eines Tumors
  2. Hyperkalzämiesymptome: Die Hälfte der Patienten zeigt keinerlei Symptome, diese werden mittels Laborbefund zufällig erkannt.
  • Niere: Polyurie
  • Gastrointestinaltrakt: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, selten Pankreatitis
  • Herz-/Skelettmuskulatur: Rhythmusstörungen, QT-Zeitverkürzungen im EKG, Antriebslosigkeit (Adynamie), Muskelschwäche
  • Zentralnervensystem: Psychose, Somnolenz, Koma

Diagnose[Bearbeiten]

Wird erstens laborchemisch über ein erhöhtes Serumcalcium gestellt und zweitens über ursächliche Parameter, wie z.B. Suche nach Primärtumor, hohe Spiegel von PTHrP und umgekehrt niedrigem intaktem Parathormon (PTH), hohem Spiegel an 1,25(OH)2 D3, erhöhtem 25(OH) D3

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapie erfolgt üblicherweise primär durch Beseitigung der Ursachen. Die Zufuhr von Calcium über die Nahrung wird dabei weitgehend gestoppt. Symptomatisch und akut kann eine forcierte Diurese (mindestens 5 l/Tag) mit physiologischer Kochsalzlösung und Furosemid unter Kontrolle des Wasser- und Elektrolythaushalts, besonders des Kaliums angewendet werden. Die Gabe von Bisphosphonaten, beispielsweise von Alendronat, kann bei tumorinduzierten Hyperkalzämien, therapeutisch zweckmäßig sein, weil dies die Funktion der Osteoklasten reduziert. Zusätzlich können Glucocorticoide verabreicht werden, da sie Vitamin D antagonisieren. Eine Niereninsuffizienz wird in der Regel mit Hämodialyse behandelt. Zur schnellen Senkung des Calciumspiegels kann auch das Hormon Calcitonin gegeben werden. Die Wirkung tritt binnen Minuten ein.

Prognose[Bearbeiten]

Die Letalität einer hyperkalzämischen Krise liegt bei bis zu 50 %.

Pseudohyperkalzämie[Bearbeiten]

Etwa die Hälfte des Serumcalciums ist an Albumin und andere Serumproteine gebunden. Entscheidend für die physiologische Wirkung ist jedoch nur das freie protein-ungebundene Calcium, das jedoch mit dem protein-gebundenen in einem dynamischen Gleichgewicht steht. Bei einem hohen Eiweißspiegel im Blut kann es zu einer Pseudohyperkalzämie kommen. Scheinbar ist der Calciumspiegel im Blut erhöht, tatsächlich ist aber nur der protein-gebundene Anteil erhöht und das freie Serumcalcium normal.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Khairallah, W u. a.: Hypercalcemia and diabetes insipidus in a patient previously treated with lithium. In: Nat Clin Pract Nephrol. Nr. Jul;3(7), 2007, S. 397–404 (Abstract).