Innsbrucker Dom

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Dom St. Jakob in Innsbruck

Der Dom zu St. Jakob in Innsbruck, oftmals auch nur kurz als Innsbrucker Dom bezeichnet, ist die Kathedrale beziehungsweise der Bischofssitz der römisch-katholischen Diözese Innsbruck.

Geschichte[Bearbeiten]

Mariahilf. von Lucas Cranach dem Älteren, um 1520, im Hauptaltar

Vermutlich besteht die in einem Vertrag von 1180 als „ecclesia in foro“ erwähnte Kirche bereits 1181. Vom Jahre 1270 datiert die erste urkundliche Nachricht einer St. Jakobskirche in Innsbruck. 1494 entstand die älteste erhaltene Ansicht der gotischen Kirche auf einem Aquarell von Albrecht Dürer, 1556 erfolgte eine Darstellung im Schwazer Bergwerksbuch. 1643 wurde St. Jakob eine selbständige Pfarre, während sie vorher eine Filialkirche von Wilten war. Das Pfarrwappen zeigt Pilgerstab und Pilgermuschel des heiligen Jakob. 1650 gelangte das berühmte Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren in die Kirche, welche sich in der Folge zu einem Marienwallfahrtsort entwickelte. 1689 richtete ein Erdbeben Schäden an der Kirche an. Zwischen 1717 und 1724 wurde der Neubau nach den Plänen von Johann Jakob Herkomer und Johann Georg Fischer im Stil des Barock ausgeführt. Im Jahre 1904 wurde die Innsbrucker Stadtpfarre zur Propstei erhoben und der Propst mit besonderen Rechten ausgestattet. Er war fortan für die Zeit seines Amtes Apostolischer Protonotar ad instar participantum und hatte nun das Recht, Mitra, Pektorale und Ring zu tragen. 1944 wurde die Kirche durch alliierte Bombentreffer beschädigt. 1964 entstand die Diözese Innsbruck, wodurch die Pfarrkirche in den Rang einer Bischofskirche (Dom) erhoben wurde. Im Jahr 2000 wurde im Südturm eine Sakramentskapelle eingerichtet. Im selben Jahr fanden auch die Feierlichkeiten anlässlich des 350. Jubiläums der Übertragung des Gnadenbildes Mariahilf in die damalige Stadtpfarrkirche mit gleichzeitiger Einweihung der neuen Domorgel (Firma Pirchner, Steinach am Brenner; 3 Manuale, 57 Register) statt. 2003 wurde der Trierer Universitätsprofessor Manfred Scheuer im Dom zu St. Jakob von seinem Amtsvorgänger Alois Kothgasser, zum vierten Bischof der Diözese geweiht, 2004 übernahm der bisherige Seelsorgeamtsleiter der Diözese Innsbruck Prälat Florian Huber das Amt des Propstes zu St. Jakob von Prälat Gotthard Egger. Der Propst ist neben seiner Funktion als Dom- und Stadtpfarrer auch Dekan des Dekanates Innsbruck.

Die Weihe der Kirche an St. Jakob weist auf die Lage von Innsbruck an der Pilgerstraße (Jakobsweg) nach Santiago de Compostela in Spanien hin, einer der drei bedeutendsten Pilgerstätten des Mittelalters neben Jerusalem und Rom.

Baukunst[Bearbeiten]

Chorraum
Innenraum
Decke

In der Kirche befindet sich das Grabmal von Maximilian III. Deutschmeister, Landesfürst von Tirol 1612−1618. Der Entwurf stammt von Caspar Gras, nach anderer Ansicht von Hubert Gerhard[1], der Guss von Heinrich Reinhart. Besonders interessant sind die gedrehten Säulen, die unter anderem mit Pflanzen, Schnecken, Vögeln und Heuschrecken verziert sind. Oben kniet der Landesfürst mit St. Georg und dem Drachen. St. Georg war bis 1772 Landespatron von Tirol, dann folgte St. Josef. Seit 2005 ist der Heilige Georg dem Heiligen Josef als 2. Landespatron zur Seite gestellt.

Eine Grabplatte erinnert auch an Erzherzog Eugen, Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg, ebenfalls Angehöriger des Deutschen Ordens.

Die vergoldete Kanzel ist ein Werk von Nikolaus Moll um 1724. Die Kanzel wird gestützt von den personifizierten drei göttlichen Tugenden: Glaube (Engel mit Kreuz), Liebe (Engel, der auf das Herz zeigt), Hoffnung (Engel mit Anker).

Die Deckenfresken stammen von Cosmas Damian Asam, der Stuck von Egid Quirin Asam. Es handelt sich dabei um barocke Illusionsmalerei. Bildnis Maria mit dem Kind von Lukas Cranach dem Älteren am Hochaltar.

Orgel[Bearbeiten]

Gehäuse von 1725

Die große Orgel auf der Westempore wurde in den Jahren 1998 bis 2000 von der österreichischen Orgelbauwerkstatt Pirchner (Steinach a. Br.) in dem Gehäuse der Orgel von Johann Kaspar Humpel aus dem Jahre 1725 erbaut, unter Verwendung von Pfeifenmaterial der Vorgängerorgel. Das Instrument hat mechanische Spiel- und Registertrakturen und insgesamt 57 Register (3729 Pfeifen)[2].

I Hauptwerk C–g3
1. Bordun 16′
2. Prinzipal 8′
3. Voce umana 8′
4. Hohlflöte 8′
5. Gamba 8′
6. Oktave 4′
7. Spitzflöte 4′
8. Quinte 22/3
9. Superoktave 2′
10. Mixtur major IV 2′
11. Mixtur minor IV 11/3
12. Cornet V (ab cis1) 8′
13. Fagott 16′
14. Trompete 8′
15. Clairon 4′
II Oberwerk C–g3
(schwellbar)
16. Quintadena 16′
17. Prinzipal 8′
18. Rohrflöte 8′
19. Salizional 8′
20. Vox coelestis 8′
21. Oktave 4′
22. Nachthorn 4′
23. Fugara 4′
24. Nasard 22/3
25. Oktave 2′
26. Terz 13/5
27. Sifflet 1′
28. Mixtur IV 11/3
29. Trompette Harm. 8′
30. Cromorne 8′
Tremulant
III Unterwerk C–g3
(schwellbar)
31. Gedeckt 8′
32. Spitzgamba 8′
33. Prinzipal 4′
34. Gedeckt 4′
35. Flöte 2′
36. Larigot 11/3
37. Scharff III 1′
38. Echokornett III 22/3
39. Voix humaine 8′
Tremulant
IV Rückpositiv f0–d3
(Solo)
40. Prinzipal 8′
41. Flöte 8′
42. Prinzipal 4′
43. Oktave 2′
44. Mixtur III 11/3
45. Sesquialtera II 22/3
46. Trompete 8′
Pedalwerk C–f1
47. Prinzipal 16′
48. Subbass 16′
49. Violonbass 16′
50. Quintbass 102/3
51. Oktavbass 8′
52. Bassflöte 8′
53. Oktave 4′
54. Mixtur VI 22/3
55. Posaune 16′
56. Trompete 8′
57. Schalmey 4′
  • Koppeln: II/I, III/I, I/III, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen:
    • An- und Absteller: Unterwerk ein/aus, Rückpositiv ein/aus
    • Sperrventile: Hauptwerk Außenladen ab (Nr. 1, 5, 12-15), Pedal Außenladen ab (Nr. 49, 50, 55-57)

Glocken[Bearbeiten]

Die Mariahilfglocke zählt zu den bedeutendsten Glocken des Historismus in Österreich.

Die Mariahilfglocke (auch Große Pfarrglocke) ist die zweitgrößte historische Glocke in Tirol. Sie wurde von der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr im Jahre 1846 gegossen und ist im Nordturm untergebracht. Jeden Freitag um 15 Uhr erinnert sie an die Todesstunde Christi. Die 1961 und 1965 neu erworbenen sieben Glocken stammen aus derselben Gießerei und hängen im Südturm. Seit 1982 ist im Nordturm das Innsbrucker Friedensglockenspiel untergebracht; es umfasst 48 Glocken und ist somit das größte und umfangreichste Glockenspiel Österreichs. Die Glocken mit einem Gesamtgewicht von 4.100 kg wurden in der niederländischen Glockengießerei Eijsbouts gegossen und ertönen täglich um 12:10 Uhr.

Nr. Name Gussjahr Gießer,
Gussort
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(GT-16tel)
Bemerkung
1 Mariahilf- oder
Große Pfarrglocke
1846 Johann Grassmayr,
Innsbruck
2210 6342 g0 –2 Tonbeispiel Mariahilfglocke
2 Priminus 1961 Grassmayr,
Innsbruck
1720 3123 h0 –2
3 Josef und Georg 1961 Grassmayr,
Innsbruck
1410 1674 d1 –2
4 Paulus 1961 Grassmayr,
Innsbruck
1280 1221 e1 –2
5 Anna und
Petrus Canisius
1965 Grassmayr,
Innsbruck
1020 680 g1 –2 derzeit gesprungen
6 Matthäus 1961 Grassmayr,
Innsbruck
940 475 a1 –2
7 Christophorus und
Homobonus
1961 Grassmayr,
Innsbruck
850 356 h1 –2
8 Totenglocke 1961 Grassmayr,
Innsbruck
700 202 d2 –2

Medien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Innsbrucker Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Dombeschreibungen:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johanna Felmayer, Hubert Gerhard in Innsbruck und das Grabmal Maximilians des Deutschmeisters. Hintergründe, Zusammenhänge, Perspektiven, Herausgegeben und für die Veröffentlichung bearbeitet von Gabriele Werner-Felmayer, Stefanie Holzer und Walter Klier, StudienVerlag Innsbruck, 2005, ISBN 978-3-7065-1821-5
  2. Einzelheiten in der Festschrift „275 Jahre Orgelgeschichte zu St. Jakob in Innsbruck“, von Reinhard Jaud, Domorganist zu St. Jakob.

47.26916666666711.393333333333Koordinaten: 47° 16′ 9″ N, 11° 23′ 36″ O