Issachar Berend Lehmann

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Issachar Berend Lehmann, Berend Lehmann, Jissachar Bermann Segal, Jissachar ben Jehuda haLevi, Berman Halberstadt (* 23. April 1661 in Essen; † 9. Juli 1730 in Halberstadt) handelte in Luxusgütern, war Bankier, Münzagent, Heereslieferant sowie Verhandlungsdiplomat und wirkte als Hofjude hauptsächlich für Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, König in Polen, August den Starken. Dank seines vielseitigen Wirkens, seines zeitweiligen Reichtums, seiner Privilegien und seines sozialen und kulturellen Engagements war er um 1700 eine in Mittel- und Osteuropa berühmte jüdische Autoritätsperson.

Name[Bearbeiten]

Berend Lehmanns biblisch-hebräischer Eigenname‚ Jissachar (Issachar) wurde traditionell von den Juden mit dem Symboltier Bär assoziiert; er wurde deshalb als Bärmann im Jiddischen nachgebildet. Hochdeutsch wurde daraus Berend. Berends Vater hieß hebräisch Jehuda, dessen biblisches Symboltier ist der Löwe, jiddisch deshalb Lema oder Lima (Löwenmann). Weiter eingedeutscht wird daraus Lehmann. Also: Bärmann, Sohn des Löwenmannes; der Zusatz haLevi bzw. Segal bedeutet: zur religiösen Elite der Priestergehilfen (Leviten) gehörend.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Lehmanns Vater gehörte in Essen zur jüdischen Oberschicht, aus der auch sein in Bochum geborener, später in Hannover etablierter Schwager, der Hofjude Leffmann Behrens, stammte[1]. Bei ihm, so nahmen ältere Biographen an, wurde Berend Lehmann ausgebildet, und für ihn tätigte er Kommissionsgeschäfte.[2] Mit ihm zusammen ist er 1692 an Geschäftsverhandlungen Herzog Ernst Augusts von Hannover-Calenberg zum Erwerb der Kurfürstenwürde am Kaiserhof in Wien beteiligt.[3] Urkundlich greifbar wird Berend Lehmann zuerst 1687 als 26-jähriger Händler auf der Leipziger Messe,[4], wo er in der Folge häufig zu den damals drei alljährlichen Messeterminen präsent ist.

Familie und eigenes Geschäft in Halberstadt[Bearbeiten]

Sein Wohnort ist Halberstadt, wo er 1688 in der Judenliste aufgeführt wird als verheiratet mit Miriam, einer Tochter des Schutzjuden Joel Alexander. Er leitet seine Vergleitung (rechtlich gesicherte Duldung) von dessen Schutzbrief ab. Zwei Jahre später wird sein erster Sohn, Lehmann Behrend, geboren, und er baut ein bescheidenes Haus im Judenviertel von Halberstadt (Bakenstraße 37 links, in Teilen noch erhalten im Gesamtkomplex Klein Venedig).[5]

Dienstleister für August den Starken[Bearbeiten]

1694 wird er brandenburgischer Münzagent und Hoffaktor (kommerzieller Dienstleister). Ab 1695 steht er in Geschäftsverbindung mit dem kurfürstlich sächsischen Hof. Zwei Jahre später wird er von August dem Starken mit Verhandlungen betraut, welche den Erwerb der polnischen Königskrone finanziell sichern sollen. Er erhält die Vollmacht, außerhalb des Kernlandes liegende sächsische Exklaven zu verkaufen oder zu beleihen und besorgt von christlichen und jüdischen Geschäftspartnern Kredite in Millionen-Gulden-Höhe,[6] die der geschickt taktierende sächsische Feldmarschall Jakob Heinrich von Flemming mit dazu verwendet, der Mehrheit des polnischen Adels die Wahl Augusts zum polnischen König nahezulegen.[7] In Anerkennung solcher Dienste macht August Berend Lehmann zum Königlich polnischen Residenten im niedersächsischen Kreise ein nur vage definiertes Privileg, auf das sich Lehmann mit mehr oder minder Erfolg immer wieder beruft.

Bauen in Halberstadt[Bearbeiten]

So erreicht er bei seinem eigenen Landesherrn, dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III., dass er sich ein zweites, repräsentatives Haus kaufen darf (Bakenstraße 28). Das ist eine Ausnahme für einen Juden. Ein Hinterhaus lässt er abreißen und errichtet einen Neubau für ein künftiges Thora-Talmud-Lehrhaus (eine yeshiva), das wohl als Ausgangspunkt eines Gemeindezentrums mit künftiger Synagoge gedacht ist. Aber der Weiterbau wird ihm verboten. Und noch ehe er zwei Nachbargrundstücke hinzukaufen kann, wird die Immobilie für neu aufgenommene französisch-reformierte Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) konfisziert. Die Intervention seines Gönners, August des Starken, bleibt erfolglos.[8]

Talmuddruck[Bearbeiten]

Währenddessen hat er eine religiöse Großtat vollbracht: Als der Dessauer Hofjude Wulff, der den Talmud neu drucken lassen will, in Finanzierungsschwierigkeiten gerät, übernimmt Lehmann in Frankfurt an der Oder das Projekt und das Druckprivileg, „er lässt Gold aus seiner Tasche fließen“, so dass die 12-bändige Ausgabe mit 2000 Exemplaren innerhalb von knapp zwei Jahren (1697–1699) fertiggestellt werden kann. Lehmann verschenkt eine große Anzahl der Bücher an mittellose jüdische Gemeinden.[9]

Heereslieferant[Bearbeiten]

Zwischen 1700 und 1704 ist Berend Lehmann als Geld- und Materiallieferant für August den Starken im Nordischen Krieg tätig. Briefe aus jener Zeit zeigen ihn auf den baltischen Kriegsschauplätzen um die Beschaffung von immer neuen Krediten bemüht und um deren Tilgung besorgt; sie enthalten auch Erörterungen über die politische und militärische Lage.[10]

Geschäft und Gemeindedienst in Halberstadt[Bearbeiten]

1707 stirbt Lehmanns Gattin Miriam; er heiratet erneut, und zwar Hannle, eine Tochter des Judenvorstehers Mendel Beer in Frankfurt am Main.[11] In den Jahren 1707/1708 baut er, von der örtlichen preußischen Verwaltung behindert, aber gefördert von der auf Einnahmen erpichten Berliner Hofkammer, in Halberstadt das bescheidene Fachwerkhaus Bakenstraße 37 zu einem umfangreichen Gebäudekomplex aus, in dem er außer den Geschäftsräumen (dabei Warenlager und Weinkeller) und seiner wachsenden Familie auch die entsprechende Dienerschaft unterbringt. Dort beherbergt er daneben „aus Barmherzigkeit, damit sie ihren Gottesdienst verrichten können“ sechs arme jüdische Familien. Als einer der drei Vorsteher der Gemeinde hat er die Aufgabe, die von König Friedrich Wilhelm I. (dem Soldatenkönig) immer wieder verlangten jüdischen Sonderabgaben auf die Gemeindemitglieder zu „repartieren“ (aufzuteilen). Er trägt selbst den Löwenanteil an diesen Lasten.[12]

Zweiggeschäft in Dresden[Bearbeiten]

Zurück in Dresden arbeitet er als Münz-Entrepreneur (Silberlieferant der Münze) jetzt auch für den sächsisch-polnischen Staat. Ebenso besorgt er Edelsteine für Augusts des Starken späteres Grünes Gewölbe[13]. Daraus ergibt sich 1708 die Gründung einer Dresdner Filiale des Halberstädter Geschäftes, in dem neben Berend Lehmann und seinem Schwager Jonas Meyer auch der jetzt 18-jährige älteste Sohn, Lehmann Behrend, tätig ist. Die Lehmanns und Jonas Meyer sind zwar die einzigen „vergleiteten“ Juden in ganz Sachsen; das große Geschäft (ab etwa 1720 repräsentativ im Alten Posthaus, Landhausstraße 13) beschäftigt und beherbergt allerdings bis zu 70 jüdische Angestellte, die nicht selbst vergleitet sind.[14]

Landwirtschaft und Druckerei in Blankenburg[Bearbeiten]

Von Halberstadt aus erwirbt Lehmann 1717 im benachbarten Blankenburg am Harz einen landwirtschaftlichen Betrieb von 75 ha, zu dem ein repräsentatives Herrenhaus gehört. Landbesitz war Juden in Europa damals generell nicht erlaubt. Lehmann verdankt dieses Privileg guten Geschäftsverbindungen zu Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig. Er gründet in Blankenburg auch eine hebräische Druckerei, die von dem Köthen-/ Jeßnitzer Drucker Israel Abraham geleitet wird[15]. Diese scheitert nach kurzer Zeit wegen Problemen mit der christlichen Zensur.[16]

Außenpolitische Initiative[Bearbeiten]

Im Jahre 1721 unternimmt Lehmann einen abenteuerlichen Versuch, die Herrscher Preußens und Sachsens zur Teilung Polens zu veranlassen, wo er große Außenstände hat. Die hofft er in dem für Preußen vorgesehenen Teilgebiet eintreiben zu können. Auch Kaiser Karl VI. und Zar Peter der Große sollen von der Teilung profitieren. Den Kaiser versucht er über dessen Schwiegervater, den Blankenburger Fürsten Ludwig Rudolf, zu interessieren. Der Zar, von Preußen eingeweiht, reagiert zornig und verlangt die strenge Bestrafung des Juden. Dieser wird von August dem Starken vor dem Schlimmsten bewahrt; die Gnade des Gönners darf er sich durch ein wertvolles Geschenk zurückerwerben.[17]

Schwierigkeiten in Hannover und Dresden[Bearbeiten]

Zur gleichen Zeit verliert er größere Kapitalien, die ihm unrechtmäßigerweise konfisziert werden, als sein Schwiegersohn Isaak Behrens, Hofjude in Hannover, Bankrott macht und Lehmann beschuldigt wird, aus der Konkursmasse Wertpapiere, Geld und Juwelen für Behrens gerettet zu haben.[18] Die kurhannoversche Justizkanzlei möchte ihm in Hannover den Prozess machen, aber Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. verweigert die Auslieferung seines Schutzjuden. Über die Frage des Prozessortes entsteht ein jahrelanger Streit zwischen den Berliner und den Hannoveraner Justizbehörden. Lehmann versucht, durch eigene Zugeständnisse und über Verzichtangebote anderer jüdischer Gläubiger einen Vergleich mit den übrigen Gläubigern zustande zu bringen, protestiert auch mehrfach leidenschaftlich gegen die unmenschliche Behandlung seiner fünf Jahre lang eingekerkerten und schließlich gefolterten Hannoveraner Verwandten, beides vergeblich.[19] Ab etwa 1722 regt sich in Dresden antijüdischer Protest der sächsischen Stände (in ihnen besonders aktiv: Kaufmannschaft und Geistlichkeit) gegen die Lehmanns und Meyer, den August der Starke lange Zeit abwehrt, dem er aber schließlich ab 1722 mehr und mehr nachgibt. Der Warenverkauf muss eingestellt werden. Nur das Bankgeschäft besteht zunächst weiter.[20].

Bankrott und Tod[Bearbeiten]

Weitere, noch nicht geklärte Verluste kommen hinzu, so dass 1727 Lehmanns eigener Bankrott bekannt gegeben wird.[21] Anfang 1730 erreicht ihn eine Forderung des Markgrafen von Bayreuth in Höhe von 6 000 Talern aus dem Jahre 1699, die er nicht abwehren kann. Er hat Mühe, sich von dem an ihm „exekutierten“ Hausarrest zu befreien, indem er sich Geld leiht. Nach seinem Tode am 9. Juli 1730 kommen Forderungen von mehreren 100 000 Talern auf den Nachlass zu, die durch den Verkauf einiger seiner Immobilien teilweise befriedigt werden. Die Rettungsmaßnahme, seinen Kindern rechtzeitig Teile seines Vermögens zu schenken, gelingt nicht. Auch sein Sohn Lehmann Behrend „banqueroutiert“.[22] Rechtzeitig hat Berend Lehmann allerdings zwei wichtige Stiftungen ausgestattet; die eine verschafft jungen Brautpaaren aus der Halberstädter Gemeinde eine Aussteuer; die andere sichert den Gelehrten seiner Thora-/ Talmud-Akademie, der Klaus, ein Grundeinkommen. Sie erfüllte ihren guten Zweck bis zur Auflösung der Gemeinde in der Folge der Novemberpogrome von 1938.[23] Sein Grabstein auf dem ältesten Halberstädter Judenfriedhof ist erhalten; die Inschrift singt sein Lob als Förderer rabbinischer Gelehrsamkeit, als Gemeindewohltäter und Anwalt vor allem der polnischen Juden.[24]

Rezeption[Bearbeiten]

Heiliger und Held[Bearbeiten]

Sein Bild ist zunächst geprägt durch Eulogien und Legenden in den hebräisch bzw. jiddisch verfassten Gemeindechroniken. Diese werden 1866 durch den Rabbiner Benjamin Hirsch Auerbach in seine Geschichte der israelitischen Gemeinde Halberstadt aufgenommen. Auerbach behandelt die Legenden mit einer gewissen Skepsis, prinzipiell aber großer Hochachtung. Etwa zur gleichen Zeit schreibt der orthodoxe Mainzer Rabbiner und Publizist Marcus Lehmann für seine Jüd. Volksbücherei den zweibändigen Roman Der Königliche Resident,[25]. in dem er Berend Lehmann als frommen Patriarchen verklärt und auf weiten Reisen spannende Abenteuer erleben lässt. Über das Berend-Lehmann-Bild der beiden letztgenannten Autoren schreibt die Frankfurter Judaistin Lucia Raspe (2002), es habe „nicht notwendig mit historischer Realität zu tun; es ist ein Konstrukt, entstanden am Schreibtisch von Benjamin Hirsch Auerbach und Marcus Lehmann, ein Identifikationsangebot.“[26].

Taktiker und Wohltäter[Bearbeiten]

Zwei Jahrzehnte nach Auerbach (1885) schreibt ein Urururenkel Berend Lehmanns, der Dresdner Anwalt und Politiker Emil Lehmann, über seinen berühmten Ahn einen ausführlichen Beitrag, der zum ersten Mal sauber archivalisch abgesichert ist. Er betont Berend Lehmanns Geschick im Umgang mit der Obrigkeit und die weise Voraussicht, mit der er seine Stiftungen anlegte. Als Reformjude sieht Emil Lehmann seinen orthodoxen Urahn zwar mit Sympathie, aber als einer vergangenen Zeit mit überholten Lebensprinzipien zugehörig.

Objektivere Biografen[Bearbeiten]

Um die Wende zum 20. Jahrhundert beschäftigt sich der Dessauer Rabbiner Max Freudenthal mit Lehmanns Verdiensten um den hebräischen Buchdruck. Mit großer Akribie untersucht er die Entstehungsumstände von Lehmanns Talmud-Edition, insbesondere sein gespanntes Verhältnis zu dem Drucker Michael Gottschalk und zeigt damit Lehmann zum ersten Mal als robusten Geschäftsmann. Ebenso beschreibt Freudenthal das fruchtbare Verhältnis Lehmanns zu seinen Klausgelehrten und zu dem Jeßnitzer Drucker Israel Abraham. Einen weiteren Schritt in Richtung auf eine historisch objektive Einschätzung Berend Lehmanns tut der Berliner Archivar Josef Meisl 1924. Er gibt insgesamt 16 Briefe heraus, die Lehmann von den Schauplätzen des Nordischen Krieges nach Dresden schrieb. Sie machen des Residenten umfangreiche Tätigkeit als Heereslieferant anschaulich, ebenso seine Versuche, das politische Geschehen mitzugestalten (die Meisl allerdings als dilettantisch bewertet).

Selma Stern[Bearbeiten]

Ein großer Schub kommt in die Berend-Lehmann-Biographie durch die Historikerin Selma Stern, die zwischen 1925 und 1962 erst das Thema der Juden in Preußen,[27] dann speziell das der Hofjuden[28], bearbeitet. Durch ihre Dokumentensammlung wird seine Tätigkeit in der Halberstädter Gemeinde und für die gesamte jüdische Gemeinschaft klarer erkennbar. In ihrem Hofjudenbuch stellt sie ihn als „eigentlichen Hofjuden“ (methodisch riskant) dem kritisch beurteilten Joseph Süß Oppenheimer gegenüber.

Antisemitisches Zerrbild[Bearbeiten]

Der Antisemitismus der Nationalsozialisten bringt zwei Beiträge über Berend Lehmann hervor, eine Karikatur als „Wucherjude“ durch Peter Deeg[29] eine scheinobjektive Darstellung durch Heinrich Schnee (Historiker) in den 1950er Jahren.

Rückfall in kritiklose Verehrung[Bearbeiten]

1970 folgt der Juif de Cour des französischen Privatgelehrten Pierre Saville, die erste Monografie über Berend Lehmann, die allerdings nur das „Identifikationsangebot“ Auerbachs/Marcus Lehmanns weiter ausmalt. Das tut in noch stärkerem Maß der amerikanische Rabbiner Manfred R. Lehmann[30].

Neue Objektivität[Bearbeiten]

Lehmann-Forschung an den Quellen wird erst wieder im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts betrieben, und zwar von Lucia Raspe und von Berndt Strobach, dessen 2011 erschienenes Buch den Forschungsstand wiedergibt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Berend Lehmann ist eine der höchstgeschätzten jüdischen Persönlichkeiten seiner Zeit; er gehört mit den Wienern Wertheimer und Oppenheimer sowie mit dem Württemberger Joseph Süß Oppenheimer, dem Hannoveraner Leffmann Behrens und dem Frankfurter Mayer Amschel Rothschild zu den großen Hofjuden. Sein ehrgeiziges Bestreben, im Leben seiner Zeit entscheidend mitzuwirken, machen ihn, nicht unähnlich seinen adligen christlichen Zeitgenossen, zu einer barocken Persönlichkeit. Sie bringen ihn naturgemäß in Konflikt mit den christlichen Obrigkeiten. Im Judentum ist er das Muster eines reichen Mannes, der als frommer Mensch gleichzeitig als Wohltäter seiner Gemeinschaft wirkt.

Familie[Bearbeiten]

Berend Lehmann war zweimal verheiratet: 1. Miriam Joel († 1707) 2. Hannerle Beer, Tochter des Vorstehers Mendel Beer in Frankfurt

Kinder:

  • N.N., Tochter, ∞ Jacob Hannover († 1784), Klausrabbiner
  • N.N., Tochter, ∞ Mose Kann aus Frankfurt
  • Lea ∞ Isaak Behrend, Hoffaktor und Kammeragent in Hannover, später in Halle, Hamburg und Altona
  • Lehmann Berend († 1774) Kriegslieferant in Hannover, Hoffaktor in Dresden
  • Mordechai Gumpel Behrend(† 1784) lebte in Halberstadt
  • Mose Kosman Behrend (* 1713; † 29. Februar 1784), Hofjude in Dresden für das Fürstbistum Münster, ∞ Golde Michael David († Hannover 17. Oktober 1753), Tochter des Hannoveraner Hoffaktors Michael David (1680–1758).

Erinnerungskultur in Halberstadt[Bearbeiten]

Der Gebäudekomplex Bakenstraße Nr. 37 existiert noch heute als ein Überbleibsel seiner umfangreichen Bautätigkeit; bemerkenswert ist dort der gut sichtbare Rest einer von ihm „für das Publico“ angelegten Fußgängerbrücke über die seinerzeit offen durch die Stadt fließende Holtemme.[31]

In dem 2001 von der in Halberstadt seit 1995 ansässigen Moses Mendelssohn Akademie gegründeten Berend Lehmann Museum finden sich in Gebäuden, die schon zu Lehmanns Zeit Institutionen der jüdischen Gemeinde beherbergten, Dokumente zum Leben des Hofjuden neben reichem Material aus der Geschichte des jüdischen Halberstadt im 19. und 20. Jahrhundert. Dass der übriggebliebene Türbogen eines 1986 abgerissenen repräsentativen Barockgebäudes, der in der Nähe des Museums an Lehmann erinnert, wirklich von einem Berend-Lehmann-Palais stammt, ist dokumentarisch nicht gesichert. Die von Lehmann einst gegründete Klaus, Rosenwinkel 18, hat Bombenangriff und DDR-Vernachlässigung überstanden und ist heute Sitz der Moses Mendelssohn Akademie, die sich in Tagungen, Ausstellungen und Vorträgen der Information über jüdisches Leben und jüdische Kultur widmet. Ihr angeschlossen ist das Café Hirsch, in dem jüdisch inspirierte Speisen angeboten werden.

Heutiges jüdisches Leben in Halberstadt[Bearbeiten]

Nach der nationalsozialistisch veranlassten Zerstörung der Synagoge und dem Holocaust hat es in Halberstadt nur in der Nachkriegszeit kurzzeitig eine jüdische Gemeinde gegeben, in der sich Überlebende der Konzentrationslager sammelten.[32] Nachdem in der Stadt einige Juden aus den GUS-Staaten leben, befindet sich wieder eine religiöse Gemeinde in Gründung.[33]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd-Wilhelm Linnemeier: Eines Rätsels Lösung – Zur westfälischen Herkunft des Hof- und Kammeragenten Leffmann Behrens,in: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 90 (2012), S.75-91
  2. Auerbach: Geschichte der israelitischen Gemeinde Halberstadt, Halberstadt 1866, S. 45
  3. Berndt Strobach: Bei Liquiditätsproblemen: Folter. Das Verfahren gegen die jüdischen Kaufleute Gumpert und Isaak Behrens in Hannover, Berlin 2013, ISBN 978-3-8442-4986-6, S.83
  4. Max Freudenthal: Leipziger Messgäste. Die jüdischen Besucher der Leipziger Messen in den Jahren 1675 bis 1764, (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Nr. 29), Frankfurt/Main 1928, S. 106
  5. Berndt Strobach: Privilegiert in engen Grenzen. Neue Beiträge zu Leben, Wirken und Umfeld des Halberstädter Hofjuden Berend Lehmann, 1. Band: Darstellung, Berlin 2011, ISBN 978-3-8442-0200-7, S. 35
  6. Emil Lehmann: Der polnische Resident Berend Lehmann, der Stammvater der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden (1885), in: Gesammelte Schriften, Berlin 1899, S. 99–102
  7. Josef Meisl: Behrend Lehman und der sächsische Hof, Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft, Jg. XVI (1924), S. 226
  8. Strobach: Privilegiert, 2011, Bd. 1, S. 42
  9. Max Freudenthal: Zum Jubiläum des ersten Talmuddrucks in Deutschland. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Jg. 42. 1898, S. 80–89
  10. Meisl:Hof, passim
  11. Auerbach: Geschichte, S. 48
  12. Strobach: Privilegiert, Bd. 1, S. 38
  13. Heike Liebsch: Jüdische Spuren im Grünen Gewölbe. In: medaon, Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung, Ausgabe 1/ 2007, Dresden 2007, S. 1–4. [1]
  14. Heinrich Schnee: Die Hoffinanz und der moderne Staat, Berlin 1953–1967, Bd. 3, Die Institution des Hoffaktorentums in den geistlichen Staaten Norddeutschlands, an kleinen norddeutschen Fürstenhöfen im System des absoluten Fürstenstaates, 1954. S. 176–177
  15. Dirk Sadowski: ’’Gedruckt in der heiligen Gemeinde Jeßnitz’’ – Der Buchdrucker Israel bar Avraham und sein Werk, Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts VII (2008), S. 39–69.
  16. Berndt Strobach: Hebräischer Buchdruck zwischen Hofjuden-Mäzenatentum und christlicher Zensur, Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, 60. Jg. (2008), Heft 3, S. 235–253
  17. Strobach: Privilegiert, B. 1, 2011, S. 110
  18. Schnee: Hoffinanz, Bd. 3, S. 189
  19. Strobach: Liquiditätsprobleme, 2013, S.47-54
  20. E. Lehmann: Schriften, 1899, S. 126–129
  21. Meisl: Hof, 1924, S. 233.
  22. Strobach: Privilegiert, Bd. 1, 2011, S. 61
  23. Lucia Raspe: Individueller Ruhm und kollektiver Nutzen – Berend Lehmann als Mäzen. In: Rotraud Ries, J. Friedrich Battenberg (Hrsg.): Hofjuden – Ökonomie und Interkulturalität. Die jüdische Wirtschaftselite im 18. Jahrhundert. Hamburg 2002, ISBN 3-7672-1410-5, S. 199–200. (Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden Bd. XXV)
  24. Pierre Saville: Le Juif de Cour, Paris 1970, S. XXVIII
  25. Marcus Lehmann: Der Königliche Resident. Eine historische Erzählung. Mainz o.J. (= Lehmann’s jüd. Volksbücherei, Bd. 26)
  26. Raspe: Ruhm, 2002, S. 199.
  27. Selma Stern: Der preußische Staat und die Juden. 3 Teile in 7 Bänden, Berlin 1925. (Reprint Tübingen 1962)
  28. Marina Sassenberg (Hrsg.); Selma Stern: Der Hofjude im Zeitalter des Absolutismus. Ein Beitrag zur europäischen Geschichte im 17. und 18. Jahrhundert. Tübingen 2001, ISBN 3-16-147662-X
  29. Peter Deeg: Hofjuden. (Reihe Juden, Judenverbrechen und Judengesetze von der Vergangenheit bis zur Gegenwart. Herausgeber Julius Streicher, Teil I, Band 1), Nürnberg 1939.
  30. Manfred R. Lehmann: On My Mind. New York 1996.
  31. Strobach: Privilegiert, Bd. 1, 2011, S. 57.
  32. Werner Hartmann (Hrsg.): Juden in Halberstadt. Zu Geschichte, Ende und Spuren einer ausgelieferten Minderheit. 6 Bände. Halberstadt 1988–1996, Bd. 5, 1994, S. 14–15.
  33. Jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt - Überblick.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cathleen Bürgelt: Der jüdische Hoffaktor Berend Lehmann und die Finanzierung der polnischen Königskrone für August den Starken. In: medaon, Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung. Ausgabe 1/2007, Dresden 2007, S. 1–17.: [2]
  • Jutta Dick: Issachar Berman Halevi – Berend Lehmann, ’’Gründungsvater’’ der neuzeitlichen Jüdischen Gemeinde in Dresden. In: Jüdische Gemeinde zu Dresden (Hrsg.): : einst&jetzt. Zur Geschichte der Dresdner Synagoge und ihrer Gemeinde. Dresden 2001, ISBN 3-932434-13-7, S. 42–55.
  • Max Freudenthal: Aus der Heimat Mendelssohns. Moses Benjamin Wulff und seine Familie, die Nachkommen des Moses Isserles. Berlin 1900. (Nachdruck: Dessau 2006, ISBN 3-00-019835-0)
  • Heinrich Schnee: Lehmann, Behrend (Issacher Halevi Bermann). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 68 f. (Digitalisat).
  • Berndt Strobach: Privilegiert in engen Grenzen. Neue Beiträge zu Leben, Wirken und Umfeld des Halberstädter Hofjuden Berend Lehmann (1661-1730), Bd.1: Darstellung, Berlin 2011, ISBN 978-38442-0200-7, Bd.2: Dokumente, Berlin 2011, ISBN 978-3-8442-0215-1

Weblinks[Bearbeiten]