Eins, Zwei, Drei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Eins, Zwei, Drei
Originaltitel One, Two, Three
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Deutsch
Erscheinungsjahr 1961
Länge 115 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Billy Wilder
Drehbuch Billy Wilder
I.A.L. Diamond
Produktion Billy Wilder / Mirisch Corporation / United Artists
Musik André Previn
Kamera Daniel L. Fapp
Schnitt Daniel Mandell
Besetzung

Eins, Zwei, Drei ist eine US-amerikanische Screwball Comedy von Billy Wilder, die vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts spielt. Wilder verfasste zusammen mit I.A.L. Diamond auch das Drehbuch, für das sie das Bühnenstück Eins, zwei, drei (Originaltitel: Egy, kettő, három) von Ferenc Molnár aus dem Jahr 1929 adaptierten und die Handlung in das geteilte Berlin verlegten. Die Dreharbeiten fanden von Juni bis September 1961 in Berlin und in München statt.

Handlung[Bearbeiten]

C. R. MacNamara ist Direktor der Coca-Cola-Filiale in West-Berlin vor dem Mauerbau. Da er Europachef in London werden möchte, plant er, das Brausegetränk auch hinter dem Eisernen Vorhang zu vertreiben. Doch W. P. Hazeltine, der Vorstandsvorsitzende in Atlanta, will mit den Kommunisten keine Geschäfte machen und lehnt dies ab. Er bittet MacNamara stattdessen, seine Tochter Scarlett während deren Berlin-Visite zu betreuen. Widerwillig stimmt MacNamara zu. Eigentlich sollte seine Frau mit den Kindern verreisen und so hätte er Gelegenheit gehabt, mehr Zeit mit seiner jungen hübschen Sekretärin Ingeborg zu verbringen.

Scarletts Besuch verläuft zunächst reibungslos, bis sie eines Tages plötzlich verschwunden ist. Ausgerechnet nun kündigen Scarletts ahnungslose Eltern für den nächsten Tag ihren Besuch in West-Berlin an. Als Scarlett wieder auftaucht, stellt sich heraus, dass sie heimlich Otto Ludwig Piffl, einen linientreuen und gutaussehenden Jungkommunisten aus Ost-Berlin geheiratet hat. MacNamara sieht seine Karriereträume bedroht und fädelt deshalb mit Hilfe seines unterwürfigen Assistenten Schlemmer eine Intrige ein, um Piffl wieder loszuwerden: der Kommunist Piffl wird als vermeintlicher Westspion am Brandenburger Tor von den ostdeutschen Grenzwächtern verhaftet und der Volkspolizei übergeben. Um die Eheschließung rückgängig zu machen, arrangiert McNamara heimlich außerdem im Ostberliner Standesamt die Aufhebung der Ehe. Aber der Schuss geht nach hinten los: Als Scarlett erfährt, was mit Otto geschehen ist, bricht sie zusammen. Zu allem Unglück stellt sich auch noch heraus, dass sie von Piffl schwanger ist. Ein uneheliches Enkelkind ohne Vater wäre für den erzkonservativen Mr. Hazeltine aber noch schlimmer als ein kommunistischer Schwiegersohn und damit das Ende von MacNamaras Laufbahn. Daher muss nun die Annullierung der Ehe wieder rückgängig gemacht, Piffl aus den Fängen der Volkspolizei befreit und der Jungkommunist innerhalb weniger Stunden in einen standesgemäßen Schwiegersohn verwandelt werden.

Mr. und Mrs. Hazeltine sollen bereits am Mittag desselben Tages eintreffen, um Scarlett abzuholen. In der knapp bemessenen Zeit bis dahin stattet MacNamara Otto Piffl mit einer umfassenden Herrenkollektion aus und lässt ihn durch einen verarmten Adeligen adoptieren, um ihm einen vorzeigbaren Namen zu geben. Piffls eiserne Gesinnung gerät aber nicht so leicht ins Wanken. Doch aus Liebe zu Scarlett gibt er seine ideologischen Dogmen nach und nach auf und fügt sich schließlich MacNamaras Plänen.

Piffls Verwandlung ist am Ende so perfekt, dass Mr. Hazeltine anstelle von MacNamara seinen neuen Schwiegersohn zum Direktor des europäischen Marktes befördert. Aber auch MacNamara wird befördert und in die Konzernzentrale nach Atlanta versetzt. So ist nun auch seine Ehe gerettet - seine Frau wollte ohnehin schon lange mit den Kindern zurück in die USA.

Filmmusik[Bearbeiten]

Filmmusik ist der Säbeltanz aus dem Ballett Gajaneh von Aram Chatschaturjan (1946). Piffl wird von der ostdeutschen Polizei durch pausenloses, für ihn qualvolles Anhören des Schlagers Itsy Bitsy Teeny Weeny Yellow Polka Dot Bikini zu dem „Geständnis“ gezwungen, dass er ein amerikanischer Spion sei, während Friedrich Hollaender in einem Gastauftritt im „Grand Hotel Potemkin“ (angeblich in Ost-Berlin, aber in Wirklichkeit die nur noch als Ruine existierende Fassade des ehemaligen Anhalter Bahnhofs in Berlin-Kreuzberg) den Schlager Ausgerechnet Bananen dirigiert. Henning Schlüter, der als Hausarzt der MacNamaras die Schwangerschaft der Hazeltine-Tochter feststellt, wird aus einer Aufführung von Wagners Walküre herausgerissen und stimmt fortwährend die Melodie von Wagners Walkürenritt an. Im englischen Original prägt er sich so die Übersetzung "Schwanger is pregnant" ein, Deutsch singt er "Schwanger ist prächtig".

Hintergrund[Bearbeiten]

Schauplatz des Kinofilms ist die geteilte Stadt Berlin vor dem Mauerbau. Die damals noch weitgehend durchlässige Sektorengrenze war als Handlungsort von großer Bedeutung. Noch während der Dreharbeiten, die von Juni bis September 1961 dauerten, wurde am 13. August mit dem Bau der Mauer begonnen. So war es nicht möglich, am Brandenburger Tor zu drehen. Das Tor wurde mit großem Aufwand schließlich als Kulisse auf dem Bavaria-Film-Gelände in Geiselgasteig nachgebaut. Jedoch waren die in dem Film gezeigten Verhältnisse auf einen Schlag nicht mehr aktuell.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Film war 1962 für einen Oscar (Beste Schwarzweiß-Kameraführung), zwei Golden Globes (Bester Film, Pamela Tiffin als Beste Nebendarstellerin) und den Laurel Award als Spitzenkomödie (Top Comedy) nominiert, konnte aber keine dieser Auszeichnungen gewinnen.

Bei Publikum und Teilen der Kritik war der Film zunächst weder in den USA noch in Deutschland erfolgreich. Dies lag wohl vielleicht daran, dass das breite Publikum aufgrund der Aktualität des Kalten Krieges kein Interesse an einer satirischen Darstellung der Thematik hatte, so bezeichnete ihn zum Beispiel die B.Z. damals als den „scheußlichsten Film über Berlin“.[1] Als der Film 1985 in Frankreich und Deutschland wiederaufgeführt wurde, entwickelte er sich insbesondere in West-Berlin zum Publikumshit. Heute wird er von der Kritik überwiegend positiv beurteilt und er gilt als einer der besten Filme über den Kalten Krieg.[1]

Einzelkritiken[Bearbeiten]

„Billy Wilders "Eins, zwei, drei" ist eine temporeiche, schrille, bissige und zugleich leichtherzige Farce vollgestopft mit aktuellen Gags und gewürzt mit satirischen Obertönen. Sie ist so furios schlagfertig, dass ein Teil ihres Witzes sich gegenseitig überlagert und untergeht.“

Variety, 1961 [2]

„Billy Wilder drehte 1961 in Berlin die Filmkomödie „Eins, zwei, drei“, die derzeit als sogenannte Wiederentdeckung in die Off-Kinos gebracht wird.[...] Der Dümmlichkeit der Geschichte entspricht auch die Art der Komik: Sie spekuliert mit der Dummheit in den Köpfen.[...] Das sogenannte Szenen-Publikum, das die Off-Kinos besucht, genießt an diesen alten Schinken unverhohlen gerade das, was es bei neuen Werken aufs schärfste übelnehmen würde.[...] Aber lassen wir es, weiter aus dem Film zu zitieren; es gibt angenehmere Brechmittel. Dieser Film mit seiner reaktionären Komik paßt allerdings in das momentane geistige Klima in unserer Republik...“

Die Zeit, Mai 1985 [3]

„Vor allem "Eins, zwei, drei" (1961), dieser Irrwitz von einer Komödie, in der Liselotte Pulver den Kalten Krieg im Pünktchenkleid Schachmatt tanzt. Bis heute hat kein anderer Film den Ost-West-Konflikt so gemein als Kampf zwischen Managern und Funktionären, Coca-Cola und Beluga-Kaviar auf den Punkt gebracht.“

die tageszeitung, März 2000 [4]

„Noch heute kann man sich mit Eins, Zwei, Drei (1961) intelligent amüsieren [...] Kein Kultur-Klischee über Deutsche und Amerikaner, Kommunisten und Kapitalisten wird ausgespart, aber eben so ironisch gespiegelt, wie es nur Wilder, der Berliner aus Hollywood, konnte. Allein wegen Lilo Pulver lohnt es sich, diesen Film 44 Jahre später immer wieder anzuschauen. Sekretärin und Geliebte von McNamara, spielt die ansonsten als Quietschente berühmt gewordene Pulver den Part so sexy wie selbstironisch – subtiler als Mae West, witziger als Marilyn Monroe in Manche mögen’s heiß.“

Die Zeit, August 2005 [5]

„Sofort ausgelassen und ironisch, anspruchsvoll und vulgär, unter den Klängen des Säbeltanzes von Chatschaturjan marschierend mit einem Trommelfeuer von Gags zelebriert "Eins, zwei, drei" während es den amerikanischen Kulturimperialismus karikiert. James Cagney vollendet seine Karriere, indem er eine komische Variante des Ugly American spielt. Der große Gangster der frühen 30er Jahre ist hier ein größenwahnsinniger Chef der Berliner Coca-Cola-Filiale, der davon träumt neue Märkte hinter dem eisernen Vorhang zu erschließen.“

Village Voice, Januar 2006 [6]

„...mit einer hinreißenden in atemberaubenden Tempo durchgehaltenen Ost-West-Farce "Eins, zwei, drei". Der Film [...] war eine Screwball Comedy im besten 30er-Jahre Stil: frech, dialogsicher, eine süffisante Aufbereitung aller nur denkbaren Vorurteile und Klischees. Kapitalisten und Kommunisten, Amerikaner, Russen, Deutsche, Männer und Frauen - jede vermeintlich nationale, ideologische oder geschlechterspezifische Eigenart und Verhaltensweise wurde karikiert und persifliert. Zudem gab ein ununterbrochen unter Dampf stehender hochgradig impulsiver James Cagney als Coca-Cola Chef in Europa zum (vorläufigen) Abschluss seiner Laufbahn die umwerfendste komische Performance seiner gesamten Karriere. Zwei Jahrzehnte später (Anfang der 80er Jahre) wurde das kleine (in schwarz-weiß gedrehte) Meisterwerk ein Überraschungshit in den deutschen Programmkinos und als Wiederentdeckung gefeiert.“

Kay Weniger, 2011 [7]

Sonstiges[Bearbeiten]

ehemalige Coca-Cola-Niederlassung in Berlin-Lichterfelde, Oktober 2013
  • Die ehemalige, seit 1992 verlassene Coca-Cola-Niederlassung in der Hildburghauser Straße 224 in Berlin-Lichterfelde ist noch heute zu besichtigen; sie diente (ebenfalls als Coca-Cola-Zentrale) 2003 dem Film Good Bye, Lenin als Kulisse. Das mit den Jahren verfallene, denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit vom Eigentümer und mit Fördergeldern des Landesdenkmalamtes Berlin Stück für Stück instandgesetzt. Es wurde von der Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf zum Denkmal des Monats Juni 2012 ernannt.[8] Heute befindet sich in dem Gebäude eine Kfz-Werkstatt.
  • Die drei zu Beginn linientreuen sowjetischen Kommissare, die mit Coca-Cola ins Geschäft kommen wollen und sich schließlich in den Westen absetzen, sind eine Reminiszenz an den Ernst-Lubitsch-Film Ninotschka von 1939, an dessen Drehbuch Billy Wilder maßgeblich beteiligt war.
  • Liselotte Pulver verkörpert in diesem Film eine satirische Ausgabe des Fräuleinwunders.[9]
  • Hubert von Meyerinck ist in der Originalfassung nicht zu hören, er wird von Sig Ruman (bekannt als Gruppenführer Erhardt aus Sein oder Nichtsein) synchronisiert.
  • James Cagney wiederum wurde in der deutschen Fassung von dem Schauspieler Werner Lieven, einem der meistbeschäftigten Synchronsprecher der damaligen Zeit, gesprochen, der seinerseits die deutsche Stimme von Sig Ruman in Sein oder Nichtsein war.
  • Als Otto Ludwig Piffl von der Volkspolizei vernommen wird, sprechen die Beamten in der deutschen Synchronfassung mit sächsischem Dialekt. In der US-Originalfassung sprechen sie Hochdeutsch.
  • Schlemmer erkennt in einem deutschen Journalisten seinen früheren SS-Obersturmführer wieder; in der Originalfassung hat dieser den für amerikanische Kinobesucher bekannteren (Wehrmachts-)Rang Oberleutnant.
  • Horst Buchholz und Cagney kamen sich auf dem Set mehrmals in die Quere.
  • Während der Dreharbeiten wurde Wilder von Joan Crawford, die gerade in den Aufsichtsrat von Pepsi Cola berufen worden war, erbost angerufen. Sie hatte den Posten von ihrem verstorbenen Ehemann Alfred Steele übernommen und protestierte gegen das Product Placement für Coca Cola. Wilder platzierte in seinem Film daraufhin einige Referenzen an Pepsi, so die Schlussszene, in der Cagney versehentlich Pepsi Cola für seine Familie kauft.[10]
  • Die „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“-Folter wurde später auch in dem Film Bananas verwendet.
  • Der ostdeutsche Grenzbeamte, der die Limousine mit MacNamara, Fritz, Schlemmer und Frl. Ingeborg am Brandenburger Tor kontrolliert und ein Sixpack Coca Cola als Legitimation erhält, ist Lilo Pulvers 1992 verstorbener Ehemann Helmut Schmid.

Zitate und Anspielungen[Bearbeiten]

Eins, Zwei, Drei enthält mehrere Filmzitate und Anspielungen auf andere Filme

  • Die Szene, in der MacNamara Otto damit droht, ihm eine halbe Grapefruit ins Gesicht zu drücken, zitiert Cagneys Film Der öffentliche Feind von 1931.
  • In einer kleinen Rolle als amerikanischer MP gibt Red Buttons eine Imitation von Cagney in seinen unzähligen Gangsterfilmen zum Besten.
  • Scarlett, die Tochter des Coca-Cola-Bosses, heißt so in Anspielung auf Scarlett O’Hara aus Vom Winde verweht. Beide sind in Atlanta (Georgia) beheimatet. Als McNamara seine Frau fragt, wo die verschwundene Scarlett stecken könnte, antwortet sie sarkastisch: Gone with the wind?
  • Als er erfährt, dass Scarlett schwanger ist, stöhnt James Cagney “Mother of mercy, is this the end of (little) Rico?” Es handelt sich um ein berühmtes Zitat aus der Sterbeszene von Edward G. Robinson in Der kleine Cäsar (1931).
  • Die Kuckucksuhr spielt ständig das bekannte amerikanische Lied Yankee Doodle. In dem Film Yankee Doodle Dandy von 1942 spielte James Cagney in der Hauptrolle George M. Cohan, den Komponisten des gleichnamigen Musicals. Für diesen Part hatte er einen Oscar erhalten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Martin Wolf: Cola gegen Kommunisten auf Spiegel Online vom 10. August 2008
  2. One, Two, Three. Variety, 1961
  3. Gerhard Staguhn: Linker Hit von rechts. Die Zeit, 31. Mai 1985
  4. Katja Nicodemus: Nobody is perfect auf taz.de am 3. März 2000
  5. Josef Joffe: Welcher Adolf?, in: Die Zeit, 18. August 2005
  6. Joe Hoberman: Coke Classic. Wilder at heart: Cola versus communism in Cagney's good-natured Cold War comedy. Village Voice, 3. Januar 2006
  7. Kay Weniger: 'Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben ...' Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945: Eine Gesamtübersicht. ABACUS-Verlag 2011, ISBN 9783862820498, S. 540 (Auszug (Google))
  8. Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf Berlin Denkmal des Monats Juni 2012 (pdf; 2,4 MB)
  9. Thea Dorn, Richard Wagner: Die deutsche Seele. Albert Knaus Verlag 2012, ISBN 9783641068141, S. 520-521 (Auszug (Google))
  10. Joan Crawford, A Biography (1978), von Bob Thomas, S. 212, Simon and Schuster