In the Ghetto

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In the Ghetto
Elvis Presley
Veröffentlichung

21. Januar 1969

Länge 2:44
Autor(en) Mac Davis
Verlag(e) B-n-B Music / Gladys Music
Album From Elvis in Memphis
Coverversion
1984 Nick Cave and the Bad Seeds

In the Ghetto ist einer der bekanntesten Songs von Elvis Presley. Das Stück wurde im April 1969 als Single veröffentlicht und erreichte in vielen Ländern Top-Platzierungen in den Charts. Er ist der einzige Song von Presley, der in Deutschland ein Nummer-eins-Hit wurde[1].

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

In the Ghetto wurde 1968 vom 26-jährigen texanischen Country-Sänger und -Songwriter Mac Davis geschrieben, dessen Songs Memories und A Little Less Conversation ebenfalls Erfolge für Presley wurden. In the Ghetto war das zwölfte und letzte Stück der Presley-Comeback-LP From Elvis in Memphis, die bei RCA Records erschien. Die Single wurde im April 1969 mit der B-Seite Any Day Now veröffentlicht und erreichte in den USA Platz 3 der Charts, in Großbritannien Platz 2 und in Deutschland, wo sie sich 13 Wochen in den Top 10 hielt, Platz 1.

Thematik[Bearbeiten]

Der Song behandelt den kurzen Lebensweg eines Kindes, das an einem verschneiten Tag im Ghetto von Chicago zur Welt kommt, zwangsläufig auf die schiefe Bahn gerät und dessen junges Leben an einem genauso grauen Tag ein gewaltsames Ende findet. Das Lied beginnt mit der weinenden Mutter, die nicht noch ein weiteres Kind ernähren kann, und am Schluss beginnt der Kreislauf von neuem – erneut wird ein Kind im Ghetto geboren. Der Song appelliert an den Zuhörer, nicht wegzusehen und zu helfen, damit der Teufelskreis durchbrochen werden kann.

Presleys Interpretation[Bearbeiten]

Das Besondere an Presleys Interpretation des Songs, der die unvermeidbaren Folgen von Ghetto-Armut und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit beschreibt (das Stück hatte ursprünglich den Untertitel The Vicious Circle) und um Mitgefühl für die Situation der schwarzen Jugendlichen bittet – hat der bekannte Musikjournalist und Autor Peter Guralnick wie folgt formuliert:

Wenn man noch nie zuvor von Elvis Presley gehört hätte und nur die 23 peinlich genauen Takes des Stücks, die er in jener Nacht aufgenommen hat, vorgelegt bekäme, dann wäre es praktisch unmöglich, nicht sofort im Sturm erobert zu werden. Der Gesang ist von solch einer bescheidenen, beinahe durchscheinenden Eloquenz, er ist in seiner Einfachheit so unauffällig selbstsicher, so perfekt getragen von der Art eleganter, schlichter Unterstützung durch die kleine Gruppe, die das Markenzeichen des American-Stils war – er setzt ein Statement, das sich beinahe unmöglich leugnen lässt. […] Man kann eine Art von Zartheit heraushören, die beinahe an den Elvis erinnert, der zum ersten Mal Sam Phillips' Sun Studio betreten hat, und zu gleichen Teilen Verlangen und soziales Mitgefühl bot.

Peter Guralnick [2]

Weit weniger lyrisch, aber dennoch aufschlussreich ist Elvis Presleys eigene Aussage zu In the Ghetto, die er 1969 auf die Frage eines Journalisten zu seiner Motivation gab, gerade diesen sozialkritischen Song aufzunehmen:

Ghetto was such a great song. I just couldn’t pass it up after I heard it. There are a lot of new records out now that have the same sound I started but they are better. I mean, you can’t compare a song like “Yesterday” [by the Beatles] with “Hound Dog” [by Leiber & Stoller], can you?

Elvis Presley - Übersetzung siehe Fußnote[3]

Fischer/Prescher schreiben im „Lexikon berühmter Popsongs“ auf Seite 132/133: „…Man hört deutlich, welchen Einfluss Elvis am Gelingen des Stücks hat: Die Gefahr, dass der Song kitschig und gefühlsduselig klingt, ist groß, doch Presleys warme, soulige Stimme ist voller Einfühlungsvermögen, sie zeigt Zuneigung für den unweigerlich kriminell werdenden ‚angry young man‘, der mit dem Gesicht nach unten auf der Straße liegend stirbt.“

Coverversionen[Bearbeiten]

Nach Elvis Presley haben den Song viele weitere Künstler wie Nick Cave and the Bad Seeds, The Cranberries, Merle Haggard, Dolly Parton und Natalie Merchant gecovert. Im August 2007 hat Presleys Tochter Lisa Marie Presley eine Version veröffentlicht, in der sie im Duett mit ihrem Vater singt.

Weblinks[Bearbeiten]

deutscher und englischer Text zum Lied

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste der deutschen Nummer-Eins-Hits von 1956–1996
  2. Peter Guralnick: Careless Love, S. 399
  3. "Ghetto ist ein so großartiger Song, dass ich ihn einfach machen musste. Heute gibt es eine Menge Platten, die denselben Sound haben, mit dem ich begonnen habe, aber sie [die Songs] sind besser. Du kannst einen Song wie 'Yesterday' einfach nicht mit einem wie 'Hound Dog' vergleichen, oder?" Interview in: Ken Sharp: Elvis ‚69. The Story of the King’s Return to the Concert Stage, 2009, S. 149