Jacob Balde

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Jacob Balde.

Johann Jacob Balde S.J. (* 3. Januar 1604 in Ensisheim im Elsass; † 9. August 1668 in Neuburg an der Donau) war ein deutscher Jesuit und neulateinischer Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Baldes Vater war Kammersekretär der vorderösterreichischen Regierung. Er ließ den Sohn im Geist der Gegenreformation erziehen, u.a. an einem Jesuitencolleg in Ensisheim. Als 1621 der Dreißigjährige Krieg das Bistum Straßburg erreichte, floh Balde nach Ingolstadt, wo er an der dortigen Universität Philosophie und Rechtswissenschaften studierte. Schon hatte er die Rechtswissenschaft sich zum Fachstudium gewählt, als er bei einem nächtlichen Ständchen, von seiner Gefeierten unerhört und durch den Chorgesang aus einem nahen Kloster ergriffen, seine Laute zerschlug und der Welt zu entsagen beschloß.[1] Auch andere Quellen geben die unglückliche Liebe zu einer Bäckerstochter als Grund an, 1624 dem Jesuitenorden beizutreten[2].

Das Wilhelminum um 1700 nach Michael Wening

Nach zwei Jahren Ausbildung ging Balde nach München, wo er am Wilhelmsgymnasium unterrichtete und durch seine ersten poetischen Werke, zunächst Schuldeklamationen, die Aufmerksamkeit seiner Umgebung auf sich zog. Der Rektor des Münchener Collegiums, Jakob Keller, förderte seine poetische Ausbildung. Als Professor der Rhetorik 1628 nach Innsbruck versetzt hatte Balde auch dort Erfolg mit Vorträgen und dramatischen Arbeiten. Auf Anordnung des Ordens ging er zum Studium der Theologie nach Ingolstadt, wurde Zeuge der Belagerung durch schwedische Truppen und wurde 1633 durch den Weihbischof Resch von Eichstätt zum Priester geweiht.

1634 bis 1635 war Balde in München, wurde aber zum Semesterbeginn 1635 als Rhetorikprofessor an die Universität Ingolstadt entsandt, wo man ihn den „wiedererstandenen Quintilian“ nannte[1]. 1637 hatte Balde mit dem biblischen Drama Jephte einen großen Erfolg. Auf Wunsch Herzogs Alberts VI. ging Balde nach München zurück, um dessen Sohn Albrecht Sigismund zu erziehen, den späteren Bischof von Freising.

1638 wurde Balde Hofprediger des Kurfürsten Maximilian I.; nach zwei Jahren musste er die Stelle aus Krankheitsgründen aufgeben und bekam stattdessen den Auftrag, die bayrische Geschichte aufzuschreiben. Er schrieb eine Expeditio Donawerdana über Maximilians Feldzug gegen Donauwörth, doch gab er die Historiographie auf, weil der Kurfürst selbst ihm vorschrieb, was er schreiben dürfe und was nicht. Er widmete sich nun vorwiegend seinen poetischen Arbeiten und gab 1643 bis 1645 seine Oden und Lyrischen Wälder heraus, die seinen Ruhm als Lyriker begründeten.

Bereits 1638 hatte Balde die Gesellschaft der Mageren gegründet (auch Ritter vom dürren Orden), eine Vereinigung, die gegen das Übergewicht kämpfte, ein in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges exzentrisches Vorhaben. Balde selbst war extrem dünn und deswegen Zielscheibe von Spott. Er fand einflussreiche Verbündete wie etwa Herzog Albrecht VI. von Bayern. Seine eigene schwache Gesundheit war der Grund, dass man Balde 1650 nach Landshut versetzte.

Dort wie später in Amberg war er als Kanzelredner tätig, schrieb aber weiterhin, unter anderem Satiren, etwa die Medicinae gloria gegen stümperhafte Apotheker. Konfessionelle Polemik tritt in seinem Werk weitgehend in den Hintergrund. Stattdessen beklagt er immer wieder den Zerfall des Reiches, die Grausamkeiten des Krieges und – aus eigener Betroffenheit – die erzwungene Emigration (zahlreiche Gedichte auf das heimatliche Elsass).[2] 1654 wurde er nach Neuburg an der Donau versetzt, wo er anfänglich als Hofprediger, später als Beichtvater des Pfalzgrafen Philipp Wilhelm wirkte. Seine Reise von Amberg nach Neuburg glich einem Triumphzug, die Rathsherren von Nürnberg wie die Professoren zu Altdorf huldigten dem berühmten Dichter. In Neuburg schrieb Balde u. a. das allegorische Gedicht Urania victrix, für die ihm Alexander VII., dem das Werk gewidmet war, dem Dichter eine goldene Denkmünze schenkte.

Balde starb 1668 am Hof Philipp Wilhelms. Er wurde in der Neuburger Hofkirche begraben. Baldes neulateinische Dichtungen machten ihn - trotz Problemen mit der Ordenszensur der Jesuiten - über Bayern hinaus als den „deutschen Horaz“ bekannt, ein Titel, den ihm Sigmund von Birken verlieh. Er war es auch, der Baldes Satyra contra abusum tabaci, ein Pamphlet gegen das Rauchen, 1658 als Die truckene Trunkenheit übersetzte.

Eine von Fidelis Schönlaub gefertigte Büste wurde in der Münchner Ruhmeshalle aufgestellt. Zudem ist der Münchner Baldeplatz in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt nach ihm benannt.

Balde nimmt unter den neulateinischen Dichtern sowol durch die Fruchtbarkeit als durch den poetischen Gehalt seiner Schöpfungen eine ausgezeichnete Stelle ein; was den Reichthum eigenthümlicher Wendungen und geniale Composition betrifft, behauptet er nach Herder’s Urtheil sogar den Vorrang vor Horaz. In allen Dichtungsarten hat B. sich versucht, doch unterliegt es keinem Zweifel, daß er in der Lyrik das Höchste geleistet.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1635: Epithalamion
  • 1636: De vanitate mundi
  • 1638: Agathyrsus (Preis der Magerkeit)
  • 1643: Lyrica. Epodi
  • 1643: Sylvae
  • 1648: De Laudibus. B.Mariae.V. Odae Partheniae
  • 1651: Medicinae Gloria
  • 1654: Jephtias
  • 1657: Satyra contra abusum tabaci
  • 1658: Torvitatis encomium (mit Dissertatio de studio poetico)
  • 1661: Solatium podagricorum
  • 1663: Urania victrix

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Westermayer: Balde, Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 1–3.
  • Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert: Balde, Jacob. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 549 (Digitalisat).
  • Thorsten Burkard u. a. (Hrsg.): Jacob Balde im kulturellen Kontext seiner Epoche. Zur 400. Wiederkehr seines Geburtstages. (= Jesuitica – Quellen und Studien zu Geschichte, Kunst und Literatur der Gesellschaft Jesu im deutschsprachigen Raum; Band 9). Schnell & Steiner, Regensburg 2006, ISBN 3-7954-1812-7
  • Dreesbach, Anne: Jacobus (Jakob) Balde. In: Wurst, Jürgen und Langheiter, Alexander (Hrsg.): Monachia. München: Städtische Galerie im Lenbachhaus, 2005. S. 64-65. ISBN 3-88645-156-9
  • Gerhard Dünnhaupt: Jacob Balde S.J. (1604-1668). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock. Band 1. Hiersemann, Stuttgart 1990, ISBN 3-7772-9013-0, S. 378-400 (Werk- und Literaturverzeichnis)
  • Jürgen Galle: Die lateinische Lyrik Jacob Baldes und die Geschichte ihrer Übertragungen. Münster 1973
  • Anton Henrich: Die lyrischen Dichtungen Jacob Baldes. (= Quellen und Forschungen, Bd. 122). Straßburg 1956
  • Urs Herzog: Divina poesis. Studien zu Jacob Baldes geistlicher Odendichtung. Tübingen 1976
  • Wilfried Stroh: Baldeana. Untersuchungen zum Lebenswerk von Bayerns größtem Dichter. Herbert Utz, München 2004, ISBN 3-8316-0347-2
  • Westermayer, Georg: Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke. Amsterdam 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Georg Westermayer: Balde, Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 1–3.
  2. a b http://www.zeno.org/Literatur/M/Balde,+Jacob/Biographie

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Jacob Balde – Quellen und Volltexte
 Commons: Jacob Balde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien