Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini

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Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini ist ein Popsong von Paul Vance (Text) und Lee Pockriss (Musik), der durch Brian Hyland im Jahre 1960 bekannt wurde. Der Millionenseller entwickelte sich zum Evergreen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Brian Hyland - Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini (Plattenlabel: Leader)

Paul Vance und Lee Pockriss arbeiteten bereits seit 1957 erfolgreich als Autorenteam zusammen und waren mit 349 bzw. 517 bei der ASCAP urheberrechtlich registrierten Titeln ein professionelles Autorenteam.

Hintergrund des Songs ist eine wahre Begebenheit. Texter Paul Vance hatte eine zweijährige Tochter, die mit ihrem gelben gepunkteten Kinder-Bikini am Strand spielte. Sie inspirierte ihren Vater zur Hookline des Songs.[1] Vance involvierte seinen Autoren-Partner Lee Pockriss zwecks Komplettierung, ließ sodann eine Demoaufnahme anfertigen und bot den Song dem Musikverleger George Pincus an. Der ungewöhnliche Titel fand die Aufmerksamkeit von Dave Kapp, dem Plattenboss des Independent-Labels Kapp Records. Er hatte gerade für das Tochterlabel Leader den 16-jährigen High-School-Schüler Brian Hyland unter Vertrag genommen, der hier als seine erste Single Rosemary (aufgenommen am 12. Februar 1960) veröffentlicht hatte.

Vance war bezüglich der Leistung des vorgesehenen Musikproduzenten Richard Wolfe skeptisch und nahm deshalb mit Verleger Pincus an der Aufnahmesession am 6. Juni 1960 mit dem Orchester John Dixon teil. Vance kritisierte die Produktion, weil sie nach seiner Auffassung nicht nahe genug an der Demoaufnahme orientiert war, was Produzent Wolfe ablehnte. Da jedoch noch eine halbe Stunde Aufnahmezeit verblieb, konnte sich Vance mit einem zweiten Take durchsetzen. Labelchef Kapp hielt den Text zunächst für riskant, doch Vance konnte Kapp davon überzeugen, dass ein humorvoller Text nicht riskant sein könne.

Die sprachliche Konstruktion des Musiktitels „Itsy Bitsy“ gehört zu den umgangssprachlichen Reduplikationsreimen und bedeutet „klitzeklein, winzig“, abgeleitet von bit („bisschen“). Auch „teeny-weeny“ heißt „sehr klein“, abgeleitet von weeny („winzig“). „Polka dot“ bedeutet „gepunktet“ und ist seit 1857 im amerikanischen Sprachgebrauch. Das Punktemuster kam 1926 in den USA in Mode, als Miss America in einem gepunkteten Badeanzug siegte. Am 18. November 1928 trug Walt Disneys Zeichentrickfigur Minnie Maus ein rot gepunktetes Kleid im Kurzfilm Steamboat Willie, seither ist es ihr Markenzeichen. Der heutige Bikini wurde am 5. Juli 1946 vom französischen Ingenieur Louis Réard präsentiert und als „kleinster Badeanzug“ vorgestellt. Seit 1957 Brigitte Bardot ihn im Kinofilm Und immer lockt das Weib präsentierte, war er verbreitet.

Der Text erzählt die Geschichte eines Mädchens, das die Umkleidekabine nicht verlassen möchte, weil es dann zum ersten Mal seinen knappen, gelb gepunkteten Bikini zeigen würde. Nachdem sie trotzdem den Weg ins Wasser gefunden hatte, fehlt ihr der Mut, auch wieder aus dem Wasser heraus zu kommen und riskiert dabei sogar blaue Lippen. Ungewöhnlich war zum Ende der Strophe während eines instrumentalen Breaks die von Trudy Packer gesprochene Zeile „(one), two, three, four, tell the people what she wore“ (eins, zwei, drei, vier, erzähl‘ den Leuten, was sie trug). Mit dieser Überbrückung bereitet sie den Hörer auf die nächste Strophe vor.

Veröffentlichung und Erfolg[Bearbeiten]

Brian Hyland - Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini

Itsy Bitsy Teenie Weeny Yellow Polkadot Bikini / Don't Dilly Dally, Sally wurde als Single zunächst auf dem Kapp-Sublabel Leader (L # 805) veröffentlicht. Um den Verkauf anzuregen, wurde es ab Mai 1960 vom bekannteren Mutterlabel Kapp Records (# 342) vertrieben. Auf beiden Labels wird die grammatikalisch falsche Form „Polkadot“ gewählt. In den Printmedien setzte sich jedoch bald die richtige Schreibweise „Polka Dot“ (dt. Punktmuster) durch. Nach Eintritt in die US-Pop-Hitparade im Juli 1960 erreichte der Novelty Song am 8. August 1960 für eine Woche die Nummer Eins, in Großbritannien Rang 8. Er verkaufte innerhalb von nur zwei Monaten eine Million,[2] insgesamt über 2 Millionen Exemplare[3] und entwickelte sich zum Sommerhit des Jahres 1960.[4] Das Lied löste einen Verkaufsboom für Bikinis in den USA aus.[5]

Im Kinofilm Where the Boys Are (Premiere: 28. Dezember 1960) wurde die Bikini-Kultur danach auch in den USA aufgegriffen.[6] Im Film Eins, Zwei, Drei von Billy Wilder (deutsche Premiere: 18. Dezember 1961) wird das Lied verwendet, um einen von Horst Buchholz gespielten, vermeintlichen US-amerikanischen Spion durch ständiges Vorspielen des Liedes durch Schlafentzug zu foltern und so zum Geständnis zu zwingen.

Coverversionen[Bearbeiten]

Mit seinem Lied, übersetzt in mindestens 14 Sprachen, hat Hyland den Bikini unsterblich gemacht.[7] Unter den mindestens 86 Coverversionen sind zu erwähnen Paul Rich (Juli 1960) oder Ronnie Cord, der unter dem Titel Biquíni de Bolinha Amarelinha Tão Pequenininho eine brasilianische Version herausbrachte (LP Ronnie Cord, Copacabana CLP 11.164; Oktober 1960).

Eine deutsche Übersetzung mit einem Text von Günter Loose wurde zunächst durch den Club Honolulu (Caterina Valente und Bruder Silvio Francesco; aufgenommen am 30. Juli 1960 in Brüssel) unter dem Titel Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strandbikini bekannt; er wurde über 250.000 Mal verkauft.[8] Diese Übersetzung nutzten auch Jan & Kjeld (Dezember 1960). Club Honolulu erreichte in den deutschen Charts ebenfalls den ersten Platz.[9] Dieser „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ inspirierte 1987 die Band Die Toten Hosen zu einer Punk-Version auf ihrem Album Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen.

Dalida war mit der französischen Version Itsi bitsi, petit bikini ab 12. Dezember 1960 für vier Wochen auf Rang eins in der französischen Hitparade, gleichzeitig veröffentlicht mit Johnny Hallydays Cover (September 1960). Innerhalb eines Medleys kommt der Hit auf Stars on 45 vor (16. Mai 1981). Bombalurina brachten ihre Fassung für drei Wochen auf den ersten Rang der britischen Charts (August 1990) und machten ihn nochmals zum Millionenseller.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fred Bronson, The Billboard Book of Number One Hits, 1985, S. 72
  2. Life-Magazin vom 22. August 1960, Nothing Itsy Bitsy About a Hit, S. 40
  3. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 143
  4. Peter E. Berry, …And The Hits Just Keep on Coming, 1977, S. 49
  5. Bikinis Exposed: Happy 60th Anniversary! Abgerufen am 20. März 2013.
  6. Claudia Mitchell/Jacquelin Reid-Walsh, Girl Culture, 2008, S. 182
  7. Valerie Steele, The Berg Companion to Fashion, 2010, S. 78
  8. Der Musikmarkt, 30 Jahre Single-Hitparade, 1989, S. 11
  9. Club Honolulu - Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strand Bikini. Abgerufen am 18. März 2013.